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2022 | Buch

Andengold

Bergbaufluch in (Post-)Bürgerkriegsländern Lateinamerikas

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Über dieses Buch

Der 2016 unterschriebene Friedensvertrag mit FARC in Kolumbien stellt das Land u.a. vor die Frage, welche Bedeutung der Ressourcenreichtum des Landes für den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft spielen soll. Abgeleitet von den Erkenntnissen aus Peru wird untersucht, welchen Einfluss der legale und nicht legale Abbau von Gold auf die jeweiligen bewaffneten Konflikte hatte, wie sich deren Nutzung in der Friedenszeit wandelte und welche neuen Konflikte entstanden sind. Zum Umgang mit der ehemaligen Konfliktressource Gold gibt es divergierende Vorstellungen, die extraktivistischen und postextraktivstischen Ideen zugeordnet werden können, die in lokalen Konflikten enden. Der Fokus liegt auf der subnationalen, nach Abbauart differenzierten Untersuchung von Ressourcenausbeutung und Bürgerkrieg bzw. Postbürgerkrieg. Die Ergebnisse zu illegalem Bergbau zeigen, dass es sich dabei nicht um ein Bürgerkriegsphänomen handelt, sondern vielmehr um eine geduldete Praxis, die die Bewaffnung von Gewaltakteuren bedingt. Aber auch legale Ressourcenförderung, die nach Beendigung des Konflikts als Strategie der Friedensfinanzierung verstanden wird, führt zu ähnlichen negativen Auswirkungen, sodass von einem Bergbaufluch gesprochen wird.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Der im November 2016 geschlossene Friedensvertrag zwischen der größten Guerillaorganisation Kolumbiens, den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens“ (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) und dem kolumbianischen Staat beendete offiziell einen der längsten Bürgerkriege der Welt und wird international sehr gelobt.
Dorothea Hamilton
Kapitel 2. Ressourcen, Konflikt und Entwicklung im Übergang zum Frieden
Zusammenfassung
Obwohl es sich bei den Zusammenhängen zwischen Ressourcen, Entwicklung, Konflikt bzw. Frieden um ein Thema zwischen Menschen, lokalisierter Natur und Raum, und damit um ein zutiefst geographisches Thema handelt, gibt es in der deutschsprachigen geographischen Literatur eine wenig ausgeprägte „Ressourcengeographie“, wie bestätigen
Dorothea Hamilton
Kapitel 3. Methode und Fragestellung der Arbeit
Zusammenfassung
Die Forschungsarbeit knüpft an den Schwerpunkt des 2016 gegründeten Instituto Colombo-Alemán de la Paz (CAPAZ) an, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Friedensprozess des Bürgerkriegslandes Kolumbien wissenschaftlich zu begleiten. Die Koordination obliegt der Universität Gießen und Kolumbien ist einer der sechs regionalen Schwerpunkte der Internationalisierungsstrategie der Justus-Liebig-Universität (UNIFORUM 2017/1). Als gewählte Partnerinstitution für den Forschungsaufenthalt wurde die Universidad de los Andes gewählt, die aufgrund von Bemühungen von Seiten des Fachbereichs Geographie, namentlich Prof. Dr. Günter Mertins, die älteste Partnerschaft der JLU Gießen ist.
Dorothea Hamilton
Kapitel 4. Bürgerkriege in Peru und Kolumbien
Zusammenfassung
Bewaffnete Konflikte in Lateinamerika sind in Bezug zu Natur mit Ausnahme von Koka sehr wenig untersucht. Vor diesem Hintergrund werden in diesem Kapitel die bewaffneten Konflikte Perus und Kolumbiens vorgestellt und die jeweils wichtigste Guerilla in ihrer Ausrichtung untersucht. Dabei folgt die Untersuchung der Frage, welche ideologischen, zeitlichen und akteursbezogenen Unterschiede in Bezug auf Ressourcennutzung zu finden sind.
