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20.05.2019 | Aktie | Nachricht | Onlineartikel

Aktienmärkte im Bann der Politik

Autor:
Michael Fuchs
2:30 Min. Lesedauer

An den Börsen dominiert die Unsicherheit. Weder mit China noch mit dem Iran sind sich die USA einig und auch der Brexit setzt den Papieren zu. Trotz der Entwicklungen gibt es auch positive Aspekte.

"Selten in der Geschichte dürfte die Politik so unberechenbar und zugleich so einflussreich gewesen sein. Über allem schwebt die Unsicherheit, was der nächste Trump-Tweet verursachen könnte", schreibt das Analyseteam des Vermögensverwalters DJE Kapital in einem aktuellen Kommentar. Angesichts der Nachrichtenlage ist das nicht verwunderlich: Der Handelskonflikt von USA und Chinas harrt einer Lösung, zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran könnte es zu einer militärischen Auseinadersetzung mit unabsehbaren Folgen für die Region kommen und im Hintergrund schwelt weiterhin der Brexit.

China könnte Verhandlungen verlassen

Das größte Problem stellt derzeit sicher der Handelsstreit dar. Das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump entspricht zwar seiner Strategie des Deal-Making, doch birgt es erhebliche Risiken. Die konfrontative Verhandlungsführung berührt Fragen der Mentalität und des Nationalbewusstseins, was die weitere Entwicklung schwer absehbar macht. "Es besteht die reale Gefahr, dass die Chinesen den Preis einer Einwilligung und damit des Gesichtsverlusts zu hoch ansetzen und sich vom Verhandlungstisch zurückziehen", schreibt Fabiana Fedeli, Global Head of Fundamental Equities der Fondsgesellschaft Robeco in einem Beitrag. Kommt keine Einigung zu Stande, drohen der Wirtschaft nach Einschätzung von Fedeli erhebliche Konsequenzen, da sowohl Exporteure als auch Importeure unter den Zöllen leiden und entsprechend niedrigere Gewinne einfahren dürften. Das Unangenehme dabei: Es wären auch viele Unternehmen anderer Ländern betroffen, "die die chinesische Lieferkette unterstützen, wie Korea, Taiwan, Japan und Deutschland". Mit den entsprechenden Folgen für ihre Aktienkurse. 

Die USA als binnenorientierte Wirtschaft – das zeigt die relative Stärke der US-Aktienmärkte – dürfte einen Handelskrieg zwar vergleichsweise gut überstehen. Ganz ohne Blessuren käme sie aber nicht davon. "Bei Nicht-Einigung werden die USA wie angedroht tatsächlich Vorprodukte und Technologiegüter aus China wie Laptops und Handys verzollen müssen. Daraus resultierende Lieferengpässe in der Industrie und Kostenerhöhungen bei Konsumenten wirken ebenso wirtschaftsschädlich wie der dann zu erwartende Importstopp Chinas von amerikanischen Agrargütern oder langlebiger Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Boeing-Flugzeugen", betont der Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank.

Handelspartner Chinas könnten profitieren

Eine Eskalation müsste freilich nicht im Fiasko enden, sondern könnte auch positive Konsequenzen haben. China wird einer geringeren Auslandsnachfrage nach Einschätzung von Fedeli sicher nicht tatenlos zusehen, sondern "die Konjunkturmaßnahmen verstärken und die inländischen Strukturreformen beschleunigen". Die Konfrontation mit den USA könnte sich somit als Katalysator für den Umbau der chinesischen Wirtschaft erweisen. Dadurch würde China aber nicht nur die Auswirkungen der Zölle abfedern, auch die Handelspartner des Landes dürften profitieren.

Noch besteht aber die Hoffnung, dass es zu einer Einigung kommt. Die Aufhebung der Stahl- und Aluminiumzölle zwischen den USA, Kanada und Mexiko habe gezeigt, dass die Handelsstreitigkeiten keine Einbahnstraße und Lösungen möglich sind. Damit würde ein Unsicherheitsfaktor von den Börsen im In- und Ausland verschwinden. 

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