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Mit dem Drei-Stufen-Modell die Rentenlücke schließen

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Vielen Menschen droht im Alter die Rentenlücke. Finanzexperten der Verbraucherzentrale empfehlen daher ein Drei-Stufen-Modell aus Basis-, Zusatz- und privater Vorsorge. Fragen und Antworten zu den wichtigsten Anlageformen.

Bei vielen Deutschen klafft im Alter eine finanzielle Lücke. Um diese zu schließen, gibt es verschiedene Modelle. 


Der durchschnittliche Rentner bekommt nach 45 Jahren ununterbrochen sozialversicherungspflichtiger Arbeit seit Juli 1.835 Euro. "Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleibt ein monatlicher Nettobetrag von etwa 1.621 Euro vor Steuern", hat die Verbraucherzentrale NRW berechnet. Die gesetzliche Rente werde vermutlich alleine nicht reichen, um einen angemessenen Lebensstandard im Alter zu halten, ist sich Thomas Hentschel, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale, sicher. 

Steigende Lebenserwartung trifft auf schwindende Rente

Zahlen von Fidelity International, die der Finanzdienstleister Anfang November vorgelegt hat, bestätigen dies. Basierend auf einer globalen Untersuchung, die gemeinsam mit dem National Innovation Centre for Ageing in 13 Märkten durch detaillierten Befragungen von über 11.800 Teilnehmern ab 50 Jahren durchgeführt wurde, belegen eine wachsende Kluft zwischen steigender Lebenserwartung und finanzieller Vorsorge. Danach hat mehr als die Hälfte der teilnehmenden Deutschen (54 Prozent) eine Rentenlücke von über zehn Jahren. Das ist deutlich mehr als der global gemessene Wert (42 Prozent).

Hentschel und seine Kollegen empfehlen daher ein Drei-Stufen-Modell mit Basisversorgung, Zusatzversorgung und privater Vorsorge, um für das Alter finanziell gerüstet zu sein. Fragen und Antworten zu diesem Konzept:

Wie sieht die Basisfinanzierung im Alter aus?

Grundlage bleibt dabei die gesetzliche Rente. Allerdings sinkt das Rentenniveau - also die durchschnittliche Rente im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen - aufgrund des demografischen Wandels kontinuierlich und liegt derzeit bei rund 48 Prozent des Durchschnittslohns. "Bis 2040 könnte es laut Prognosen weiter fallen." Damit bleibt die gesetzliche Rente zwar eine wichtige Säule der Altersvorsorge, ermöglicht aber vielen nicht, den Lebensstandard im Alter zu halten. Um die eigene Rentenlücke zu ermitteln, hilft der Blick in die Rentenprognose der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung oder die digitale Rentenübersicht, die es seit Beginn des Jahres gibt. 

Welche geförderte Zusatzversorgung gibt es?

Mögliche private Vorsorgealternativen sind die Riester- und Rürup-Renten. "Beide werden vom Staat gefördert. Aber die Angebote haben Tücken und passen nicht für jeden", so die Verbraucherzentrale. Die Riester-Rente eigne sich mit ihren staatlichen Zulagen und Steuervorteilen besonders für Familien mit Kindern und Geringverdiener, denn die gesamten Sparleistungen müssen zum Beginn der Auszahlung garantiert werden. Allerdings seien die Renditen gering, die Verträge komplex und bei Kündigungen müsse die Förderungen zurückgezahlt werden. In diesen Fällen raten die Verbraucherschützer deshalb, den Vertrag ruhen zu lassen.

Die Rürup-Rente oder Basisrente ist hingegen vor allem für Selbstständige und Freiberufler interessant, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. "Sie bietet ausschließlich monatlich als Auszahlung eine lebenslange Rente. Die Beiträge können in großem Umfang steuerlich geltend gemacht werden." Hier monieren die Finanzexperten die teils hohen Kosten und fehlende Kapitalauszahlung. "Das angesparte Kapital kann unter anderem nicht vorzeitig entnommen oder vererbt werden." 