Dorothea Hamilton
Kapitel 5. Neo- und Postextraktivimus in Bürgerkriegsszenarien
Zusammenfassung
Nach Beendigung des jeweiligen bewaffneten Konflikts entstanden bzw. entstehen unterschiedliche Positionen bezüglich des Umgangs mit Ressourcen als Teil einer Entwicklungsstrategie, die der Friedenskonsolidierung dienen soll. In der Literatur sind diesbezüglich wenige Ergebnisse zu finden [These 6]. Deshalb wurden ExpertInnen in den Untersuchungsländern nach den wichtigsten Ressourcen, zu den Akteuren, zu ihrem Einfluss auf den Konflikt und ihre Bedeutung für den Aufbau einer Postbürgerkriegsgesellschaft befragt und die Positionen den Entwicklungsparadigmen zugeordnet.
Dorothea Hamilton
Kapitel 6. Gold-Fluch in Peru und Kolumbien?
Zusammenfassung
Wie im vorhergehenden Kapitel erläutert, eignet sich Gold in besonderer Weise zu Untersuchung des Einflusses von Ressourcen auf Entwicklung und Konflikt, da es in besonderem Maße bei unterschiedlicher Abbauweise Konfliktmuster bedingt und Entwicklungsparadigmen symbolisiert. Anders als andere Ressourcen lassen sich anhand des bis heute hohen zugeschriebenen Wertes die angenommenen Zusammenhänge exemplarisch nachvollziehen. „dicen que el oro es maldito“
Dorothea Hamilton
Kapitel 7. Subnationale Case Studies: Wie wird Gold zur Konfliktressource?
Zusammenfassung
Der Werdegang eines Rohstoffs (Gold) zu einer Konfliktressource wird in den folgenden Kapiteln anhand der Fallregionen Cauca (Kolumbien) und La Libertad (Peru) vorgestellt. Beide Departamentos liegen in einer von der jeweiligen bewaffneten Gruppe vormals kontrollierten peripheren Region und sind seit der Kolonialzeit für ihre Goldvorkommen bekannt. Dabei sollen die beiden Kernfragen, welchen Einfluss Ressourcen auf den Konflikt hatten und welchen der Konflikt auf den Umgang mit den Ressourcen, am Beispiel des Goldes untersucht werden.
Dorothea Hamilton
Kapitel 8. Fazit
Zusammenfassung
Aus dem Cerro El Toro in La Libertad (Peru) wurden innerhalb von zehn Jahren schätzungsweise 15 Tonnen Gold von informellen Schürfern gefördert, die im direkten oder indirekten Bezug zum Auftreten dezentraler bewaffneter Gruppen stehen, die mit Konflikten mit legal agierenden Minen um Abbaurechte einhergehen und zu Umweltdegradation führen. Im Cauca (Kolumbien) wurden 2014 nach offiziellen Angaben 3,5 Tonnen Gold gefördert, die bis 2016 die FARC und danach die ELN und neue bewaffnete Gruppen finanzierten sowie weitere Konflikte provozierten, die mit der geplanten Ausweitung legaler Förderung einhergehen und in der Bedrohung von Führungspersonen münden. Gleichzeitig wird eine vergleichbare Goldmenge (ca. 10 Tonnen) in Nordhessen vermutet, ohne dass dort ein sogenannter Ressourcenfluch eintritt.
Dorothea Hamilton
Kapitel 9. Abschließende Bemerkungen und weiterführende Forschungsfragen
Zusammenfassung
Neben den im Fazit zusammengefassten Ergebnissen der Arbeit kristallisierten sich im Laufe des Forschungsprozesses verschiedene Ansätze heraus, denen in zukünftigen Forschungen weitere Beachtung geschenkt werden sollte.
Dorothea Hamilton
Backmatter
Metadaten
Titel
Andengold
verfasst von
Dorothea Hamilton
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-38065-6
Print ISBN
978-3-658-38064-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38065-6