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Über dieses Buch

Die Beiträge zeigen aus verschiedenen Perspektiven und disziplinären Diskursen heraus wie Prävention im Alter gelingen kann. Im Mittelpunkt individueller wie kollektiver Bestrebungen steht dabei das Ziel, zukünftige soziale Risiken und gesundheitliche Belastungen bereits frühzeitig spürbar zu reduzieren. Wissen um demografische und epidemiologische Veränderungen ist mit der Verantwortung verbunden, Spielräume pro-aktiv auszugestalten. Für eine alternde Gesellschaft gewinnt hierbei vor allem die Ausdehnung beeinträchtigungsarmer Lebensjahre an Bedeutung. Vordringlich sind insofern erfolgsversprechende Maßnahmen und Unterstützungsangebote in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Prävention im Alter verstehen – eine Einführung

Zusammenfassung
Auf die Frage, was Prävention im Alter bedeutet, lassen sich sehr unterschiedliche Antworten konstruieren. Diese Antworten können ebenso auf das höhere Lebensalter des Einzelnen wie auf alternde Bevölkerungsgruppen in bestimmten Regionen oder auch auf die Gesamtgesellschaft abzielen. Sie lassen relativ kurzfristige wie auch sehr langfristige Maßnahmen und Ziele vermuten und können dazu diverse Zuständigkeiten, Defizite oder Musterbeispiele mit sich bringen. Alle Aussagen hängen schließlich davon ab, wie genau Prävention auf der einen und Alter auf der anderen Seite ausgelegt werden und auf welche Fachdiskurse man sich dabei beruft. Es bedarf daher zunächst einer genaueren Begriffsbe-stimmung, wenn man in diesem Kontext solide Einschätzungen vornehmen und konkrete Herangehensweisen ausfindig machen und bewerten will. Das nachfolgende Einführungskapitel soll deshalb zunächst zur Klärung beitragen, welches Verständnis von Prävention im Alter den verschiedenen Aussagen der in dieser Publikation vereinten Kolleginnen und Kollegen zugrunde liegt, welche Akzente und Schwerpunkte in den einzelnen Beiträgen gewählt wurden und welche Herausforderungen sich daraus fur unterschiedliche Handlungsfelder und Professionen ergeben.
Stefan Pohlmann

2. Meilensteine für ein modernes Präventionsverständnis im Alter

Zusammenfassung
Der nachfolgende Beitrag verweist auf die Wurzeln moderner Präventionsansät-ze für ein gelingendes Altern, die sich nicht darauf beschränken, ein möglichst langes und krankheitsarmes leben zu gewährleisten, sondern auch psychosoziale Aspekte einbeziehen. Diese historische Betrachtungsweise soll aufzeigen, wo und in welcher Form bereits und frühzeitig eine umfassende Übersetzung von Belas tungsvermeidung einerseits und Aktivierung von Potenzialen anderseits vorgenommen wurde und welche Entwicklungen einem solchen Verständnis bis in die Neuzeit entgegengestellt wurden. Das Kaptiel verdeutlicht ferner, aus welchem Grund es uns bis in die heutige Zeit so schwer fällt, die Prävention gerade für die Zielgruppe älterer Menschen trotz vieler uberzeugender Ansatzpunkte in der Ge sellschaft und in den verantwortlichen Berufsgruppen zu verankern. Zugleich soll es anschaulich machen, auf welchen Modellen unsere derzeitigen Vorstellungen von Prävention im Alter wesentlich gründen und welche Irrwege dabei künftig zu vermeiden sind.
Stefan Pohlmann

