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Über dieses Buch

Mit der Bezeichnung Ambient verbinden sich jene zugleich unaufdringlichen wie hörintensiven Klänge und Klangfolgen, die der Musikproduzent Brian Eno als Spielart populärer Musik etabliert hat. Dieser Band fragt, wie der Einfluss der Ambient Music (= Hintergrundmusik) zu beschreiben ist. Außerdem fragt er nach den Übertragungen: Lässt sich das Konzept des Ambient auch als eine Ästhetik des Hintergrunds begreifen, das sich auch auf andere, ähnlich gelagerte Phänomene ausweiten lässt? Etwa auf Literatur oder Film, Computergraphik oder Flugzeugkabinen?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Ambient in der Musik

Frontmatter

„Surrounding influence“

Brian Eno und Ambient-Music

Der folgende Beitrag thematisiert unter dem Titel „Surrounding influence“ – Brian Eno und „Ambient-Music“ sowohl die Genese als auch Enos Theorie des Ambient-Begriffs. Im Zentrum steht dabei Enos Konzept einer „surrounding Influence“. In diesem Sinne fragt der Text – über Enos vielfach zitierte ‚Ursprungserzählung‘ hinaus – gleichfalls nach weiteren möglichen Einflüssen an der Wurzel der Ambient Music. In den Fokus gerät hier Enos Besuch bei den ‚Krautrockern‘ der Bands Cluster und Harmonia. Dieser Besuch, so die These, bereitet maßgeblich vor, was später unter dem Begriff ‚Ambient‘ die Musikwelt erobert. Ein kurzer Appendix mit einem Interview, das anlässlich des vorliegenden Bandes mit Hans-Joachim Roedelius, einem Mitglied der Bands Cluster sowie Harmonia geführt wurde, erhellt die damalige Arbeitsatmosphäre wie auch die Arbeitsweise der Musiker im niedersächsischen Dorf Forst.

Gregor Schwering

Appendix: Brian Eno in Forst

Interview mit Hans-Joachim Roedelius

Brian Enos Kooperation mit Cluster/Harmonia fand nur wenige Jahre vor der ersten Veröffentlichung der Ambient-Reihe statt: Mitte der 1970er Jahre besuchte Eno Hans-Joachim Roedelius, Dieter Moebius und Michael Rother in Forst, um dort gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. In einem exklusiven Interview anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiografie, das per Email geführt wurde, erinnert sich Hans-Joachim Roedelius an diese Zeit. Sofern nicht anders vermerkt, basieren die folgenden Zitate auf diesem Gespräch, für das wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Philipp Kressmann, Gregor Schwering

Hintergrund-Wissen

Erik Satie und seine Musique d’Ameublement

Innerhalb der Geschichte der musikalischen ‚Vorläufer‘ einer ‚Ambient‘-Musik nimmt Erik Saties Musique d’Ameublement eine wichtige Position ein. Sie ist Teil einer Entwicklung, die sich den kulturellen und medialen Umbrüchen innerhalb der Avantgardebewegungen verdankt. Der Beitrag rekonstruiert den prototypisch angelegten Charakter einer ästhetisch eingeebneten, mit der Umgebung verschmelzenden Hintergrundmusik und lenkt dabei den Blick auf eine zweite, gleichsam tiefer liegende Schicht von Voraussetzungen, die eng mit den empirisch-experimentellen Transformationen des Wissens des späteren 19. Jahrhunderts verbunden sind. Die in dieser Zeit durchgeführten hörpsychologischen und hörphysiologischen Forschungen sowie die damit einhergehenden allgemeinen Vorstellungen von Bewusstseinsprozessen und Sinneswahrnehmungen konstituieren nicht nur die Basisunterscheidung zwischen Apperzeption und Perzeption, zwischen Vordergrund- und Hintergrundstrukturen, sondern markieren zugleich auch den Einsatzpunkt für eine ästhetische Modellierung dieses Zusammenhangs, an die Komponisten wie Satie anknüpfen.

