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Agile Unternehmen sind noch Zukunftsmusik

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Agilität wird als Antwort auf alle Probleme gehypt, die Unternehmen derzeit durch die Corona-Krise haben. Doch wie eine Studie zeigt, sind agile Methoden in den meisten Unternehmen noch graue Theorie, obwohl sich Fachkräfte diese wünschen.
 

Agile Methoden bieten viele Vorteile. Doch die wenigsten deutschen Unternehmen arbeiten agil oder wissen, wie agiles Projektmanagement funktioniert.


Nicht einmal zehn Prozent der Firmen hierzulande arbeiten agil. Und das, obwohl jeder dritte Beschäftigte dies befürwortet und das Gros der Befragten agilen Methoden wie Scrum oder Kanban gegenüber offen ist. Dies ist ein Ergebnis einer Studie der Online-Jobplattform Stepstone und des Kienbaum Institut @ISM unter 10.000 Fach- und Führungskräften. Immerhin kennen mehr als zwei Drittel der Führungskräfte und über die Hälfte der Fachkräfte eine oder mehrere agile Methoden. 

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2019 | Buch

Erfolgsfaktor Agilität

Warum Scrum und Kanban zu zufriedenen Mitarbeitern und erfolgreichen Kunden führen

Mehr und mehr Unternehmen gehen dazu über, agile Organisationsstrukturen umzusetzen. Ein Unternehmen von der klassischen Struktur zu einem agilen Unternehmen zu wandeln, erfordert nicht nur von Führungskräften ein Umdenken.

Doch in zwei Drittel der Organisationen kann von flachen Hierarchien nicht die Rede sein, die sich 61 Prozent der befragten Fachkräfte wünschen. Nur gut jede vierte Fachkraft kann eigenverantwortliche Entscheidungen treffen und nur 16 Prozent werden dazu animiert, Neues auszuprobieren.

Auf Grund von Korrelationsanalysen ziehen die Studienautoren den Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen digitaler Führungskompetenz, Organisationsagilität, Innovation und Performance gibt. Deshalb sollten Unternehmen inbesondere für ihre Innovationsprozesse auf agile Methoden setzen. 

Agile Methoden beschleunigen 

Denn agile Methoden aus der Softwareentwicklung ersetzen zermürbende Meetings, endlose Freigabeschleifen und Dokumentationsprozesse, die zu ausufernden Entwicklungszeiten führen. Teams werden stattdessen ermutigt, abteilungsübergreifend und selbstverantwortlich an einem Projekt zu arbeiten und in enger Abstimmung mit dem Kunden zur Reife zu bringen.

Um Innovationen mit agilen Methoden zu fördern, muss sich allerdings die Unternehmenskultur und damit auch der Führungsstil radikal ändern: Manager dürfen ihre kreativen Köpfe nicht ausbremsen, sondern sollten ihnen den nötigen Freiraum verschaffen. Noch fehlen vielen Unternehmen die Erfahrungen mit agilen Methoden und der Mut, ihre Innovationsprozesse konsequent umzustellen. Doch nur, wenn Agilität im Management vorgelebt wird, können sich agile Ansätze im Unternehmen etablieren.

Manager tun sich mit Agilität schwer

"Agil ist eine Art Reizwort, das die einen lieben, die anderen nicht verstehen und die nächsten kategorisch ablehnen", schreibt Svenja Hofert im Kapitel "Einführung in das agile Denken". "Manager hassten 'agile' (engl. ausgesprochen ätscheil), so schrieb einmal die amerikanische Zeitschrift "Forbes". Die Zeitschrift begründete die Abwehrhaltung mit der Angst der Führungskräfte vor einem Machtverlust. Denn Agilität im Management beziehungsweise agile Führung wird gerne mit dem Abbau von Führung verwechselt. Doch es geht nicht um weniger Führung, sondern nur um weniger Hierarchien", so die Springer-Autorin. 

