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Über dieses Buch

Soziale Netzwerk-Plattformen, Videoportale, Suchmaschinen und personalisierte Nachrichten-Apps prägen die Nachrichtenmenüs vieler Bürger zunehmend. Sie präsentieren Nutzern maßgeschneiderte Nachrichten, die sie mittels Algorithmen an persönliche Vorlieben anpassen. Mögliche Folgen sind eine veränderte Meinungsbildung und die Entstehung extremer und polarisierter Einstellungen. Der Band beantwortet folgende Fragen: Wie funktionieren algorithmisch personalisierte Nachrichtenkanäle? Wie häufig und intensiv werden sie von den Deutschen im Vergleich mit nicht-personalisierten Kanälen genutzt? Welche soziodemografischen, psychologischen, politik- und medienbezogenen Merkmale zeichnen Intensivnutzer aus? Wie hängt die Nutzung algorithmischer Nachrichtenkanäle mit extremen Meinungen zusammen?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung und Forschungsziel

Demokratien sind auf informierte Bürger angewiesen, die über relevante gesellschaftliche Probleme orientiert sind, sie zumindest grundsätzlich verstehen und die Lösungsvorschläge verschiedener politischer Akteure kennen. Nur mündige Bürger, die über ein Minimum politischer Bildung und einen integrierten Nachrichtenüberblick verfügen (Schweiger, 2017, S. 34), können sich eine einigermaßen begründete politische Meinung bilden, sich am öffentlichen Diskurs beteiligen und schließlich kompetent wählen. Einen umfassenden Nachrichtenüberblick vermitteln traditionell journalistische Nachrichtenmedien (Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Nachrichten) mit ihrem Anspruch einer unabhängigen, wahrheitsgemäßen, ausgewogenen und integrierten Berichterstattung über alle relevanten Themen, Akteure, Argumente und Meinungen.
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Kapitel 2. Algorithmisch personalisierte Nachrichtenkanäle

Zunächst wollen wir algorithmisch personalisierte Nachrichtenkanäle eingehender definieren, ihre Relevanz begründen sowie einige Begriffe klären. Die kommunikationswissenschaftliche Literatur zu dem Thema scheint gespalten: Deutschsprachige Beiträge beziehen sich häufig auf Intermediäre als algorithmische Informationsvermittler (Neuberger, 2014; Lischka & Stöcker, 2017; Schmidt et al., 2017; Stark, Magin, & Jürgens, 2017). Die internationale Forschung betont hingegen den Aspekt der algorithmischen Personalisierung (z. B. Thurman & Schifferes, 2012; Beam, 2014; Napoli, 2014; Borgesius Zuiderveen et al., 2016).
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Kapitel 3. APN-Nutzungsanteil – Konstrukt und Messung

Vor mehr als zehn Jahren beschäftigten sich Kalyanaraman und Sundar (2006) mit der Personalisierung von Inhalten und fragen danach, wie sich diese auf die Einstellungen der Nutzer gegenüber dem Anbieter auswirkt. Die Teilnehmer eines Experiments mit drei Gruppen (hohe, mittlere und geringe Personalisierung) sahen eine fiktive Seite von MyYahoo.com, deren Inhalte (Sportnachrichten, Wetter, Kino usw.) mehr oder weniger ihren persönlichen Interessen entsprachen. Anschließend wurden sie zu ihrer Wahrnehmung der Seite befragt. Diejenigen, die eine Seite mit hohem Personalisierungsgrad gesehen hatten, beurteilten das Portal signifikant positiver als die Versuchspersonen in den anderen Gruppen.
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Kapitel 4. APN-Nutzungsanteil und Personenmerkmale

Wenn Individuen unterschiedliche Anteile algorithmischer Nachrichtenkanäle an ihrer gesamten Nachrichtennutzung aufweisen, führt das zur Frage, wie der APN-Nutzungsanteil mit verschiedenen Eigenschaften von Nachrichtennutzern zusammenhängt. Die Exploration von Zusammenhängen zwischen Individualmerkmalen und APN-Nutzungsanteil ist aus mindestens zwei Gründen relevant: Zum einen kann empirisch fundiertes Wissen darüber, welche Nutzereigenschaften mit dem APN-Nutzungsanteil korrelieren, wertvolle Hinweise liefern für die Entwicklung einer umfassenden Antwort auf die Frage, warum Menschen ihre Nachrichtennutzung auf solche Kanäle fokussieren oder diese eher meiden. Dieses Wissen ist auch von gesellschaftlicher und praktischer Relevanz.
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Kapitel 5. APN-Nutzungsanteil, politische Einstellungen und Polarisierung

Demokratische Systeme basieren auf der Grundannahme, dass sich politisch informierte Bürger mit unterschiedlichen Interessen und Vorstellungen in einem öffentlichen Diskurs austauschen (Deliberation, vgl. etwa Gastil, 2008) und in Wahlen ihre Repräsentanten bestimmen. Diese Volksvertreter vertreten – so die Anforderung – die Erwartungen und Wünsche ihrer Wähler (Responsivität, vgl. etwa Brettschneider, 2002). Sie treffen ihre politischen Entscheidungen erst nach einem angemessenen öffentlichen Diskurs, in dem möglichst alle Forderungen und Argumente gegeneinander abgewogen werden.
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Kapitel 6. Schluss

Algorithmisch personalisierte Nachrichtenkanäle (APN) haben die Nachrichtennutzung, Informiertheit und Meinungsbildung vieler Bürger in den letzten Jahren erheblich verändert. Zunächst verlief diese Entwicklung von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt. Zwar zeigten Studien bereits vor einigen Jahren, dass sich besonders junge Menschen verstärkt über das (mobile) Internet informierten und dabei seltener direkt auf klassische Nachrichten-Portale zugriffen, sondern sich den Selektions-Filtern von RSS-Newsfeeds, Nachrichten-Aggregatoren und sonstigen Intermediären, allen voran Facebook, anvertrauten. Dass deren Nachrichtenauswahl teilweise stark personalisiert ist, wurde anfangs als sinnvolle und hilfreiche technische Funktionalität betrachtet, die Nutzern den Überblick im Informationsdschungel erleichtert, maßgeschneiderte Inhalte liefert und eine leistungsfähige, virale Verbreitung von Inhalten erlaubt.
Wolfgang Schweiger, Patrick Weber, Fabian Prochazka, Lara Brückner

Backmatter

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