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25.03.2020 | Altersvorsorge | Im Fokus | Onlineartikel

Betriebsrente braucht in Krisenzeiten neue Konzepte

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Vor allem große Unternehmen haben 2019 die Belastungen aus der betrieblichen Altersversorgung ausgleichen können, so eine Analyse. Doch Pensionsrückstellungen drücken infolge der wirtschaftlichen Talfahrt nun noch stärker auf die Bilanzen.

Das Beratungshaus Aon hat die Bilanzen von 15 der 30 Dax-Unternehmen im Hinblick auf ihre betriebliche Altersversorgung unter die Lupe genommen. Demnach sind die Belastungen der Unternehmen durch Rückstellungen im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund eines gefallenen Rechnungszinses gestiegen. Dieser ging 2019 auf 1,1 Prozent (2018: 2,0 Prozent) zurück. Je geringer der Rechnungszins ist, umso mehr Kapital müssen Unternehmen rechnerisch aufbringen, um künftige Rentenansprüche abzudecken.

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Das gelang den Großunternehmen jedoch nicht immer gleich gut, besagt die Studie. Zwar seien die Bilanzwerte der Pensionsverpflichtungen der untersuchten Konzerne um durchschnittlich rund 13 Prozent gewachsen – doch mit großen Unterschieden im Detail. So weise beispielsweise Infineon ein Plus von 23 Prozent aus, da der Rechnungszins zum Bilanzstichtag im September mit 0,6 Prozent besonders niedrig lag. Bei Henkel und bei BASF stiegen die Verpflichtungen nur um sieben Prozent. Zu ihrem Bilanzstichtag am Jahresende belief sich der Rechnungszins auf 1,3 beziehungsweise 1,1 Prozent.

Betriebsrenten werden für Mittelstand immer wichtiger

Doch nicht nur für Dax-Unternehmen spielt dieses Thema eine immer größere Rolle. Auch der Mittelstand misst der Finanzierung von Pensionsrückstellungen eine immer größere Priorität bei, schreibt Volker Wittberg im Beitrag "Sicherheit vor Ertrag" in der Zeitschrift "return" (Ausgabe 1 | 2020). Unter der Federführung des Professors der privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM) erstellte sein Haus gemeinsam mit der Commerzbankdie die Studie "Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen". 

"In den teilnehmenden Unternehmen waren aktuell nur 58 Prozent der Pensionsverpflichtungen gedeckt. Eine Erhöhung sei aber aufgrund fehlender Bereitschaft und/oder finanzieller Mittel nicht zu erwarten, auch mit Blick auf einen in Zukunft sinkenden Rechnungszinssatz nach Handelsgesetzbuch (HGB)", so Wittberg.

Doch ob und wie Konzerne und mittelständische Unternehmen die steigenden Belastungen auch weiterhin ausgleichen können, ist unklar. Die Lage wird 2020 schwieriger werden, sagt Aon-Chef Fred Marchlewski. "Der Rechnungszins ist bislang gesunken und gleichzeitig sind die Anlagemärkte aktuell durch die Corona-Krise eingebrochen. Die Unternehmen, nicht nur im Dax-Segment, sollten daher abwägen, wie sie die Altersversorgung flexibel auf die veränderte Situation anpassen können." Auch könne es sinnvoll sein, den Einstieg in moderne Versorgungskonzepte weiter zu forcieren.

Geringe Ressourcen und Komplexität hindern den Mittelstand

Generell tun sich Großunternehmen und Konzerne mit der Suche nach Alternativen deutlich leichter. Mittelständlern fällt es dagegen häufig schon schwer, sich mit dem Thema betriebliche Altersversorgung (bAV) überhaupt auseinanderzusetzen, wie Alexander Bußler und Markus Sobau im Buchkapitel "Ausgangssituation: Fakten zur alten bAV-Welt" auf Seite 10 erläutern. "Dies ist begründet in der Tatsache, dass besonders in kleinen und mittelständischen Betrieben der 'Chef' als Unternehmer selbst oft nicht angestellt ist und daher aufgrund seines Status die Vorteile der bAV nicht nutzen kann. Also fehlt hier die Vorbild- oder Vormachfunktion des Unternehmers. Daraus resultiert dann auch die mangelnde Kenntnis der Möglichkeiten", so die Autoren.

"Gründe, die kleine und mittelständische Unternehmen abhalten, reichen von der Komplexität bis zum gefürchteten Mehraufwand. Die hohe Komplexität entsteht durch den Mangel an verständlichen Informationen über die bAV und möglicher Produkte", sagt auch Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bundes, im Beitrag "Hemmnisse für Betriebsrenten?" (return, Ausgabe 4 | 2019). Gerade im Mittelstand fehle es oft an eigenen Spezialisten und Personal-Ressourcen. "Das kann Mehrarbeit für den Arbeitgeber persönlich bedeuten, der sich aber auf sein Tagesgeschäft konzentrieren muss", so Tenbieg. Er sieht vor allem den Gesetzgeber in der Pflicht, etwa in einer Verschlankung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes.

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