Agile Personalführung als Erfolgsfaktor

Dabei ist agile Personalführung ein Erfolgsfaktor in Organisationen, so Gernot Schiefer und Hanna Nitsche. Die Springer-Autoren erklären, welche positiven Effekte erzielt werden, wenn Mitarbeiter und Teams zum eigenverantwortlichem Handeln befähigt werden. 

Vorteile von agilen Teams

Agile Teams sind in der Lage, schneller und effizienter einen Kundennutzen zu generieren, weil sie näher an den Kunden sind als ihre Vorgesetzten. Um von diesem Vorteil profitieren zu können, müssen Mitarbeiter befähigt werden, eigenverantwortliche Entscheidungen zu fällen. Dieses Vorgehen heißt Empowerment.

Empowerment steigert zudem das Engagement der Mitarbeiter. Sie leisten einen eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg, "da sie Verantwortung für die Ergebnisse tragen und somit Erfolg und Misserfolg der Organisation mitbestimmen." Das wirkt sinnstiftend und motiviert. 

Unternehmen, die ihren Beschäftigten diese Entscheidungsfreiräume ermöglichen, erwirtschaften erwiesenermaßer mehr Umsatz und wachsen mehr als Unternehmen, in denen das Prinzip Command-and-Control regiert.

Quelle: Agile Personalführung als Erfolgsfaktor in Unternehmen, Seite 7 f.

Agile Führung umsetzen

Auch wenn Vorgesetzte Kontrolle abgeben, bleibt Führung bei agilen Innovationsprozessen wichtig, aber sie wird laut Springer-Autor Markus Berg entpersonalisierter und ist nicht mehr an eine konkrete Person mit entsprechender hierarchischer Position, Funktion und Persönlichkeit gebunden. Führung werde zudem geteilter, sodass bestehende Führungsaufgaben auf mehrere Führungsrollen aufgeteilt werden, wie etwa Auftraggeber, Product Owner, selbstorganisiertes Entwicklungsteam oder Agile Coach. Im Buchkapitel "Die Führungsrolle 4.0 in agilen Innovationsmodellen" nennt er die zehn agilen Prinzipien, auf die Führungskräfte besonderen Wert legen sollten: 

  1. User-Zentrierung: Die Bedürfnisse des Kunden/Nutzers stehen im Fokus der Produktenwicklung; 
  2. Adaption: Die Planung wird an äußere Umstände und innere Erkenntnisse angepasst; 
  3. Iteration: Teams tasten sich schrittweise an ideale Lösung heran, etwa durch das Feedback der User; 
  4. Bevollmächtigtes Team: Entwicklungsteam brauchen klare Entscheidungskompetenzen und Grenzen; 
  5. Selbstorganisation: Teams organisieren ihre Arbeit eigenverantwortlich und treffen Entscheidungen autonom; 
  6. Experimentieren: Projektmitglieder sollten durch Experimentieren Erfahrungen sammeln und nicht zu viel Zeit in Planung und Konzepte stecken; 
  7. Retrospektion: Um aus Fehlern zu lernen, sollten Teams regelmäßig reflektieren; 
  8. Kooperation: Zusammenarbeit sollte abteilungs- und hierarchieübergeifend sein und auch Lieferanten und Kunden berücksichtigen; 
  9. Regelmäßige Auslieferung: Jede Iteration bringt eine Teillösung, ein MVP (Minimum Viable Product) oder eine Idee/einen  Prototyp hervor; 
  10. Balance: Mitarbeiter holen sich ihre Aufgaben nach dem Pull-Prinzip und minimieren parallele Arbeiten. 

Empfehlung: Es muss nicht immer gleich eine agile Revolution sein, die auf einen Schlag das ganze Unternehmen von Kopf bis Fuß umkrempeln soll. Wer Prozesse beschleunigen und Teams innovativer machen will, kann agile Methoden zunächst in dafür geeigneten Projekten erproben. Das hilft, Vorurteile abzubauen und 'agile' langsam in den Köpfen zu verankern. 

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    Bildnachweise
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