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Über dieses Buch

Das Buch befasst sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsziele der UN. Obwohl letztere schon 2015 verabschiedet wurden und die Umsetzung bis 2030 abgeschlossen sein soll, herrscht gegenwärtig noch immer ein Mangel an Initiativen, die die Nachhaltigkeitsziele zum Thema haben. Das Buch stößt eine Diskussion darüber an, wie das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich in der Lehre, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft eingeführt und bearbeitet werden kann. Eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen, von den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften über Mode- und Kunst- sowie Umweltwissenschaften bis hin zu den Sprach- und Medienwissenschaften tragen zu dem Werk bei.

Im Fokus des Buchs stehen die Mittel und Wege, mit denen das Engagement der Hochschulen und Nichtregierungsorganisationen in den globalen Bemühungen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zusammengeführt wird. Der Band vereinigt viele Erfahrungen und Fallstudien, die zur Weiterentwicklung des Themas „Umsetzung der SDGs“ beitragen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Die Nachhaltigkeitsziele der UN: eine Chance zur Vermittlung eines besseren Verständnisses von Nachhaltigkeitsherausforderungen

Die UN-Generalversammlung verabschiedete im September 2015 das Dokument „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Es beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, wirtschaftlichen Fortschritt und Umweltschutz in Einklang zu bringen und gleichzeitig ein Bewusstsein für die noch immer bestehenden Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu schaffen. In der Agenda enthalten sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs), die unter anderem darauf ausgerichtet sind, Armut zu beseitigen und bessere Gesundheitsbedingungen sowohl in entwickelten als auch in Entwicklungsländern zu schaffen. Wenngleich die Notwendigkeit und Relevanz der SDGs evident ist, stellt sich dennoch die Frage, wie sie dazu beitragen können, aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit zu bewältigen. Um diese Fragestellung näher zu beleuchten, beschreibt die vorliegende Arbeit zunächst die einzelnen SDGs und analysiert, inwieweit ihre Implementierung zur Unterstützung beim aktuellen Umgang mit akuten Problemen, die bei dem Versuch der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung entstehen, beitragen kann. Um zu zeigen, wie ein guter Umgang mit den SDGs in der Praxis aussehen kann, werden drei Fallstudien vorgestellt. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Implementierungsprozess der SDGs einzigartige Möglichkeiten zur Schaffung von Chancengleichheit und Förderung von wirtschaftlicher Unabhängigkeit bietet und so Länder dabei unterstützt, vor Ort nachhaltige Entwicklung zugunsten der Bevölkerung zu fördern.

Walter Leal Filho

Kapitel 2. Integration der Nachhaltigkeitsziele in die Hochschullehre durch digitale Transformation

Digitalisierung ebenso wie Bildung für nachhaltige Entwicklung als Teil des 4. Ziels der UN-Nachhaltigkeitsziele sind gesellschaftspolitische Herausforderungen der Gegenwart und werden insbesondere im Bereich der Hochschullehre aktuell diskutiert. Beide haben einen gemeinsamen thematischen Fokus: die Gestaltung neuer Lehr-/Lernformate, um Studierenden jene Kompetenzen zu vermitteln, welche benötigt werden, um in der Zukunft Probleme zu lösen, die gegenwärtig noch nicht bekannt sind. Das Konzept des forschenden Lernens scheint geeignet, beide Richtungen zu vereinen: kollaboratives (Kollaborative Lernprozesse: Lernen und Wissen, das durch gemeinsame Gruppenprozesse stattfindet) Arbeiten, der Umgang mit Komplexität und Unsicherheiten und das reflexive Hinterfragen zielen auch auf Handlungskompetenzen einer nachhaltigen Entwicklung ab; digitale Medien bieten eine Fülle an Möglichkeiten, Komplexitäten darzustellen, Plattformen für gemeinsames Arbeiten zur Verfügung zu stellen und neue Techniken auszuprobieren. Der folgende Beitrag soll anhand des Praxisbeispiels der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit zeigen, wie digitalisiertes und forschendes Lernen gestaltet werden kann, um einen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung zu leisten, indem erste Ergebnisse einer im Sommersemester 2016 durchgeführten Lehrveranstaltung vorgestellt werden, bei der verschiedene mediale Anwendungen und offenere Fragestellungen an die Studierenden erprobt wurden. Darauf folgend wird ein Ausblick auf die Weiterentwicklung des Konzeptes gegeben, die auf den Ergebnissen dieser Veranstaltung beruht.

Katharina Lingenau, Oliver Ahel

Kapitel 3. Geschäftsmodell Nachhaltigkeit: Ökologische und soziale Innovationen als unternehmerische Chance

Nachhaltigkeit ist mehr als eine gesellschaftliche Anforderung oder eine philanthropische Erwägung. Vielmehr ist Nachhaltigkeit eine unternehmerische Chance für Gründer_innen und für etablierte Unternehmen. Wie lassen sich nachhaltige Geschäftsmodelle unterscheiden? Wie lässt sich Nachhaltigkeit in neue oder in bestehende Geschäftsmodelle integrieren? Wie lassen sich nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln? Der folgende Beitrag präsentiert eine praxisbezogene Typologie nachhaltiger Geschäftsmodelle mit 7 Typen und 28 Segmenten sowie einen Ansatz für die Entwicklung von ökologischen und sozialen Geschäftsmodellen bei Neugründungen und etablierten Unternehmen. (Der Beitrag basiert auf dem Praxishandbuch Ahrend, K.-M. (2016). Geschäftsmodell Nachhaltigkeit: Ökologische und soziale Innovationen als unternehmerische Chance. Wiesbaden: Springer. Das Buch enthält über 800 Praxisbeispiele nachhaltiger Geschäftsmodelle.) Die Typologie zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, ökologisch und/oder sozial relevant, glaubwürdig und ambitioniert zu wirtschaften. Darüber hinaus wird ein Konzept für die Entwicklung von neuen nachhaltigen Geschäftsmodellen mit ökologischen bzw. sozialen Innovationen vorgestellt.

Ingeborg Ahrend

Kapitel 4. Globale Gesundheitsversorgung: Ethische Aspekte der Ärztemigration

Auslandstätigkeiten werden seit Längerem von Ärzt_innen als ein wichtiger Karrierebaustein betrachtet. Angesichts eines zunehmenden Brain Drain in Entwicklungsländern und europäischen Ländern mit schlechteren Arbeitsbedingungen wird derzeit intensiv diskutiert, wie eine nachhaltige globale Gesundheitsversorgung gewährleistet werden kann, ohne das Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit unberechtigterweise einzuschränken. In diesem Beitrag werden aktuelle und klassische Studien zur globalen Ärztemigration sowie Ansätze zur ethischen Rekrutierung von Gesundheitsfachkräften vorgestellt. Ziel ist es, Vorschläge für die Problematisierung dieses ethischen Dilemmas in der Hochschullehre im Gesundheitsmanagement zu unterbreiten sowie Lücken über „Human Resources for Health“ aufzuzeigen.

