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Über dieses Buch

​Ein zentrales Problem von Interessenverbänden liegt darin, dass sie das Verhältnis von Einfluss- und Mitgliedschaftslogik stets neu austarieren müssen. Am Beispiel der deutschen Ärzteverbände untersucht der Band die Neubestimmung von Einfluss- und Mitgliederlogik genauer und geht der Frage nach, wie sich dies auf das System der politischen Interessenvertretung in Deutschland auswirkt. Welche Anreize setzen Verbände, um Mitglieder zu gewinnen und zu halten? Wie wirkt sich dies auf Zusammensetzung und Aktivität der Mitgliedschaft aus? Und welche Rückwirkungen hat dies wiederum auf die politischen Einflussmöglichkeiten der Verbände?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Renaissance der Mitgliederlogik?

Ärzteverbände im Wandel
Viele der klassischen Großorganisationen, die die deutsche Politik der Nachkriegszeit maßgeblich beeinflusst haben, verlieren stetig an Mitgliedern. Parteien und Kirchen sind hierfür nur zwei prominente Beispiele. Dennoch sind Mitglieder nach wie vor wichtig für Verbände. Welche Rolle die Mitgliederlogik tatsächlich spielt, lässt sich an der komplexen Verbändelandschaft der Ärzteschaft besonders gut zeigen. Hier zeigt sich auch, das Thesen zur Mitgliedermotivation und -bindung weiterentwickelt werden müssen.
Tim Spier, Christoph Strünck

Interessenlagen und Interessenpolitik im Gesundheitssektor

Kaum ein anderes Politikfeld ist von so vielen Konfliktlinien geprägt wie die Gesundheitspolitik. Hier prallen ethische und wirtschaftliche Fragen aufeinander, es gibt sowohl altruistische und gemeinwohlorientierte wie auch gewinnorientierte Ziele. Zum Teil sind die Handlungsstrategien der Akteure durch rein private Interessen geprägt, zum Teil werden kollektive Interessen verfolgt. Der Beitrag setzt sich mit den Interessenlagen und der Interessenpolitik im Gesundheitssektor auseinander. Untersucht wird, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Ärzten, Pflegekräften, Patienten und Krankenversicherungen durch die Gewährung von staatlichen Organisationshilfen in Form der Inkorporierung in die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens und die Pflichtmitgliedschaft in Berufsverbänden verändert.
Tanja Klenk

Konfliktfelder und Konfliktlinien in der Ärzteschaft

Dass die Ärzteschaft mit einer Stimme spricht, ist nicht nur eine traditionelle Maßgabe ihrer Standesvertretungen, sondern – wohl bis zu den 1980er Jahren – auch eine in weiten Teilen zutreffende Beschreibung ärztlicher Standespolitik (z. B. Göckenjan 1985). Zwar hatte es Partikularinteressen und daraus resultierende Interessendivergenzen in der Ärzteschaft auch in früheren Zeiten gegeben, aber es war der ärztlichen Standespolitik angesichts günstiger ökonomischer und ordnungspolitischer Rahmenbedingungen deutlich leichter gefallen, einen Interessenausgleich herbeizuführen und auf diese Weise Interessenkonflikte zu befrieden. Seit den frühen 1990er-Jahren gelingt dies aber zunehmend weniger.
Thomas Gerlinger

Die Ärztekammern zwischen Professionsmythos und Verteilungskämpfen

Das Bild des Arztstandes als „Halbgötter in Weiß“, die dem Berufsethos verpflichtet sind, hat in der Öffentlichkeit deutlichen Schaden genommen. Dies wird insbesondere den öffentlich ausgetragenen Verteilungskonflikten in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung angelastet, während die Ärztekammer weitgehend als ethikorientierter, konfliktfreier Raum stilisiert wird. Tatsächlich sind sowohl das tatsächliche Professionsverständnis der Ärzteschaft und die Verhältnisse in den Selbstverwaltungsorganisationen differenzierter zu betrachten. Der Beitrag zeigt auf, dass auch die Ärztekammer durchaus von erheblichen (Verteilungs-)Konflikten betroffen ist, macht jedoch auch deutlich, dass die Ärzteschaft nach wie vor einen starken, handlungsleitenden Professionsmythos aufweist, der in der Lage ist, Spanungslinien zu überschreiben und gemeinwohlorientierte Entscheidungen zu befördern.
Katharina van Elten

