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23.02.2017 | žCorporate Social Responsibility | Im Fokus | Onlineartikel

Gutes CSR-Reporting ist messbar

Autor:
Corina Socaciu

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Nachhaltigkeitsberichterstattung erfährt einen Bedeutungsanstieg durch gesetzliche Rahmenbedingungen. Doch Unternehmen, die CSR-Reportings veröffentlichen, sollten Qualitätskriterien beachten.

"Tue Gutes und rede darüber", besagt ein Leitsatz der Öffentlichkeitsarbeit. Doch Corporate Social Responsibility (CSR) bedeutet nicht mehr nur die Gunst der öffentlichen Meinung durch nachhaltige Projekte zu gewinnen. Immer öfter blättern Stakeholder durch CSR-Berichte und berücksichtigen dabei nicht-finanzielle Kennzahlen. Den Trend haben Unternehmen erkannt und investieren mehr in die Dokumentation ihrer Nachhaltigkeitsstrategien. Und die, die es nicht freiwillig tun, berichten, weil der Gesetzgeber Unternehmen mit mehr als 500 Mintarbeitern seit 2016 verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu verfassen. Mit der Häufigkeit von CSR-Reportings ist die unternehmerische Berichterstattungsqualität jedoch nicht wesentlich angestiegen. Zu diesem Schluss gelangt ein nun veröffentlichtes Ranking von Nachhaltigkeitsberichten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums.

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Nur 33 Prozent der untersuchten Großunternehmen haben Zahlenangaben zu Audits in den Lieferketten für das Jahr 2015 in Auftrag gegeben. Unter den KMU waren es nur 20 Prozent. Bewertungskriterien der Studie sind vielmehr Transparenz, Werte, Vision, Strategie, Einbindung von Stakeholdern, Lieferkettenverantwortung, Analyse und Bewertung von ökologischen und sozialen Risiken, negativen Auswirkungen und Entwicklungspotenzialen.

VW-Skandal regte kritischeres CSR-Reporting an

Doch was macht gute CSR-Berichterstattung aus? Positivbeispiele hat die Ranking-Studie der 150 größten deutschen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Textilindustrie gefunden. Das Handelsunternehmen Otto etwa liefert quantitative Angaben zu ökologischen Schadwirkungen ihrer Produkte und sozialen Risiken in der Kette. Darüber hinaus werden Sozialprogramme für Zulieferer in Ländern aufgezeigt, die Arbeitern wenig Rechte einräumen. Andere Textilunternehmen, wie Hess Natur und Vaude, stellen auch die Ergebnisse ihrer Lieferanten-Audits dar. Der Studie nach sind positive Beispiele jedoch eher die Ausnahme. Im Falle der Textilindustrie zeigt sich, dass Brancheninitiativen wie beispielsweise die Fair Wear Foundation (FWF), die Standards für die Branche setzt und überprüft, das Potenzial haben die Qualität der CSR-Berichterstattung zu unterstützen.

Wie das Ranking zeigt, schneiden offenbar gerade CSR-Unternehmensberichte krisenbehafteter Branchen wie Automobil, Banking, Chemie und Pharma zufriedenstellend ab. Gerade die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Banken kann seit dem letzten Ranking-Durchgang durch eine größere Datenbasis Fortschritte verzeichnen, wie die Studie feststellt. Bestnoten unter den Bankenberichten erzielt die KfW-Bankengruppe. Die Studie empfiehlt Banken jedoch eine "noch offenere Auseinandersetzung mit kritischen Themen und externen Stakeholderanforderungen, um die inhaltliche Substanz und Glaubwürdigkeit ihrer Berichte" weiter zu stärken.

Auch ehemals in der Kritik stehende Firmen gehen mit gutem Beispiel voran. So liefere Siemens sei Jahren vorbildliche Reportings und habe damit dem Image-Verlust durch den 2006 entbrannten Korruptionsskandal gezielt entgegengewirkt. Durch Transparenz habe der Konzern nach jahrelangen Negativschlagzeilen, etwa den massiven Ausbau des eigenen Compliance-Systems, dokumentiert. Auch für den VW-Konzern, dessen Image aktuell vom Abgasskandal überschattet wird, konstatiert die Ranking-Studie eine differenzierte CSR-Berichterstattung. Sowohl der im November 2016 erschienene VW-Nachhaltigkeitsbericht 2015 als auch das unternehmenseigene Nachhaltikeitsmagazin zeige eine Tendenz hin zur kritischen Auseinandersetzung mit den belastenden Vorwürfe gegen Konzern. 

