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20.12.2019 | Aktie | Im Fokus | Onlineartikel

Aktien starten nach Boom gebremst ins neue Jahrzehnt

Autor:
Michael Fuchs
4 Min. Lesedauer

2019 war ein außerordentlich gutes Aktienjahr. Ob es in den kommenden zwölf Monaten so weitergeht, ist fraglich. Mit einem Einbruch rechnen Experten allerdings nicht. Denn gegenüber der Anleihe haben Aktien weiterhin die Nase vorn. 

Sollten die Kurse nicht in den letzten Handelstagen noch in die Knie gehen, können Anleger zum Jahreswechsel die Gläser klingen lassen. Das war im Dezember 2018 nicht zu erwarten. An den Börsen ging es vor zwölf Monaten ungebremst nach unten. Zum Jahresende schlugen acht Prozent Verlust beim MSCI World Index zu Buche und Sorgen über ein Ende der jahrelangen Aufwärtsbewegung an den Börsen machten die Runde.

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Lockere Geldpolitik hilft Aktienkursen

Doch es sollte anders kommen. Die Märkte setzten um den Jahreswechsel zu einer kräftigen Erholung an, die US-Indizes erreichten sogar neue Rekordstände. Und das trotz widriger Umstände. Der Brexit beherrschte im gesamten Jahr die Schlagzeilen ebenso hartnäckig wie die internationalen Handelsstreitigkeiten, allen voran die gespannten Beziehungen zwischen China und den USA. Zu allem Überfluss trübten sich auch noch die Konjunkturdaten ein.

Als Taktgeber der Finanzmärkte erwiesen sich aber einmal mehr die Notenbanken. Die US-Währungshüter schwenkten auf eine lockere Geldpolitik ein und vertrieben damit das Gespenst steigender Zinsen, während die Europäische Zentralbank mit der Wiederaufnahme von Wertpapierkäufen aufwartete.

Möglichkeiten der Notenbanken schwinden

Dass die Finanzmärkte mit Volldampf ins nächste Jahr marschieren, ist allerdings unwahrscheinlich. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts werde die Geldpolitik nicht noch einmal die Wirkung wie 2019 entfalten, stellte Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der der Deka Bank, im Rahmen seines Kapitalmarktausblicks fest. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. "Die Mittel der Notenbanken sind zunehmend erschöpft", merkte Chefvolkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank zu den Konjunkturaussichten an.

Schlecht steht es damit um die Weltwirtschaft aber nicht. Die DZ Bank prognostiziert für 2020 ein stabiles Wachstum von 2,9 Prozent, die Deka rechnet sogar mit 3,1 Prozent. Eine derartige Entwicklung haben die Aktienmärkte freilich schon eingepreist. Die Anlageexperten beider Banken attestieren den Märkten daher nur begrenztes Potenzial. 

Rückschläge bei Aktien zum Kauf nutzen

Den Aktienmärkten den Rücken kehren sollten Anleger deshalb aber nicht. Für Aktien spricht nach Ansicht der Experten allein schon der Umstand, dass solide Anleihen nichts mehr abwerfen. DZ-Anlagestratege Christian Kahler rät angesichts der "ausgereizten Bewertung" bei Aktien zum Abwarten, hält Rückschläge aber für Kaufgelegenheiten. Erste Wahl sind dabei für ihn solide Dividendentitel. Schallmayer hält unterdessen Aktie aus Europa und den Schwellenländern für interessant, da sie im Vergleich zu den USA günstiger bewertet sind.

In dieses Szenario passen die Überlegungen der Vermögensverwaltung der UBS zum kommenden Jahr. Sollten die USA und China doch noch zu einem umfassenden Handelsabkommen finden, könnte das den globalen Industriezyklus beflügeln – und damit Schwellenländeraktien befeuern. Innerhalb Europas macht die Schweizer Bank in Deutschland Überraschungspotenzial aus. Ein Konjunkturprogramm der größten Volkswirtschaft des Kontinents könnte Substanzwerten antreiben. Und last but not least hält die Bank die US-Wahlen für einen möglichen Wendepunkt. Sollte sich ein Kandidat mit einer ganz anderen Agenda durchsetzen, könnte das zu einem Rückzug aus US-Aktien führen. 

Die Alternativen bei Anleihen sind begrenzt

Bei aller Unsicherheit über die künftige Entwicklung bleibt eines klar: An Aktien werden Sparer als nicht vorbeikommen. Denn Anleihen sind keine geeignete Alternative, stellt Constanze Hintze im Buch "Finanz-Petits-Fours" auf Seite 53 fest. Zumindest, wenn es um sichere Papiere mit geringer Ausfallwahrscheinlichkeit geht. Die Springer-Autorin fasst die Gefahren dieser Anlageform im Buchkapitel "Aktien: Der Weg zum Wohlstand führt über die Börse" zusammen: 

  1. Kaufkraftverlust bei langen Laufzeiten
  2. Anleger blenden die Qualität des Schuldners aus, um von hohen Zinsen zu proftieren
  3. Anleger lassen sich zu renditeversprechenden Konstruktionen im Anleihebereich verlocken und verkennen die versteckten Risiken

Die Feststellung, "für den Anleger gehören Anleihen in jedes gut strukturierte Portfolio", wie es die Autoren Philipp Karl Maximilian Lindmayer und Hans-Ulrich Dietz im Buchkapitel "Langfristige Geldanlage: Aktien, Anleihen und weitere Anlagemöglichkeiten" auf Seite 143 schreiben, bleibt zwar weiterhin gültig. Doch stünde dem Anleger dabei eine zunehmende und teilweise verwirrende Vielzahl an Anleihevarianten zur Verfügung, schreiben die Springer-Autoren. 

Um darunter die lukrativsten Möglichkeiten zu finden, müssen Investoren besonderes Gespür beweisen. Lediglich bei europäischen Hochzinsanleihen von Unternehmen und Staatsanleihen aus den Schwellenländern erwartet die Deka Bank in den kommenden zehn Jahren noch auskömmliche Renditen – allerdings zum Preis größerer Risiken.

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