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03.07.2020 | Agile Methoden | Kolumne | Onlineartikel

Methodenvernarrtheit ist kein Ziel

Autor:
Marcus Wenkel
4 Min. Lesedauer

Unternehmen wollen anpassungsfähig sein, verlieren sie sich aber oft in Methoden und Begrifflichkeiten. Anstatt ein Ziel vor Augen zu haben, geht es nur noch um den richtigen Workflow. So verkommen die Management-Methoden: Vom Mittel werden sie zum Zweck, den sie dann verfehlen, so Gastkolumnist Marcus Wenkel.

Buzzwords sind Begriffe, die in Medien und Unternehmen wie die Sau durchs Dorf getrieben werden. Eines der in den letzten Jahren inflationär genutzten Begriffe ist 'agil' oder – noch schlimmer – 'Agilität'. Alleinstehend haben diese Begriffe überhaupt keine Aussagekraft. Wenn ein Manager sagt, "Unser Unternehmen ist agil", sagt das erst einmal genauso viel aus, wie wenn jemand sagt, "Ich habe ein T-Shirt an". Die Frage ist immer: In welchem Kontext ist ein Unternehmen agil?

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Und welchen Unterschied macht das zu den Begriffen flexibel, anpassungsfähig, erfolgreich, kundenzentriert? Inzwischen lässt sich alles und nichts in solche Begriffe hineindeuten, was hochproblematisch ist: Denn dadurch verlieren sie an Klarheit, verwässern und führen zu Missverständnissen. Und hinterher ist die Enttäuschung groß: Der Manager hat sich etwas anderes darunter vorgestellt, als der Abteilungsleiter. Und der wiederum etwas anderes als der externe Agile Coach.

Richtung vor Methode

Wer also an Begrifflichkeiten festhält, sollte immer genau klären, was diese für alle Beteiligten bedeuten. Noch hilfreicher ist es, Methoden und Begrifflichkeiten auszublenden und zu reflektieren, wo das Unternehmen, die Abteilung, das Projektteam eigentlich hin möchte. Das hat viel mehr mit Haltung zu tun, als mit Begriffen. Natürlich kann – immer im Kontext betrachtet – die Etablierung eines Scrum Masters hilfreich sein. Problematisch wird es aber, wenn man versucht, Management-Methoden in klassisch und agil einzuteilen. Wer einer Methode zuschreibt, ob sie klassisch oder agil ist, wandelt auf dem Holzweg. Denn das tut nichts zur Sache. Es gibt keine agilen oder klassischen Methoden. Es gibt nur Methoden. Die Frage ist, welche Haltung Verantwortliche und ihre Teams für die Zielerreichung an den Tag legen.

Haltung frisst Methoden zum Frühstück

Wer sein Unternehmen auf die Herausforderungen im Markt rüsten will, sollte ein Verständnis in der Belegschaft dafür erzeugen: Gemeinsam mit allen Beteiligten über die Haltung reflektieren und eine Zielvision entwickeln, wie man dorthin gelangen möchte. Dafür muss man aber kein 20 Jahre altes Manifest auswendig lernen und seinen Agilitätsgrad daran messen, wie viele Leute im Team es frei aufsagen können. Nein, es geht darum, eine gemeinsame Haltung zu etablieren, um die Zukunft gestalten zu können.

Diese Haltung besteht nicht aus Kanban und Scrum – sondern aus einer Einstellung zu Märkten, Menschen, Wechselwirkungen und der Lust zu verstehen, was dort passiert. Diese Haltung besteht aus einer gemeinsame erarbeiteten Werteschnittmenge aller Beteiligten: Allen ist die Richtung klar, das Team kennt den Rahmen und hat ein Verständnis über die vorhandenen Erfahrungen und Kompetenzen. Wer glaubt, mit der Implementierung flexibler und dynamischer Workflows sei das Ziel erreich, irrt. Es geht um Ergebnisse, um die Erreichung der Unternehmensziele. Mit welcher Methode und Arbeitsweise diese Ziele erreicht werden, tut überhaupt nichts zur Sache. Oder frei nach Peter Drucker: Haltung frisst Methoden zum Frühstück.

Individuelle Lösungsansätze für komplexe Herausforderungen

Die Wirtschaftswelt wird zunehmend komplexer. Darum müssen auch die Lösungswege einzelner Unternehmen immer individueller werden. Wer blind Ansätze der Wettbewerber auf das eigene Unternehmen anwendet, kann schnell stolpern. Der russische Schachweltmeister Garri Kasparow sagte einmal passend: "Eine Strategie, die für mich funktioniert, könnte andere in die Katastrophe führen." Im ersten Schritt sollten sich also Verantwortliche von der krampfhaften Methodenvernarrtheit verabschieden und stattdessen reflektieren, was sie eigentlich benötigen und wo sie hinwollen. Dann gilt es, zu schauen, wer im Unternehmen diese Ziele umsetzen kann. Das klingt simpel, erfordert aber eine Veränderung der Haltung.

Fazit: Für klare Ziel raus aus der Komfortzone

Eine neue Haltung ist gefragt. Das bedeutet, aus lieb gewonnenen Denkmustern auszubrechen und immer wieder die Komfortzone zu verlassen, klare Ziele zu definieren und gemeinsam mit allen Beteiligten dorthin zu arbeiten. Das ist mühsam und auch manchmal unbequem – führt aber zu nachhaltigen Ergebnissen. Wer sich entscheidet, externe Agile Coaches oder Berater an Bord zu holen, sollte darauf achten, dass sie neben der Methodenkompetenz vor allem in der Lage sind, die wahren Probleme oder Notwendigkeiten zu erarbeiten – und daraufhin dann wirkliche Ziele zu formulieren. Denn: Eine Methode allein ist kein Ziel.

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