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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorwort

Zusammenfassung
Dieses Buch ist zuvorderst eine Theoriearbeit. Sie beschränkt sich jedoch nicht darauf, sondern entwirft eine diskursanalytische Methode zum besseren Verständnis internationaler Politik. Im Mittelpunkt der empirischen Analyse stehen die Bundesrepublik Deutschland und Japan sowie die Beziehungen dieser beiden Länder zu den Vereinigten Staaten von Amerika nach dem 11. September 2001. In der Untersuchung wird deutlich, dass kollektives Handeln durch geteilte Ideen, Normen und Identitäten möglich wird.
Dirk Nabers

Zusammenfassung

Zusammenfassung
Wie wird kollektives Handeln zwischen staatlichen Akteuren möglich? Diese zentrale Frage, der sich kooperationstheoretische Ansätze der Internationalen Beziehungen (IB) seit langem widmen, ist der Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit. Als Antwort wird ein Theoriemodell entworfen, das versucht, konstruktivistische und diskurstheoretische Einsichten zu verbinden. Nur durch die Analyse der Kultur des internationalen Systems, so das Argument, kann die Frage nach Erfolg und Misserfolg der Zusammenarbeit von Staaten beantwortet werden.
Dirk Nabers

1. Einleitung

Zusammenfassung
Es geht in dieser Arbeit um die allgemeine Frage, unter welchen Bedingungen kollektives Handeln zwischen Staaten möglich wird. Kollektives Handeln soll zunächst verstanden werden als das auf Intersubjektivität basierende, koordinierte Agieren einer unbestimmten Anzahl von Individuen. Der Begriff wird in der Folge wechselweise mit dem in den IB gängigen Begriff der Kooperation benutzt. Kooperation als umfassender Terminus bezeichnet gemeinhin die Möglichkeit der Bereitstellung öffentlicher Güter, die über individuelle Anstrengungen unerreichbar bleiben. Der Begriff bedeutet demnach nicht mehr als ‘Zusammenarbeit zum gemeinsamen Nutzen’. Diese Zusammenarbeit setzt ein gewisses Maß an Uneinigkeit über einen Sachverhalt voraus und basiert auf Gleichberechtigung: „each party changes his or her behavior contingent on changes in the other’s behavior.“1 Voraussetzung für kollektives Handeln ist Kommunikation. Die wichtigsten gesellschaftlichen Vorteile und jede Art öffentlicher Güter beruhen auf Kooperation, wobei hier nicht nur materielle Güter, sondern auch so wesentliche soziale Errungenschaften wie innere und äußere Sicherheit und eine funktionierende Rechtsordnung gemeint sind, also auch die Sicherung bestimmter sozialer Normen.
Dirk Nabers

2. Ideen und Interessen in der internationalen Politik

Zusammenfassung
Die folgenden Ausfuhrungen bewegen sich im Spannungsfeld von Rationalismus und Konstruktivismus. Auch wenn hier der theoretische Mehrwert des Konstruktivismus schnell deutlich wird, so ist ein a priori erfolgender Anschluss an eine der beiden metatheoretischen Positionen doch kaum möglich, ohne eine Reihe recht problematischer Prämissen zu akzeptieren.1 Daher sollen in diesem Kapitel zunächst einige Grundentscheidungen hinsichtlich der Relevanz von materiellen und ideellen Faktoren, des Verhältnisses von Agent und Struktur, der Interessen und Identitäten von Akteuren sowie des analytischen Postulats einer exogenen versus einer endogenen Transformation von Interessen und Identitäten getroffen werden. Es wird in Anlehnung und aus der Kritik an Alexander Wendt heraus eine Theorie internationaler Politik entworfen, die die Bedeutung der Kultur des internationalen Systems für kollektives Handeln von Staaten betont.
Dirk Nabers