Magdalène Lévy-Tödter

Kapitel 5. Kommunen als Motoren einer Nachhaltigkeitstransformation – Erfahrungen aus den Feldern Energie, Wasser und Wohnen

Die Ebene der Kommune als bedeutendes Handlungsfeld für Nachhaltigkeitstransformationen rückt zunehmend in den Fokus des Interesses. Dies ist insofern naheliegend, als sich Handlungsdrücke ebenso wie Veränderungen auf kommunaler Ebene konkretisieren – hier werden Unternehmen gegründet, Wohnraum geschaffen, Infrastrukturen errichtet und neue Formen des gemeinsamen Lebens und Wirtschaftens ausprobiert und etabliert. Wenn das normative Ziel die Gestaltung zukunftsfähiger, nachhaltiger Kommunen ist, stellt sich die Frage, welche Ansätze zu einer Transformation organisatorischer und technischer Strukturen sowie zur Schaffung nachhaltiger Produktions- und Nutzungsmuster erfolgreich beitragen können. Der vorliegende Beitrag beleuchtet in diesem Kontext dazu Beispiele aus den drei zentralen kommunalen Handlungsbereichen Energie, Wasser und Wohnen. Im Einzelnen wird auf Ergebnisse zu Fallstudien zu 1) Wärmenetzen mit erneuerbaren Energiequellen, 2) neuartigen und nachhaltigen Ansätzen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie 3) Projekten zum gemeinschaftlichen Wohnen aufgebaut. Anhand der Beispiele wird analysiert, welche Faktoren das Gelingen von entsprechenden Vorhaben begünstigen und welche es erschweren. Dabei wird untersucht, ob und inwieweit sich diese Faktoren in den Themenfeldern unterscheiden oder ob sich Gemeinsamkeiten ableiten lassen. Besonderer Fokus liegt auf der Rolle der Kommune als zentrale Akteurin bei der Umsetzung von Innovationen. Des Weiteren wird diskutiert, ob die in den Projekten angelegten Ziele einer Nachhaltigkeitsverbesserung (ökologisch, ökonomisch, sozial) in der Praxis gelingen, und der Bezug zu den relevanten Sustainable Development Goals (SDGs) hergestellt. Weiterhin erfolgt ein Blick darauf, welche Verbreitungspotenziale bestehen und inwiefern Synergien zwischen den untersuchten oder anderen Transformationsnischen auf kommunaler Ebene bestehen. Abschließend werden Politikempfehlungen diskutiert.

Elisabeth Dütschke, Jonathan Köhler, Norman Laws, Ulrike Hacke, Jutta Niederste-Hollenberg, Julius Wesche

Kapitel 6. Verbesserung der Energieeffizienz als Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeit an der Hochschule Harz

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist ein Nachhaltigkeitsziel im Rahmen der SDGs (9.4.1). Die Zielerreichung basiert sowohl auf technischen Maßnahmen als auch auf Verhaltensänderungen. Hochschulen können das Thema „Energieeffizienz“ in allen Handlungsfeldern Lehre und Forschung, beim Betrieb der Hochschule sowie bei Transferaktivitäten (Third Mission) adressieren, wobei die einzelnen Handlungsfelder einander bedingen. Am Beispiel der Steigerung des Übergangs von individuellen Arbeitsplatzrechnern zu virtuellen Maschinen wird die Methodik zur Ermittlung der Energieeffizienz erläutert sowie die Ergebnisse vorgestellt. Im Ergebnis werden Berechnungen zu erreichbaren Einsparpotenzialen vorgenommen. Das gewählte Fallbeispiel aus dem Handlungsfeld „Hochschulbetrieb“ soll auch Eingang finden in Praktika bei Studierenden der Automatisierungstechnik und Informatik, beim Orientierungsstudium sowie für weitere Team- und Projektarbeiten (Handlungsfeld „Lehre“).

Andrea Heilmann, Niklas Kiefer, Olaf Drögehorn

Kapitel 7. Erste Schritte zum Urban Mining

Heutzutage wohnt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Ballungsräumen; Mitte des 20. Jahrhunderts waren es nur 30 %; in 2050 werden es voraussichtlich 80 % sein. Eine derartige Verdichtung ist einerseits nachhaltig, weil weniger Naturfläche in Anspruch genommen und weniger Energie für Heizung und Warmwasseraufbereitung verbraucht wird. Andererseits bestehen die Nachhaltigkeitsziele darin, die menschlichen Bedürfnisse und den Wohnkomfort nicht einzuschränken. Die Anforderungen an die Wohnqualität ändern sich ständig. Immer mehr in den Blickpunkt rückt das gesunde Wohnen. Vorhandene Gebäude erfüllen oftmals diese Anforderungen nicht oder sind nicht mehr zeitgemäß und müssen deshalb abgebrochen bzw. zurückgebaut und durch neue Bauten ersetzt werden. Demzufolge kann man große Städte als permanent laufende Baustellen bezeichnen. Mit dem selektiven Rückbau von Gebäuden wird primär das Ziel verfolgt, die anfallenden Abbruchmaterialien sortenrein zu gewinnen, um sie gezielt zu gütegesicherten Sekundärrohstoffen aufbereiten zu können. Bereits genutzte Rohstoffe werden auf diesem Weg im Wirtschaftskreislauf gehalten, primäre Rohstoffe geschont und Deponieraum eingespart. Gegenwärtig können etwa 12 % der jährlich benötigten mineralischen Baustoffe durch Sekundärrohstoffe ersetzt werden. Deren Einsatz ist jedoch oftmals nicht ressourceneffizient. Noch zu viele Mengen an Bauschutt werden direkt, ohne Aufbereitung in Recyclinganlagen, z. B. für Verfüllmaßnahmen, verwendet. Beim Einsatz von Recyclingbaustoffen im Hoch- und zum Teil im Tiefbau bestehen in etlichen Kommunen immer noch Akzeptanzprobleme, obwohl mineralische Recyclingbaustoffe seit mehr als 30 Jahren verwendet werden. Städtische Ballungsräume bieten besonders ideale Voraussetzungen für den Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen zur Betonherstellung aufgrund der räumlichen Nähe von Anfallort der Bau- und Abbruchmengen (Abbruch-/Rückbau-Baustelle) und dem Einsatzort in Neubaumaßnahmen. Zukünftig müssen große Städte als geschlossene Systeme betrachtet werden: Dort, wo das Material anfällt, ist es wieder einzusetzen. Ein riesiger Vorteil aus Kostensicht und Umweltgesichtspunkten besteht in den sehr kurzen Transportwegen. Um den vorhandenen Baubestand – auch als anthropogen geschaffenes Lager bzw. unter „Urban Mining“ diskutiert – zu nutzen, sind vorhandene bautechnische und -technologische Lösungen weiterzuentwickeln und Strategien auszubauen. „Urban Mining“ ist ein langfristig angelegtes Projekt, welches mehrere Generationen bearbeiten werden müssen. Der Grundstock für das zukünftige Baustoffrecycling muss bereits bei Gebäudeplanung gelegt werden.

Angelika Mettke, Viktoria Arnold, Stephanie Schmidt

Kapitel 8. Bildung für nachhaltige Entwicklung als Basis für die Sustainable Development Goals?

Von den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) steht in diesem Beitrag das vierte Ziel „Hochwertige Bildung“ im Vordergrund, insbesondere die Umsetzung des Unterziels 4.7: „Ausbau von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“. Ein solcher Ausbau könnte die Verankerung als Leitperspektive im Bildungsplan 2016 in Baden-Württemberg sein. BNE ist dort handlungsleitendes Thema, das übergreifend in verschiedenen Fächern und durch spiralcurriculare Verankerung behandelt werden soll. Lernende sollen befähigt werden, vorausschauend mit der Zukunft umzugehen, um einen mentalen und kulturellen Wandel anzustoßen. Im Beitrag wird die Frage behandelt, was die SDGs und die Leitperspektive BNE vor dem Hintergrund einer globalen Transformation für mehr nachhaltige Entwicklung verbindet und ob sich die Leitperspektive BNE als geeignetes Mittel für die Umsetzung von SDG 4.7 eignet.