3. Präventiver Erhalt von Gesundheit und Aktivität im Alter

Zusammenfassung
Die demografische Entwicklung mit einer deutlichen Zunahme des Anteils älterer und alter Menschen wird Deutschland in den kommenden Jahren entscheidend prägen. Während heute 16,5 Millionen Menschen im Alter über 64 Jahre in Deutschland leben, wird ihre Zahl bis zum Jahr 2050 auf23 Millionen steigen (Statistisches Bundesamt, 2014; Statistisches Bundesamt, 2009). Kaum eine Entwicklung wird derart gravierende Veränderungen der Gesellschaftsstruktur, des Arbeitsmarktes, der ökonomischen Determinanten und der sozialen Sicherungssysteme nach sich ziehen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Gesundheitsförderungund Prävention für ältere Menschen zunehmend an Bedeutung. Es ist wichtig, die Weichen für diese Herausforderung zu stellen und die Potenziale einer Gesellschaft des langen Lebens zu erkennen und zu nutzen. Darüber hinaus gilt es, Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu fördern, die älteren Menschen ein hohes Maß an aktiver Gestaltung und Selbstbestimmung bieten, um ihre persönlichen Ressourcen ausschöpfen zu können. Dies ist von hoher individueller wie auch gesellschaftspolitischer und ökonomischer Bedeutung. Es geht vor allem auch um gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität, die in hohem Maße vom Gesundheitszustand und der Mobilität älter werdender und alter Menschen abhängt.
Elisabeth Pott

4. Präventive Vermeidung von Altersarmut

Zusammenfassung
Dieser Beitrag thematisiert die Vulnerabilität, insbesondere die materielle Prekarisierung, älterer Frauen mit ihren gesellschaftspolitischen Ursachen und alltagsweltlichen Auswirkungen. Es wird skizziert, warum und in welcher Weise Frauen im Alter benachteiligt sind und welche Mehrfachdiskriminierungen kumulieren können. Anschließend wird ein neues Forschungsprojekt1 der Europäischen Ethnologie (LMU München) über Prekarisierungserfahrungen von Frauen im Rentenalter vorgestellt und es werden erste Vermutungen über Vermeidungs- und Bewältigungsstrategien der Betroffenen vor dem Hintergrund ihrer sozialen und kulturellen Kapitalien (Herkunft, Netzwerke, Bildung und Wissen) formuliert. Es handelt sich dabei um einen ethnografischen Forschungsansatz zur Untersuchung der Vulnerabilität älterer Frauen
Irene Götz, Katrin Lehnert

5. Prävention im Alter: Anthropologischer Kontext, Konzepte, Befunde

Zusammenfassung
Die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen mit dem Ziel der Vermeidung von Krankheiten (primäre Prävention), der Vermeidung eines Fortschreitens bestehender Erkrankungen (sekundäre Prävention) und der Vermeidung funktioneller Einschränkungen im Falle bestehender chronischer Krankheiten (tertiäre Prävention) ist an die persönliche Erfahrung des Potenzials zur Selbst- und Weltgestaltung gebunden. In dem :Maße, in dem das Individuum das gegebene Potenzial zur Gestaltung eigener Entwicklung -mithin auch der gesundheitlichen Entwicklung -und zur Gestaltung seiner sozialen und räumlichen Nahumwelt wahrnimmt und umsetzt, wird es sich auch gegenüber Präventionskonzepten öffnen und diese umsetzen. Dies bedeutet, dass das Individuum - im persönlich ansprechenden Austausch mit nahestehenden Menschen wie auch in der intensiven Beschäftigung mit einem Gegenstand oder einer Aufgabe - Möglichkeiten findet, sich selbst zu erfahren und zu einer differenzierten Einschätzung des eigenen Selbst zu gelangen.
Andreas Kruse

6. Prävention von Medikationsfehlern im Alter

Zusammenfassung
Der nachfolgende Beitrag gibt einen Einblick in die klinische Phannakotherapie älterer Patienten und verweist in diesem Zusammenhang zum einen auf bestehende Risiken und zum anderen auf die präventive Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen und Interaktionen. Diese können insbesondere durch eine fachlich und diagnostisch fundierte Verordnung, eine verantwortliche Einnahme und eine kritische Evaluation der erzielten Wirkungen entsprechender Armeimittel erreicht werden. Die weiteren Ausführungen erklären, warum bei der Medikation gerade im höheren Lebensalter eine besondere Sorgfalt walten muss, in welchen Bereichen eindeutige Veränderungsbedarfe auszumachen sind und welche Überzeugungsarbeit zukünftig intensiv zu betreiben ist. Am Beispiel eines Forschungsprojekts der Autoren wird ferner aufPotenziale der Hochschulen verwiesen, um diese Prozesse nachhaltig zu unterstützen.
Stefan Pohlmann, Andreas Fraunhofer