Lebensmittelindustrie bildet Schlusslicht

Die Annahme, dass gerade Krisen Anreize für bessere Nachhaltigkeitsberichte bieten, vertritt auch Springer-Autor Detlev Berning. In seinem Buch "Mediation und Konfliktkultur" geht er darauf ein, dass Veränderungsprozesse in Unternehmen stets mit Konflikten einhergehen. Der CSR-Berichterstattung misst er dabei einen mediativen Charakter bei. 

Offene Kommunikation birgt für Unternehmen Risiken, aber auch große Chancen, wenn sie sich auf einen ernsthaften Dialog mit den Nutzern einlassen. Konflikte sieht Berning deshalb als Chance, da sie das Problembewusstsein des Managements erhöhen, "Grenzen aufzeigen und helfen Grenzverletzungen zu klären", so der Springer-Autor (Seite 23).

In der Kritik der Ranking-Studie stehen insbesondere einseitige und intransparente CSR-Berichte der Nahrungsmittelindustrie. Sofern vorhanden weisen diese eine zu enge Themenbreite auf. Über Produktionsstätten in Entwicklungsländern blieben viele Fragen zu den Arbeitsbedingungen offen. Dem "steigenden Informationsbedarf zu ökologischen und sozialen Belangen in der Lieferkette" würden hier die wenigsten Unternehmen mit aussagekräftigen Erläuterungen und Zahlen nachkommen. Dadurch leide die Glaubwürdigkeit der vorhandenen CSR-Reports. 

In der zögerlichen Herausgabe von Informationen zeichnet sich die Skepsis vieler Unternehmen ab, ob Nachhaltigkeitsberichterstattung überhaupt von Vorteil ist für den Unternehmensumsatz. Mit dieser Frage haben sich Edeltraud Günther, Jan Endrikat und Thomas Günther im Buch "CSR und Controlling" beschäftigt. Dabei berufen sich die Autoren auf den Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman, wissenschaftlichen Einzelstudien, aber auch Metaanalysen, die den Stand der Forschung zusammenfassen und kommen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die sich für CSR engagieren, auch finanziell erfolgreicher sind (Seite 3).

Vertrauen und Akzeptanz fördern

Springer-Autor Detlev Berning erwartet, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung in den kommenden Jahren einen weiteren Bedeutungsanstieg erfahren könnte, wenn die Grenze der Berichtspflicht sogar auf 250 herabgesetzt wird. Mehr Unternehmen werden sich infolgedessen mit der Frage guten Reportings beschäftigen müssen. Im Buchkapitel "Konflikte eröffnen erstaunliche Chancen" beruft er sich auf einen CSR-Index, den die Bertelsmann Stiftung in einer Studie erarbeitet hat (Seite 201). Anhand folgender Maxime können Unternehmen die Qualität ihrer CSR-Berichterstattung kritisch begutachten und Verbesserungstendenzen einleiten:

  1. Sprechen Sie mit allen relevanten Anspruchsgruppen
  2. Bestimmen Sie ein CR-Zielbild und etablieren Sie es im Unternehmen
  3. Fordern Sie Akzeptanz und Unterstützung für CR durch die Unternehmensleitung ein
  4. Fördern Sie eine lebendige Wertekultur als Basis für ein erfolgreiches CR-Management
  5. Schaffen Sie Rahmenbedingungen, sodass CR in allen Funktionsbereichen handlungsrelevant ist
  6. Implementieren Sie Maßnahmen und Instrumente zur Umsetzung von CR in die Kernprozesse des Unternehmens
  7. Messen und überprüfen Sie CR-Ziele regelmäßig und steuern Sie danach
  8. Tun Sie Gutes und reden Sie darüber: intern und extern

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