Die Praxis der Mitgliederbindung und Mitgliederrekrutierung

Zwischen nüchternem Kalkül und emotionaler Bindung – ein Thesenkatalog aus und für die Praxis
Die Erkenntnisse aus verschiedenen Studien im Institut für Verbandsmanagement zeigen, dass es einige generelle Entwicklungstrends in der Verbändelandschaft gibt, ebenso wie bewährte Instrumente des Mitgliedermanagements. Diese Erkenntnisse sind auch für spezifische Verbandstypen wie die der organisierten Ärzteschaft bedeutsam. Die wichtigsten Erkenntnisse werden hier gebündelt in Thesenform wiedergegeben, als ein Konzentrat langjähriger Forschung und Beratung im Verbandsmanagement.
Hans Werner Busch

Zugang zur Politik und (un)zufriedene Mitglieder

Empirische Ergebnisse über die Mitglieder von ärztlichen Interessenverbänden
Staatstätigkeit und Regieren ist in pluralistischen Konsensus-Demokratien eng mit der Aktivität von Interessengruppen und Verbänden verbunden. Neben den politischen Parteien sind Interessengruppen auf vielen Ebenen (mit mehr oder weniger großem Einfluss auf Arbeitsgruppen, Fraktionen, Parteien, Ministerien, Gremien der Selbstverwaltung, Initiativen u. a.) des politischen Systems am politischen Prozess beteiligt. Dies trifft vor allem auf die Phasen des Agenda-Setting, der Implementierung oder der Evaluation und Re-Definition bestimmter Policies zu. Die empirischen Ergebnisse geben Auskunft über die Zufriedenheit von Mitgliedern ärztlicher Verbände zu verschiedenen Aspekten der Verbandsarbeit.
Thomas Brechtel

Zwischen öffentlich-rechtlicher Aufgabenerfüllung und ärztlicher Interessenvertretung

Kassenärztliche Vereinigungen und Ärztekammern
Die Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärztekammern nehmen im Organisationsfeld der ärztlichen Interessenvertretung eine gesonderte Stellung ein, da sie beide Körperschaften des öffentlichen Rechts darstellen. Dies ist insoweit relevant, als dass sich aufgrund ihres Status sowohl ihre Aufgaben als auch die Beziehung zu ihren Mitgliedern von klassischen Verbänden unterscheiden und sie in einem stetigen Spannungsfeld zwischen öffentlich-rechtlicher Aufgabenerfüllung und der Interessenvertretung ihrer Mitglieder agieren. Ziel des Portraits der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammern ist es dementsprechend, diese besondere Struktur darzustellen und daraus resultierende Folgen sowohl hinsichtlich des Verhältnisses der Körperschaften gegenüber den Mitgliedern, als auch in Bezug auf deren Beziehungen gegenüber externen Institutionen zu analysieren.
Philip Schillen, Corbin Kaiser

Liberale Interessensgemeinschaft oder doch Universalverband?

Der Hartmannbund
Im Gegensatz zu den Facharztverbänden, die über homogenere Mitgliedschaften verfügen und demzufolge in den Interessenlagen der Mitglieder eine hohe Kongruenz aufweisen, verdeutlichen die internen Untergliederungen durch die Mischung verschiedener Ärztegruppen im Hartmannbund den zentralen Interessenskonflikt. Die Kernbotschaften des Hartmannbunds richten sich insbesondere an den ärztlichen Unternehmer und unterstreichen den liberalen Charakter. Auf Grund des, seit den 80er Jahren kontinuierlich sinkenden Organisationsgrads und der heterogenen Mitgliederstruktur, steht der Hartmannbund vor großen Herausforderungen und es stellt sich die Frage nach der Vision für eine Harmonisierung der Interessen sowie Einigkeit über die Marschrichtung im Zuge eines, sich im digitalen Wandel befindenden Gesundheitswesens, um auch zukünftig die Rolles eines gewichtigen Akteurs und Interessensvertreter einer breiten Ärzteschaft zu behalten.
Moritz E. Behm