7. Präventive Ansätze der ErgotherapiePrävention in der Demenzbetreuung am Beispiel des Kompetenzzentrums München

Zusammenfassung
Eine Demenzerkrankung löst wie eine Krebserkrankung in unserer Gesellschaft höchste Angstgefühle aus (vgl. Pohlmann, 2011). Wir befürchten, unsere Selbstständigkeit, Individualität illld Freiheit zu verlieren, die essentiell von illlseren geistigen Selbstbestimmilllgsfähigkeiten abhängig sind. Positive Gesichtspunkte für ein würdiges Leben mit Demenz werden mehr verdrängt als die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod. Die Pflege demenzkranker Menschen stellt Angehörige vor höchste Belastilllgen. Wer sich auf eine solche tendenziell Rillld-umdie- Uhr-Betreuilllg einlässt, kann sich auf Dauer selbst körperlich illld seelisch gefährden.
Hermann Schoenauer, Jürgen Salzhuber, Hans Kopp

8. Präventive Ansätze der Ergotherapie

Zusammenfassung
Der ergotherapeutische Beitrag zum interdisziplinären Aufgabenfeld der Gesundheitsförderung und Prävention ist noch recht neu und unbekannt. Deshalb sollen eingangs zentrale historische Wurzeln der ergotherapeutischen Profession vorgestellt werden. In den lange Zeit vergessenen Entstehungsbedingungen dieses Berufes liegt eine wesentliche Begründung für das aktuelle Engagement der Ergotherapie in den Aufgabenfeldern von Gesundheitsförderung und Prävention. Wie sich eine ergotherapeutische Perspektive auf Gesundheitsförderung und Prävention in den letzten Jahren auf europäischer Ebene programmatisch herausgebildet hat und an wen sich ergotherapeutische Leistungen richten, wird im dritten und vierten Kapitel deutlich. Im Zentrum des Beitrags steht schließlich die ausfuhrliehe Darstellung und Reflexion des ergotherapeutischen Gesundheitsförderungsprogramms für ältere Menschen TATKRAFT-Gesundheit durch Betätigung. Abschließend werden die Implementierungsbedingungen für Präventionsprogramme in Deutschland vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem TATKRAFT-Programm beschrieben und reflektiert.
Kathrin Weiß, Ulrike Marotzki

9. Präventive Umgebungsgestaltung mit Licht – Human Centric Lighting

Zusammenfassung
Gutes Sehen hängt von guter Beleuchtung ab, dieser Zusammenhang ist klar. Welche Bedingungen müssen aber für gute Lichtwirkungen auf den Menschen erfüllt werden? Die Gütekriterien für gutes Licht sind heutzutage wohldefiniert und es liegen sehr gute Handlungsempfehlungen für die Lichtplanung vor. Insbesondere die Beleuchtung von Arbeitsstätten ist durch Richt- und Leitlinien, z.B. des Gesetzgebers oder der Berufsgenossenschaften so gut vorgegeben, dass bei der Einhaltung der Vorgaben nach bisherigen Erkenntnissen des Arbeitsschutzes die Gesundheit nicht gefährdet oder beeinträchtigt wird. Obwohl die Anforderungen an die Lichtqualität über die vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich an die Erfordernisse für das gute Sehen angepasst wurden und gute Leitlinien vorhanden sind, weiß man heute, dass rein auf visuelle Aufgaben ausgerichtete Beleuchtung nicht mehr für die ganzheitliche Gesundheitsförderung, insbesondere für eine präventive Planung von Lebenswelten ausreichend ist. Ebenso wie eine visuell schlechte Beleuchtung kann auch die Vernachlässigung der nicht-visuellen Wirkungen der Beleuchtung mit einem erhöhten Risiko verbunden sein, negative Folgen für die Gesundheit zu erzeugen. Langfristig kann durch "falsches" Licht zur "falschen" Zeit die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen sogar erheblich beeinträchtigt werden.
Herbert Plischke

