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05.11.2020 | Additive Fertigung | Interview | Onlineartikel

"Additive Fertigung ist von Natur aus innovativ"

Autor:
Leyla Buchholz
4:30 Min. Lesedauer
Interviewt wurden:
Kareen Malsallez

ist seit 2019 Marketing Manager für 3DCeram.

Nicolas Rousselet

kam 2018 als Business Unit Manager zu 3DCeram. Seit September 2019 ist er Business Manager Luft- und Raumfahrt.

3DCeram Sinto ist ein französisches Technologieunternehmen mit Sitz in Limoges und 15 Jahren Erfahrung im 3D-Druck von komplexen Keramikteilen mit einem breiten Spektrum an Produkten und Dienstleistungen und einer eigenen Produktlinie von 3D-Druckern. Im Gespräch mit der Keramischen Zeitschrift mit Nicolas Rousselet, Aerospace Business Manager, und Kareen Malsallez, Marketing Manager, ging es um einen neuen Service, der auf die Anforderungen der Kunden aus der Luft- und Raumfahrtindustrie zugeschnitten ist.

Interceram: Was ist die besondere Stärke der Drucktechnologie von 3DCeram?

Nicolas Rousselet: Wir haben bei 3DCeram die Stereolithographie (SLA) für Keramiken weiterentwickelt. SLA ist sehr interessant, weil es die präziseste AM-Technologie ist. Wenn wir sie zum Beispiel mit FDM (Fused Deposition Modeling) oder Extrusion vergleichen, ist SLA in der Präzision überlegen, weil wir einen UV-Laser verwenden. Der Laser ist das präziseste Werkzeug für die Polymerisation und Formgebung des Teils. Das macht unser Verfahren für Unternehmen attraktiv, weil unsere gedruckten Teile sehr gute mechanische und thermische Eigenschaften haben. Unsere Technologie eignet sich daher für viele verschiedene Anwendungen, zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Kareen Malsallez: Wir sehen auch einen Trend zur kundenspezifischen Massenanfertigung, die jetzt zunehmend von der Industrie gefordert wird. Aus diesem Grund haben wir einen vollwertigen Drucker entwickelt, der den gesamten Produktionsprozess von der Prototypenentwicklung bis hin zur individualisierten Massenanfertigung abdecken kann. Darüber hinaus bietet unsere SLA-Technologie auch eine große Flexibilität bei der Entwicklung neuer Anwendungen.

Lesen Sie das vollständige Interview in der Interceram 6, 2020.

Welche Bedeutung hat additive Fertigung als Produktionstechnologie in der Luft- und Raumfahrt? Welche der Prozesseigenschaften bieten hier einen Vorteil?

Nicolas Rousselet: Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist im Wandel. Neue private Unternehmen drängen auf den Markt. Dieser Sektor wird „New Space" genannt. In diesem Geschäftsfeld liegt die Priorität in der Verkleinerung und Gewichtsreduzierung von Teilen, zum Beispiel von Satelliten, sowie in der Reduzierung der Kosten und der Zeit bis zum Markteintritt. Hier eröffnen unser SLA-Verfahren und unsere keramischen Werkstoffe einen Weg, Teile mit komplexen Strukturen und mehr Funktionalitäten zu entwerfen. Der andere Faktor ist, dass additive Fertigung ein flexibles Herstellungsverfahren ist. Der Prozess kann an jeden Schritt einer Entwicklungsphase angepasst werden, da Änderungen an den Teilen ohne zusätzliche Kosten vorgenommen werden können. Die additive Fertigung ist von Natur aus innovativ.

Seit kurzem bietet 3DCeram einen speziellen Service namens 3D-AIM an. Was bedeutet das?

Kareen Malsallez: Wir spielen mit dem Wort "Tor" (goal) wie "auf ein Tor zielen" (aiming at a goal). Aber es beinhaltet auch die Abkürzung für Luft- und Raumfahrtindustrie (aerospace industry – AI). Dieser Service ist völlig neu, und wir arbeiten daran, ihn zu konkretisieren. Er ist tatsächlich eine Antwort auf das, was unsere Kunden und Stakeholder suchen. 3D-AIM wurde also aufgrund der Marktnachfrage geschaffen.

Was beinhaltet dieser Dienst?

Nicolas Rousselet: 3D-AIM ist ein maßgeschneiderter Support für Luft- und Raumfahrtunternehmen, die additive Fertigung als eine geeignete Lösung für ihre zukünftigen Projekte in Erwägung ziehen. Wir helfen einem Unternehmen bei der Entwicklung der Keramikanwendung vom Anfang bis zur Herstellung des Teils. Wir beginnen mit einer Diskussion über die Spezifikationen des Projekts. Das kann zum Beispiel ein gezielter Zeitrahmen oder ein gezielter Kostenplan sein. Unser Ansatz ist flexibel, weil wir ihn an verschiedene Projektphasen anpassen können. Wir beginnen mit den Rohdaten bis zur Herstellung der Teile, oder wir können Änderungen an bestehenden Keramikteilen vornehmen. Insgesamt ist 3D-AIM ein globaler Ansatz, weil wir sowohl die Entwurfs- und Produktionsphasen als auch den Technologietransfer zum Kunden übernehmen.

Kareen Malsallez: Meistens existiert ein Bauteil bereits und das Unternehmen produziert es auf traditionelle Weise, beispielsweise durch maschinelle Fertigung. Dann hören sie von additiver Fertigung und denken vielleicht darüber nach, ihr Teil zu optimieren und ein paar neue Funktionen hinzuzufügen, und manchmal wenden sie sich auch der additiven Fertigung zu, weil es ein kostensicheres Verfahren ist. Eine Kostenanalyse ist ebenfalls Teil von 3D-AIM. Zu Beginn eines neuen Projekts wollen wir also die Fragen beantworten: Wie kann ein Teil durch additive Fertigung hergestellt werden? Lohnt sich das kostenmäßig? Kann das Teil optimiert werden und können neue Funktionalitäten hinzugefügt werden?

Wie kamen Sie auf die Idee, diesen Service einzurichten?

Nicolas Rousselet: Der New Space Sektor fragt nach der intelligentesten Antwort, um seine Produkte zu optimieren. Deshalb richtet sich dieses Angebot zunächst an diesen Markt. Aber wir denken, dass die additive Massenproduktion im Laufe der Zeit in den Köpfen der Industrie immer stärker in den Vordergrund rücken wird, vor allem angesichts der Pandemie, mit der wir derzeit leben. Deshalb denken wir, dass dieses Angebot in den kommenden Jahren verschiedenen Industrien wirklich helfen könnte, in die additive Fertigung einzusteigen. 3D-AIM soll die Unternehmen darin unterstützen, den Prozess von Anfang bis Ende zu meistern. Und dann, so denken wir bei 3DCeram, wird die Hemmschwelle für Unternehmen viel niedriger sein, in diese Art der Produktion zu investieren. Das ist es, wovon wir träumen und warum wir diesen Service entwickelt haben.

Vielen Dank für das Interview.

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