Johanna Weselek

Kapitel 9. Nachbergbauzeit – nachhaltig gestalten: das Beispiel Ruhrgebiet

Der Steinkohlenbergbau hat das soziale, wirtschaftliche und ökologische Gefüge des Ruhrgebiets irreversibel verändert und in die Landschafts-, Städte- und Bevölkerungsstrukturen eingegriffen. Dabei entstand nicht nur die größte Metropolregion in Deutschland, sondern auch ein identitätsstiftendes Bergbauerbe, welches sich in Form immaterieller, sprachlicher („Glückauf“, „vor Ort“…) sowie materieller Hinterlassenschaften, wie z. B. Fördertürmen, niederschlägt. In einer sich zunehmend standardisierenden, globalisierten Welt ist es eine Aufgabe einer nachhaltig denkenden und handelnden Gesellschaft, diese Hinterlassenschaften zu erhalten, zu entwickeln und sie im kulturellen Gedächtnis der Öffentlichkeit zu bewahren. Im Jahr 2007 wurde der sozialverträgliche Ausstieg aus der Steinkohlenproduktion in Deutschland beschlossen. Diese Entscheidung erforderte eine neue Strategie für das letzte produzierende Steinkohlenunternehmen, die RAG Aktiengesellschaft (RAG). Mit dem Auslaufen der Steinkohlenproduktion Ende 2018 beginnt die Nachbergbauzeit für das Unternehmen, für die es eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt hat. Insbesondere die Langzeitfolgen des Steinkohlenabbaus in den Revieren werden in ihren Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft analysiert, um sie handhabbar zu machen. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die regionale und ökologische Verantwortung des Unternehmens, die sich im Umgang mit Herausforderungen zum Umweltschutz, Geoökologie und Flächenrecycling zeigt. Zudem steht die nachhaltige Entwicklung von früheren Bergwerksarealen hin zu Perspektivstandorten für neue Arbeitsplätze und ressourcenschonende Lebensräume im Vordergrund.

Jürgen Kretschmann

Kapitel 10. Entwicklung von Plusenergie-Siedlungen

Obwohl die Verringerung des Flächenverbrauchs alternativlos ist, wird das Entstehen von Neubaugebieten auch in Zukunft nicht gänzlich zu verhindern sein. Eine nachhaltige Baulandentwicklung muss hohe soziale, ökologische und betriebswirtschaftliche Standards erfüllen, welche sowohl den Bewohnern als auch dem Klimaschutz zugutekommen.Durch den Bau von Plusenergie-Siedlungen – also Quartieren, die in, an und auf ihren Gebäuden und Grundstücken mehr Energie produzieren, als die Nutzer verbrauchen – kann dies gelingen. Die überschaubaren Mehrkosten von Plusenergie-Gebäuden amortisieren sich bereits innerhalb weniger Jahre, da beispielsweise Strom aus Fotovoltaik im Wohnungsbau heute schon günstiger ist als der Bezug aus dem Netz.Um den Plusenergie-Standard zu erreichen und damit im Betrieb CO2-neutal zu sein, reichen eine optimierte Bauweise und hohe Energieeffizienz der Gebäude nicht aus. Erst durch die Erzeugung erneuerbarer Energien über die Gebäudehülle, am Haus und auf dem Grundstück kann überschüssige Energie erzeugt werden, welche das gesamte Quartier zu einem smarten Kraftwerk macht.Das übergeordnete Ziel ist eine integrierte, nachhaltige Baulandentwicklung, die bei geringem Flächenverbrauch bezahlbaren Wohnraum schafft, der langfristig geringe Energie- und somit auch Nebenkosten generiert und damit sowohl den Bewohnern als auch dem Klimaschutz dient.Dieses Ziel steht im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und trägt dazu bei, die globalen Ziele der Agenda 2030, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), zu erfüllen, insbesondere in den Bereichen „Bezahlbare und saubere Energie“ (SDG 7), „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ (SDG 11) und „Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13).

Martina Klärle, Ute Langendörfer

Kapitel 11. Zukunftskommunen. Zur Umsetzung von 16 Sustainable Development Goals in der Praxis

Die Sustainable Development Goals (SDGs) tabuisieren wie auch die Vorgängerzielsysteme wesentliche Ursachen globaler Fehlentwicklungen wie die Zinsarchitektur des Finanzsystems. Diese erzwingt aber als systemische Bedingung Armut und soziale Schieflagen. Ausgehend von dieser Kritik wird ein konstruktiver Zugang zur Lösung globaler Probleme auf derjenigen politischen Steuerungsebene vorgestellt, auf der konkrete Weichenstellungen und wirklich nachhaltige Lösungen möglich sind: bei der kommunalen Nachhaltigkeitstransformation. Im Rahmen des Projektes Transformbar wurden 25 Initiator_innen kommunaler Nachhaltigkeitsprojekte, darunter 17 Bürgermeister von nachhaltigen Kommunen, persönlich interviewt, um ein Bild über psychologische und gesellschaftliche Hintergründe von gelungenen Transformationsprozessen zu gewinnen. Zentrale Befunde aus der Befragung werden vorgestellt und diskutiert. Die Nutzung dieser Ergebnisse für die kommunale Nachhaltigkeitstransformation in zwei Modellkommunen sowie für den Transfer in transformationsbereite Kommunen über eine Internetplattform wird im Ausblick skizziert.

Peter Schmuck

Kapitel 12. Green Office – Ein Tool zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele an Hochschulen

Im Konsens verlangen die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (UN) mit der Agenda 2030, dass die vereinbarten Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in der jetzigen Generation umgesetzt werden, um so die Handlungsfähigkeit künftiger Generationen zu erhalten. In Deutschland stellen die Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Kommunen) als wichtige Akteure der Zivilgesellschaft Umsetzungspläne auf. An erster Stelle jedoch bedarf es eines konkreten und engagierten Umsetzungsprozesses unter breiter Beteiligung aller. Hochschulen spielen hierfür eine entscheidende Rolle bei der Bildung von zukünftigen Entscheidungstragenden und damit wesentlichen Multiplikatoren. Neben dem wissenschaftlichen und theoretischen Erkenntnisgewinn haben Hochschulen nichtsdestoweniger die unmittelbare Möglichkeit, den gesellschaftlichen Transformationsprozess praktisch voranzubringen und auf diesem Wege die bestehende Implementierungslücke der Agenda 2030 dauerhaft zu schmälern. Hochschulen sind Organisationen mit hoher Komplexität und innerer Autonomie, wodurch Veränderungsprozesse und deren Gestaltung besonderen Anforderungen und Ansprüchen genügen müssen. Diese Studie stellt sich der Frage, wie Nachhaltigkeit in solch komplexen Organisationen exemplarisch an Hochschulen eingeführt und umgesetzt werden kann und inwieweit das Green Office Modell ein geeignetes Instrument für die Umsetzung der SDGs ist. Zur Einführung untersucht eine Literaturstudie die Bedeutung von Nachhaltigkeit an Hochschulen und wie die SDGs auf deren typische Handlungsfelder anwendbar sind. Die maßgebende Auswertung von drei Fallstudien an deutschen Hochschulen (Hildesheim, Kaiserslautern und Magdeburg) zeigt im Ergebnis Erfolgsfaktoren und Lösungswege für die Integration und Umsetzung der SDGs durch institutionalisierte Schnittstellen wie Green Offices auf.