10. Prävention und Gesundheitsförderung durch universitäre Bildungsangebote für die zweite Lebenshälfte

Zusammenfassung
Der Beitrag ,,Prävention und Gesundheitsförderung durch universitäre Bildungsangebote für die zweite Lebenshälfte" verdeutlicht, dass Bildung im Alter einen wesentlichen Beitrag zur Prävention und Gesundheitsförderung älterer Menschen leistet. Nachberufliche Bildungsangebote, insbesondere auch der Universitäten, haben daher eine besondere Bedeutung. Anhand von 15 Parametern wird gezeigt, welche Gestaltungsoptionen für Seniorinnen-Universitäten (Hochschulen/ Universitäten der zweiten Lebenshälfte) bestehen. Diese grundsätzlichen Ausführungen werden am Beispiel der Uni 55-PLUS der Paris Lodron Universität Salzburg veranschaulicht und durch Ergebnisse einer empirischen Nutzerinnenanalyse der Uni 55-PLUS zusätzlich veranschaulicht.
Urs Baumann, Herta Windherger

11. Prävention durch einen realitätsorientierten Altersdiskurs

Zusammenfassung
Die aktuellen Diskurse zum "grau" oder "silbern" des Alters schwanken zwischen katastrophischen Prophetien und optimistischen Prognosen. Optimistisch klingen Überschriften wie ,,Die Zukunft ist silbern"-so in der SZ vom 04./05.02.2006- oder ,,Attraktives Alter", wie eine Serie heißt, in der Seniorinnen und Senioren der Alterskohorte 50plus als besonders attraktive Kunden für alle möglichen Märkte entdeckt werden. Häufiger waren bislang allerdings solche Kommentare, die vor allem ein demographisches Horrorszenario konstruieren, das dann mit düsteren Prognosen zu einem Generationenkrieg oder zu einem Zusammenbruch sozialstaatlicher Systeme verkoppelt wird. Gegenwärtig jagen uns Thesen vom "Clash of Generations" oder vom "biologischen und sozialen Terror der Altersangst" (so im Klappentext von Frank Schirrmachers (2004) ,,Das Methusalem-Komplott") Zukunftsängste ein oder es ist vom "demografischen Salto" die Rede, der die klassische "Bevölkerungspyramide" von einer "zerzausten Wettertanne" zum ,,kopflastigen Pilz" hat werden lassen (Barz et al. 2003, S. 113). Diese Szenarien, deren demographische Basis gar nicht bestritten werden soll, verbreiten aber eher Panik und Hilflosigkeit, als dass sie auf zentrale gesellschaftliche Veränderungsprozesse und deren Konsequenzen für die Lebensführung und die Identitätsarbeit im Alter hinweisen und daraufvorbereiten würden. Allerdings hat sich seit einiger Zeit ein ganz neuer Diskurs entfaltet. Unsauberer Satzbau. Vielleicht besser: Er sieht in der wachsenden Zahl von ,jungen Alten" eine wichtige gesellschaftliche Ressource: Sie sollen ermutigt werden, sich gesellschaftlich einzubringen, sich, zu engagieren und das eigene Älterwerden in die eigenen Hände zu nehmen.
Heiner Keupp

12. Prävention aus Sicht der Krankenkassen

Zusammenfassung
Die Gesundheitsförderung und der Abbau sozial bedingter Ungleichheiten sind zentrale Themen der Sozialversicherung in Deutschland. Die Regierung hat deren Stellenwert auch im Koalitionsvertrag bestätigt, wonach 2014 ein wegweisendes Präventionsgesetz verabschiedet werden sollte. Tatsächlich hat es seit 2004 bereits drei Gesetzesvorlagen für eine grundlegende Reformierung der Prävention in der Gesetzlichen Krankenversicherung gegeben, die bislang alle gescheitert sind. Der vierte Anlauf hat im Jahr 2015 zum Erfolg geführt, obwohl die politischen Vertreter aller Parteien die Inhalte teils kontrovers diskutieren.
Kerstin Ludewig, Robert Wolf

13. Präventive Praxis- und Politikansätze in Europa

Zusammenfassung
Die Bevölkerung in Europa wird älter. Viele Ältere wünschen sich, möglichst lange zu Hause wohnen bleiben zu können. Deswegen ist es wichtig, dass man mehr Gewicht auf Prävention legt. In diesem Kapitel wird zuerst dargestellt, was die Europäische Union in der Sache unternimmt und drum über einige Praxisbei in Europa berichtet.
Hannele Häkkinen

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