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Über dieses Buch

Das Buch trägt zur Neubelebung einer Soziologie der öffentlichen Verwaltung bei und lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Arbeitswelt mit eminenter Bedeutung für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Kathrin Englert stellt die Frage nach dem Wandel im Amt neu, nämlich als Frage der Anerkennung, und beantwortet sie aus einer selten eingenommenen Perspektive, der der Verwaltungsakteure und –akteurinnen. Über die rekonstruierte Sicht der Beschäftigten entsteht ein lebendiges wie konfliktreiches Bild: Die unter dem Etikett des New Public Management angestoßenen Verwaltungsreformen tangieren in Finanzämtern den recht- und gleichmäßigen Steuervollzug, in Bürgerämtern die Bürgerorientierung. Es bedarf eines Wandels, aber gesucht ist angesichts der Ära des Besonderen eine legitimitätsstiftende Verwaltungskunst. Die entscheidende Herausforderung für den Dienst an der Allgemeinheit ist die Gesellschaft der Partikularität.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Der Wandel in der öffentlichen Verwaltung als Frage der Anerkennung

Zusammenfassung
Im Amt hat sich etwas getan. Um es anhand einiger Impressionen aus dem Feld zu umreißen: Der Mitarbeiter eines großstädtischen »Kundenzentrums« (ehemals inwohnermeldeamt) nimmt die Personalausweisanträge eines älteren Ehepaares auf. Ich sitze neben ihm am Schreibtisch und fertige Feldnotizen an. Die Bürgerin beobachtet mich und meine ebenfalls im Großraumbüro anwesende Kollegin skeptisch und sagt dann leise zu ihrem Mann, »die machen hier Statistik und dann wird wieder jemand entlassen«.
Kathrin Englert

Kapitel 2. Anerkennung in der öffentlichen Verwaltung denken

Zusammenfassung
Anerkennung kann als »ein Schlüsselbegriff unserer Zeit« (Voswinkel/ Lindemann 2013: 7; vgl. auch Rosanvallon 2010: 218; Acta Sociologica 2004) betrachtet werden, handelt es sich doch »um eine Kategorie, die es ermöglicht, zentrale Entwicklungen der Gesellschaft, ihrer symbolischen und moralischen Verfassung zu verstehen« (Voswinkel/ Lindemann 2013: 8). Insofern kommt Fragen der Anerkennung eine zeitdiagnostische Bedeutung zu. Als »zentrales Handlungs- und Seinsmotiv« (Wimbauer 2012: 11) der einzelnen Subjekte ist Anerkennung immer auch auf die normative gesellschaftliche Ordnung bezogen, nach der Anerkennung (oder ihr Gegenteil: Nichtanerkennung bzw. Missachtung) verteilt wird.
Kathrin Englert

Kapitel 3. Anerkennung in der öffentlichen Verwaltung untersuchen

Zusammenfassung
Zwei Aspekte sind für die konzeptuellen Überlegungen zur empirischen Füllung und Analyse von Anerkennungsverhältnissen im Amt bedeutsam. Der erste Aspekt ergibt sich aus der Abstraktheit der in Kapitel 2 unternommenen Bestimmung von Anerkennung in der hoheitlichen Kernverwaltung. Der dort konturierte normative Soll-Zustand erlaubt keinen Rückschluss auf einen (vergangenen oder gegenwärtigen) realen Ist-Zustand in der Verwaltungspraxis.
Kathrin Englert

Kapitel 4. Anerkennung in der öffentlichen Verwaltung historisieren

Zusammenfassung
Im zweiten Kapitel wurde ausgehend von Honneths Anerkennungstheorie ein theoretisches Modell gelungener Anerkennung im hoheitlichen Kernbereich der öffentlichen Verwaltung entwickelt. Im Folgenden geht es um eine empirische Rückbindung dieser idealtypischen Bestimmung von Anerkennungsverhältnissen im Amt. Die Produktivität einer solchen anerkennungstheoretischen Perspektivierung der öffentlichen Verwaltung besteht darin, dass die öffentliche Verwaltung und ihre spezifischen Strukturen jeweils explizit im Kontext einer gesellschaftlichen Zielvorstellung betrachtet werden.
Kathrin Englert

Kapitel 5. Anerkennung aus Sicht der Akteur/innen – Methoden und Daten

Zusammenfassung
Die Anerkennungskonfiguration, das ›Nebeneinander‹ der beiden institutionalisierten Anerkennungsordnungen, bildet eine zentrale das Handeln und die Anerkennung der Beschäftigten explizit oder latent begrenzende oder ermöglichende Struktur. Die Fragen lauten nun: Wie gestaltet sich in der Wahrnehmung der Beschäftigten das Amt als Anerkennungsarena? Wie eignen sich die Beschäftigten die Anerkennungskonfiguration an? Inwiefern erweitert oder verschließt sie aus ihrer Sicht Anerkennungs- und Handlungschancen im Berufsalltag? Um Antwort auf diese Fragen zu finden, gilt es, von den subjektiven Vorstellungen und manifesten wie latenten Deutungen der Beschäftigten auszugehen, denn von diesen hängt maßgeblich ab, ob Strukturen als bedeutend oder irrelevant, als ermöglichend oder begrenzend erfahren werden (vgl. Kapitel 3.2).
Kathrin Englert

Kapitel 6. Ergebnisse: Die Anerkennungsarena Amt aus Sicht der Beschäftigten

Zusammenfassung
Individuelle Verwaltungsakteur/ innen und ihre Sicht auf das Amt als Anerkennungsarena bildeten den Schwerpunkt der rekonstruktiven Auswertungsarbeit. Aussagen zur quantitativen Verteilung entsprechender Fälle sind anhand des Materials nicht möglich (und auch nicht intendiert). Es geht vielmehr um die Bestimmung eines Möglichkeitsraums der subjektiven und handlungspraktischen Aneignungen der gegenwärtigen organisationalen Anerkennungskonfiguration der Ambivalenz seitens der befragten Frontline-Beschäftigten des hoheitlichen Kernbereichs der öffentlichen Verwaltung.
Kathrin Englert

Kapitel 7. Fazit: Der Wandel in der öffentlichen Verwaltung – Antworten aus Anerkennungsperspektive

Zusammenfassung
Im Laufe dieser Untersuchung haben drei übergeordnete Fragen Gestalt angenommen. Neben der Aufgabe der Beurteilung der gegenwärtigen Anerkennungskonfiguration ist dies die Frage nach der faktischen Verwirklichung idealtypischer Anerkennung in der untersuchten Verwaltungspraxis. Die ›Ära der Partikularität‹ schließlich erfordert die Konturierung einer Perspektive für die Neubegründung der demokratischen Legitimität der öffentlichen Verwaltung.
Kathrin Englert

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