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Über dieses Buch

Eine Entdeckungsreise durch die Ideenwelt der Baukunst von der griechischen Antike bis heute

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Worin besteht der Unterschied zwischen einer dorischen und einer ionischen Säule? Welche Funktion hat ein Strebebogen? Was sind die Leitmotive der modernen Architektur? Wie unterscheidet sich Restaurierung von Konservierung? Wann ist ein Bauwerk bloß ein Bauwerk, wann ist es Kunst? Wenn Sie sich schon einmal solche Fragen gestellt haben oder sich allgemein für Baustile und Kunstepochen, Fassadengestaltung und Stadtplanung interessieren, dann bietet Ihnen 50 Schlüsselideen Architektur den perfekten Einstieg.

Philip Wilkinson erklärt klar und präzise die Leitgedanken und Schlüsselkonzepte der Architektur und zeigt, auf welch unterschiedliche Weise die bebaute Umwelt in den verschiedenen Epochen der Geschichte gestaltet wurde. In 50 anregenden und spannenden Essays stellt er die einflussreichsten Architekturbewegungen wie auch die wichtigsten und berühmtesten Werke der größten Baumeister aller Zeiten vor.

Das Buch spannt einen weiten Bogen von der Antike bis zur Gegenwart – von den frühesten Anfängen der Architektur im antiken Griechenland über die revolutionären Entwicklungen im späten 19. Jahrhundert und die skulpturalen Formen der Expressionisten bis hin zu den reduzierten Beton-Glas-Bauten des Internationalen Stils und, in jüngerer Zeit, der Eisen- und Glasarchitektur der Postmoderne sowie den aktuellen Trends der grünen Architektur heute – und verhilft so zu einem neuen und tieferen Verständnis für die Architektur und ihre tiefgreifenden Auswirkungen auf die Welt, in der wir heute leben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Dieses Buch stellt die Schlüsselideen vor, auf denen die westliche Architektur von der griechischen Antike bis heute basiert. Die Ideen umfassen die unterschiedlichsten Gebiete, erstrecken sich von der Technologie bis zur Dekoration, von der Planung bis zur Handwerkskunst und von Interpretationsweisen der Vergangenheit bis hin zu Bauweisen für die Zukunft. Sie beinhalten die geistigen Funken, die die mittelalterliche Gotik begründeten, die Denkbilder hinter der Gartenstadt sowie die technologischen Innovationen, die die Wolkenkratzer möglich machten.

Philip Wilkinson

Vom antiken Griechenland bis zur Renaissance

01. Die Säulenordnungen

Im alten Griechenland, wahrscheinlich um das 6. Jahrhundert v. Chr., entwickelten Architekten und Steinmetze ein System von architektonischen Regeln und Richtlinien, das sich auf alle säulenbasierten Konstruktionen anwenden ließ. Diese Richtlinien wurden später als die Säulenordnungen bekannt, die in der Folge einen enormen Einfluss nicht nur im antiken Griechenland und in Rom hatten, sondern auch auf die spätere Architektur in Europa, Amerika und darüber hinaus.

Philip Wilkinson

02. Römische Baukunst

Die römische Architektur zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie hoch entwickelte Ingenieurkunst bei Großbauten zum Tragen brachte. Die Römer erzielten enorme Fortschritte im Ingenieurwesen und errichteten große Aquädukte, Tempel, Amphitheater und andere Bauwerke, von denen einige bis heute erhalten sind. Dies gelang ihnen unter Verwendung von Materialien wie Beton und mittels völlig neuartiger Konstruktionen wie Gewölben und Kuppeln.

Philip Wilkinson

03. Gotik

In der Mitte des 12. Jahrhunderts gab der Abt des französischen Klosters Saint-Denis den Neubau seiner Abteikirche in Auftrag. Dieser Baumaßnahme lag ein völlig neues Konzept zugrunde, das Elemente wie Spitzbogen, große Buntglasfenster, hohe Steingewölbe und Strebepfeiler vereinte. Dieser neue Baustil war derart wirkungsvoll, dass er sich über den gesamten europäischen Raum verbreitete und hier die Architektur mehr als 300 Jahre lang dominierte. Die Zeit der Gotik hatte begonnen.