Freiberuflichkeit in der kontrollierenden Offensive

Der NAV-Virchow-Bund
Zweck des „NAV-Virchow-Bund – Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V.“ ist die Sicherung und Förderung der freiberuflichen Tätigkeit niedergelassener Ärzte und Zahnärzte, der Niederlassungsfreiheit, des freien Zugangs zur vertragsärztlichen Tätigkeit und der freien Arztwahl der Bevölkerung. Aktuelle versorgungspolitische, demografische und berufsstrukturelle Entwicklungen erfordern verbandspolitisch sowohl eine Konzertierung der Interessen freiberuflich tätiger, niedergelassener Ärzte als auch neue Wege zum innerverbandlichen Interessenausgleich zwischen unterschiedlichen Mitgliedsgruppen. Der NAV-Virchow-Bund – Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V. reagiert hierauf durch eine Vernetzungsstrategie kontrollierender Offensive und durch seine Weiterentwicklung zur Service-Agentur.
Michaela Evans, Josef Hilbert

Zwischen Berufsverband und Gewerkschaft

Der Marburger Bund als Ärzteverband
In der komplexen, heterogenen und ausdifferenzierten Verbandslandschaft der Ärzteorganisationen nimmt „Der Marburger Bund – Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands“ eine Sonderrolle ein. Er ist der einzige Ärzteverband der tarifpolitisch aktiv ist und damit den Status einer Gewerkschaft innehat. Seine tarifpolitische Zuständigkeit musste der Marburger Bund 2006 zunächst in Arbeitskämpfen gegenüber den Arbeitgebern durchsetzen. Mit der Transformation des aus berufsverbandlicher Tradition entstandenen Berufsverbandes zur Berufsgewerkschaft unterlagen sowohl die mitgliedschafts- als auch die einflussbezogenen Verbandsfunktionen deutlichen Veränderungen. An der Transformation zeigt sich daher beispielhaft, dass ein Verband seine Arbeit beständig zwischen der einflusslogischen und der mitgliedschaftslogischen Perspektive austarieren muss.
Samuel Greef

Im Dauerclinch mit dem KV-System

Der Deutsche Hausärzteverband
Der ambulante Sektor ist, gesundheitspolitisch betrachtet, von zahlreichen Konfliktlinien durchzogen und durch widerstreitende Interessen geprägt. Unter der Vielzahl ärztlicher Verbände ist der Deutsche Hausärzteverband zweifellos ein Schwergewicht. Der Ausgleich von Mitgliedschafts- und Einflusslogik gelingt ihm gut. Grundlage ist das Vertreten vergleichsweise homogener Interessen wie auch das Vorhandensein von politischen Bündnispartnern. Im Mittelpunkt der politischen Bemühungen steht die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) nach § 73b SGB V. Für den Deutschen Hausärzteverband ist die HzV von höchster Bedeutung, ihr Aufbau erfolgt im Konflikt mit dem korporativen KV-System.
Florian Eckert, Robin Rüsenberg

Schlussbetrachtung

Die organisierte Ärzteschaft in Deutschland verändert sich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen die Abwehrkämpfe gegen die Macht von Krankenkassen und Staat im Vordergrund. Der Hartmannbund und die Kassenärztlichen Vereinigungen stehen für diese frühe Phase. Inzwischen hat sich das Gesundheitssystem massiv verändert. Gesetzliche Änderungen, und Budgetdruck haben die Konfliktlinien und Konfliktstärke verändert. Die sich ändernde Sozialstruktur der Ärzteschaft weckt neue und andere Erwartungen an den Beruf. Positionen und Wandel der Ärzteverbände spiegeln den Wandel des Gesundheitssystems. Und sie zeigen, dass es sich lohnt, die Interessen von Mitgliedern genauer unter die Lupe zu nehmen.
Christoph Strünck, Tim Spier
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