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31.07.2018 | Agile Methoden | Im Fokus | Onlineartikel

Entwickeln abseits starrer Denkmuster

Autor:
Andreas Burkert

Agile Entwicklungsmethoden wie Scrum haben sich nun auch in der Automobilentwicklung etabliert. Das ist gut so. Herkömmliche Arbeitsweisen werden der Komplexität des autonomen Fahrens bei Weitem nicht mehr gerecht.

Wer soll das noch alles beherrschen? Die Komplexität mancher IT-Projekte im Automobilsegment übersteigt das vor Jahren noch Unvorstellbare. Als wäre das Aufrüsten der Fahrzeuge mit Funktionen der Konsumelektronik nicht schon genug, vor allem unter dem enormen Zeitdruck der kurzen Innovationszyklen, wirft die Forderung nach autonom fahrenden Automobilen jeden Entwicklungszeitplan vollkommen durcheinander. Dabei ist es nicht allein dem zähen Weg zur Legitimierung von (hoch-) automatisierten Automobilen per Gesetz geschuldet, dass das "automatisiertes Fahren später kommt", wie es Springer-Autor Markus Schöttle in seinem gleichlautenden Beitrag vorhersagt.

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Vor allem "auch technische Hürden führen derzeit zu einer etwas konservativeren Einschätzung der Roadmap in Richtung des autonomen Fahrens", so Schöttle und mahnt, dass "die funktionale Sicherheit einiger Systeme mehr als zuvor auf dem Prüfstand steht". Die Kritik ist berechtigt. Immerhin summiert sich der Software-Umfang wie er derzeit nur für Steuer-, Assistenz- und Multimediafunktionen benötigt wird auf mehr als 100 Millionen Codezeilen. Autonome Fahrfunktionen benötigen ein Vielfaches. Die zu programmieren, geschweige zu prüfen, ist mit der Arbeitsweise der Vergangenheit nicht mehr zu lösen. Mit starren Denkmustern lässt sich das Problem schon gar nicht lösen. Hilft die klassische IT weiter?

Abseits klassischer Entwicklungsmethodik

Elmar Frickenstein ist davon überzeugt. Der Bereichsleiter für "Vollautomatisiertes Fahren und Fahrerassistenz“ bei der BMW Group lässt genau deshalb sein Team "abseits der klassischen Entwicklungsmethodik arbeiten". So erzählt er es im Gespräch mit der ATZ. Für das sichere Erkennen und Klassifizieren der Objekte, wie sie für das autonome Fahren eine der wesentlichen Entwicklungsleistung darstellen, arbeiten dazu im neuen Autonomous Driving Campus in Unterschleißheim IT-Spezialisten sowie Softwareentwickler aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Machine Learning und Data Analysis. Das Modell LeSS (Large Scale Scrum) spielt dabei eine bedeutende Rolle.

"Im Mittelpunkt von Scrum steht das selbstorganisierte Entwicklerteam“, erklärt Uwe Winkelhake, der im Kapitel Beispiele innovativer Digitalisierungs-Projekte aus dem Buch Die digitale Transformation der Automobilindustrie auf die digitale Transformation der Automobilindustrie eingeht und die notwendige Arbeitsorganisation beschreibt. So wird das Team "durch einen Scrum Master unterstützt, der unter anderem dafür sorgt, dass das Scrum-Regelwerk eingehalten wird und das Team effizient und geschützt vor Störungen arbeiten kann“. Auch Frickenstein lässt so arbeiten. Konkret bedeutet dies, dass "der gesamte Entwicklungsprozess zerlegt wird und daraus sogenannte 14-tägige Sprints definiert werden".

Agil und eigenverantwortlich entwickeln 

Noch vor wenigen Jahren wurde in der Automobilentwicklung laut dem BMW-Bereichsleiter "etwas spezifiziert, definiert, die Architektur darum entwickelt und das fertige Produkt implementiert. Anschließend validiert, simuliert und verifiziert – und das alles nach dem klassischen V-Modell". Ein Zustand, der der Komplexität des autonomen Fahrens bei weitem nicht mehr gerecht wurde. Heute sitzen in immer zwei Feature-Teams (etwa 20 Personen) auf einer Fläche mit gemeinsamen Besprechungsinseln, Silent Rooms und Stand-up-Flächen zusammen. Dort können die Ingenieure "ungestört, hochkonzentriert und eigenverantwortlich an der Entwicklung ihrer Features arbeiten", wird der BMW-Entwickler im Report von Mathias Heerwagen Entwicklung im Wandel: Agile Methoden auf dem Vormarsch aus der ATZelektronik 3-2018 zitiert. 

Agile Methoden wie Scrum eignen sich für viele, aber nicht für alle Entwicklungsaufgaben. Dennoch sind sie aus der Automobilindustrie nicht mehr wegzudenken, da sie Prozesse effizienter machen und Entwickler schneller auf Änderungen reagieren können", resümiert Heerwagen in seinem Report.

Dass der bayerischen Automobilhersteller mit dem Einführen agiler Entwicklungsmethoden erfolgreich ist, erwähnt Frickenstein dann auch noch. "Durch die End-to-End-Verantwortung haben wir eine deutliche Verbesserung der Codequalität erzielt, und auch die Entwicklungsgeschwindigkeit ist höher als mit herkömmlichen Methoden". Und den wirtschaftlichen Erfolg des zu entwickelnden Produkts garantiert der Produktverantwortliche (Product Owner). Der definiert und priorisiert unter anderem "die Anforderungen im sogenannten Produkt-Backlog". Dazu steht er mit den Kunden und Investoren in engem Kontakt und berücksichtigt deren Wünsche. 

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