Philip Wilkinson

04. Renaissance

Der Begriff „Renaissance“ wurde aus dem Italienischen (

rinascimento

) ins Französische übernommen und bedeutet Wiedergeburt. Er bezeichnet zunächst nur die italienische Kunstbewegung, die damit begann, dass Künstler sich abkehrten von der mittelalterlichen Welt und ein Leitbild für ihre Kultur in der griechischen und römischen Antike suchten. Mit der Bewegung, die sich von Italien aus über ganz Europa verbreitete, begann auch ein Wandel in der Architektur — die Formensprache der Gotik trat zurück und wurde von unterschiedlichen Formen eines Klassizismus abgelöst.

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05. Palladianismus

Andrea Palladio gilt als einer der einflussreichsten Architekten aller Zeiten. Sein unverkennbarer, streng klassizistischer Baustil entstand im 16. Jahrhundert in Italien. Doch nicht nur dort, auch in ganz Europa und Nordamerika hat er die Architektur über mehr als zweihundert Jahre geprägt. Die ausgewogenen Proportionen, Symmetrien und imposanten Portiken der palladianischen Bauten scheinen bis heute eine Aura klassizistischer Erhabenheit zu verströmen.

Philip Wilkinson

06. Barock

Ein religiöser Wandel, verbunden mit einem regen Erfindungsgeist der Architekten in Süd- und Mitteleuropa sowie Lateinamerika, brachte im 17. und frühen 18. Jahrhundert eine neue Art von Architektur hervor. Ein lockerer, dramatischer Sinn für Raum, eine freie und oft illusionistische Ausgestaltung, ein besonderer Sinn für Licht und Schatten sowie ein virtuos bewegungsreicher Figurenstil — all das fand sich zusammen zu dem, was wir heute Barock nennen.

Philip Wilkinson

Wandel und Geschmack

07. Die Grand Tour

Die Grand Tour (oder „Kavalierstour“), eine Bildungs- und kulturelle Entdeckungsreise durch Europa, war im 17. und 18. Jahrhundert für junge wohlhabende Europäer und Nordamerikaner eine Pflicht. Die Grand Tour nahm einen erheblichen Einfluss auf die Architektur jener Zeit und trug maßgeblich dazu bei, dass Rom als das kulturelle Zentrum der westlichen Welt angesehen, klassisches Gedankengut verbreitet und die Tradition eines „Kulturtourismus“ begründet wurde, die bis in die heutige Zeit fortwirkt.

Philip Wilkinson

08. Industriebau

Die industrielle Revolution brachte neue Bauwerke hervor, darunter Fabriken und Lagergebäude. Obwohl der Fabrikbau des 18. und 19. Jahrhunderts in seiner Konstruktion an älteren Bauwerken, an Mühlen etwa, orientiert war, lenkte er die Architektur mit neuen Raum- und Baukonzepten — insbesondere mit dem Stahlskelettbau, dem Wegbereiter für die Wolkenkratzer des 20. Jahrhunderts — in eine völlig neue Richtung.

Philip Wilkinson

09. Geschmack

Der Begriff „Geschmack“ wird heute zumeist im Sinne persönlicher Vorlieben oder vorübergehender Modeerscheinungen verwendet. Im 18. Jahrhundert aber wurde er sehr viel differenzierter gebraucht. Er bezeichnete spezifische Eigenschaften, die künstlerischer oder moralischer Natur waren und sich auf tugendhafte Handlungen ebenso wie auf gelungene Werke bezogen. Es war ein Begriff von großer Bedeutungsmacht, und diejenigen, die ihn auslegten, besaßen gleichwohl Bedeutung und Macht.

Philip Wilkinson

10. Rokoko

Gegen Ende der Barockzeit wandten sich die Architekten (insbesondere die Innenarchitekten) ab von der pompösen Opulenz, die die barocke Architektur vorwiegend beherrscht, und erschufen einen Stil, der insgesamt ins Leichte geht, sich naturnaher Motive, blasser Farben und Vergoldungen bedient. Heute ist dieser Stil als Rokoko bekannt, ein Stil, der nicht nur die Architektur, sondern alle Bereiche des kunstgewerblichen Schaffens, von Möbeln bis hin zu Keramiken, enorm beeinflusst hat.

