Marktbereinigung bei Herstellern von Lithium-Ionen-Batterien

 
Von Gernot Goppelt | Redaktion ATZonline.de
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05.10.2011 - 

Nach Auffassung der Unternehmensberatung Roland Berger wird der weltweite Markt für Lithium-Ionen-Batterien in Elektrofahrzeugen bis 2015 ein Volumen von knapp 9 Milliarden Euro erreichen – derzeit sind es etwa 1,5 Milliarden Dollar. Damit verbunden seien "massive Überkapazitäten": Die Produktion werde in den kommenden Jahren die Nachfrage um mehr als das Doppelte übersteigen, mit der Folge einer Marktkonsolidierung: AESC, LG Chem, Panasonic/Sanyo, A123 und SB LiMotive werden demnach 80 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. 

Roland Berger erwartet, dass das Light Vehicle-Segment (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) im Jahr 2015 über 80 Prozent des gesamten Marktwerts für Lithium-Ionen-Batteriesysteme ausmacht. Bis dahin würden weltweit 2,5 Millionen Hybridfahrzeuge, 300.000 Plugin-Hybrid-Fahrzeuge und 500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr produziert. Japanische und koreanische Autohersteller werden laut Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger Strategy Consultants, weiterhin alles daran setzen, sich als weltweit führende Anbieter alternativer Antriebstechnologien zu etablieren. Ihr Anteil an der weltweiten Produktion werde sich 2015 auf 40 Prozent belaufen. Da aber in den asiatischen Werken überwiegend Hybridfahrzeuge, vor allem Fahrzeuge mit Nickel-Metall-Hybrid-Akkus, gebaut werden, werde der Anteil dieser Region am Lithium-Ionen-Batterie-Markt für Light Vehicles unter 15 Prozent bleiben.

Bei elektrisch angetriebenen Bussen übernimmt China eine Vorreiterrolle. Roland Berger schätzt, dass 2015 rund 80 Prozent der produzierten Lithium-Ionen-Batterien für Busse in China verkauft werden. Der chinesische Pkw-Elektrofahrzeugmarkt werde sich dagegen zunächst langsamer als in den westlichen Märkten entwickeln. Das liege vor allem an den geänderten Prioritäten der chinesischen Regierung, die im ersten Schritt Hybridfahrzeuge im Fokus hat und reine Elektroantriebe sowie Plug-In-Hybride mit Priorität 2 versehen hat. Im Bereich Nutzfahrzeuge entfällt der größte Wachstumsanteil auf die Elektrifizierung von Pickups und Lieferwagen der amerikanischen Kategorien 3 und 4. Die meisten großen Nutzfahrzeughersteller haben Hybridantriebssysteme in ihrer Modellpalette bereits fest eingeplant.

Über 100 Unternehmen sind zurzeit weltweit auf dem Markt für Lithium-Ionen-Batterien für Fahrzeuge aktiv. Für das Jahr 2015 erwarten die Roland Berger-Experten, dass die Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien mehr als doppelt so hoch wie die Nachfrage sein werden. "Die Batteriehersteller haben ihre Expansion zum Teil zu großzügig geplant; die Nachwirkungen sind schon jetzt zu spüren", sagt Bernhart. "Wir werden daher in den kommenden Jahren eine deutliche Konsolidierung des Markts erleben." So werden laut der Studie 2015 fünf führende Anbieter knapp 80 Prozent des Markts unter sich aufteilen: AESC (26%), LG Chem (18%), Panasonic/Sanyo (15%), A123 (14%) und SB LiMotive (6%).

Dabei werde AESC, das Joint Venture von Renault-Nissan und NEC, den Akku-Markt für Light Vehicles anführen, wenn es Renault-Nissan gelingt, sein Ziel von 500.000 verkauften Elektrofahrzeugen bis 2015 zumindest in großen Teilen zu erreichen. Die wichtigste Hürde dafür sei die Akzeptanz der Verbraucher für Elektroautos. Fehle sie, gerate die gesamte Branche in erhebliche Schwierigkeiten. A123 werde hingegen Marktführer bei Nutzfahrzeugen und Bussen. Das Unternehmen sei aufgrund guter Beziehungen zu den Automobilherstellern, den Antriebsherstellern und den Flottenkunden gut aufgestellt, um diese Segmente zu erobern. A123 ist zudem ein gefragter Batteriezulieferer für Light Vehicles. Schwierig werde es vor allem für kleinere Anbieter, die sich 2015 rund zwei Prozent des globalen Markts aufteilen werden. Damit diese sieben bis acht Kleinanbieter überleben können, müssten sie ein bestimmtes Marktsegment erobern und ein oder zwei große Kunden für sich gewinnen. Alternativ müssten sie mit einem komplementären Unternehmen fusionieren.

Nicht zu unterschätzen sei außerdem die zunehmende Konkurrenz aus China auf dem Batteriemarkt – bis 2015 werden laut Roland Berger chinesische Hersteller über acht Prozent des Markts für sich in Anspruch nehmen. Doch es gehe um mehr: Bis 2020 werde sich China wahrscheinlich zum größten Markt für E-Mobilität entwickeln – Chance und Herausforderung zugleich: "Batteriehersteller müssen sich auf dem chinesischen Markt gut positionieren, um ihren langfristigen Erfolg zu sichern", sagt Wolfgang Bernhart. "Dies erfordert ein völlig anderes strategisches Vorgehen der Akku-Hersteller."