Skip to main content
main-content

23.11.2021 | Aktie | Im Fokus | Onlineartikel

Digitale Anbieter sind Gewinner des Aktien-Booms

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Corona-Pandemie und Strafzinsen haben Aktien und Fonds zu den neuen Lieblingen deutscher Sparer gemacht. Die Höhe des investierten Kapitals und die Zahl neuer Depots eilen von Rekord zu Rekord. Von diesem Trend profitieren vor allem Digitalbanken und Neo-Broker.

"Aktien bieten langfristig attraktive Erträge. Sie sind damit gerade im anhaltenden Niedrigzinsumfeld alternativlos, wenn es darum geht, Ersparnisse effektiv zu vermehren. Das spricht sich offensichtlich herum, hat sich doch im Jahr 2020 die Zahl der Aktionäre in Deutschland deutlich erhöht", erläutert Norbert Kuhn im Buch "Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Aktien" (Seite 217). 

Empfehlung der Redaktion

2021 | Buch

Aktienanalyse in drei Schritten

Bonität, Kurs und Charts: Wie Sie die Aktien finden, die zu Ihnen passen

Dieses Sachbuch bietet privaten Anlegern eine erprobte Methode, Aktien mit einfachen Mitteln in drei Dimensionen zu analysieren, um eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Chancen und Risiken werden aufgedeckt und abgewogen, so dass Anleger gemäß ihrer eigenen Risikobereitschaft handeln können.

Das belegt auch die aktuelle Studie "Bye Bye Banks?" des Beratungshauses Barkow Constulting im Auftrag des digitalen Vermögensverwalters Whitebox. Der zufolge haben private Haushalte in Deutschland im Jahr 2020 Kapital in Höhe von 39,4 Milliarden Euro in Aktien sowie weitere 41,6 Milliarden Euro in Fonds, inklusive ETFs, investiert. Das ist der höchste Wert seit 2001. Und der Trend zu Wertpapieren scheint ungebrochen: So legten Privatanleger im ersten Halbjahr 2021 bereits 57,4 Milliarden Euro in Aktien und Fonds an. 

Drei Viertel aller neuen Depots bei digitalen Anbietern

Doch offenbar profitieren von dieser neuen Lust auf Börse vor allem digitale Wettbewerber in der Finanzbranche, wie François Baumgartner im Bankmagazin-Beitrag "Kluge Fintechs setzen auf Finanzbildung" (Ausgabe 10 | 2021) schreibt. "Unabhängig von der Anlageklasse und der Art des Wertpapiers findet Brokerage immer öfter via Smartphones und Apps statt, denn diese sind schnell und einfach, ihre Anwendung wirkt transparent", führt der Autor aus. 

"Neben den klassischen Vollbanken mit Online-Banking sowie Depotangebot gibt es Direktbanken und Neo-Broker, die um Anlegerkunden mit ihren Angeboten kämpfen", zitiert er Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor allem letztere heizten den Wettbewerb mit schicken Benutzeroberflächen und aggressiven Preismodellen an. "Sie haben damit einen Weg gefunden, junge Anlegergruppen anzusprechen, und animieren diese, viel an den Märkten zu handeln."

Zahl der neuen Depots erreicht Rekordstände

Das bestätigt auch die Barkow-Analyse, für die aktuelle Statistiken und Daten unter anderem der Deutschen Bundesbank, der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Börse sowie verschiedener Bankenverbände im September 2021 umfassend ausgewertet wurden. Zwar lag der Anteil aller Depots in Deutschland im Juni 2021 mit 65 Prozent in der Hand der etablierten Institute. Doch in den zwölf Monaten davor wurden 77 Prozent der neuen Depots bei einem digitalen Anbieter geschlossen. Insgesamt wuchs deren Zahl 2020 um 1,7 Millionen - die stärkste Zunahme seit 2001. Zwischen Januar und Juni 2021 kamen jeweils noch einmal über 150.000 pro Monat hinzu. Damit geht an den klassischen Instituten ein Großteil des Neugeschäfts vorbei. 

"Mit Neo- und Discountbrokern wie Etoro, Bison oder Scalable Capital haben sich hierzulande einige neue Akteure etabliert, die in vielerlei Hinsicht innovativ sind und infolgedessen bestehende Anbieter unter Druck setzen", führt dazu Autor Baumgartner aus. "Die neuen Player haben von den US-Pionieren gelernt, wie attraktive Investment Tools aussehen können", erklärt Markus Holdenrieder, Business Solution Engineer beim Finanztechnologie-Spezialisten FIS, im Beitrag. Der Kauf von Wertpapieren sei mit wenigen Klicks erledigt. "Dies verleitet natürlich auch dazu, mehr zu handeln. Und Flatrate-Angebote tun ihr Übriges."

Etablierte Banken empfehlen meist hauseigene Produkte

Traditionelle Finanzinstitute bieten ein breites Angebot, ermöglichen den persönlichen Kontakt etwa zu Beratern in der Filiale und eine möglichst individuelle Anlageberatung. Dadurch kann auch bei fehlender Erfahrung an der Börse gehandelt und Vermögen aufgebaut werden. Allerdings beraten diese häufig nicht zu Einzelwerten, Empfehlungen zu einzelnen Titeln haben Seltenheitswert. Die Berater neigen eher dazu, softwareunterstützt hauseigene Produkte wie Fonds oder ETFs zu verkaufen", fasst Jörn Hüsgen, Geschäftsführer des Deutschen Kundeninstituts (DKI), im Interview mit Springer Professional die Vor- und Nachteile etablierter Anbieter zusammen.

"Klassische Institute werden genau beobachten, wie sich die Geschäftsmodelle entwickeln, und mittelfristig auch ihre Services umstellen müssen. Oder sie ergänzen ihr Portfolio für bestimmte Zielgruppen mit einem entsprechenden Angebot", glaubt der DKI-Experte. Durch einen anhaltenden Preis- und Kostendruck werden die etablierten Gebührenstrukturen auf Dauer nur schwer fortführbar sein. Das gelte spätestens dann, "wenn Low-Cost-Broker aus ihrem Nischendasein entwachsen".

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Exchange Traded Funds (ETF)

Quelle:
International Finance

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Vermögensaufbau mit Investmentfonds

Quelle:
Geldanlage und Steuer 2020

01.12.2020 | Strategie | Ausgabe 12/2020

Die Welle rollt weiter

01.09.2021 | Vertrieb | Ausgabe 10/2021

Kluge Fintechs setzen auf Finanzbildung

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Zielgruppe

Quelle:
Finanzberatung für das digitale Zeitalter

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise