Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Barbara Junne befasst sich mit der Frage, wie Qualitätsmanagement in Hamburger Kitas als eine gesellschaftlich konstruierte Praktik entsteht, die die gegenseitige Rechenschaftslegung, d.h. Accountability, befördert. Vor diesem Hintergrund kann Qualitätsmanagement eben nicht als objektives Instrument betrachtet werden. Es erscheint vielmehr als ein Vehikel für unterschiedliche Interessen, Sinn- und Bedeutungszuschreibungen der am Diskurs beteiligten Akteure, die sich wiederum über die Zeit verändern. Die Gestaltung von Qualitätsverfahren ist somit auf die Mitgestaltung der lokal handelnden Akteure und deren permanente Rekonstruktion von Qualität angewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Intro

Die Rolle der Kindertageseinrichtungen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. War noch im vorigen Jahrhundert der Betreuungsauftrag maßgeblich, haben Kitas heute zunehmend eine komplexe gesellschaftliche Funktion inne, die sich in einem Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag spiegelt. Sie sollen unter anderem zur Chancengerechtigkeit beitragen und die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben unterstützen. Entsprechend diesem Anspruch ist Qualität in Kitas zu einem Dreh- und Angelpunkt für wichtige (familien-) politische Diskurse und Entscheidungen geworden.
Barbara Junne

2. Die Situation der Kindertagesbetreuung in Deutschland

Das Thema der frühkindlichen Bildung hat sich in vielen Industriestaaten zu einer politischen Priorität entwickelt, wie die OECD in ihren Studien zu ‚Early childhood education and care’ (ECEC) konstatiert (OECD, 2001, 2006, 2012). Diese und andere Studien weisen darauf hin, dass frühkindliche Bildung eine ganze Reihe sozialer und ökonomischer Nutzen mit sich bringt, die eng mit verschiedenen politischen Zielen verbunden sind. Die ökonomische Argumentation der Erhaltung einer hohen Erwerbsquote durch die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt spielt eine Schlüsselrolle für das Interesse der Regierungen an der Ausdehnung der Kindertagesbetreuung. Frühkindliche Betreuung soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und die berufliche Entwicklung, insbesondere von Frauen, fördern. Dies ist eine Maßnahme, wie OECD-Länder den ihnen gestellten demographischen Herausforderungen, wie sinkende Geburtenraten und Überalterung der Gesellschaft, begegnen.
Barbara Junne

3. Qualitätsmanagement und Dimensionen von Accountability

Qualitätsmanagement kann als eine von vielen Managementfashions verstanden werden, die die Art und Weise beeinflusst, wie Organisationen organisieren und Rechenschaft ablegen. Die in diesem Teil vorgestellte Literatur beschäftigt sich mit der Entstehung und Verbreitung neuer Ideen dieser Art, welche Wirkungen sie zeigen, welche Bedeutungen ihnen beigemessen und wie sie legitimiert werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich diese Ideen in unterschiedliche Kontexte verbreiten, wie sie diese Kontexte verändern und wiederum von diesen verändert werden. Die Literaturauswahl wird sich aufbauen von eher statischen Konzepten organisationalen Wandels, die Stabilität, Routine und Ordnung betonen, wie bspw. Manfreds Bruhns Ausführungen zu Qualitätsmanagement und schließlich enden mit eher nicht-linearen, narrativen oder zyklischen Beschreibungen kontinuierlicher Veränderung, wie sie Barbara Czarniawska in ihrem ‚translation model’ zugrunde legt (Czarniawska, 2004a, 2004b; dazu bspw. Czarniawska, Sevón, 2005c).
Barbara Junne

4. Forschungsmethodologie und -methode: erzählt wird, was zählt

In meiner methodischen Vorgehensweise habe ich mich an den konzeptionellen Grundlagen des storytellings orientiert. Auch wenn narrative Interviews den Großteil meiner Datengrundlage ausmachen, resultiert daraus keine formal festgelegte Methodik. Das narrative Interview ist in dem Sinne „keine Interviewform [...], sondern eine Interviewstrategie, die zum Ziel hat, das Kommunikationsmuster der Narration zu induzieren“ (Kruse, 2014: S. 155).
Barbara Junne

5. Die Reise von Qualitätsmanagement in die Kitas

Meine ersten Interviews ließen bereits die große Spanne erahnen, die der Begriff Qualitätsmanagement überbrückt. Wenngleich sehr praktische Probleme die Beschäftigung mit dem Thema in Kitas selbst dominierten, wie ich weiter unten ausführen werde, wurde mir von verschiedenster Seite erklärt, dass dies nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Ausmaßes von Qualitätsmanagement betreffe. Die spezifische Weise der Verbreitung von Qualitätsmanagement in Kitas sei nur zu verstehen, wenn man den weiteren Kontext einbezöge. Folge ich der Czarniawskaschen Beobachtung, dass nicht die inhärenten Eigenschaften einer Idee, also des Qualitätsmanagements, entscheidend sind, sondern die Weise ihrer Präsentation, so ist dieser Hinweis meiner Interviewpartner von Bedeutung.
Barbara Junne

6. Diskussion

Die Geschichten aus dem Feld erzählen von der Vielgestaltigkeit von Qualität und von Formen der Accountability, die wiederum mit unterschiedlichen Vorstellungen von Qualität verbunden sind. Im Streit um den Kita-TÜV kristallisieren sich zwei Ideen von Accountability heraus, die sich anfangs noch recht dezidiert den beiden „Kontrahenten“208, der Behörde und den Verbänden, zuweisen lassen: auf Seiten der Behörde und etlichen Politikern findet sich die Vorstellung, Qualität in Kitas könne mit fest definierten Erfolgsstandards und deren stichprobenhafter Überwachung hergestellt werden. Es finden sich recht explizit Verknüpfungen zu Ideen des NPMs, die die Idee der Wirkungssteuerung im öffentlichen Sektor populär gemacht haben.
Barbara Junne

7. Von hier aus...

Die Geschichte der Vermischung der beiden Formen der Accountability spielt sich in unterschiedlichen Arenen des gesellschaftlichen Lebens ab, in denen Qualitätsmanagement verhandelt wird. Im Parlament, in der Hamburger Bürgerschaft, in der Behörde, im Rechnungshof, in den Gremien der Verbände, in unterschiedlichsten Sitzungen und Arbeitskreisen und nicht zuletzt in den Kitas selbst, geschieht ein enactment sowohl von Qualität als auch von Qualitätsmanagement.
Barbara Junne

8. Epilog

Zu bedenken geben möchte ich zu guter letzt, dass wir, durch eine nicht zwingende Engführung der Verfahren, nicht nur unsere Freiheitsräume beschränken, sondern auch die unserer Kinder. Die immer ausgefeilteren Kompetenzprofile und Rankings, mit denen wir die Fähigkeiten unserer Kinder zu fassen versuchen, erinnern an Hegels anatomisch einwandfreie Definition des Menschen: „Der Mensch ist ein Säugetier mit Ohrläppchen“ (Kappler, 2013: S. 303 zitiert Hegel 1986/1830, 19).
Barbara Junne

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Voraussetzungen für die wirtschaftliche additive Fertigung

Viele Unternehmen stellen die technische Umsetzbarkeit oder die Wirtschaftlichkeit additiv gefertigter Produkte in Frage und zögern bei der Anwendung. Mit einer neuen Denkweise führt die additive Fertigung jedoch zu höherer Wirtschaftlichkeit und Vorteilen im Wettbewerb, wie Kegelmann Technik in diesem Beitrag beschreibt.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise