Mercedes entwickelt Sprinter mit Diesel/Elektro-Hybridantrieb

 
03.08.2004 - 

Mercedes-Benz will auf der IAA Nutzfahrzeuge ein Fahrzeug der Baureihe Sprinter vorstellen, das von einem Hybridkonzept basierend auf der Verbindung von Dieselmotor und Elektromotor angetrieben wird. Zur lokalen Emissionsfreiheit und Geräuscharmut im Stadtverkehr kommen Verbrauchsvorteile, die der Hersteller auf zehn bis 50 Prozent beziffert. Der Sprinter mit zunächst als "Plug In" vorgesehenem Elektromotor hat eine Steckdose, über die seine Batterien - nachts beispielsweise - auch bei abgeschaltetem Motor geladen werden können. Daneben ist auch ein Hybrid Sprinter ohne Ladesteckdose geplant.

Bei den beiden Sprinter-Hybridversionen wird zwischen Getriebe und Kupplung ein Elektromotor in den Antriebsstrang integriert. Er bezieht seine Energie aus einer Nickel-Metallhydrid (NiMH)-Batterie, die er als Generator während der Fahrt durch die beim Bremsen oder bei Bergabfahrt entstehende Energie wieder auflädt (Rekuperation). Als Basisfahrzeug dient ein Sprinter 311 CDI mit Automatikgetriebe und 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht (Leergewicht 1,96 Tonnen).

Durch die parallele Anordnung von Verbrennungs- und Elektromotor kann der Hybrid-Sprinter in jeder Situation optimiert betrieben werden: emissionsfrei und lärmarm in sensiblen Bereichen (im Stadtverkehr oder in Hallen) im reinen Elektrobetrieb sowie kraftstoffreduzierend im Hybridbetrieb durch die Unterstützung des Verbrennungsmotors durch den Elektromotor bei niedrigen Geschwindigkeiten und bei Beschleunigungsvorgängen. Wird durch Durchtreten des Gaspedals volle Leistung abgefordert, arbeiten beide Motoren gemeinsam. Diese so genannte Boost-Funktion bietet sich an, wenn beim Beschleunigen oder am Berg besonders viel Leistung benötigt wird. Im normalen Fahrbetrieb kann der Fahrer per Knopfdruck die gewünschte Antriebsart wählen.

Beim "Plug-In"-Hybridantrieb ist im Mercedes-Benz Sprinter ein Elektromotor mit 70 kW Leistung mit dem Dieselaggregat kombiniert. Die NiMH-Batterie hat eine Kapazität von 14 kWh und erlaubt eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern im reinen Elektrobetrieb. Die Batterie wird über das öffentliche Stromnetz geladen. Bei leerer Batterie kann das etwa sechs Stunden dauern. Zusätzlich wird die beim Bremsen gewonnene Energie zum Aufladen der Batterie verwendet. Handwerker oder Organisationen wie Technisches Hilfswerk und Feuerwehr können zudem im Außeneinsatz den Elektromotor als Generator mit einer Leistung bis 40 kW zum Betreiben von Werkzeugen und Aggregaten nutzen. Die zusätzliche elektrische Ausrüstung wiegt rund 350 kg. Bei Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien anstelle der NiMH-Batterien reduziert sich das Mehrgewicht auf 160 kg.

Der Sprinter mit Hybridantrieb ohne Lade-Steckdose verfügt über einen kleineren Elektromotor mit 30 kW und kleinere Batterien mit nur 3 kWh Kapazität. Sie ermöglichen einen reinen Elektroantrieb mit einer Reichweite von drei bis vier Kilometern. Das Mehrgewicht dieser einfacheren Variante beträgt rund 100 kg.

Nicht verschwiegen werden dürfen bei einer ganzheitlichen Betrachtung des Hybridantriebs ein Verlust an Nutzlast sowie Mehrkosten bei der Anschaffung, bedingt durch den zweiten Antrieb. Nach Ansicht des Herstellers gewinnt diese Art des Antriebs gleichwohl aufgrund von künftig zu erwartenden, immer strengeren Emissionsvorschriften, wegen Einfahrvorschriften in Innenstädte, mit Blick auf Maut und Kraftfahrzeugsteuern sowie generell mit dem Ziel einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs weltweit an Bedeutung. Der Mercedes-Benz Sprinter mit "Plug-In"-Hybridantrieb wird auf der IAA 2004 ausgestellt und ist für eine kundennahe Erprobung vorgesehen, die bereits im kommenden Jahr starten soll.

Quelle: Laurin Paschek | Redaktion ATZonline.de