Bettina Schlüter

Übertragungen

Frontmatter

Geschnittener Sinn

Zur Rolle des zeitlich-ästhetischen Hintergrunds in der Literatur und im Film

„Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, welche Rolle der ästhetische Hintergrund für die Erscheinungsweise und die Sinnkonstitution von Literatur und Film spielt. Beide Kunstformen weisen einen zeitlich-ästhetischen Hintergrund auf, der einen Vergleich zwischen der wirkungsästhetischen Literaturtheorie Wolfgang Isers und der Montagetheorie des Films nahelegt, die der berühmte russische Filmregisseur Sergej M. Eisenstein entwickelt hat. Denn für beide Ansätze ist der künstlerische Sinn das Produkt einer Montage von einerseits aufeinanderfolgenden Textsegmenten und andererseits aufeinanderfolgenden filmischen Einstellungen. Wenn nun der französische Filmtheoretiker André Bazin und der russische Filmregisseur Andrej Tarkowski unabhängig voneinander gegen Eisensteins Privilegierung der Montage die Bedeutung der Tiefe für das Verständnis und die Komposition des Filmbildes geltend machen, so lässt sich zeigen, dass sie damit den räumlich-ästhetischen Hintergrund des Filmbildes gegen seinen zeitlich-ästhetischen Hintergrund ausspielen.“

Jens Bonnemann

Ambient und Literatur

Populäre Kultur, populärer Realismus und Raumbeschreibungen in zwei Romanen Alan Hollinghursts und Hanya Yanagiharas

Der Beitrag fragt, inwiefern sich das Konzept ambient auf Literatur übertragen lässt: Gibt es ambient literature, und was kann ambient als ästhetischer Begriff an Literatur beobachten? Ambient wird hier ausgehend von einer Diskussion der literaturwissenschaftlich etablierten Konzepte Atmosphäre und als Semantik und Suchbegriff innerhalb einer Ästhetik populärer Gegenwartskultur bestimmt. So kann die naheliegende Antwort – Literatur erzeugt Stimmungen und Atmosphären durch die Beschreibung von Umgebungsphänomenen – historisch genauer eingegrenzt und zugleich kulturwissenschaftlich erweitert werden. Ambient entsteht im Kontext der populären Kultur der 1970er Jahre und erschließt, bezogen auf Literatur, ihre Einbettung in ein literarisches Feld, das durch die Segmentierung und Enthierarchisierung von Lesekulturen geprägt ist. Der veränderte Status bürgerlicher Lesekultur lässt sich, wie die beiden Fallstudien zeigen, auch inhaltlich-motivisch an der Stilisierung von häuslichen Umgebungen ablesen.

Nicola Glaubitz

Ambient Film

Der Text begreift Ambient Film vor dem Hintergrund der Diskussionen zum Ambient Television und zu den Entgrenzungen des Kinofilms, die bereits in den 1970er einsetzten, zuletzt jedoch deutlich an Dynamik gewonnen haben. Ambient Film wird dabei zunächst über die stärkere Einbeziehung von Ton und Sound verstanden, die den Film auf seine Umgebungen hin öffnen und Unterschiede zwischen Relevantem und Irrelevantem, zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen On und Off verwischen lassen. Ambient Film geht jedoch über die bloßen Charakteristika des Sounds hinaus und versetzt Filme in einen zum Diffusen neigenden Wahrnehmungs- und Umgebungsraum, wie anhand verschiedener aktueller Filmbeispiele verdeutlicht wird. Es zeigt sich, dass Ambient Film eine Neurelationierung des Optischen und Akustischen im filmischen Geschehen ausloten könnte, die über bisherige filmtheoretische Positionen, aber auch über Ambienterfahrungen in der Kunst hinaus gehen.

Oliver Fahle

Die Beiläufigkeit des Ambienten

Zu einer Theorie audiovisueller Umgebungsmedien

Mit „audiovisuellen Umgebungsmedien“ wird ein aktuelles Gegenstands- und Theoriefeld der Medienwissenschaft thematisiert, in dem noch wenig geforscht und publiziert wurde. In einer medienübergreifenden Perspektive werden die Gemeinsamkeiten in Produktion, Distribution und Rezeption von audiovisuellen Umgebungsmedien herausgestellt, die uns als Ambiente in heterogenen Kontexten gegenübertreten. Auf der Grundlage des Forschungsstandes und der Diskussion von Beispielen werden Thesen zu einer Theorie audiovisueller Umgebungsmedien entlang von Kriterien wie Beiläufigkeit, Verfügbarkeit, Mobilität, Verbrauch, On und Off entwickelt. Medien als Kontexte, als Umwelten, als Hintergründe zu situieren, zu erkennen und zu verstehen sind dabei die Ziele einer Theorie audiovisueller Umgebungsmedien.

