VW: Pischetsrieder geht

 
Von Thomas Jungmann | Redaktion ATZonline.de
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08.11.2006 - 

Zum 31. Dezember dieses Jahres wird Bernd Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, aus dem Konzern ausscheiden. Darauf haben sich das Präsidium des Aufsichtsrats und der 58 Jahre alte Manager, wie es in einer äußerst knapp gehaltenen Unternehmensmeldung vom Dienstag, 7. November 2006, heißt, einvernehmlich verständigt. Als Nachfolger des Bayern habe das Gremium einstimmig den jetzigen Audi-Chef Martin Winterkorn empfohlen. Über diese Bestellung wird der Aufsichtsrat bei seiner nächsten Zusammenkunft am 17. November 2007 entscheiden.

Obwohl VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bereits Anfang März dieses Jahres versuchte, Pischetsrieder zu demontieren, kam die Nachricht über dessen Weggang selbst für Branchenkenner überraschend. Erst am 3. Mai erhielt Pischetsrieder - zwar nach wochenlangen Diskussionen um seine Zukunft - dann doch seine Vertragsverlängerung bis 2012. Im Vorfeld sorgte ein Interview Piëchs für erheblichen Wirbel: Mit der Begründung, die Arbeitnehmervertreter seien dagegen, bezeichnete der Porsche-Enkel die Vertragsverlängerung Bernd Pischetsrieders öffentlich als "offene Frage". Auf der Hauptversammlung im April scheiterten die Bemühungen Piëchs jedoch, bereits zu diesem Zeitpunkt Winterkorn zum neuen VW-Chef zu bestellen, an dem Unmut der Anleger. Die Aktionäre verweigerten Piëch damals die Entlastung und einige forderten sogar seinen Rücktritt.

Allem Anschein nach hat der Enkel des berühmten VW-Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche nun doch seinen Willen durchgesetzt. Während VW derzeit zu keiner Stellungnahme über die Hintergründe des vorzeitigen Ausscheidens bereit ist, machen Branchenkenner ein gestörtes Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat und Meinungsverschiedenheiten über die künftige Strategie für die Trennung verantwortlich. Möglicherweise stehe sie auch im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Scania durch MAN. Ein Scheitern des Mergers zwischen MAN und Scania hätte durch Pischetsrieders 20-prozentige Beteiligung an MAN schwerwiegende finanzielle Folgen für den Konzern. Schließlich sei Kritik laut geworden, dass die Sanierung von VW nicht schnell genug voranschreite.

Pischetsrieders designierter Nachfolger, Martin Winterkorn, tritt Anfang 2007 angesichts starker Belastungen durch den Abbau von 20.000 Stellen allein in Westdeutschland ein schweres Erbe an. Doch der enge Vertraute Piëchs, der wie Piëch selbst als begnadeter Techniker gilt, soll, was er bei Audi jahrelang unter Beweis gestellt hat, über ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein verfügen. So hat Winterkorn, seit 2002 Vorsitzender des Audi-Vorstands, die Marke dorthin gebracht, wo sie heute ist: auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes. Auf Anfrage von all4engineers wollte Jürgen De Graeve, Unternehmenssprecher von Audi, bei der noch ausstehenden Entscheidung des VW-Aufsichtsrats am 17. November keine Stellungnahme im Hinblick auf eine mögliche Nachfolge für Winterkorn bei Audi abgeben.