Philip Wilkinson

11. Genius loci

Eine völlig neue Sichtweise auf die Kunst des Gartenbaus eröffneten britische Landschaftsgärtner des 18. Jahrhunderts mit ihrem deutlich „naturbezogenen“ Ansatz, der von dem englischen Dichter Alexander Pope hoch gepriesen wurde. Die Idee, dass Gärten und Bauten im Einklang mit der Natur und dem Geist des Ortes stehen sollten, bestimmt bis heute unsere Vorstellungen von Natur, Landschaften und Plätzen überhaupt.

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12. Das Pittoreske

Die Wertschätzung des Pittoresken beginnt in England gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Reaktion auf die Künstlichkeit der englischen Landschaftsgärten und die rigide Symmetrie der palladianischen Architektur. Sie verändert die allgemeine Sichtweise auf Gärten ebenso wie auf Gebäude, und man findet Gefallen an einfachen Hütten mit rustikalem Charme, an alten Gemäuern und unkonventioneller Villenarchitektur.

Philip Wilkinson

13. Klassizismus

In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts bildete sich ganz allmählich eine neue Haltung gegenüber den antiken Überresten des alten Griechenlands und Roms heraus. Archäologen und Architekten begannen, diese Bauwerke genau zu erfassen, und veröffentlichten davon maßstabsgetreue Zeichnungen, die enormen Einfluss auf die Architektur in ganz Europa und Nordamerika nahmen.

Philip Wilkinson

14. Vernunft

Als die Zeit der Aufklärung ihren Höhepunkt erreichte, entwickelten die Architekten in Frankreich eine Architektur, die stereometrische Körper wie Pyramide, Zylinder oder Kugel in eine bauliche Beziehung zu bringen suchte. Diese neue Rationalität übertrug die Idee der Vernunft auf die Baukunst. Ihr Einfluss ging über das eigentliche Zeitalter der Vernunft weit hinaus und beflügelte eine ganz neue Generation von Künstlern und Denkern.

Philip Wilkinson

15. Exotik

Das westliche Europa war ab dem späten 17. Jahrhundert, da sich die Handelsbeziehungen mit China und Indien verstärkten, zunehmend fasziniert von Asien. Nur wenige europäische Architekten hatten ein fundiertes Wissen über die dortige Architektur, viele aber ließen sich von Abbildungen inspirieren und nutzen Details daraus für gewollt exotische und berückende Konstruktionen.

Philip Wilkinson

16. Restaurierung

Jahrhundertelang war es üblich, reparaturbedürftige Bauwerke im Stil der jeweiligen Zeit auszubessern oder zu erneuern, sodass sich in alten Bauwerken ganz allmählich mehrere Zeitstile zu einem wundervollen Mischmasch verflochten haben. Im 18. Jahrhundert jedoch veranlasste ein neues Bewusstsein für die mittelalterliche Architektur in Verbindung mit einem machtvollen religiösen Wiedererwachen die Architekten zum Umdenken. Fortan war es modern, vorhandene alte Bausubstanz nach mittelalterlichem Vorbild zu erneuern — es war die Geburtsstunde der Denkmalpflege.

Philip Wilkinson

Reformation und Erneuerung

17. Historismus

Das Viktorianische Zeitalter erlebte eine Blüte des Historismus, der die Architektur vergangener Zeiten nachzuahmen suchte. Die Neugotik war in England die beliebteste und langlebigste Variante, die in ihrer Formensprache den Spitzbogenstil mittelalterlicher Kirchen wieder aufgriff. Sie erfasste nicht nur Kirchen, sondern auch Rathäuser, Schulen, Bahnhöfe und sogar Fabriken und Warenhäuser.

Philip Wilkinson

18. Fertigbauweise

Das Arbeiten am Bau ist ein langsames, komplexes und schmutziges Unterfangen. Doch es gibt ein Bauverfahren, das etliche dieser komplexen und schmutzigen Arbeitsschritte auslagert. Wie? Das Bauwerk wird aus vorgefertigten Konstruktionselementen montiert. Diese Bauweise funktioniert anders als die herkömmliche und hat sich seit viktorianischen Zeiten für gewisse Bautypen als höchst erfolgreich erwiesen, insbesondere im Industriebau.

