Ullrich: "Le Mans bietet uns höchstes Potenzial für Technologie-Transfer"

 
Von Thomas Jungmann | Redaktion ATZonline.de
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06.11.2006 - 

Eine Langstreckenrennen wie die "24 Stunden von Le Mans" besitzt das größte Potenzial für einen Technologie-Transfer zwischen Rennsport und Serienentwicklung - größer noch als die Formel 1. Dies äußert Wolfgang Ullrich, Motorsport-Direktor von Audi, zum Auftakt des "Global Motorsports Congress" des Springer Vieweg Technology Forums (6. und 7. November 2006 in Köln). Jüngstes Beispiel ist der neue 368 kW starke 6.0 V12 TDI im Audi Q7.

Die Entwicklung dieses Hochleistungsdiesels mit 1.000 Newtonmetern Drehmoment geht laut Ullrich wesentlich auf den 12-Zylinder-Renndiesel des Audi R10 TDI zurück, mit dem der Erfinder der TDI-Technologie den Diesel erstmals in diese Rennserie einführte.

Als sich Audi entschied, den Dieselmotor für dieses berühmte Endurance Race im französischen Le Mans zu entwickeln, war die Liste der Skeptiker lang, und das aus gutem Grund: Diesel weisen prinzipbedingt einige Besonderheiten auf, die ihn im Vergleich zu Ottomotoren auf den ersten Blick benachteiligen.

Als Beispiele sind hier die niedrigere spezifische Leistung und die höheren Einspritzdrücke zu nennen. Um die Kräfte im Zylinder besser kontrollieren zu können, muss die Anzahl der Zylinder erhöht werden. Das führt zu längeren Motoren, die ihrerseits wieder neue Herausforderungen an das Chassis-Design stellen. Ferner erzeugt das TDI-Konzept deutlich höhere Drehmomente (1.100 Newtonmeter beim R10 TDI), so dass Getriebe und Triebstrang gesondert verstärkt werden müssen, womit natürlich erhebliche Gewichtsnachteile einhergehen. Die höheren Temperaturen, die auf die aus Gründen der Leistung höheren Ladedrücke zurückgehen, erfordern zusätzliche Kühlaggregate, die wiederum mehr Gewicht bedeuten und Leistung kosten.

Bei der Entwicklung des 5,5 Liter großen und 478 kW starken R10 TDI haben die Ingenieure und Techniker um Wolfgang Ullrich gezeigt, dass Audi in der Lage ist, all diese Herausforderungen und Aufgaben erfolgreich zu meistern. In der Saison 2006 gewann der Diesel-Rennwagen von Audi acht von acht Rennen und erzielte zahlreiche Pole positions und schnellste Runden. Und nun soll das SUV der sportlichen VW-Tochter, der Q7, unter anderem von 29.000 Stunden auf dem Motorenprüfstand, die der "Le Mans"-Motor absolviert hat, profitieren.