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Über dieses Buch

In den letzten Jahren ist in den USA unter dem Begriff „sticky costs“ ein Phänomen untersucht worden, das in der deutschsprachigen BWL als „Kostenremanenz“ seit längerem bekannt ist. Philipp Beltz formuliert einen formal-analytischen Ansatz zur Integration der Kostenremanenz in die Kostentheorie. In der darauf aufbauenden empirischen Analyse gelingt es ihm, erstmals interne Daten von Unternehmen und deren Betriebseinheiten ab 20 Mitarbeitern auszuwerten. Insgesamt ist das Ausmaß der Kostenremanenz geringer als in anderen Studien, wofür eine Reihe strukturelle, aber auch methodische Gründe gefunden werden. Dennoch stellt sie einen wichtigen Sachverhalt dar. Es ist erkennbar, dass ihr vielfach bewusste Entscheidungen zugrunde liegen, wenn man die längerfristige Zielausrichtung der Unternehmungen in Planung und Steuerung beachtet. Die operative Planung und Steuerung müssen ebenso wie die Kostenrechnung in die längerfristige Orientierung eingebunden werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Beobachtung einer Remanenz der Kosten bei zurückgehender Beschäftigung und Relevanz ihrer theoretischen sowie empirischen Analyse

Zusammenfassung
Die Finanz- und Wirtschaftskrise führte deutlich vor Augen, dass Unternehmen nicht nur in Zeiten steigender Nachfrage agieren, sondern auch mit einer schlagartig fallenden Beschäftigung konfrontiert sein können. Allein im deutschen produzierenden Gewerbe ist die Wertschöpfung von 2008 zu 2009 um 18,1 Prozent gesunken. Konzepte und Instrumente des Managements sind dementsprechend nicht nur auf Wachstum auszurichten, sondern haben auch die Anpassung an Beschäftigungsrückgänge zu berücksichtigen. Insbesondere die adäquate Anpassung der Kosten an eine abnehmende Beschäftigung stellt für die Unternehmensführung eine Herausforderung dar.
Philipp Beltz

2. Analyse der bisherigen konzeptionellen und empirischen sowie kostentheoretischen Erkenntnisse zur Kostenremanenz

Zusammenfassung
In traditionellen deutschen Beiträgen wurde die Kostenremanenz lediglich als ein Sonderproblem der Kostentheorie behandelt. Eine Verknüpfung bzw. Integration in das Aussagensystem der Kostentheorie fand nicht statt. Die Methodik war konzeptionell und empirisch deskriptiv geprägt. Im Allgemeinen analysierten die Autoren die Kosten in Abhängigkeit von der Beschäftigung in aufeinanderfolgenden Perioden, trugen diese Datenpunkte in ein zweidimensionales Koordinatensystem ab und beschrieben die Abweichungen, die sich zu einer theoretisch vorhergesagten Kurve ergaben.
Philipp Beltz

3. Erweiterung eines formal-analytischen Ansatzes zur kostentheoretischen Fundierung der Kostenremanenz

Zusammenfassung
Die kostentheoretischen Arbeiten zeigen, dass die Kostenremanenz durch die Ausprägung der Kosteneinflussgrößen in den verschiedenen Perioden hervorgerufen wird. Dementsprechend soll anknüpfend an die Ansätze von Heinen und Schweitzer ein formal-analytisches Modell entwickelt werden, welches die empirischen Beobachtungen der Kostenremanenz in die Kostentheorie integriert. Dazu wird die Erkenntnis aufgegriffen, multivariable Kostenfunktionen zur Erklärung von Kostenremanenzen heranzuziehen. Das Modell geht jedoch über die grafische Analyse hinaus und gibt auf Basis der Produktions- und Kostentheorie eine mehrvariable ausformulierte Kostenfunktion für die verschiedenen Kostenbestandteile wieder.
Philipp Beltz

4. Hypothesenentwicklung für die empirische Untersuchung der Kostenremanenz

Zusammenfassung
Auf Basis der Ergebnisse aus dem vorherigen Abschnitt zur kostentheoretischen Fundierung der Kostenremanenz können einige mit den bisherigen empirischen Arbeiten nicht oder nur teilweise geschlossene Forschungslücken zu den Determinanten der Kostenremanenz herausgearbeitet werden. Diese betreffen den Einfluss der Kostenstruktur auf die Kostenremanenz, die Begrenzung der bisher untersuchten Kostenarten sowie die Rolle der Beschäftigungserwartungen. Gleichzeitig kann Kritik an der Allgemeingültigkeit der bisherigen empirischen Ergebnisse hinsichtlich der Sampleauswahl sowie der Schätzmethodik angebracht werden.
Philipp Beltz

5. Empirische Untersuchung der Kostenremanenz

Zusammenfassung
Grundlage der empirischen Analyse sind drei Datensätze des Forschungsdatenzentrums (FDZ) der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder: Die Kostenstrukturerhebung im Verarbeitenden Gewerbe, im Bergbau sowie in der Gewinnung von Steinen und Erden, das AFiD-Panel Industrieunternehmen sowie das AFiD-Panel Industriebetriebe. Gemäß des Bundesstatistikgesetzes § 16 (BStatG) dürfen das Statistische Bundesamt und die statistischen Ämter der Länder Hochschulen Einzelangaben zur Verfügung stellen, wenn die Daten faktisch anonym sind. Dies bedeutet, dass eine Zuordnung der faktisch anonymisierten Daten nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand möglich ist. Zusätzlich bedarf es einer Verpflichtung zur Geheimhaltung. Ebenso ist die Auswertung nur an einem Gastwissenschaftlerarbeitsplatz an einem der Standorte des Forschungsdatenzentrums möglich. Diese Zugangsform minimierte weitere Anonymisierungseingriffe, beispielsweise wurden stochastische Überlagerungen, welche zur Anonymisierung von wirtschaftsstatistischen Mikrodaten vorgeschlagen werden, jedoch Datenänderungen bedeuten, abgewendet.
Philipp Beltz

6. Diskussion der Ergebnisse und Implikationen

Zusammenfassung
In dieser Arbeit kann der bisher mangelnden theoretischen Erklärung der Kostenremanenz durch die Ergebnisse der kostentheoretischen Fundierung begegnet werden. Es ist gelungen, die Kostenremanenz durch eine multivariable sowie dynamisch formulierte Kostenfunktion in die Kostentheorie zu integrieren und eine konsistente Kennzeichnung aufzuzeigen. Die Analyse führt zur Erkenntnis, dass die Beobachtung der sogenannten Kostenremanenz auf verschiedenste Kosteneinflussgrößen zurückzuführen ist, die bei einer rückläufigen Beschäftigung auf einem höheren Niveau verharren oder nicht vollständig auf die ursprüngliche Ausprägung in früheren Perioden bei gleichem Beschäftigungsgrad zurückgehen.
Philipp Beltz

Backmatter

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