Philip Wilkinson

19. Beaux-Arts-Architektur

Die Beaux-Arts-Architektur bezeichnet einen Baustil, der im frühen 19. Jahrhundert an der École des beaux-arts (Schule der Schönen Künste) in Paris begründet wurde. Für die Franzosen war dieser wohlkomponierte, reich ornamentierte, klassisch ausgerichtete Stil eng verbunden mit der akademischen Ausbildung der Architekten. Auch in anderen Ländern der Welt wurde der Stil enorm populär und umfangreich auf sämtliche Bauaufgaben angewendet, von öffentlichen Gebäuden bis hin zu Bankhäusern.

Philip Wilkinson

20. Arts and Crafts

Eine Reihe britischer Architekten und Designer des 19. Jahrhunderts wandte sich vom Industriebau ab, um die Architektur auf Grundlage des traditionellen Bauhandwerks und unter Verwendung heimischer Materialien neu zu beleben. Die daraus entstandene Arts-and-Crafts-Bewegung („Kunst- und-Kunsthandwerks-Bewegung“) war vor allem in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in England sehr stark. Doch auch auf dem europäischen Festland und insbesondere in den Vereinigten Staaten war ihr Einfluss zu spüren.

Philip Wilkinson

21. Konservierung

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es lebhafte Reaktionen auf den übermäßigen Eifer der Kirchenrestauratoren, die oft mehr zerstörten als bewahrten. Angeführt von dem Designer, Schriftsteller und Reformer William Morris formierte sich eine Bewegung mit dem Ziel, den Erhalt alter Gebäude mit neuen, schonenderen und weniger eingreifenden Methoden zu sichern. Konservieren, nicht restaurieren, hieß die neue Devise. Bis heute orientieren sich Denkmalpfleger bei der Konservierung überlieferter Baubestände an den von Morris erstellten Richtlinien.

Philip Wilkinson

22. City Beautiful

Ein stadtplanerisches Merkmal US-amerikanischer Städte ist die Rasterform, die gleichzeitig aber etwas sehr Begrenztes hat. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts versuchte eine Gruppe junger amerikanischer Stadtplaner, diese Form aufzubrechen und mit barocken Elementen wie großen Plätzen und diagonal verlaufenden Boulevards zu durchsetzen, um eine „schöne Stadt“ zu schaffen — eine „City Beautiful“, wie sie es nannten.

Philip Wilkinson

23. Jugendstil

Eine der ausdrucksstärksten Reaktionen auf das Wirrwarr, die Formstrenge und die künstlerische Erneuerung der Viktorianischen Ära war der Jugendstil (französisch: Art nouveau), der zwischen 1890 und 1905 ganz Europa erfasste. Mit seinen natürlichen Motiven und geschwungenen Linien wandelte er die Architektur in den Städten von Prag bis Paris — eine äußerst vielfältige Reformströmung, die viele lokale Varianten hervorbrachte, zu denen auch der Wiener Secessionsstil mit seinen stereometrischen Formen zählt.

Philip Wilkinson

24. Gartenstadt

In den 1870er-Jahren begannen einige Grundbesitzer und Sozialreformer, Bautypen zur Verbesserung der Wohnsituation einfacher Leute und weiträumige Siedlungen mit großzügigen Gärten — die ersten Gartenvorstädte — zu entwerfen. Die Idee entwickelte sich weiter und führte gegen Ende des Jahrhunderts zur sogenannten Gartenstadtbewegung, die völlig neue Stadtlandschaften hervorbrachte und einen nachhaltigen Einfluss auf die Planung und Gestaltung städtischer Wohnsiedlungen hatte.

Philip Wilkinson

Modernismus rund um die Welt

25. Wolkenkratzer

Die Kathedralbauer des Mittelalters waren auch wahre Meister im Errichten von Türmen. Ihre Kollegen im späten 19. Jahrhundert suchten nach Mitteln und Wegen, zweckmäßige turmhohe Häuser zu errichten, die zum Wohnen und Arbeiten genutzt werden können. Das Ergebnis waren Wolkenkratzer, die ausgehend von den USA ihren Siegeszug rund um die Welt antraten und zu den auffälligsten Gebäudetypen städtischer Architektur wurden.

Philip Wilkinson

26. Futurismus

Der italienische Futurismus begann als eine Bewegung von Künstlern und Schriftstellern, griff dann auf die Architektur über und brach sich Bahn im visionären Werk von Antonio Sant’Elia. Sant’Elia, der im Ersten Weltkrieg fiel, baute selbst nur wenig, fertigte aber Zeichnungen, die einen nachhaltigen Einfluss auf spätere Architekten der Klassischen Moderne hatten.