Was bietet die Betriebliche Altersversorgung (bAV)?

Die bAV organisiert der Arbeitgeber. Beschäftigte wandeln dabei Teile ihres Bruttogehalts in eine Betriebsrente um und sparen so in bestimmten Grenzen Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer. In der Regel leistet das Unternehmen einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15 Prozent. Doch bietet nicht jedes Unternehmen eine bAV an, auch wenn Arbeitnehmer ein Recht darauf haben. Nachteile können zudem beim Jobwechsel und der Kapitalübertragung entstehen. "Ebenso muss man sich bewusst sein, dass weniger Sozialversicherungsbeitrag auch etwas weniger Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bedeutet", so die Verbraucherzentrale.

Welche ungeförderten Geldanlagen sind sinnvoll?

Investmentfonds, ETFs oder Aktien sind ungeförderte Kapitalanlagen, mit denen Menschen langfristig Vermögen aufbauen. Neben der hohen Flexibilität und guten Renditechancen, insbesondere bei langen Ansparzeiträumen, können Sparer jederzeit auf das Geld zugreifen, fassen die Verbraucherschützer die Vorteile zusammen.

"Allerdings ist eine gute Entwicklung nicht garantiert." Das gelte etwa für einen Einbruch der Aktienmärkte. Auch biete diese Form der Geldanlage weder staatlichen Schutz noch Förderung. Sie sei eine sinnvolle Ergänzung, sollte aber nicht der einzige Baustein der Alterssicherung sein.

Welche Geldanlage ist mit Vorsicht zu genießen?

Kapitalanlagen, die hohe Kosten verursachen, sehr lange Laufzeiten haben, unflexibel sind oder nur magere Renditen abwerfen, sollten Verbraucher genau unter die Lupe nehmen. Hierzu zählen laut Verbraucherzentrale Bausparverträge, Ausbildungsversicherungen, private Rentenversicherungen, Kapital-Lebensversicherungen, fondsgebundene Versicherungen und Indexpolicen. 

Aber auch bei besonders volatilen oder hochspekulativen Anlageprodukten sollten Verbraucher ein wachsames Auge haben. So hat die Finanzaufsicht Bafin 2024 zwei umfassende Studien zum Vertrieb von Zins- und Express-Zertifikaten beziehungsweise zum Handel von Turbo-Zertifikaten durchgeführt. "Wenn man die Ergebnisse zusammenfassen möchte: Viel Licht, aber auch viel Schatten", erläutert Bafin-Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch. Von systematischen Missständen sprach die Bafin zwar nicht, fand aber dennoch an vielen Stellen Optimierungspotenzial. "Im knapp fünfjährigen Untersuchungszeitraum haben mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland Turbo-Zertifikate gekauft - rund 75 Prozent der Käufer haben dabei ihr Geld verloren", erläutert Pötzsch. Laut Bafin beliefen sich die Verluste auf insgesamt mehr als 3,4 Milliarden Euro. 

Auch bei Kryptowährungen ist Vorsicht geboten: Im April 2024 zählte das Portal Statista über 8.500 verschiedene Kryptotoken oder -coins - die meisten davon mit nur einem sehr kleinen Marktanteil. Bitcoin dominiert mit etwas mehr als 50 Prozent das Segment. "Die Anzahl der Kryptoanlagen und ihre Marktanteile ändern sich jedoch schnell", so die Verbraucherzentrale. Aufgrund der enormen Schwankungen und Einbrüche ist auch ein Totalverlust möglich. Daher halten die europäischen Aufsichtsbehörden wie die EBA oder die ESMA viele Kryptowerte als Geldanlage für ungeeignet. Verbraucher sollten daher bei irreführender Werbung, insbesondere über soziale Medien und durch Influencer, wachsam sein. Vorsicht gilt vor allem dann, "wenn ein Produkt schnelle oder hohe Renditen verspricht, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein".

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