Julius Brinken, Karina Schell, Julia Witter, Benedikt Baumann

Kapitel 13. Zukunftsweisende Perspektiven einer nachhaltigen Ersatzteilgewinnung durch Demontage von Altgeräten. Ein Ansatz zur Unterstützung der Inklusion im Handlungsfeld der Werkstätten für Menschen mit Behinderung

Nicht nur durch aktuelle Pressemitteilungen rückt die Ersatzteillogistik wieder verstärkt in den Fokus eines breiten Interesses. Kostendruck, zunehmender Wettbewerb, immer kürzer werdende Produktlebenszyklen und die Forderung nach Schonung der Ressourcen zwingen die Unternehmen, nach neuen Wegen zu suchen, die die Funktionsfähigkeit abgesetzter Primärprodukte auch nach Ende der Produktion sicherstellen. Gängige Praxis ist es in den letzten Jahren, Altgeräte zu Demontagebetrieben in Entwicklungs- bzw. Schwellenländer zu verschicken, um dort die benötigten Ersatzteile zu gewinnen. Dieser Prozess wird zunehmend durch die sich verschärfenden Gesetze der beteiligten Länder zum Import von Schrott und Abfall erschwert. Eine Demontage der Altgeräte in Deutschland oder Europa ist in der Regel aufgrund der hohen Kosten für die größtenteils manuellen Tätigkeiten unwirtschaftlich. Die zunehmenden Transportkosten und der für Kunden immer wichtiger werdende Aspekt der Nachhaltigkeit verschärfen dieses Problem zusätzlich. Nur wenig im Fokus stehen für viele dieser Unternehmen die ca. 700 Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit mehr als 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (vgl. Winkelmann, Statistiken zu Behinderung und Beruf, https://www.rehadat-statistik.de/de/berufliche-teilhabe/WfbM/BAG_WfbM/index.html , 2018), die sich im Dienstleistungsbereich in den letzten Jahren verstärkt engagieren und sich den marktwirtschaftlichen Anforderungen durch Kooperationen im Sinne einer gelebten Inklusion stellen müssen und möchten. Es wird gezeigt, dass die Einbindung von Werkstätten für Menschen mit Behinderung eine interessante Möglichkeit bietet, die Versorgung insbesondere schnelllebiger Produkte mit Ersatzteilen speziell in der Nachbevorratungsphase zu gewährleisten. Auch aus Sicht der Werkstätten kann gezeigt werden, dass es einen Markt für das Angebot einer solchen Dienstleistung gibt und hier die Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung identitätsstiftend (vgl. Keupp und Höfer, Identitätsarbeit heute: klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung, Suhrkamp, Frankfurt a. M, 1997) eingesetzt und weiterentwickelt werden können.

Susanne Koch

Kapitel 14. Transformation als Herausforderung. Globales Lernen als lebenslanger Bildungsauftrag für alle

Der Beitrag nimmt die Große Transformation (WBGU 2011) zum Anlass, um über Rahmenbedingungen von Gesellschaft, Welt, Bildung und Lernen nachzudenken: Wie wollen und dürfen wir in Zukunft leben, damit alle im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) überleben können? Welchen Beitrag können erziehungswissenschaftlich fundierte und reflektierte Bildungsprozesse zu einer lebenswerten Welt leisten? Angeboten werden Systematisierungsangebote ausgehend vom Transformationsquartett (Transformationsforschung, transformative Forschung, Transformationsbildung, transformative Bildung) der Wissensgesellschaft im Spannungsfeld von Weltgesellschaft und -gemeinschaft sowie Bildungseinrichtungen und Lernofferten. Globales Lernen, Global Citizenship Education und Education For All werden systematisch als weltgesellschaftliche Literalisierung zueinander in Beziehung gesetzt.

Gregor Lang-Wojtasik, Ronja M. Erichsen-Morgenstern

Kapitel 15. Multikriterielle Bewertung von Wasserinfrastruktursystemen im Kontext der SDGs

Auch wenn in Deutschland 99 % bzw. 97 % der Bevölkerung an die öffentliche Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung angeschlossen sind und eine qualitativ hochwertige Wasserversorgung als gesichert angesehen werden kann, besteht Handlungsbedarf bzgl. der andauernden Belastung von Oberflächen- und Grundwasser mit anthropogenen Spurenstoffen. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich aus Ressourcenverbrauch und Klimabeeinflussung, die von der Infrastruktur und ihrem Betrieb ausgehen, sowie den Auswirkungen des Klimawandels und den sich abzeichnenden demografischen Veränderungen, die auf die Wirtschaftlichkeit und den Betrieb der Wasserinfrastruktur rückwirken. Offensichtlich kann also eine leistungsfähige (Ab-)Wasserinfrastruktur über SDG 6 hinaus einen Beitrag zur Erreichung von deutlich mehr SDGs leisten. Um diese SDGs zu identifizieren, wurde ein Abgleich mit den Kriterien durchgeführt, die bei der vergleichenden Bewertung alternativer Wasserinfrastrukturen mit dem multikriteriellen Bewertungstool MuBeWis zur Anwendung kommen. Es zeigt sich dabei, dass neben den SDGs 6.1, 6.3, 6.4 und 6.6 vor allem SDG 9.1, der Aufbau einer hochwertigen, verlässlichen, nachhaltigen, widerstandsfähigen und für alle erschwinglichen Infrastruktur, betroffen ist. Daneben kommen Wirkungen der Wasserinfrastruktur auf andere Schutzgüter wie Gesundheit, Ressourcenschonung und Klimaschutz zum Tragen, die mit den SDGs 3.2, 3.3 und 3.9, 2.4, 7.3 und 8.4 sowie 7.2 und 13.2 eigenständige Ziele adressieren. Durch die Anwendung des Bewertungstools MuBeWis kann außerdem eine Aussage darüber getroffen werden, ob die Veränderung der Wasserinfrastruktur zu diesen SDGs jeweils einen positiven oder negativen Beitrag leistet. Auf die Frage, ob die Einführung einer alternativen Wasserinfrastruktur insgesamt zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt, liefert dieses Vorgehen nur dann eine eindeutige Antwort, wenn alle relevanten SDGs entweder auf eine Verbesserung oder eine Verschlechterung hindeuten.

Christian Sartorius, Thomas Hillenbrand, Jutta Niederste-Hollenberg

Kapitel 16. Verbesserung der Wasserqualität durch verringerte Einträge von Spurenstoffen

Die Belastung von Gewässern mit Chemikalien ist ein weltweites Umweltproblem, das über verschiedene Sustainable Development Goals adressiert wird. Konkrete umweltpolitische Maßnahmen und Vorgaben zur Verbesserung der Gewässerqualität sind zwar bereits seit vielen Jahren auf europäischen und nationalen Ebenen verankert, der Handlungsbedarf ist jedoch weiterhin sehr hoch. Spurenstoffe können bereits in niedrigen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf die aquatischen Ökosysteme haben und die Gewinnung von Trinkwasser beeinträchtigen. Sie werden daher auch als Mikroverunreinigungen oder Mikroschadstoffe bezeichnet. Sie stammen aus unterschiedlichen Quellen und gelangen über vielfältige Eintragspfade in die Umwelt. Entsprechend sind unterschiedliche Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Reduktion von Spurenstoffeinträgen sowie deren Kombinationen denkbar und notwendig, deren Umsetzung über eine umfassende Strategie auf nationaler und/oder ggf. regionaler Ebene zu adressieren und forcieren ist. Grundsätzlich stehen für alle Emissionspunkte Handlungsoptionen technischer und nicht-technischer Art zur Verfügung, sodass überall mit einer Umsetzung von Maßnahmen begonnen werden kann. Wichtig ist immer eine breite Aufklärung und Einbindung aller Beteiligten. Neben Verbrauchern haben auch professionelle Anwender bislang oftmals kein ausreichendes Bewusstsein für die Umweltrelevanz der verwendeten Stoffe. Veränderungen bei der Aus- und Fortbildung, bessere Informationen zu den Umwelteigenschaften der Wirkstoffe sowie eine breitere öffentliche Diskussion des Themas können erste Schritte sein, die von weiteren, konkreten Rückhaltemaßnahmen flankiert werden müssen.

Thomas Hillenbrand, Jutta Niederste-Hollenberg, Felix Tettenborn

Kapitel 17. Beitrag von Betriebsrestaurants zum nachhaltigen Konsum am Beispiel vom Abfall

Betriebsrestaurants verpflegen täglich mehrere Millionen Beschäftigte. Sie tragen zur Gesunderhaltung und Motivation von Arbeitnehmer_innen bei. Für die Leistungserbringung sind allerdings auch Ressourcen unterschiedlicher Art erforderlich. Daraus leitet sich neben einer hohen wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung auch der Einfluss von Betriebsrestaurants auf den Zustand der Umwelt ab. Um die Bedürfnisbefriedigung heutiger und zukünftiger Generationen durch die Auswirkungen von Betriebsrestaurants nicht zu gefährden, ist es deshalb von Wichtigkeit dort nachhaltig zu konsumieren. Eine der möglichen Stellschrauben, mit denen Betriebsrestaurants zum nachhaltigen Konsum beitragen können, besteht im Bereich der Abfälle. Dieser Artikel fasst die aktuelle Abfallsituation in Betriebsrestaurants zusammen und setzt Impulse für Verbesserungen des Abfallmanagements im Kontext eines nachhaltigen Konsums. Die für die Maßnahmen wichtigen Ziele betreffen Vermeidung von Lebensmittel- und Speiseabfällen, Verringerung von Verpackungsaufkommen und von entsorgten Gegenständen, Verbesserung der Mülltrennung, Sensibilisierung von einflussreichen Akteuren rund um das Betriebsrestaurant und Erhöhung von Transparenz innerhalb der Abfallthematik.