Philip Wilkinson

27. Expressionismus

Die expressionistische Bewegung hatte ihre Blüte in Deutschland und den Niederlanden in den 1920er-Jahren. Sie brachte dramatische Formen in die moderne Architektur und zeigte Architekten wie Auftraggebern, wie sich insbesondere Beton vielfältig als Baustoff nutzen lässt. Die expressionistischen Ideen beeinflussten auch noch etliche der aufsehenerregenden Gebäude der 1950er- und 1960er-Jahre.

Philip Wilkinson

28. De Stijl

Niederländische Architekten gelten als Wegbereiter der Klassischen Moderne von 1910 bis gegen Ende der 1920er-Jahre. Ihre Künstlergruppe namens De Stijl brachte majestätische Häuser in dominantem Weiß und von großer architektonischer Raffinesse hervor und nahm einen starken Einfluss auf das Bauhaus und andere Schulen für Kunst und Gestaltung. Bis heute profitieren und lernen Architekten von ihrer durchdachten Raumkunst, ihrer Ausarbeitung der Details und ihrer Ausstattung der Räume.

Philip Wilkinson

29. Konstruktivismus

Die russische konstruktivistische Bewegung erlebte eine kurze Blüte in den 1920er- und 1930er-Jahren. Konstruktivistische Architekten schufen zeitgemäße Bauformen und ergingen sich häufig in ungewöhnlichen und innovativen Konstruktionen. Obgleich diese nicht alle auch tatsächlich umgesetzt wurden, hatten sie einen enormen Einfluss auf die Architekten nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in anderen Ländern Europas.

Philip Wilkinson

30. Bauhaus

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 als Kunstschule in Weimar gegründet und hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die Architektur sowie alle Bereiche des Produktdesigns. Walter Gropius, der Gründer, machte es sich zum Ziel, gutes Design mit dem Einsatz von Maschinen zur Produktfertigung und mit der Einführung neuartiger Materialien zu verbinden. Seine Methoden und Lehrsätze wurden weithin kopiert und etliche Entwürfe wurden zu einzigartigen Klassikern des Bauhausstils.

Philip Wilkinson

31. Der Internationale Stil

Der Internationale Stil — diese Bezeichnung wurde als Oberbegriff für die moderne Architektur der 1920er- und frühen 1930er-Jahre gewählt, als Arbeiten von Architekten wie Mies van der Rohe, Walter Gropius und Le Corbusier 1932 auf der New Yorker Ausstellung „Modern Architecture: International exhibition“ gezeigt wurden. Ihre Architektur der freien Gestaltung sowie die funktionelle Ästhetik ihrer schlichten Bauformen schienen die Ideale der damaligen modernen Architekten zu resümieren und waren noch bis in die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg höchst einflussreich.

Philip Wilkinson

32. Minimalismus

Der Minimalismus gehört zu den bekanntesten Stilrichtungen der Innenarchitektur der letzten Jahrzehnte — einfache Wandgestaltung, Verzicht auf Dekorations- und Gliederungselemente, kein Schnickschnack. So modisch er ist, der Minimalismus ist das Ergebnis einer langen Geschichte, die zurückreicht zu den Werken der modernen Architekten der 1920er-Jahren und ihren Versuchen, neue Bauweisen ohne Blick zurück in die Vergangenheit zu etablieren.

Philip Wilkinson

33. Art déco

In den 1920er-Jahren brachten französische Designer einen Stil in Mode, der das Ornament zum Prinzip erhob. Sie wandten sich ab von der historistischen Formen- und Ziersprache der Architektur, schöpften aus fernen Quellen, die bis ins alte Ägypten reichten, um leuchtende Farben und Muster mit klaren modernen Linien gestalterisch zu verbinden. So entstand ein neuer Stil, der Art déco, der in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen einen enormen Einfluss hatte.

Philip Wilkinson

34. Organische Architektur

Schon immer haben fachkundige Autoren die Werke von Baumeistern und Architekten mit der natürlichen Welt verglichen. Die gesamte Laufbahn des großen amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright stand im Zeichen der, wie er es nannte, Organischen Architektur. Seine Bauwerke sind sensibel in ihre natürliche Umgebung eingefügt, eng verknüpft mit ihren Gärten und zeichnen sich durch die Verwendung natürlicher Materialien aus.

