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Über dieses Buch

Das Buch liefert eine affekttheoretisch informierte Analyse des Reality TV. Dabei wird das komplexe Affektgeschehen zwischen Fernsehsendung, Medientechnologie und den Körpern der Zuschauenden empirisch zugänglich und sichtbar. Eine multiperspektivische Analyse zeigt auf, welche Strategien und Muster der Erzeugung von Affekten und Emotionen Fernsehproduzent*innen nutzen, wie Inklusion und Exklusion im audiovisuellen Medientext für Zuschauende körperlich spürbar wird und welche Spuren Affekte in den Körpern und den Diskursen des Publikums hinterlassen. Auf den Ebenen Körper, Diskurse und Praktiken werden auf diese Weise affektive Dynamiken der Aushandlung von Zugehörigkeiten analysiert. Die Studie leistet damit einen methodisch wie auch theoretisch innovativen Beitrag zur Affekt- und Emotionsforschung in der Kommunikationswissenschaft.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Einleitung beschreibt, warum es sich immer noch lohnt, Reality TV zu untersuchen. Wir begreifen Reality TV als ein Format, das in besonderer Weise Emotionen erzeugt, Affekte herstellt, stimuliert und zirkuliert. Somit ist Reality TV ein Affektgenerator par excellence und bietet damit in seiner seit den 1990er Jahren fortdauernden, erfolgreichen Adressierung eines Publikums vielfältige Angebote und Vorlagen affektiv grundierter Zugehörigkeit. Eine affekttheoretisch informierte Analyse ermöglicht die Beantwortung von Fragen, die bisher in der Kommunikationswissenschaft selten behandelt wurden: Wie werden in und durch global gehandelte Formate des Reality TV Affekte und Emotionen erzeugt und zirkuliert? Wie wird damit Zugehörigkeit oder Ausschluss hergestellt? In welcher Weise werden damit die Körper der Zuschauenden für eine affektive Ökonomie verfügbar gemacht?
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 2. Theoretische Grundlagen: Emotionen und Affekte im Kontext medialer Kommunikation

Zusammenfassung
Das Kapitel beschreibt die zentralen theoretischen Grundlagen der Studie. Nach einem Überblick über Emotionsforschung in der Kommunikationswissenschaft und filmwissenschaftliche Perspektiven auf Affekte in audiovisuellen Medienangeboten entwickeln wir einen relationalen Affektbegriff, der zugleich eine Grundlage für die analytische Betrachtung von Emotionen liefert. Wir beschreiben Emotionen als Elemente gesellschaftlicher Ordnung, die durch Emotionsrepertoires zum Ausdruck kommen. Ausgehend von einem relationalen Affektbegriff entwickeln wir mit Blick auf das Rezeptions- und Aneignungsverhalten von Zuschauer*innen das Konzept affektiver Medienpraktiken. Dies ermöglicht uns, sowohl die verkörperten Affizierungen der Zuschauer*innen während der Fernsehnutzung als auch die diskursive Verhandlung des Affizierungsgeschehens im Prozess der Aneignung zu erfassen. Abschließend führen wir die Konzepte der Zugehörigkeit und Vergemeinschaftung ein, die wir als affektiv basierte Formen von Sozialität begreifen. Damit können wir beschreiben, wie durch die Regulation von Emotionen und Affekten soziale Strukturen geformt und verändert werden.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 3. Reality TV in der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Forschung

Zusammenfassung
Das Kapitel beschreibt den medien- und kommunikationswissenschaftlichen Forschungsstand zu Reality TV hinsichtlich der Analyse von Emotionen und Affekten. Dabei gehen wir 1) den medienökonomischen sowie affektiven Aspekten der Produktion translokaler Medienformate des Reality TV nach. Wir befassen uns 2) mit dem Forschungsstand zu Emotionen und Affekten in Medientexten des Reality TV. Abschließend beschreiben wir 3) das affekttheoretisch ausgerichtete Forschungsfeld zur Rezeption und Aneignung von Reality TV durch das Publikum. Es werden Desiderate im Bereich der Analyse affektiver Dynamiken im Reality TV und damit verbunden der Herstellung von Zugehörigkeiten und Ausschlussprozessen beschrieben. Im Zentrum stehen Forschungsfragen nach den relationalen Dynamiken und Intensitäten zwischen Produzierenden, den Körpern der Protagonist*innen von Reality TV Formaten, der Medientechnologie sowie den Körpern der Zuschauer*innen im alltagsweltlichen Kontext, welche in den folgenden Kapiteln empirisch beantwortet werden.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 4. Emotionsarbeit der Produzierenden

Zusammenfassung
Das Ziel der vorliegenden Analyse ist es, zu beschreiben, wie die Produzierenden durch die Arbeit mit und an Emotionen während der Adaption von Formaten des Reality TV spezifische Emotionsrepertoires aushandeln. Inwiefern zielen ihre Produktionspraktiken auf die Regulation beziehungsweise Modulation der Emotionen der Zuschauenden ab? Adressieren die Produzierenden dadurch Inklusions- und Exklusionsprozesse aufseiten des Publikums? Die der Analyse zugrunde liegende empirische Materialbasis umfasst zwölf qualitative Interviews mit deutschen und internationalen Produzierenden von Reality TV. Als erstes analysieren wir die Inszenierungspraktiken, durch die Emotionsrepertoires der Sendungen hergestellt werden. Dem schließt sich die Beschreibung der Regulation von Emotionen durch translokale und lokal-kulturelle Bezüge an. Abschließend analysieren wir die Rolle der Arbeit an den eigenen Gefühlen der Produzierenden bei der Herstellung der Emotionsrepertoires im Reality TV.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 5. Emotionsrepertoires und affizierende Register im Fernsehtext

