Innovation

Die Welt der Plug´n Play Worker

 
Mathias Schürmann ist Springer-Autor, Dozent und ehemaliger Coworker. Er ist zudem Teilhaber der Werbeagentur Rocket.
25.07.2013 - 

Coworking Spaces bieten den jungen Wissensarbeitern Raum für Vernetzung und Wissenstransfer. Springer-Autor und ehemaliger Coworker Mathias Schürmann erklärt im Interview wie der Trend die Wirtschaft verändert.

Von Das Interview führte Andreas Nölting | Redaktion Springer für Professionals
  • Springer für Professionals: Was verstehen Sie unter Coworking Spaces?

  • Mathias Schürmann: Der Begriff  ist tatsächlich noch unbekannt, dabei schießen Coworking Spaces mittlerweile wie Pilze aus dem Boden. Ich verstehe darunter ein Geschäfts- und Arbeitsmodell, das sich auf die Bedürfnisse von Entrepreneuren, Kreativ- und Wissensarbeitern fokussiert. Jedem Coworking Space liegen die fünf Kernwerte Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit und Zugänglichkeit zugrunde. Neben dem Arbeitsraum steht der Aufbau eines Netzwerks für Wissensaustausch, Innovation und Weiterbildung im Vordergrund, welches die Coworker in ihrer Unternehmertätigkeit weiterbringt. Es ist wichtig, dass Coworking Spaces nicht nur als Bürogemeinschaften verstanden werden. Neben einem Arbeitsplatz als Kernleistung bieten Sie  Netzwerkpflege, Wissenstransfer sowie Startup- und Innovationsförderung.

  • Wie verändert sich die Arbeitswelt?

  • Technologische Innovationen, allen voran internetbasierte Dienstleistungen, beschleunigen die Veränderung der Arbeitswelt. Es entstehen neue Organisations- und Arbeitsformen sowie innovative Geschäftsmodelle. Gleichzeitig kommt der Projektwirtschaft, darunter sind temporäre, kooperative und oftmals globale Wertschöpfungsprozesse zu verstehen, eine immer bedeutendere Rolle zu. Unternehmen werden künftig wohl weniger Mitarbeiter fest einstellen, sondern auf unabhängige kurzfristig verfügbare Projektmitarbeiter setzen. An die Stelle von klassischen, hierarchischen Organisationen treten flache, projektbezogene und netzwerkartige Strukturen. Damit gelangen wir vielleicht dorthin, wo wir Ende vorletzten Jahrhunderts waren, bei einer Wirtschaft mit vornehmlich kleinen und mittleren Unternehmen, das heisst Freiberuflern und Micropreneuren. Und dann wären wir wieder beim Geschäftsmodell Coworking Space, denn mit den Anforderungen von Kleinunternehmen aus dem Dienstleistungssektor sind Coworking Spaces besonders kompatibel.

  • Wie ticken die jungen Wissensarbeiter?

  • Sie ticken im Gleichtackt mit dem Coworking Space Konzept. Die jungen, nach 1980 zur Welt gekommenen Wissensarbeiter gehören zur Generation der sogenannten Digital Natives. Sie sind mit dem Internet und digitalen Technologien aufgewachsen. Geprägt sind die jungen Wissensarbeiter zudem vom gesellschaftlichen Trend nach mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Coworking Spaces bilden die idealen Wirkungsstätten dieser neuen Generation von Plug ’n Play Workern.

  • Wie stehen Großkonzerne zum Modell Coworking Spaces?

  • Im Zuge der rund zweijährigen Arbeit für mein Buch durfte ich den Begriff auch Unternehmern und Professoren erklären,  die noch nie etwas von Coworking Space gehört haben. Ich gehe davon aus, das der Begriff für die meisten Manager Neuland ist. Einige Vorreiter wie Google, Daimler oder die Schweizerischen Bundesbahnen haben sich das Konzept  bereits erfolgreich zu Nutze gemacht. Bestimmt besteht jedoch bei Grosskonzernen  noch ein enormes Potenzial.
  • Wie wird sich die Unternehmenslandschaft durch diesen Trend ändern?

  • Ich bin überzeugt, dass Coworking Spaces das Potenzial besitzen, Veränderungen in der Wirtschaft zu beschleunigen, Jungunternehmern den Weg in die Selbstständigkeit zu ebnen und Micropreneure mit einem neuen Arbeitsmodell zu beflügeln. Wissen und Kreativität bilden die Rohstoffe der Zukunft. Der Aufbau eines persönlichen Netzwerks darf als nachhaltige Investition betrachtet werden. Gut vorstellbar, dass Coworking Spaces sogar eine Rolle bei einem möglichen wirtschaftlichen Paradigmenwechsel spielen – weg vom Homo oeconomicus hin zum Homo cooperativus.