Philip Wilkinson

35. Dymaxion-Design

Richard Buckminster Fuller, ein Allroundgenie: Ingenieur, Erfinder und Architekt in einer Person, schuf eine Reihe von innovativen Entwürfen und ist vor allem berühmt für seine geodätischen Kuppeln. Fuller war fasziniert von Kuppeln, da sie sehr viel Raum mit sehr wenig Material überspannen können — eine Ökonomie der Mittel, die Fuller mit dem Begriff „Dymaxion“ bezeichnete.

Philip Wilkinson

36. Getrennte Raumplanung

Die Massenmotorisierung und damit verbunden der zunehmende Verkehr stellten Architekten und Planer vor eine große Herausforderung. Jahrzehntelang schien die Lösung klar — eine Trennung von Fußgängern und Fahrzeugen, damit der Mensch sich sicher und bequem bewegen und der Fahrverkehr ungehindert rollen kann. Doch in den 1950er- und 1960er-Jahren konsequent verfolgt, erwies sich diese Lösung als ein katastrophaler Fehlschlag.

Philip Wilkinson

37. Historisches Erbe

Die Art und Weise, wie historische Gebäude betrachtet werden, hat sich im Laufe der vergangenen 150 Jahren enorm verändert. Wurde die historische Architektur anfänglich seitens der Behörden ignoriert, so wird sie heute als ein zentraler Bestandteil unseres kulturellen Erbes angesehen. Das führt zu einem sehr viel entschlosseneren Engagement für die Bewahrung historischer Architektur, was manchmal aber auch verbunden ist mit einem verstellten oder nostalgischen Blick auf die Vergangenheit.

Philip Wilkinson

38. Brutalismus

Der Stil, der als Brutalismus bekannt ist, ist eine kühne, unverwechselbare Variante der Moderne und wurde in den 1960er-Jahren populär. Gekennzeichnet durch eine extensive Verwendung von Beton und durch trutzige, blockartige Formen, wurde er weithin für Großbauten genutzt, vom Universitätsgebäude bis zum Wohnblock. Von vielen Kritikern als seelenlose Planarchitektur beschimpft, finden Sichtbetonbauten bis heute bei zahllosen Architekten und Denkmalschützern hohe Anerkennung.

Philip Wilkinson

Neue Richtungen

39. Neorationalismus

La Tendenza

, der Name steht für eine italienische Bewegung, die eine Bauweise erprobte, die neu und zugleich empfänglich war für architektonische Gebilde, Formen und Stadtpläne der Vergangenheit. Als Stimme der Vernunft gegen die lauten Schreie der Moderne und Postmoderne wurde sie außerhalb Italiens als Neorationalismus bekannt.

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40. Archigram

Die britische Architektengruppe Archigram formierte sich zu Beginn der 1960er-Jahre als Forum für Diskussionen und Ideenentwicklung. Ihre Projekte bestanden zumeist nur auf dem Papier, doch ihre Ideen waren höchst einflussreich. Die Mitglieder von Archigram wandten sich ab vom heroischen Funktionalismus der Moderne und hin zur Popkultur. Sie entwickelten eine Architekturform, in der es keine Gebäude im konventionellen Sinne gab — stattdessen Plug-in-Module sowie mobile, adaptierbare Steckelemente in leuchtenden Pop-Art-Farben.

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41. Metabolismus

Die Metabolisten, eine Gruppe japanischer Architekten, stellten ein neues Architekturkonzept vor, das auf Flexibilität und Wandel basiert. Zu ihren visionären Entwürfen gehören schwimmende Städte im Meer oder aus einzelnen Modulen zusammengesetzte Turmstädte, die riesigen Spiralen oder verzweigten Bäumen gleichen. Gebaut wurde von derlei Visionen so gut wie nichts, doch veranlassten sie Architekten und Städteplaner, neue Wege zu gehen, um dem rasanten Wandel der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts nachzukommen.

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42. Townscape

Die Townscape-Bewegung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien. Sie eröffnete eine neue Sicht auf die Architektur, auf das organische Wachstum der Städte und die daraus entstehende visuelle Fülle, die Städtegestalter durchaus einkalkulieren sollten. Obwohl in erster Linie eine britische Bewegung, war ihr Einfluss als Alternative zum modernen Städtebild weitreichend und führte zu sichtbaren Neugestaltungen.

