Neue Modellvariante des Mercedes SLR McLaren

 
Von Thomas Jungmann | Redaktion ATZonline.de
Anzeige
31.08.2006 - 

Weitgehend in Handarbeit und auf 150 Exemplare limitiert entsteht in Woking, am Stammsitz der englischen Formel1-Schmiede McLaren, der neue 478 kW starke Mercedes-Benz SLR McLaren 722 Edition. Die in mehr als 300 Teilen geänderte Kleinserie des Flügeltürers besitzt, verglichen mit dem SLR, durch eine höhere Leistung, dynamischere Fahrwerksabstimmung sowie eine verbesserte Aerodynamik noch mehr reinrassige Rennsport-Attribute.

Die Bezeichnung der neuen Modellvariante lehnt sich an den legendären Sieg bei dem italienischen Langstreckenklassiker Mille Miglia im Jahr 1955 an, den Stirling Moss und sein Beifahrer Dennis Jenkinson auf dem Mercedes-Benz 300 SLR mit der Startnummer 722 (für die Startzeit um 7:22 Uhr) errangen. In der Motorenwerkstatt von Mercedes-AMG in Affalterbach wird das Herzstück des SLR 722 Edition, der 5,5-Liter-V8-Kompressormotor nach dem Prinzip "One man, one engine" von Hand montiert. Zu den besonderen Stärken dieses Hochleistungsmotors mit Dreiventiltechnik zählt der Hersteller neben dem unverwechselbaren V8-Klang sein äußerst spontanes Ansprechverhalten auf Gaspedalbewegungen sowie den druckvollen Drehmomentaufbau über die gesamte Drehzahlkurve. Das maximale Drehmoment von 820 Newtonmetern liegt bei 4.000 1/min an

So absolviert der SLR 722 Edition den Spurt von null auf 100 km/h in lediglich 3,6 Sekunden, 0,2 Sekunden schneller als der SLR. Während der Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 200 vergehen 10,2 und weitere 17,8 Sekunden, bis die Tachonadel die 300-km/h-Marke erreicht. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 337 km/h liegt die Edition 3 km/h über der des SLR. Das Zusammenspiel des Motors mit der Schaltung (5-Gang-Automatik AMG-Speedshift) wurde neu angepasst. Für die unterschiedlichen Fahrmodi M (Manuell) und S (Sport) auf der einen sowie C (Comfort) auf der anderen Seite steht jetzt jeweils eine unterschiedliche Fahrpedalkennlinie mit der optimalen Abstimmung auf die jeweils verschiedenen Betriebsbedingungen zur Verfügung.

Ausgangspunkt für die neue Fahrwerksabstimmung des SLR 722 Edition war das bestehende Setup des SLR-Aluminium-Fahrwerks. Seine straffer abgestimmten Federraten und Stoßdämpferkennungen - die Karosserie wurde vorne und hinten um jeweils 10 Millimeter abgesenkt - sorgen bei gleichzeitig verbesserter Fahrdynamik für die erhöhte Fahrstabilität. In Kurven sollen sich die Wankbewegungen um mehr als 20 Prozent verringern. Auf dem Weg dorthin durchliefen verschiedene Chassis-Parameter wie Federung und Dämpfung in einem ersten Schritt Testprogramme auf dem Formel1-Prüfstand in Woking. Die weitere Verfeinerung und endgültige Festlegung der neuen Abstimmung erfolgte nach Angaben der Fahrwerksspezialisten später auf der Straße sowie vor allem auf der Rennstrecke.

In puncto Aerodynamik redet Mercedes-Benz selbst von einem Kunststück. Hier wurden durch rund 100 Stund Detailarbeit im Windkanal in erster Linie Verbesserungen in den Disziplinen Downforce und cW-Wert erzielt. Normalerweise führt ein niedrigerer Luftwiderstand automatisch zu weniger Abtrieb bei höheren Geschwindigkeiten. Jedoch nicht in diesem Fall: Der SLR 722 Edition verfügt am Bug über einen so genannten Airsplitter. Die speziell geformte Spoilerkante verbessere nicht nur die Aerodynamik, sondern verstärke auch die Abtriebskraft auf der Vorderachse um 128 Prozent. Zudem reduzieren kleine Radspoiler die Luftverwirbelungen  an der Hinterachse. Gemeinsam mit der um 13 Prozent gesteigerten Antriebskraft an der Hinterachse verbessert sich die Downforce des neuen SLR 722 Edition laut Mercedes auf 122 Kilogramm.

Die "Airbrake", deren Stellwinkel an die dynamischen Fahrleistungen des Supersportlers angepasst wurde, fährt ab 120 km/h automatisch am Heck aus und soll Fahrstabilität und Bremsleistung verbessern. Sie stellt sich bei einer Vollbremsung automatisch in den Luftstrom. Durch diese Modifikation erhöht sich der Abtrieb auf der Hinterachse in Sekundenbruchteilen und kompensiert somit teilweise die dynamische Achslastverteilung beim Bremsen, die sich in diesem Moment in Richtung der Vorderachse verschiebt.