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19.05.2022 | Altersvorsorge | Im Fokus | Online-Artikel

Künftiges Online-Portal offenbart Bürgern Rentenlücken

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4 Min. Lesedauer
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Die Menschen haben Angst vor Altersarmut. Aktuelle Studien zeigen, dass vor allem Junge und Frauen finanzielle Engpässe im Rentenalter fürchten - trotz privater Vorsorge. Für mehr Transparenz soll künftig ein digitales Rentenportal sorgen, dass individuelle Informationen liefert.

Sparen liegt bei jungen Menschen im Trend: 86 Prozent aller 17- bis 27-Jährigen legen regelmäßig oder zumindest gelegentlich Geld auf die hohe Kante. Die im Mai veröffentlichte "Jugendstudie 2022" vom Versorgungswerk der Metall- und Elektroindustrie, kurz Metall Rente, zeigt aber auch, dass das zur Verfügung stehende Einkommen bei 14 Prozent der jungen Verbraucher nicht reicht, um etwas zurückzulegen. 

Die große Mehrheit der jungen Menschen spart trotzdem. Allerdings sehen wir auch wichtige Veränderungen. Der Optimismus der jungen Erwachsenen im Hinblick auf ihr persönliches Leben sinkt und bestätigt eine generelle Tendenz, die sich schon vor Corona abzeichnete. Junge Erwachsene haben einen realistischen Blick auf ihre Vorsorge. So viele wie nie zuvor investieren ihr Geld in Aktien und Fonds. Denn die Angst vor Altersarmut ist präsent", kommentiert Klaus Hurrelmann, wissenschaftlicher Leiter und Co-Herausgeber der Studie. 

Seit 2010 werden für die Studie im Abstand von drei Jahren jeweils rund 2.500 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 27 Jahren zu ihren Vorstellungen für die persönliche Zukunft, ihrem Sparverhalten, ihren finanziellen Kenntnissen sowie zu ihren Einstellungen und persönlichen Strategien zur Altersvorsorge befragt.

Ohne private Vorsorge klafft die Rentenlücke

Doch nicht nur junge Menschen fürchten sich vor finanziellen Sorgen in der Zukunft. Auch aus der aktuellen Altersvorsorge-Befragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) geht hervor, dass die Mehrheit der Bürger (60 Prozent) befürchtet, am Lebensabend von Armut betroffen zu sein. 

"Zwar kommen wissenschaftliche Prognosen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der armutsgefährdeten älteren Menschen in Deutschland auch langfristig nicht über 15 Prozent liegen wird. Doch viele denken bei ihrer Altersvorsorge allein an die gesetzliche Rente, und die wird in der Tat kaum mehr reichen", erklärt Michael Heuser, Wissenschaftliche Leiter des DIVA, das Ergebnis. 

Frauen drohen häufiger finanzielle Engpässe

Neben den Nachwirkungen der Pandemie führen der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die anziehende Inflation zu einem Stimmungseinbruch bei den Bundesbürgern. Dabei zeigt die DIVA-Befragungen, dass sich Frauen mit 66,2 Prozent noch deutlich mehr vor finanzieller Not im Alter sorgen als männliche Befragte (53,9 Prozent). 

"Die Diskrepanz ist plausibel. Denn Frauen erhalten aufgrund anderer Erwerbsbiografien im Schnitt rund 30 Prozent weniger monatliche staatliche Rente", weiß Heuser. Zudem sei ihr Vorsorgebedarf auch wegen ihrer drei bis fünf Jahre höheren Lebenserwartung größer als bei Männern. "Wenn also eine Frau eine bestimmte Versorgungslücke im Alter mit einem Sparplan zum Beispiel auf Fonds absichern will, wird sie während der Einzahlphase entweder höhere Beiträge leisten oder im Alter mit weniger auskommen müssen."

Digitales Rentencockpit soll aufklären

Für eine bessere Übersicht bei der Altersvorsorge soll künftig das sogenannte Rentenübersichtsgesetz (RentÜG) mit seinem digitalen Rentencockpit sorgen, schreiben die beiden Wertpapierexperten Simon Doctor und Kevin Gietl vom Beratungshaus Cofinpro in der April-Ausgabe der Zeitschrift "Versicherungsmagazin". 

Über das Online-Portal erhalten die Bürger künftig einen Überblick zu den jeweils erworbenen Altersvorsorgeansprüchen aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge. Dazu gehören auch Statusinformationen von Vorsorgeverträgen und Renteninformationen, erreichte sowie erreichbare Ansprüche, garantierte Werte, Prognosen oder steuerliche Informationen", erklären die beiden Autoren die Details des Rentencockpits, das von einer zentralen Stelle bei der Deutschen Rentenversicherung umgesetzt wird.

Portal berücksichtigt nicht alle Anlageformen

Auf diese Weise sollen alle Bürger einen umfassenden Überblick über die aktuelle und prognostizierte Rentensituation erhalten. Nicht Teil der Übersicht seien allerdings Anlageformen, "die keinen rein vorsorgespezifischen Charakter haben". Hierzu zählen beispielsweise Fondssparpläne mit einer beschränkten Laufzeit, die vor Vollendung des 60. Lebensjahres enden. "Auch Aktien-Depotbestände oder vermietete Immobilien werden nicht in die Übersicht aufgenommen", erklären die Experten.

Aktuell laufe die Entwicklung des Online-Portals. Dabei gehe es um die Konzeption der IT-Architektur, die Konfiguration der technischen Schnittstellen und die Identifizierung der zu übermittelnden Datenpunkte. "Künftig sollen dann alle relevanten altersvorsorgebezogenen Angaben datenschutzkonform von allen Anbietern auf dem deutschen Markt automatisch übermittelt und in der digitalen Rentenübersicht vergleichbar dargestellt werden", stellen Doctor und Gietl klar. 

Der erste Probebetrieb steht für den Herbst 2022 auf der Agenda. Der geplante Go-Live-Termin ist für den Herbst 2023 anvisiert. Ob dieser ambitionierte Plan eingehalten werden kann, sei derzeit noch nicht abzusehen.

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