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43. Strukturalismus

In den 1950er-Jahren setzte sich eine Gruppe von Architekten von der etablierten Organisation CIAM (siehe Seite 153) ab und schickte sich an, die Architektur in neue Richtungen zu lenken. Diese Strukturalisten wandten sich der traditionellen Architektur zu, nutzten gesellschaftliche Strukturen und die Potenz vor Ort als Inspirationsquellen. Sie errichteten Gebäude, die auf den ersten Blick modern aussehen, aber im Gegensatz zu jenen der hochverehrten Modernen der Generation zuvor benutzerorientiert gestaltet sind.

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44. Regionalismus

Einige Architekten sahen sich verpflichtet, dem internationalen Aspekt der modernen Architektur zu begegnen. Ihre Bauten sollten dem Ort, an dem sie stehen, Ausdruck verleihen und Respekt entbieten und deshalb von der örtlichen Kultur inspiriert sein. Diese Grundhaltung, die als Regionalismus bekannt ist, hat der Architektur des späten 20. Jahrhunderts eine reiche Vielfalt beschert und beeinflusst bis heute das architektonische Denken.

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45. Postmoderne

Der Begriff „Postmoderne“ bezeichnet die freche, vielgestaltige, originelle und bunte Architektur, die in den späten 1960er-Jahren als eine Reaktion auf die schlichte, puristische Architektur der Moderne entstand. Die Postmodernen empfanden ihr neues Denken als belebend und befreiend, und ihr respektloser Ansatz hatte einen nachhaltigen Einfluss — selbst auf Architekten, die andere Wege gingen.

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46. Wiederaufleben des Klassizismus

Enttäuscht und entmutigt von der Beschränktheit der modernen Architektur, kehrten einige Architekten zurück zum Klassizismus. Obwohl sie vonseiten des Architektur-Establishments viel Kritik und den Vorwurf der Flickschusterei hinnehmen mussten, fanden ihre Bauten in der Öffentlichkeit großen Anklang. Sie haben insbesondere im Wohnbau, aber auch in anderen Bauaufgaben gezeigt, dass der Klassizismus einen reichen und variablen Formenkanon zu bieten hat.

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47. Hightech

Wer kennt ihn nicht, den Begriff „Hightech“, die Wortkombination aus dem Englischen. Sie wird auch gebraucht zur Kennzeichnung einer Bauart, die modernste Hochtechnologien verwendet und dies auch eindrücklich demonstriert. Seit den 1970er-Jahren gibt es solche Bauten, die neueste Technologien auf vielerlei Art zur Schau tragen und auf drastische Weise den Schock des Neuen evozieren.

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48. Alternative Architektur

Auf der Suche nach Nachhaltigkeit begab sich der Mensch immer wieder auf lange Reisen. Um nachhaltig leben und wohnen zu können, sahen etliche Architekten den einzig gangbaren Weg darin, außerhalb der üblichen Beschränkungen zu bauen, die Energiepolitik, Baurecht und architektonische Konventionen auferlegen. Einige dieser Neudenker haben deshalb Niedrigenergiehäuser aus Recyclingmaterialien erbaut und damit alternative Wohnsiedlungen begründet. Für viele ist diese alternative Architektur die Architektur der Zukunft.

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49. Dekonstruktivismus

Viele Gebäude aus den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts scheinen ihre Wirkung durch Instabilität zu entfalten — sie sehen aus, als würden sie gleich umkippen oder die üblichen Unterscheidungen zwischen oben und unten, links und rechts, innen und außen negieren. Solche Bauten werden häufig unter dem Begriff Dekonstruktivismus zusammengefasst. Sie bieten eine endlose Quelle der visuellen und architektonischen Inspiration.

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50. Grüne Architektur

Architekten finden vielerlei Antworten auf Fragen rund um die Themen CO

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-Emission, Energieverbrauch und Klimawandel. Die daraus entstandene grüne Architektur bringt umweltfreundliche Materialien und Technologien zum Einsatz, legt aber gleichfalls starkes Gewicht auf eine optimale Ausrichtung der Gebäude und eine umweltsensible Standortwahl, um Bauwerke zu schaffen, die sowohl nutzerfreundlich sind als auch die Erde und ihre Ressourcen nachhaltig schonen.

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