Zusammenfassung
In diesem Kapitel fragen wir nach der Inszenierung von Emotionsrepertoires und deren Bedeutung für Empfindungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Dabei wird analysiert, welche emotionalen Ausdrucks- und Verhaltensweisen in der Castingshow ausgedrückt, gefordert und sanktioniert werden. Gleichzeitig werden diejenigen ästhetischen Inszenierungsweisen in den Blick genommen, die auf eine sinnliche Adressierung des Publikums abzielen und Körper aufeinander ausrichten. Anhand der Analyse zeigen wir, wie nicht nur Zugehörigkeiten zu Geschlecht, Klasse und Ethnizität, sondern auch zu religiösen Gemeinschaften oder Konsumgemeinschaften des Lifestyles aufgerufen werden. Auf sinnlicher Ebene werden Zugehörigkeiten dabei durch die Adressierung von Unbehagen spürbar gemacht.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 6. Das Publikum als Affektgemeinschaft

Zusammenfassung
Ziel des Kapitels ist es, die Rezeption der Zuschauenden von Reality TV aus affekttheoretischer Perspektive zu untersuchen. Dabei gilt unser Augenmerk insbesondere körperlichen Medienpraktiken der Rezipierenden, die uns Aufschluss über Formen der Vergemeinschaftung durch Reality TV geben können. Analytisch wird dies in der affektiven Relationalität zwischen Medientexten und -technologien und den Zuschauenden sichtbar. Für die Analyse des Affektgeschehens beim gemeinsamen Fernsehen der Sendung Germany’s Next Topmodel wird nicht-teilnehmende Videobeobachtung mit nachträglicher Befragung in Form des ‚lauten Denkens‘ gewählt. Anschließend wird das Material anhand einer Videoanalyse und in der Tradition der Grounded Theory analysiert. Wir zeigen auf, wie affektive Relationalität in interpersonalen wie medienbezogenen Interaktionen entsteht. Das Affektgeschehen setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen: der affektiven Relationalität zwischen 1) dem Affizierungspotenzial des Fernsehangebots, 2) den affektiven Medienpraktiken der Zuschauenden, 3) den Räumen, Artefakten und Technologien sowie 4) den Bedeutungskonstruktionen der Zuschauenden.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 7. Das Affektgeschehen des Fernsehens

Zusammenfassung
Anhand von drei Fallbeispielen werden in diesem Kapitel Fernsehtextanalysen mit Rezeptionsanalysen verschränkt. Ziel ist es dabei, Relationen zwischen Fernsehtext und Zuschauenden nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Körper miteinander verbunden und Zugehörigkeiten hergestellt oder unterlaufen werden. Die Analyse zeigt, wie und wodurch sich Rezipierende von den affizierenden Registern der Sendung bewegen oder beruhigen lassen. Zuschauende nutzen dabei unterschiedliche affektive Medienpraktiken, um Distinktion oder Zugehörigkeit auszudrücken, und es lassen sich drei zentrale Ebenen der Vergemeinschaftung und der Zugehörigkeit identifizieren.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 8. Aneignung von Reality TV in Emotionsgemeinschaften

Zusammenfassung
Dieses Kapitel zeigt auf, wie Zuschauende in Auseinandersetzung mit Formaten des Reality TV Zugehörigkeiten und Ausschluss verhandeln. Mit der Methode der Gruppendiskussion zeichnen wir affektive Medienpraktiken nach, die im relationalen Geschehen zwischen sozialer Gruppe, Medienangebot und diskursiver Aneignung vollzogen werden. Untersucht wird wie Emotionsgemeinschaften als Ergebnis gemeinsamer affektiver Medienpraktiken erzeugt werden und welche Diskurse bei den Zuschauenden im Anschluss an den Fernsehtext hervorgebracht werden. Besonderes Augenmerk erfahren dabei Fangruppen als Emotionsgemeinschaften.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Kapitel 9. Resümee und Fazit: Mediale Affektregulation in Affective Societies

Zusammenfassung
In diesem Schlusskapitel werden zentrale Befunde der multimethodischen Analyse zusammengefasst und der Ertrag der holistischen Herangehensweise diskutiert. Die affekttheoretisch informierte Analyse medialer Kommunikationsprozesse lässt die verschiedenen Elemente (Produktion, Medientext, Rezeption und Aneignung) als relational aufeinander bezogen sichtbar werden. Erkennbar werden dabei die je spezifischen temporalen Dynamiken und Intensitäten in der Entfaltung von Affekten aufseiten des Medientextes wie der Zuschauenden. Affektive Relationalität entsteht, dies wird an einem Schaubild entwickelt, im Zusammenwirken von affizierenden Registern des Medientextes und affektiven Medienpraktiken der Zuschauenden. Über die konkreten Befunde zum Reality TV hinaus, werden Formen der Affektregulation in globalen Medienkulturen als Bausteine einer affektiven Gouvernementalität im Rahmen medialer Affektökonomien erörtert. Zum Abschluss wird das Potenzial des turn to affect für die Kommunikationswissenschaft diskutiert.
Margreth Lünenborg, Claudia Töpper, Laura Sūna, Tanja Maier

Backmatter

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