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22.11.2021 | Aktienfonds | Kolumne | Onlineartikel

Trendgetriebene Fonds sind oft mehr Schein als Sein

Autor:
Michael Fuchs
3 Min. Lesedauer

"In Megatrends investieren", raten Finanzpublikationen regelmäßig. Denn Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz oder neue Energien verheißen traumhafte Gewinne. Doch nicht jeder klingende Name hält, was er verspricht.

Themeninvestments haben mit der Corona-Krise einen Schub bekommen. Während viele Branche unter den Lockdown-Maßnahmen litten, gehörten Online-Händler, Technologieunternehmen und Biotechnologiefirmen zu den Gewinnern. Doch viele dieser Unternehmen sind nicht nur Profiteure der Ausnahmesituation seit Frühjahr 2020, sondern auch auch langfristig vielversprechend. 

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Megatrends lautet das Zauberwort, das hohe Gewinne über viele Jahre hinweg verspricht. Die künftige Amazon, Google oder Tesla zu finden, ist aber nicht einfach. Zu viele vermeintliche Stars von Übermorgen haben sich schon als Pleitekandidaten von Morgen erwiesen. "Je schnelllebiger ein identifiziertes Wachstumsfeld ist oder je tiefer es in der Zukunft liegt, desto mehr Unsicherheit begleitet den potenziellen Erfolg eines Unternehmens", warnt Fondsmanager Christian Schmitt vom Anbieter Ethenea.

Themenfonds haben bessere Aussichten als Einzelwerte

Einen Ausweg bieten Themenfonds. Anleger können damit einen Trend spielen, ohne sich auf die riskante Anlage in Einzelwerten einzulassen. Klassiker sind Technologie- und Biotechnologiefonds, die in den vergangenen zehn Jahren hohe Gewinne abgeworfen haben. Der Erfolg derartiger Produkte hat einen wahren Boom ausgelöst. Ob Elektromobilität, Blockchain oder Cannbis für medizinische Anwendungen – kein Trend, für den es nicht mindestens einen Fonds gibt. Für Anleger sind solche Entwicklungen freilich ein zweischneidiges Schwert. Mehr Angebot bedeutet zwar größere Auswahl, aber auch verstärkte Unübersichtlichkeit. 

Das fängt schon bei den Namen an. Anglizismen wie Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz), Automation & Robotics oder Digitalisation, mit denen sich die Fonds schmücken, klingen zwar verlockend, besagen jedoch wenig. Wer hofft, mit den Fonds auf noch unbekannte Highflyer von morgen zu setzen, wird enttäuscht. So investieren Produkte zum Thema Digitalisierung in etablierte Unternehmen wie den Streamingdienst Netflix und den niederländische Online-Zahlungsspezialisten Adyen, während sich unter dem Stichwort Automatisierung und Robotik Aktien bekannter Halbleiterkonzerne wie AMD und Nvidia finden. 

Fonds oft nicht breit genug gestreut

Das Problem sind aber nicht nur die Namen Fonds, die mehr auf Suggestion als auf begriffliche Genauigkeit setzen. Oft gibt es einfach nicht genügend genügend Aktien, um breit gestreut in einen neuen Trend zu investieren. Daher finden auch Werte, die nur bedingt dem Investmentschwerpunkt entsprechen, ihren Weg in die Portfolios. Das führt zu überraschenden Anlagen. So sind etwa AMD und Nvidia auch in Fonds mit dem Schwerpunkt Future Mobility hoch gewichtet, obwohl der Anleger hier wohl eher Hersteller von Fahrzeugen mit Elektroantrieb erwarten würde.

Ob sich mit den hoch spezialisierten Fonds eine überdurchschnittliche Entwicklung erzielen lässt, bleibt unteressen offen. Produkte zu Automatisierung und Digitalisierung haben sich in den vergangenen Jahr zwar gut geschlagen. Besser als breit aufgestellte Technologiefonds oder börsengehandelte Fonds (ETF) auf den technologielastigen Nasdaq-Index waren sie aber nicht. Angesichts der hohen Gewichtung der immer gleichen Aktien in den jeweiligen Fonds überrascht das kaum. 

Der genaue Blick auf die Aktien lohnt

Für Anleger ergibt sich damit die Frage, ob er jedem Trend mit einem eigenen Fonds hinterher jagen sollte. Viele Megatrends lassen sich mit bewährten Produkten abdecken, und das zu oft günstigeren Verwaltungsgebühren. Wer trotzdem Gefallen an den klingenden Namen der Trendsetter findet, sollte sich unbedingt die enthaltenen Aktien ansehen. Und dann prüfen, ob die Fonds halten, was sie versprechen - oder nur alten Wein in neuen Schläuchen bieten.
 

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