Linda Chalupova

Kapitel 18. Die Integration von Themen der nachhaltigen Entwicklung in die Lehre – ein Ansatz zur transdisziplinären und werteorientierten Ausbildung an Hochschulen und zur Reflexion der Rolle der Lehrenden in der BNE

Über die Formulierung der Ansprüche hinausgehend, die an eine Bildung für nachhaltige Entwicklung gestellt werden, setzt sich der hier vorliegende Beitrag insbesondere mit den praktischen Implikationen selbiger für die alltägliche Lehre auseinander. Anhand drei konkreter Seminarkonzepte, die an der Hochschule Bochum in den letzten Semestern erprobt wurden, wird zunächst die Integration von Themen der Nachhaltigkeit in die Fachausbildung diskutiert. Diese bringt aufgrund der dahinterliegenden komplexen Ursachen, Lösungsansätze und zum Teil normativ geprägten Konzepte aus dem Bereich der Nachhaltigkeit neue Anforderungen an die Gestaltung reflexiver und (werte-)integrativer Lehrkonzepte mit sich. Dies hat in der konkreten Lehrsituation starke Auswirkungen auf die Rolle des/der Lehrenden und fokussiert in hohem Maße auf die Förderung der Gestaltungskompetenz der Studierenden. Eine reflexive und „wertintegrative“ Lehre darf dabei nicht gleichgesetzt werden mit einer axiomatisch geschlossenen Lehre. Die in den Seminaren geführten Diskussionen um nachhaltige Probleme, Lösungen und Werte müssen zwar demokratische Grundprinzipien respektieren und fachlich und wissenschaftlich fundiert geführt werden, allerdings trotzdem weitgehend ergebnis- und werteoffen bleiben. Nur durch eine derartige Gestaltung der alltäglichen Lehrpraxis wird die Meinung der Studierenden in den gemeinsamen Diskussionen berücksichtigt und nur so langfristig auch die Gestaltungskompetenz der Studierenden gefördert. Eine Herausforderung bleibt für den Lehrenden/die Lehrende die Vermittlung fachlicher und methodischer Inhalte auf der einen Seite und die reflexive Einbeziehung von Themen der Nachhaltigkeit auf der anderen Seite. Genau diese Verknüpfung bleibt allerdings, wie die Ergebnisse zweier Studierendenbefragungen an der Hochschule Bochum aufzeigen, der Schlüssel zu einer dauerhaften und an die alltägliche Lehrpraktik anschließenden Integration einer Bildung für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen.

Sandra Krause-Steger, Melanie Roski

Kapitel 19. Systemdenken lehren

Mit dem Systemdenken hat sich im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts eine Denkrichtung etabliert, der ein hohes Potenzial in Bezug auf die Bearbeitung aktueller Nachhaltigkeitsprobleme attestiert werden kann. Gleichzeitig erscheint dieses Potenzial wenig genutzt. In dem Beitrag wird zunächst die Relevanz von Systemdenken für Nachhaltigkeitsfragen, namentlich solche, die mit den Sustainable Development Goals verbunden sind, untersucht. Im Anschluss wird der Frage nachgegangen, welche Herausforderungen sich dabei stellen, Systemdenken mit dieser Zielstellung zu lehren. Auf diese Weise werden Thesen formuliert, um Systemdenken durch wissenschaftliche Lehre stärker für die Arbeit an Nachhaltigkeitsthemen zu erschließen. Aus diesen Vorarbeiten folgert der Beitrag, dass eine Verbindung von Systemdenken und den SDGs sowohl möglich als auch erstrebenswert erscheint.

Henning Pätzold

Kapitel 20. Nachhaltigkeit als Bildungsprozess und Bildungsauftrag

Der Begriff der Nachhaltigkeit avancierte seit der Veröffentlichung des Brundtland-Reports 1987 international zum normativen Leitbild einer humaneren Gestaltung globaler gesellschaftlicher Verhältnisse in intra- wie intergenerativer Perspektive. Die damit verbundenen immensen Herausforderungen sind gegenwärtig mit der Agenda 2030 und den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) weitläufig abgesteckt. Aus diesem politischen Diskurs resultiert der bildungspolitische Auftrag an die Pädagogik, zur menschheitlich gebotenen Veränderung des globalen Ganzen beizutragen. Die SDGs dienen dabei als Problemhorizont all dessen, was bisher zur nicht-nachhaltigen Entwicklung geführt oder beigetragen hat, sowie als Zielhorizont humaner globaler Entwicklung. Bereits in der Agenda 21 wurde eine Bildung im Sinne der Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe an Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft herangetragen, in der Ökologie- und Technologieproblematik als Politikum systematisch zusammenfallen. Um angesichts der Gefährdungen von Mensch und Natur bei den Menschen zuallererst ein Verständnis für die Notwendigkeit eines individuellen wie gesamtgesellschaftlichen Umdenkens als zentrale Herausforderung der Gegenwart entwickeln zu können, bedarf es des Nachvollzugs der Problem- wie Begriffsgeschichte der Nachhaltigkeit als Bedingung möglicher Bildungsprozesse.

Yvonne Kehren, Christine Winkler

Kapitel 21. Freiwillige Klimaneutralität des Privatsektors durch internationale CO2-Kompensation – Ein Ansatz zur Realisierung umfangreicher Co-Benefits im Sinne der Agenda 2030

Die Bekämpfung des Klimawandels verläuft weltweit schleppend. Ein hoffnungsvoller Ansatz, selbige auf viele Schultern zu verteilen, liegt in der sog. freiwilligen Klimaneutralität von Organisationen aller Art, z. B. Unternehmen und Privatpersonen. Ihre Bemühungen erfolgen parallel zu den politischen Anstrengungen, den CO2-Ausstoß zu senken. So haben die Staaten der Welt im Kontext des Pariser Klimaabkommens Reduktionszusagen getroffen (sog. nationally determined contributions, NDC), die in nationale Klimaschutzpläne überführt wurden. Es ist der Plan Deutschlands, seine Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 % und bis 2050 um 80–95 % gegenüber dem Wert des Jahres 1990 zu senken. In einer Gesamtbetrachtung stellt man jedoch fest, dass die bisher vereinbarten politischen Maßnahmen selbst bei vollständiger Umsetzung bei Weitem nicht ausreichen werden, um das sog. 2-°C-Ziel, das in Paris auf Wunsch der Inselstaaten sogar noch einmal in Richtung 1,5 °C verschärft wurde, zu erreichen. Eine wichtige Bedeutung bekommt in diesem Zusammenhang die freiwillige Klimaneutralität. Zunehmend mehr Organisationen, aber auch Privatpersonen, neutralisieren bzw. kompensieren nach dem Verursacherprinzip die CO2-Emissionen, die trotz aller Reduktions- und Vermeidungsmaßnahmen noch in ihrer CO2-Bilanz stehen. Hierzu können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden. Eine besteht in der Erzeugung sog. Negativemissionen durch Aufforstung und Humusbildung. Eine weitere Maßnahme besteht in der Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Systemen in sich entwickelnden Staaten, wodurch dort der Umfang der Nutzung fossiler Energieträger reduziert wird. Alle diese Maßnahmen gehen mit erheblichen Co-Benefits im Hinblick auf die Ziele der Agenda 2030 einher. Schließlich besteht ein weiterer Weg in der Stilllegung von CO2-Zertifikaten aus dem europäischen Emissionshandelssystem.