Ralf Adelmann

Light itself: Medienästhetik des Hintergrunds in der Flugzeugkabine

Der Beitrag untersucht neue, zum Teil bereits realisierte, teils projektierte medienästhetische Phänomene in der Flugzeugkabine, in denen der Hintergrund als ästhetisches Phänomen in besonderer Weise hervortritt. Nach einer Bestimmung des Fliegens als visueller Erfahrung erfolgt zunächst eine kontextualisierende Betrachtung über Medientechniken des Vordergrunds in der Flugzeugkabine, allen voran das In-Flight Entertainment (IFE). Etablieren IFE-Systeme alternative Horizonterfahrungen, um von der Kabine als angstbesetztem Ort und der ‚leeren‘ Zeit des Reisens abzulenken, so lassen sich die Medientechniken des Hintergrunds – allen voran das Mood Lighting – als Intensivierungen des Zugriffs auf menschliches Empfinden begreifen, dessen Modulation ökonomischen Imperativen folgt. In diesen Medienästhetiken des Hintergrunds verdichtet sich mithin eine Konstellation, die Mensch, Technik und Ökonomie möglichst nahtlos aneinander zu vermitteln versucht.

Dominik Maeder

…especially the „ambient term,“ was a terrible thing

Ambient und Atmosphäre in der Computergrafik

Seit Computertechnologien fähig sind, Bilder hervorzubringen, kann man nach deren Ästhetik, also ihren Formen und Gestaltungsweisen, fragen. Gibt es also auch eine Ästhetik des Hintergrunds in der Computergrafik? Und wäre das eine Ästhetik, die sich mit dem Begriff ‚Ambient‘ verbinden lässt? Es wird sich erstens zeigen, dass es den Begriff ‚Ambient‘ in der Computergrafik tatsächlich gibt. Das ‚ambient light‘ spielt – in Form des mathematischen ‚ambient term‘ – eine durchaus wichtige Rolle. Die Wendung zum ‚ambient light‘ deutet schon an, dass die Frage nach einer Ästhetik des Hintergrunds in der Computergrafik wesentlich eine Frage nach dem simulierten Licht ist, welches die Szenerie erhellt. Daran schließt sich zweitens die Frage an: Welche Simulationen von ‚Atmosphäre‘ gibt es (und in welchem Sinne)? Es wird am Ende zu fragen sein, was eine Ästhetik des Hintergrunds in der Computergrafik sein kann und welche historiographischen Implikationen die hier vorgenommene, notwendig selektive, Rekonstruktion hat.

Jens Schröter

It Moves, It Feels

Arbeit an der guten Laune

Ausgehend von einer Geschichte und Theorie kommerzieller Hintergrundmusik, des „Muzak“, untersucht der Beitrag Phänomene medialer und politischer Affektmodulation durch Marketing und Werbung, die unter dem Begriff der mood media gebündelt werden. Der Beitrag zeigt dabei u. a. durch die Perspektivierung der diese ‚Stimmungsbewirtschaftung‘ fundierenden Epistemologien, dass die kalkulierte Modulation von Affekten ganz maßgeblich auf die Figur des Hintergrunds rekurriert und Verhalten vor allem über die Erzeugung von Atmosphären zu beeinflussen versucht. Im Rückbezug auf die Ambient Music Brian Enos kritisiert der Beitrag schließlich die kommerzielle Funktionalisierung von Ambient Media und diskutiert das Potenzial eines künstlerischen Zugriffs auf Stimmung und Atmosphäre im öffentlichen Raum.

Heiner Wilharm

Achtsames Ambient

Über Ambient-Ästhetik, Medienökologie und Medienpraktiken der Achtsamkeitsmeditation

Mit Blick auf hochintegrierte Umwelten digitaler Medien, wie sie im Zeichen des Paradigmas der sogenannten ‚Ambient Intelligence‘ entwickelt werden, formuliert der Text ein medienästhetisches Verständnis des Ambientbegriffs und setzt dieses in eine Beziehung zum gegenwärtig sehr populären Diskurs um Achtsamkeit. Die Grundlage dafür bildet das Argument, die Ästhetik von Ambient als eine Form der Aufmerksamkeitsökonomie zu begreifen. Am Beispiel ausgewählter Meditations-Apps werden zwei analytische Perspektiven etabliert: Zum einen erweist sich die Verflechtung von Ambient und Achtsamkeit als eng mit Techniken der Selbstoptimierung verbunden, wobei das Ziel verfolgt wird, das Verhältnis alltäglicher Praktiken zur Umwelt zu verändern. Zum anderen ergibt sich im Rahmen einer posthumanistischen Lesart des Ambientbegriffs die Möglichkeit, das Verhältnis von Ambient und Achtsamkeit als Teil einer Medienästhetik zu verstehen, die sich zunehmend von der menschlichen ‚Aisthesis‘ abkoppelt.

Christoph Ernst
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