Lassen sich mit dem Internet Wählerstimmen gewinnen?

Befunde zu drei deutschen Wahlen

Zeitschriftenartikel: Publizistik   Ausgabe 01/2013  Seite 23-44
Autor(en): Prof. Dr. Frank Marcinkowski, Julia Metag
Quelle: Springer Fachmedien Wiesbaden (2013)

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Zusammenfassung

Das Internet hat sich als Wahlkampfmittel bei Parteien und Kandidaten auch in Deutschland fest etabliert. Wähler nutzen es zur politischen Information dagegen bisher nur in geringem Maße. Ob der Einsatz des Internets im Wahlkampf zu Stimmengewinnen führt, ist fraglich. Obwohl statistische Belege für entsprechende Zusammenhänge vorliegen, ist der Mechanismus, der hinter diesen Zusammenhängen steht, noch weitgehend ungeklärt. Handelt es sich um Persuasionseffekte, um Mobilisierungserfolge oder um schlichte Scheinkorrelationen? Eine entsprechende Analyse steht für Deutschland noch aus. Auf Basis von drei Kandidatenbefragungen zu Wahlkämpfen bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen präsentiert der vorliegende Beitrag neue Befunde zur Frage, ob das Internet deutschen Politikern hilft, Wählerstimmen zu gewinnen, und welche Mechanismen für einen positiven Effekt verantwortlich sein können. Multivariate Analysen zeigen, dass auf allen föderalen Ebenen strukturelle Merkmale wie die Parteizugehörigkeit und der politische Status der Kandidaten signifikante Prädiktoren des Wahlerfolgs sind. Der Einsatz von Online-Medien hat nur bei Bundestagswahlen Wirkungen auf den Wahlausgang. Der Effekt zeigt sich überdies nur für Web-1.0-Anwendungen und nicht für interaktive Web-2.0-Instrumente.