3. Diskurse in der internationalen Politik

Zusammenfassung
Methoden existieren nicht im irgendwo in einem isolierten Raum; sie basieren immer auf bestimmten theoretischen Annahmen, die wiederum vom Erkenntnisinteresse respektive den Leitfragen einer Forschungsarbeit abhängen. Ausgangspunkt der folgenden methodischen Überlegungen ist die grundlegende sozialkonstruktivistische Aussage, dass intersubjektiv geteilte Bedeutungsmuster die sozialen Identitäten von Akteuren konstituieren und damit die kulturellen Bedingungen festlegen, in denen Akteure agieren und interagieren. Die idealistisch-holistische Ontologie der Wendtschen Theorie wird in weiten Teilen akzeptiert. Es wird auch anerkannt, dass es eine materielle Realität gibt, auf die sich sprachliche Diskurse häufig beziehen. Anderenfalls würde ein wichtiger Bezugspunkt sozialer Realität verloren gehen. Sprache legt Bedeutung fest, aber Bedeutung kann auch aus einer „extra-linguistischen Welt“ entspringen. Eine der wichtigsten Prämissen des „interpretativen Paradigmas“ in den Sozialwissenschaften lautet, dass Menschen ‚Dingen‘ gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen agieren, die diese Dinge fiir sie besitzen. „Unter ‚Dingen‘ wird alles gefasst, was der Mensch in seiner Welt wahrzunehmen vermag — physische Gegenstände, wie Bäume oder Stühle; andere Menschen, wie eine Mutter oder einen Verkäufer; Kategorien von Menschen, wie Freunde oder Feinde; Institutionen, wie eine Schule oder eine Regierung; Leitideale wie individuelle Unabhängigkeit oder Ehrlichkeit; Handlungen anderer Personen, wie ihre Befehle oder Wünsche; und solche Situationen, wie sie dem Individuum in seinem täglichen Leben begegnen.“1
Dirk Nabers

4. Kultur und kollektives Handeln nach dem 11. September 2001

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird der Bogen von den theoretischen zu den empirischen Aspekten dieser Arbeit geschlagen. Empirie beruht nicht auf einer objektiven Wahrheit, sondern leitet sich aus dem Diskurs ab, in dem die soziale Wirklichkeit sich konstituiert und Interpretationen über die materielle und immaterielle Wirklichkeit sich durchsetzen. In der Analyse des internationalen Systems nach dem 11. September 2001 betreten die drei Untersuchungsstaaten — die USA, die Bundesrepublik Deutschland und Japan — die Bühne als einheitliche Akteure mit bestimmten Absichten, Zielen, Wünschen, Identitäten und Interessen. Die Frage lautet, wie diese Elemente zusammenarbeiten, nicht, wie sie sich historisch entwickelt haben. Es wird schnell deutlich, dass bestehende Identitäten im Diskurs immer wieder thematisiert werden. Politische Handlungen müssen begründet werden, und dies geschieht zumeist mit dem Hinweis auf die eigene Identität als politischer Akteur. Insofern ist davon auszugehen, dass sich Hinweise auf die historischen Wurzeln staatlicher Identität im Diskurs nach dem 11. September wiederfinden. Die innenpolitische und innergesellschaftliche Entstehung dominanter Interpretationsmuster wird außer Acht gelassen. Sie wird lediglich am Rande behandelt, wenn dies für das Verständnis eines Sprechaktes von Bedeutung ist. Es ist jedoch die im internationalen System greifbare Subjektivität, die im Mittelpunkt der Untersuchung steht. Das bedeutet, dass auch Sprechakte analysiert werden müssen, die an ein nationales Publikum adressiert sind, über die Transmissionsriemen der modernen Medien aber Eingang in ein über die nationalen Grenzen hinausgehendes Forum finden.
Dirk Nabers

5. Kollektives Handeln in der internationalen Politik

Zusammenfassung
In dieser Arbeit wurde eine konstruktivistische Methodologie entwickelt, um auf der Grundlage einer Analyse der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der USA mit Deutschland und Japan nach dem 11. September 2001 die Frage zu beantworten, wie kollektives Handeln in der internationalen Politik möglich wird. Es wurde im Rückgriff auf die Arbeit von Wendt argumentiert, dass es die Kultur des internationalen Systems ist, die für Zusammenarbeit oder Konflikt zwischen Staaten verantwortlich ist. Zusammenarbeit zwischen zwei Staaten erschien dabei als nachhaltig, wenn die Beziehung durch eine freundschaftliche Kultur geprägt war. Diese freundschaftliche Kultur wird durch eine kollektive Identität konstituiert. Kollektive Identitäten begründen kollektive Interessen und helfen so, Probleme kollektiven Handelns zu überwinden.
Dirk Nabers

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