Daimlers "Attention Assist" warnt bei Übermüdung

 
Von Thomas Jungmann | Redaktion ATZonline.de
Anzeige
14.12.2007 - 

Bei Mercedes-Benz beginnt die letzte Erprobungsphase eines neuartigen Assistenzsystems, das Autofahrer rechtzeitig vor Übermüdung und dem gefürchteten Sekundenschlaf warnen soll. Mit Hilfe verschiedener Sensoren analysiert das "Attention Assist" genannte System das Fahrerverhalten und erkennt, wenn sich der persönliche Fahrstil müdigkeitsbedingt ändert. Tritt dieser Fall ein, wird der Fahrer daran erinnert, eine Pause einzulegen. Nach Abschluss aller Tests soll das System 2009 in Serie gehen.

Zu den von der Müdigkeitserkennung erfassten Messgrößen gehören neben der Geschwindigkeit sowie der Längs- und Querbeschleunigung auch die Lenkradwinkel, die Blinker- und Pedalbetätigungen sowie bestimmte Bedienhandlungen und äußere Einflüsse wie Seitenwind oder Fahrbahnunebenheiten. Als besonders aussagekräftig habe sich die Beobachtung des Lenkverhaltens erwiesen: Übermüdete Autofahrer fallen nämlich durch eine Folge typischer Lenkradbewegungen auf, die anschließend sofort wieder korrigiert werden.

Das neue Mercedes-Assistenzsystem warnt den Autofahrer frühzeitig, wenn sich sein Lenkverhalten verändert und gleichzeitig auch andere Indikatoren auf eine beginnende Übermüdung hinweisen. Ob und wann der Autofahrer gewarnt wird, hängt allerdings auch von der jeweiligen Tageszeit, der Fahrtdauer und der Fahrweise ab. Im Fall der Fälle ertönt ein Warnsignal und ein Symbol im Kombi-Instrument weist auf die wachsende Gefahr hin.

Anders als andere Verfahren zur Müdigkeitserkennung wertet das Mercedes-System eine Reihe von Indikatoren aus, um die Aufmerksamkeit von Autofahrern zu beurteilen und den gleitenden Übergang vom Wachzustand zur Ermüdung zu erkennen. Bei jeder Fahrt beobachtet der Attention Assist permanent typische Verhaltensmuster des Fahrers und ermittelt auf diese Weise ein individuelles Profil, das als Grundlage für die Müdigkeitserkennung dient. Bei deutlichen Abweichungen von den gespeicherten Erfahrungswerten stellt das System fest, ob Anzeichen für eine beginnende Müdigkeit vorliegen oder nicht.

Die Entwicklung dieses Assistenzsystems begann mit einer Versuchsreihe im Berliner Fahrsimulator. Es folgten Tag- und Nachtfahrten auf Autobahnen, an denen bis heute laut Mercedes über 420 Testpersonen teilnahmen. Sie legten bisher insgesamt mehr als 500.000 Kilometer zurück. Dauererprobungen in verschiedenen Klimazonen, im Stadtverkehr, auf Schlechtwegstrecken und bei Langstreckenfahrten runden das Testprogramm des Attention Assist ab. Zum Mercedes-Entwicklungsteam gehören neben Ingenieuren auch Kybernetiker, Mathematiker, Informatiker und Psychologen.