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08.09.2023 | Altersvorsorge | Schwerpunkt | Online-Artikel

Bürger wünschen sich eine Riester-Reform

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

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Die Bundesbürger wollen, dass das Riester-Sparen reformiert wird, offenbart eine aktuelle Umfrage. Denkanstöße für Verbesserungen gibt es von vielen Seiten. Wichtig ist den Experten mehr Flexibilität, weniger Kosten und gute Beratung.

"Die gesetzliche Rentenversicherung wird vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht reichen, wenn sie ihren Lebensstandard halten wollen. Private Altersvorsorge wird daher immer wichtiger und doch bleibt die Politik hier sehr unkonkret", schreibt Bernhard Rudolf in der Mai-Ausgabe von "Versicherungsmagazin". Im Bundeshaushalt 2023 hat Bundesfinanzminister Christian Lindner für das sogenannte Generationenkapital bereits die ersten zehn Milliarden Euro eingestellt. "Sie sollen kreditfinanziert werden. Regelmäßige Zahlungen über einen Zeitraum von 15 Jahren sind jedoch in der Koalition umstritten", so Rudolf. 

Viele Verbraucher sind deshalb der Meinung, dass die Politik die Riester-Rente reformieren sollte. Dies zeigt eine Sonderbefragung im Auftrag des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). Hierfür wertete das Meinungsforschungsinstitut Insa Consulere die Antworten von rund 1.000 Personen ab 18 Jahren vom Juni 2023 aus. Insgesamt fünf Personengruppen, die entweder

  1. aktiv einen Vertrag besparen, 
  2. bereits eine Riester-Rente beziehen, 
  3. den Vertrag nicht mehr besparen, 
  4. ihren Vertrag beendet oder 
  5. nie einen abgeschlossen haben,

gaben Auskunft zum Thema Riester-Rente. 

Wissensdefizite bei Renditechancen

"Die Vorstellung ist weit verbreitet, mit Riester sei keine Rendite möglich. Dabei wird oft der wesentliche Renditehebel, nämlich die Zulagenrendite, vergessen. Mit dieser können Riester-Sparer bis zu zweistellige Renditen erreichen. Das wissen gerade einmal 14,1 Prozent der von uns Befragten", stellt Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA klar. "Es besteht also wenig Bewusstsein für den Renditeturbo der Zulagen. Hier bedarf es mehr Aufklärung."

Die von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe private Altersvorsorge schlägt in ihrem Abschlussbericht von Ende Juli die Nutzung chancenreicherer Anlagen mit höheren Renditen vor. Grundlage ist ein förderfähiges Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben vor, in dessen Rahmen Verbraucher in Fonds und andere geeignete realwertorientierte Anlageklassen investieren können. Für die Sparer, die großen Wert auf Sicherheit legen, empfiehlt die Fokusgruppe mehrheitlich, auch weiterhin Produkte mit Garantien anzubieten.

Standardisierung soll Kosten sparen

Um die Kosten für entsprechende Produkte zu reduzieren, empfehlen die Experten eine größere Standardisierung der Anforderungen und mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern. Dies sollte beispielsweise durch einfache kostengünstige Wechselmöglichkeiten in der Anspar- sowie vor der Auszahlungsphase unterstützt werden. 

Bei der Förderung orientiert sich die Fokusgruppe an der aktuellen Riester-Fördersystematik - "mit zielgenauen Zulagen für untere Einkommensgruppen, junge Menschen und Personen mit Kindern sowie dem Sonderausgabenabzug mit nachgelagerter Besteuerung", heißt es im Bericht. Allerdings soll hierbei die einkommensabhängige Mindesteigenbeitragsberechnung durch eine bürokratieärmere Regelung ersetzt werden. 

"Der Vorschlag der Fokusgruppe, Riester zu vereinfachen, um so die Kosten zu senken und die Rendite zu steigern, ergäbe einen Renditeschub. Gleiches gilt für die vorgeschlagene Dynamisierung der bisher fixen Zulagen", kommentiert Heuser den Vorschlag. 74 Prozent der Umfrageteilnehmer würden Letzteres begrüßen.

Mehr Flexibilität bei Garantien und Auszahlung

Die Entscheidung, die Renditechancen durch einen Verzicht auf die Bruttobeitragsgarantie zu erhöhen, sollten laut DIVA die Bürger nach eigenen Vorlieben entscheiden. Selbst bei den sonst risikobereiteren 18- bis 29-Jährigen würden lediglich knapp 17 Prozent zu einem Produkt mit vollständigem Garantieverzicht tendieren. "Fast genauso viele in dieser Altersgruppe (13 Prozent) würden für das Gegenteil, den vollständigen Beitragserhalt, und zwei Drittel für eine Teil-Absicherung votieren", erläutert Heuser.

Für die Auszahlungsphase wünscht sich die Fokusgruppe mehr Flexibilität bei der Verwendung des Altersvorsorgevermögens: Neben lebenslangen Leibrenten sollten künftig höhere Teilauszahlungen, Auszahlungspläne sowie Investitionen in eine selbstgenutzte Immobilie möglich sein. Auch viele Umfrageteilnehmer wünsche sich mehr Spielraum: So spricht sich ein gutes Drittel (35 Prozent) der Befragten für befristete, dafür aber höhere monatliche Zahlungen aus. Jeder Fünfte (20,4 Prozent) plädiert hingegen für eine lebenslange, aber niedrigere Rente.

Die bisherige Regelung war dafür gedacht, entstandene Lücken in der gesetzlichen Rente aufzufüllen. Und die wird lebenslang bezahlt. Dies hat Riester aber viel Flexibilität genommen und es für die uninteressant gemacht, die ausreichende Rente haben oder mehr auf Rendite setzen", argumentiert Heuser. 

Freiwilligkeit contra Pflicht

Der Bundesverband der Assekuranzführungskräfte (VGA), der zu den Trägerverbänden des DIVA gehört, begrüßt den erneuten Anlauf, Riester zu verbessern. "Es gibt gute Gründe, das gegenwärtige System der freiwilligen Riester-Rente zu reformieren und in Richtung eines verpflichtenden Beitrags zu einem kapitalgedeckten System zu entwickeln", zitiert Rudolf den Wissenschaftlichen Beitrat der Bundesregierung. 

"Die Erfahrungen zeigen, dass das Fehlen einer verpflichtenden Teilnahme dazu geführt hat, dass weniger als die Hälfte der in Frage kommenden Anleger tatsächlich einen Vertrag abgeschlossen haben", hebt der Beirat in einem Gutachten vom August 2022 hervor. 

Das könnte der Studie zufolge aber auch an einer mangelnden Beratung gelegen haben. Von denjenigen, die bislang von einem Abschluss abgesehen haben, ließen sich zwei Drittel (66 Prozent) noch nie dazu beraten. Bei denjenigen, die ihren Vertrag aktiv besparen, lassen sich hingegen 42 Prozent von einem selbständigen Berater und 40 Prozent in ihrer Bank oder Sparkasse aufklären.

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