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19.10.2021 | Aktie | Nachricht | Onlineartikel

Chance auf Jahresendrally an der Börse bleibt möglich

Autor:
Michael Fuchs
3:30 Min. Lesedauer

Wenn die Blätter fallen, steigen die Kurse. Doch ganz so absehbar wie die Jahreszeiten ist das Auf und Ab an den Börsen nicht. Nach der Rally der vergangenen eineinhalb Jahre ist die Luft an den Märkten dünner geworden und die Risiken haben zugenommen.

Mit dem Herbstbeginn rückt das Thema Jahresendrally auf die Tagesordnung. Und das mit gutem Grund. Nach einem oft schwierigen Spätsommer steigen die Aktienmärkte gegen Ende des Jahres statistisch wesentlich häufiger als sie fallen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. So ging es etwa im Krisenjahr 2008 auch im Schlussquartal nach unten. Die aktuelle Lage ist mit der Finanzkrise zwar nicht vergleichbar, aber nach dem Corona-Schock im Vorjahr haben sich Risiken aufgebaut. 

So droht Gegenwind von der Geldpolitik. Inzwischen gilt es als sicher, dass die US-Notenbank ihren bisherigen extrem lockeren Kurs nicht fortsetzen wird. Dafür spricht nicht nur der Umstand, dass die Wirtschaft nach Corona-Einbruch wieder Tritt gefasst hat und keine Stützung mehr braucht. Ebenso wichtig sind die Impulse von der Inflationsseite. Die jüngsten Preissteigerungen waren so stark, dass sie auch außerhalb der Wirtschaftsmedien zum Thema wurden. 

Ultralockere Geldpolitik geht zu Ende

"Die Inflation steigt weiter und die Notenbanken müssen reagieren. Auch mit dem letzten Sitzungsprotokoll der Federal Reserve wird klar, dass die ultralockere Geldpolitik zu Ende geht", stellt Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets fest. "Es beginnt mit einer Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe, dem sogenannten Tapering, und im Falle einer stabilen Wirtschaft könnte schon im kommenden Jahr der Geldhahn ganz zugedreht werden." Damit aber entfällt der wichtigste Treiber der fulminanten Rally an den Börsen. Von den Währungshütern ist indes Fingerspitzengefühl gefragt. Bremst die US-Notenbank zu stark, könnten die Börsen ins Schlingern geraten. Nur mit einer "transparenten und konsistenten Kommunikation" der Fed werde das Bremsmanöver "ohne größere Blessuren" gelingen, so Molnar.

Große Bedeutung kommt auch der gerade angelaufenen Berichtssaison zu. Die Unternehmen müssen beweisen, dass die hohen Aktienkurse berechtigt sind. Noch wichtiger als die Zahlen zum dritten Quartal sind die Aussagen zum weiteren Geschäftsverlauf. Verhaltene Aussichten wären Gift für die Märkte.

Weltwirtschaft verlangsamt sich schneller als erwartet

Anlass zur Sorge gibt es durchaus. Halbleitermangel und gestörte Lieferketten machen derzeit vielen Branchen zu schaffen. Zudem könnte der Anstieg der Energiepreise Unternehmen mit hohem Energieverbrauch einen Strich durch die Rechnung machen. Warnsignale gibt es auch von der Konjunktur. "Die Weltwirtschaft verlangsamt sich in einem schnelleren Tempo als erwartet", stellt Marktstratege Sebastian Galey von Nordea Asset Management fest. Mit China hat zuletzt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt merklich an Schwung verloren. 

Doch es gibt auch positive Signale. So ist die US-Berichtssaison gut angelaufen. "In der Zwölf-Monats-Betrachtung haben die 500 Unternehmen des S&P 500 ein neues Gewinn-Allzeithoch erreicht", merkt Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners dazu an. "Diese Entwicklung senkt die hohen Bewertungen zumindest leicht ab und sorgt so für Entspannung."

Die absehbare Kehrtwende der US-Notenbank ändert unterdessen nichts daran, dass die Geldpolitik historisch betrachtet locker bleibt. Marktstratege Galy geht davon aus, "dass das Tempo, in dem die Fed ihre Anleihekäufe reduziert, immer noch reichlich nicht-investierte Liquidität hinterlässt". Zudem dürfte die europäische Notenbank "das Tempo ihrer Anleihekäufe nur leicht" drosseln. Für die Aktienmärkte könnte das einen Favoritenwechsel bedeuten: Weg von den hoch bewerteten US-Aktien hin zu günstigeren Werten in anderen Teilen der Welt. 

Liquidität könnte nach Europa und China fließen

Galy rechnet damit, dass "Liquidität von den Vereinigten Staaten letztlich in Richtung China und Europäische Union fließen" wird. Die konjunkturellen Warnsignale hält der Marktstratege unterdessen nicht für Vorboten eines Abschwungs: "Im Laufe der Zeit dürfte der Optimismus im Markt erneut zunehmen, gespeist durch die enorme Menge an Liquidität und die sehr ordentlichen Wachstumsperspektiven." 

Mit der jüngsten Konsolidierung könnten die Unsicherheiten somit schon eingepreist sein. Zumindest einer soliden Entwicklung bis zum Jahreswechsel stünde damit nichts im Weg - auch wenn die Kurse wohl nicht mehr so stark steigen werden wie vor einem Jahr, als die Corona-Impfstoffe ein Kursfeuerwerk entfachten.

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