Estelle Herlyn

Kapitel 22. Bildung für nachhaltige Entwicklung – eine interdisziplinäre Studierendenfachkonferenz

Mit der Agenda 2030 und den darin enthaltenen 17 Nachhaltigkeitszielen beabsichtigen die Vereinten Nationen grundlegende Verbesserungen der Lebensumstände des Menschen, der Umwelt und des Wohlstandes für heutige und zukünftige Generationen herbeizuführen (vgl. Vereinte Nationen 2015, S. 2). Diese Zielsetzung ist jedoch zunächst sehr global formuliert. Die damit verbundenen Veränderungen im Denken und Handeln zeigen sich insbesondere auf lokaler Ebene und werden im sozialen Miteinander und durch gemeinsames Handeln sichtbar. Damit der Wandel im Denken und Handeln jedoch weder beliebig noch zufällig bleibt, sind die Bildungsinstitutionen aufgefordert, einen Beitrag zur Entwicklung nachhaltigkeitsrelevanter Kompetenzen zu leisten. Insofern ist die Nachhaltigkeitsthematik auch in die universitäre Ausbildung zu integrieren. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, inwieweit eine interdisziplinäre Studierendenfachkonferenz von Studierenden für Studierende einen Beitrag dazu leistet, dass sich die jungen Menschen eigenverantwortlich, wissenschaftlich fundiert und intrinsisch motiviert mit den grundlegenden Fragen einer nachhaltigen Entwicklung befassen und ein nachhaltiges, bewusstes Handeln in ihren Alltag implementieren. Im Rahmen der Lehrveranstaltung mit vorbereitenden Workshops und der resultierenden interdisziplinären Studierendenfachkonferenz konnten Themenfelder der Nachhaltigkeitsziele aufgegriffen, diskutiert und reflektiert werden. Das Konzept des forschenden Lernens im Rahmen einer interdisziplinären Studierendenfachkonferenz wird in dem folgenden Beitrag vorgestellt und kann als Anreiz dienen, über neue Formate universitären Lernens nachzudenken.

Katja Richter, Robert Jahn, Hartwig Haase, Henning Strubelt

Kapitel 23. Selbsteinschätzung zur Umsetzung eines Nachhaltigkeitsmanagements an Hochschulen am Beispiel des Baukastensystems Nachhaltiger Campus (BNC)

Das Baukastensystem Nachhaltiger Campus (BNC) ist ein modulbasiertes Instrument zur Einführung und Weiterentwicklung eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems an Hochschulen in den Handlungsfeldern Hochschulmanagement, Bildung & Transfer, Liegenschaften & Betrieb, Externe Kooperationen & Partnerschaften sowie Partizipation. Der Baukasten ist kompatibel zur High Level Structure für ISO-Managementsysteme und berücksichtigt die Anforderungen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen. Aus dem Baukastensystem Nachhaltiger Campus (BNC) werden zwei Tools zur Selbsteinschätzung vorgestellt. Die Selbsteinschätzung soll dazu beitragen, Einrichtungen höherer Bildung (EHB) zur Umsetzung eines Nachhaltigkeitsmanagements zu motivieren und einen individuellen Einstieg zu ermöglichen. Beide Tools sind Bestandteil eines gestuften Systems, das während der Konzeptentwicklung BNC und der Testphase an der Hochschule Zittau/Görlitz sowie der Erprobung an anderen sächsischen Hochschulen im Rahmen eines Konsortialprojektes entwickelt wurden.

Anke Zenker-Hoffmann, Christiane Dabow, Bernd Delakowitz, Markus Will, Jana Brauweiler, Eric Schön

Kapitel 24. Einsatz von Fernerkundungsdaten zur Ableitung aktueller Land- und Waldflächen zur Unterstützung der Berechnung von SDG-Indikatoren

Ziel der am 25. September 2015 verabschiedeten Agenda 2030 ist es, die globale Entwicklung sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten. In der aktuellen überarbeiteten „Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016“ bekennt sich die Bundesregierung auch national zur Agenda 2030. Die damit verbundenen Erwartungen und Anforderungen an die vereinbarten 17 Nachhaltigkeitsziele werden die zukünftige internationale Zusammenarbeit maßgeblich prägen. Eine transparente und nachvollziehbare Ausgestaltung eines Mechanismus zum systematischen Monitoring ist daher erforderlich. Neben den derzeit verwendeten statistischen Informationen wird vermehrt über den Einsatz von raumbezogenen Daten diskutiert, um ein effektives Monitoring der SDGs zu gewährleisten. Am Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) wird derzeit ein Ansatz entwickelt, um aktuelle und konsistente Informationen zu Landbedeckungsänderungen mithilfe von freien Copernicus-Satellitendaten abzuleiten. Diese sollen zur Aktualisierung und Fortführung von BKG-Produkten verwendet werden, wie beispielsweise des digitalen Landbedeckungsmodells für Deutschland, „LBM-DE“, welches gleichzeitig auch die Datenbasis des derzeit im Aufbau befindlichen Landschaftsveränderungsdienstes (Laverdi) bildet. Man wäre somit in der Lage, auch zwischen den LBM-DE-Produktionsjahren annähernd kontinuierlich Informationen über die aktuelle Landbedeckung und deren Veränderungen zu erhalten. Die somit theoretisch zu beliebigen Stichtagen verfügbaren, regelmäßig und standardisiert abgeleiteten und statistisch relevanten Geoinformationen können zur quantitativen Beschreibung von ausgewählten UN-SDG-Indikatoren genutzt werden. Neben dem Mehrwert, die die Satellitenfernerkundung hinsichtlich Aktualität und Transparenz der abgeleiteten Indikatoren liefert, ist die skalierbare und dynamische regionale Anpassung der Darstellungsebenen zur besseren Visualisierung hervorzuheben. Am Beispiel des Indikators 15.1.1., „Forest area as a percentage of total land area“, wird gezeigt, welchen Beitrag Datensätze aus der Satellitenfernerkundung zum Monitoring von SDG-Indikatoren leisten können. Bei der Berechnung wird auf freie Copernicus-Satellitendaten zurückgegriffen. Die Waldfläche wird mithilfe von Sentinel-2-Fernerkundungsdaten ermittelt, während für die Landfläche Radarinformationen von Sentinel-1 verarbeitet werden. Durch die hohe zeitliche Auflösung der Sentinel-Satelliten ist ein kontinuierliches sowie globales Monitoring des SDG-Indikators gewährleistet. Die entwickelte Methodik wird in didaktisch aufbereiteter Form durch Online-Ressourcen zugänglich gemacht.

Patrick Knöfel, Gopika Suresh, Christian Schweitzer, Michael Hovenbitzer

Kapitel 25. Grenzenlos und mithilfe der Vielen: Ermöglichung von Innovationen mittels Crowdsourcing

Digitalisierungsprozesse und neue Informationstechnologien ermöglichen es uns bei der Entwicklung und Implementierung von Innovationen, nicht nur innerhalb von Institutionen oder Netzwerken Informationen zu nutzen, sondern auch auf kollektive Wissensbestände, Kompetenzen und Ressourcen vieler Individuen und Institutionen weltweit zuzugreifen. Diese als Crowdsourcing bezeichnete Strategie geht mit vielen Vorteilen, aber auch einigen Risiken einher, die im vorliegenden Beitrag analysiert und auf konkrete Settings übertragen werden, in denen sich Innovationsprozesse durch Crowdsourcing realisieren lassen. Dabei werden vor allem interaktive und kollaborative Innovationsprozesse fokussiert und diskutiert.

André Schneider, Thomas Wendeborn, Sarah Uhlig, Marios Karapanos

Kapitel 26. Potenziale der digitalen Vermittlung der Sustainable Development Goals in der Hochschullehre

Die Einbindung der Sustainable Development Goals (SDGs) der UN in die deutsche Hochschullehre ist nicht zuletzt seit dem 2015 begonnenen Weltaktionsprogramm zu Bildung für nachhaltige Entwicklung ein wichtiger Bestandteil der Weiterentwicklung des Hochschulsystems und der akademischen Lehre. Doch auch wenn zahlreiche Einzelprojekte und engagierte Lehrende diese Herausforderung angenommen haben, ist eine strukturelle Verankerung der Nachhaltigkeitsziele im deutschen Hochschulsystem noch längst nicht erreicht. Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit hat seit 2011 ein Programm entwickelt, welches videobasierte Lehrveranstaltungen mit Bezug zum Themenkomplex Nachhaltigkeit für Studierende aller Hochschulen deutschlandweit anbietet. Dieses erprobte Konzept soll nun im kommenden Jahr genutzt werden, um eine innovative Lehrveranstaltung zur Vermittlung der Inhalte und Hintergründe der SDGs zu entwickeln und für deutschsprachige Hochschulen bereitzustellen. Dabei sollen die Potenziale der digitalen Lehre voll ausgeschöpft werden – mithilfe moderner Videoformate sowie der Ermöglichung von forschendem und kollaborativem Lernen im Rahmen verschiedener digitaler Assessmentformen (z. B. Peer Reviews, Videokommentierung, Prozess-Portfolio, Videoerstellung, Concept Maps). So wird nicht nur das SDG 4, Quality Education, vorangebracht, indem hochwertige Lehre für eine nachhaltige Entwicklung deutschlandweit verbreitet wird, sondern auch gezeigt, wie eine gelungene institutionelle Verankerung der SDGs in der universitären Lehre aussehen kann. Der Beitrag soll die Konzeption dieser Lehrveranstaltung begleiten und erste Ergebnisse der Umsetzung sichtbar machen. Die didaktischen und methodischen Überlegungen sollen dargelegt und in den theoretischen Zusammenhang der digitalen Lehre, der Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie des kompetenzorientierten Prüfens gesetzt werden. Zudem wird die Rolle von virtueller Lehre und der SDGs für die Transformation des Hochschulwesens diskutiert.

Lisa Schleker, Bror Giesenbauer

Kapitel 27. Ein globales Geoinformationsmanagement für die Agenda 2030

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung beinhaltet einen Indikatorensatz zur Messung der 17 Nachhaltigkeitsziele. Die „Geo-Dimension“ der Nachhaltigkeitsziele zu erkennen und Geodaten zur nachhaltigen Entwicklung und zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele einzusetzen, wird derzeit in einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zu den Nachhaltigkeitsindikatoren herausgearbeitet. Deutschland ist in dieser Arbeitsgruppe durch das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) vertreten. Nationale Geodaten in das europäische und internationale Umfeld einzubinden, rückt immer häufiger in den Fokus. Um vor Naturkatastrophen besser gewappnet zu sein, müssen Geodaten u. a. über die Veränderungen des Meeresspiegels oder der Erdkrustenbewegungen vorliegen. Dafür ist ein einheitlicher globaler geodätischer Referenzrahmen notwendig. Dieser kann nur erreicht werden, wenn alle Staaten weltweit in einer koordinierten Art und Weise zusammenarbeiten und insbesondere die wirtschaftlich starken Staaten ihren Beitrag leisten. In den Mitgliedsstaaten muss deshalb bei den politischen Entscheidungsträgern das Bewusstsein geweckt werden, dass die Nachhaltigkeitsziele und deren Umsetzung nur mit Unterstützung von validen und aktuellen Geodaten und einem einheitlichen globalen geodätischen Referenzrahmen erreicht werden können. In diesem Zusammenhang muss das „United Nations Global Geospatial Information Management (UN-GGIM)“ genannt werden: die Initiative der Vereinten Nationen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das globale Geoinformationsmanagement zu koordinieren. Wichtige Themen bei UN-GGIM sind u. a. die Integration von statistischen und geografischen Informationen, insbesondere in ihrer Bedeutung für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Als beachtlicher Erfolg für UN-GGIM kann die UN-GGIM-Resolution „Global Geodetic Reference Frame for Sustainable Development (GGRF)“ gewertet werden. Die UN-Generalversammlung (General Assembly), das höchste UN-Gremium, verabschiedete sie am 26. 02. 2015. GGRF ist damit die erste UN-Resolution mit Geobezug. Das Abkommen in seiner jetzigen Form hat das BKG aktiv mitgestaltet und damit einen entscheidenden Beitrag geleistet. Auch an der weiteren Ausgestaltung der Resolution ist das BKG aktiv beteiligt und gestaltet den Weg zur Realisierung des GGRF maßgeblich mit, insbesondere auch im Rahmen der Arbeiten des neu gegründeten UN-Subkomitees Geodäsie. Bei der Realisierung des GGRF kann auf die seit über 150 Jahren existierende globale Zusammenarbeit unter dem Dach der IAG (Internationale Assoziation für Geodäsie) aufgebaut werden. Da die Beiträge zur IAG aber bisher nicht über Staaten abgesichert sind, sondern auf dem Engagement einzelner Personen und Institutionen basieren, ist die nachhaltige Absicherung dieser bereits existierenden Kooperationen ein wichtiger Schritt zur Sicherstellung des globalen Referenzrahmens. Das BKG hat sich in UN-GGIM strategische Schlüsselpositionen gesichert, z. B. durch die Leitung von Arbeitsgruppen, um die Verbesserung eines globalen Geodatenmanagements mitzugestalten und die Erfüllung der 17 Nachhaltigkeitsziele sowie die Analyse der Geo-Dimension der SDGs und des Indikatorensets zu unterstützen sowie die IAG-Aktivitäten zum globalen geodätischen Referenzrahmen in eine nachhaltige Struktur zu überführen. Für den internationalen Agenda-2030-Prozess sind in Deutschland das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) politisch federführend. Von diesen wurde das Statistische Bundesamt im Jahr 2016 im Rahmen der nationalen Berichterstattung beauftragt, nationale Zeitreihen zu den globalen SDG-Indikatoren zusammenzustellen. Das Statistische Bundesamt ermittelt im Auftrag des Bundeskanzleramtes, inwiefern Daten von nationalen Stellen schon für die Erstellung der globalen Nachhaltigkeitsindikatoren geeignet sind bzw. bereits von internationalen Institutionen verwendet werden. Das BKG bietet sich an, neben seiner intensiven internationalen Einbindung bei der Analyse der Geo-Dimension bei den SDGs auch national ein kompetenter Partner im SDG-Monitoring für die geodatenrelevanten Indikatoren zu sein. Dabei können die Geodaten des BKG genutzt und Bundesbehörden bei der Entwicklung von Methoden zur Berechnung der SDG-Indikatoren – auch aus Fernerkundungsdaten – unterstützt werden.

Zaccheddu Pier-Giorgio, Thaller Daniela, Bouman Johannes, Afflerbach-Thom Sabine, Kretz Jeanette

Kapitel 28. Die Handlungsfelder effektiver Stadtfabriken für die nachhaltige Entwicklung im urbanen Raum

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten, mit steigender Tendenz. In städtischen Gebieten konzentrieren sich viele Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Industrielle Produktion und Fabriken im urbanen Raum sind ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Stärke wachsender Städte, obwohl sie häufig mit negativen Umweltauswirkungen verbunden sind. Die multifunktionale Nutzungsstruktur urbaner Räume ermöglicht die effektive Einbindung von Fabriken in das System Stadt und bietet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Dabei ist die räumliche Ausprägung der Verbindung von Stadt und Fabrik sowie die Intensität der Interaktion beider Systeme entscheidend für eine positive Verbindung. Die Vereinten Nationen betonen die Bedeutung von Städten und Gemeinden in ihren Zielen der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals), weiterhin heben sie eine nachhaltige industrielle Entwicklung und eine verantwortungsvolle Produktion hervor. Zur Ermittlung des potenziellen Beitrags von Fabriken in der Stadt zur nachhaltigen Entwicklung und zum Wachstum von Städten werden die Merkmale von Produktionssystemen in Verbindung mit ihrer urbanen Umgebung analysiert. Weiterhin werden urbane Fabriken auf ihren potenziellen Beitrag zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung untersucht. Dies geschieht entlang der Handlungsfelder effektiver Stadtfabriken. Auf der Grundlage dieser Analyse werden Potenziale abgeleitet, in denen die urbane Produktion ökonomisch, ökologisch und sozial die Städte der Zukunft unterstützen kann.

Max Juraschek, Lennart Büth, Christoph Herrmann

Kapitel 29. Verknüpfungen, Zielkonflikte und Synergien der Nachhaltigkeitsziele für die Lehre fruchtbar machen. Didaktische Konzeption und Umsetzung einer gemeinsamen Vorlesungsreihe der deutschen UNESCO-Lehrstühle

Seit 1992 erkennt die UNESCO sogenannte UNESCO-Lehrstühle an, mit denen die Intention verfolgt wird, die Ziele der UNESCO in Bildung und Wissenschaft zu verankern und mithilfe internationaler Vernetzung – insbesondere mit Hochschulen in den Ländern des Globalen Südens – zu stärken. In Deutschland wirken zurzeit zwölf UNESCO-Lehrstühle an der Umsetzung dieses Programms mit. Im Oktober 2017 haben diese mit dem „Heidelberger Commitment“ eine Selbstverpflichtung verabschiedet, in der sie die besondere Bedeutung von Wissenschaft, Bildung, Kultur und Kommunikation bei der Umsetzung der Agenda 2030 betonen und ihre individuelle und kollektive Verpflichtung zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele unterstreichen. Als erster grundlegender Schritt dieser Initiative fand im Sommersemester 2018 unter Federführung des Chairs an der Leuphana Universität Lüneburg erstmalig eine gemeinsame Vorlesungsreihe unter Beteiligung aller deutschen UNESCO-Lehrstühle statt. Der Fokus dieses Beitrags liegt vor allem auf hochschuldidaktischen Überlegungen bei der Konzeption dieser Vorlesungsreihe, wobei mit Blick auf die fachliche Heterogenität von Vortragenden und Studierenden die Aspekte der Multiperspektivität und Dialogorientierung im Mittelpunkt stehen.

Maik Adomßent

Kapitel 30. Morphologischer Kasten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung – Orientierung für Hochschulen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Lehre

Im Beitrag wird eine feldüberdeckende Übersicht – ein sogenannter morphologischer Kasten – entworfen, wie Nachhaltigkeit in der Lehre (BNE) an Hochschulen ausgestaltet werden kann. Um die insgesamt mehr als 20 Mio. Ausprägungsmöglichkeiten und damit Einsatz und Nutzen des morphologischen Kastens zu BNE zu veranschaulichen, werden aktuelle Praxisbeispiele aus zwei spezifischen Hochschultypen präsentiert: Zum einen aus der Hochschule für angewandte Wissenschaften München (HM) als Repräsentant einer öffentlichen Präsenzhochschule, zum anderen aus der Wilhelm Büchner Hochschule – Mobile University of Technology, Darmstadt (WBH) als Repräsentant einer privaten Fernhochschule. Hochschulen mögen den morphologischen Kasten zur BNE als Orientierung für Nachhaltigkeit in der Lehre heranziehen und ihn dafür nutzen, ihr spezifisches BNE-Profil zu entwickeln. Der morphologische Kasten zur BNE ist der erste methodisch-gestützte Vorschlag in diese Richtung. Er hilft, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO zu erfüllen.

Ralf Isenmann, Sabine Landwehr-Zloch, Sascha Zinn

Kapitel 31. Entwicklung eines Tools zur Ermittlung von Bildungsbestand und -bedarf zu Ressourcenschonung und -effizienz. Exemplarische Untersuchung des Studiengangs Bekleidungstechnik/Konfektion der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin

Die Produktion in der Bekleidungswirtschaft ist besonders material- und energieintensiv. Zur zeitgemäßen Qualifikation des Branchennachwuchses ist es angesichts schwindender Ressourcen notwendig, die Themen Ressourcenschonung (RS) und Ressourceneffizienz (RE) in das Bildungsangebot von Studiengängen der Bekleidungstechnik zu integrieren. Diese Studie hat das Bildungsangebot zu RS und RE in den Modulhandbüchern von zehn Studiengängen der Bekleidungstechnik mittels quantitativer Textanalyse evaluiert. In den formal verankerten Lehrinhalten der meisten Studiengänge werden RS und RE vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten thematisiert. Befragungen von Studierenden und Lehrenden der Bekleidungstechnik/Konfektion der HTW Berlin ergänzten die Analyse und ermittelten den hochschulspezifischen Bildungsbedarf. Die Themenfelder Ressourcen, Ökosysteme und nachhaltige Technologien fragten die Studierenden besonders nach. Mithilfe dieses erstmalig entwickelten Informationsinstruments konnten Defizite, Hemmnisse, Erfordernisse sowie geeignete Lehrformate zu RS und RE identifiziert werden. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen bilden für die Hochschule eine Grundlage, das Bildungsangebot zu RS und RE zu optimieren. Die Methodik ist fachspezifisch anpassbar und ermöglicht wiederholbare Analysen für ein Monitoring der Implementierung von RS und RE in die Lehre.

Johanna-Magdalena Kruse, Nadja Kulikowa

Kapitel 32. Ressourcenkompetenz entwickeln – Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz in der Hochschule verankern

Die auf der Erde zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen sind begrenzt. Ihre Nutzung geht mit erheblichen negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt einher. Um die Schonung und den effizienten Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu fördern, wurde mit Beschluss vom 29.02.2012 das „Programm zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen für Deutschland“, das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) auf den Weg gebracht, welches 2016 mit ProgRess II fortgeschrieben wurde.An dieser Stelle knüpfte das BilRess-Projekt „Bildung für Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz“ an (2012–2016). Das übergeordnete Ziel des Projekts war es, durch die Erarbeitung einer Bildungsstrategie für die Bildungsbereiche Schule, Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung, einen Beitrag zur aktuellen Ressourcenpolitik (u. a. dem nationalen Ressourceneffizienzprogramm – ProgRess I und II) zu leisten. Dazu haben die erarbeitete Roadmap (Baedeker et al., BilRess-Roadmap: bereichsübergreifend, http://www.bilress.de/downloads-47.html , 2016) und das aufgebaute BilRess-Netzwerk einen substanziellen Beitrag geleistet.Vor dem Hintergrund der sehr positiven Resonanz auf das BilRess-Netzwerk konnte als wichtiger Erfolg eine Fortsetzung der Netzwerkarbeit und somit auch ein erster wichtiger Baustein zur Umsetzung der BilRess-Roadmap sichergestellt werden (2015–2019). Die positive Entwicklung zeigt sich u. a. im Anstieg der Netzwerkmitglieder innerhalb eines Jahres von 160 auf über 300 (04/2016). Das BilRess-Netzwerk trägt somit erfolgreich zur Umsetzung und Ausgestaltung des deutschen Ressourceneffizienzprogramms ProgRess im Bereich der Ressourcenbildung sowie der Umsetzung der BilRess-Roadmap bei.Der Beitrag stellt mit Fokus auf den Bildungsbereich Hochschule den Status von Ressourcenbildung sowie die erarbeitete Roadmap dar und zeigt wesentliche Handlungsbedarfe auf.

Holger Rohn, Carolin Baedeker, Jaya Bowry, Michael Scharp
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