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2022 | Buch

Angewandte Ethik und Technikbewertung

Ein methodischer Grundriss – Grundlagen der Technikethik Band 2

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Über dieses Buch

Wie bilde ich mir ein ethisches Urteil, um Konflikten zu begegnen? Was ist Technik und wer ist verantwortlich, wenn sie versagt? Stehen Menschen noch im Mittelpunkt – obwohl oder gerade weil Maschinen immer „smarter“ werden? Fragen wie diese verlangen nach einer übersichtlichen und verständlichen Präsentation ethischer Methoden der Technikbewertung. Dabei rückt vorliegendes Buch die Auseinandersetzung mit den Folgen, Risiken und Nebeneffekten technischen Handelns in den Mittelpunkt. Diese reichen von ökologischen Fragen der Entsorgung über Zweckentfremdung bis hin zur individuellen und kollektiven Verantwortung von Ingenieur*innen. Aufbauend auf Grundlagen der angewandten Ethik wird in Bottom-up- und Top-down-Verfahren die Kasuistik sowie analogisch-vergleichende und logisch-ableitende Urteilsbildung eingeführt. Wesentliche Charakteristika technischen Handelns sowie Akteursrollen werden systematisch vorgestellt. Abbildungen, Beispiele und Aufgaben runden den verständlichen Aufbau ab. Als methodischer Grundriss richtet sich vorliegendes Buch an Ingenieurwissenschaftler*innen, Informatiker*innen und Geisteswissenschaftler*innen im Berufsalltag, aber auch an interessierte Lai*innen, die mehr über ethische Praxis erfahren wollen. Es bildet den zweiten, in sich abgerundeten Teil der Buchreihe Grundlagen der Technikethik.
Haben wir die Technik, die wir brauchen, und brauchen wir die Technik, die wir haben?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Grundlagen angewandter Ethik
Zusammenfassung
Konzepte, die bereits in der angewandten Ethik der 1970er-Jahre entwickelt wurden, erweisen sich bei aktuellen Fragen im Umgang mit Technologien, wie z. B. Robotern und KI, als hilfreich. Hierzu zählt die Lösung konkreter Konfliktfälle unter Unsicherheit. Für ausschweifende ethische Debatten fehlt häufig die Zeit, wenn Handlungsdruck entsteht. In vorliegendem Kapitel werden darum pragmatische, gradualistische Verfahren der Einzelfallanalyse vorgestellt. Schwierigkeiten bei der Umsetzung kommen am Beispiel des Szenarios eines lügenden Roboters zur Sprache. Besonderes Augenmerk liegt auf Prinzipien mittlerer Reichweite sowie der Bedeutung und möglichen Weiterentwicklung der Kasuistik. Das taxonomisch-heuristische Sammeln und Kommentieren konkreter Fälle kann in Situationen technischen Handelns Orientierung bieten. Ethische Theorien und Moralkodizes werden ergänzt durch praktische Erfahrungen im Umgang mit Einzelfällen. Damit ist der Boden bereitet für eine systematische Zusammenschau im anschließenden zweiten Kapitel.
Michael Funk
Kapitel 2. „Mittelpunkt Mensch!“ Methodisch-sprachkritische Anthropozentrik und leibliche Orientierung
Zusammenfassung
Welche methodischen Wege lassen sich in der angewandten Technikethik gehen? Top-down und bottom-up, jeweils logisch ableitend und analogisch vergleichend, ergeben sich vier Optionen für eine einzelfallbezogene Kasuistik. Die gradualistische Stufung ethischer Urteilsbildung ist zu berücksichtigen wie auch die Trennung normativer und deskriptiver Wortverwendung. Hierzu wird mit Abb. Band 2, 2 eine zentrale Zusammenfassung zur technikethischen Praxis vorgestellt. Vertiefend kommen die Möglichkeitsbedingungen einer solchen Verfahrensform zur Sprache. Technikethische Urteilsbildung hat menschliche Handlungen zum Gegenstand, wird aber auch durch menschliche Praxis selbst ermöglicht. Das betrifft zum Beispiel die Vollzugsperspektive des Sprechens, aus der auch Vertreterinnen des Trans- oder Posthumanismus nicht heraus können. Methodisch-sprachkritische Anthropozentrik erweist sich als methodische Basis einer an gemeinschaftlich und leiblich existierenden Menschen orientierten rationalen Technikbewertung. Auch wenn wir über moralische Maschinen nachdenken, lässt sich das menschliche Handeln als Fixpunkt jeder Ethik nicht überwinden. Technikethik ist rationaler, selbstkritischer Humanismus.
Michael Funk
Kapitel 3. Technik kritisch analysieren
Zusammenfassung
Was ist Technik? Wie lässt sie sich differenziert bewerten? In vorliegendem Kapitel wird technisches Handeln als besonderer Gegenstand ethischer Analysen vorgestellt. Hierzu zählt die Unterscheidung von elf Perspektiven individueller und kollektiver Praxis – z. B. Grundlagenforschung, Design, Nutzung, Instandhaltung oder Entsorgung bis hin zu Sicherheitsnormen und gesetzlicher Regulierung. Außerdem werden allgemeine Charakteristika des Technikbegriffs entsprechend seinen sieben Bedeutungen vorgestellt. Das schließt den Kunstcharakter ein („eine Technik beherrschen“), aber auch hergestellte Güter, verwissenschaftlichte Technologie und Systemtechnik bis hin zum Zweck-Mittel-Schema. In einer tabellarischen Heuristik lassen sich die verschiedenen Formen illustrieren und als Grundlage einer methodisch geordneten, differenzierten Technikbewertung nutzen. Weitere Charakteristika wie Umdeutungen und Nebeneffekte sowie komplexe Dynamiken technischer Entwicklungen zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht kommen ergänzend zur Sprache. Zur Illustration dienen ausgewählte Beispiele. Ziel ist es, auf Grundlage eines gereiften Technikverständnisses das differenzierte Analysieren konkreter technischer Handlungen zu erleichtern.
Michael Funk
Kapitel 4. Individuelle und kollektive Verantwortung
Zusammenfassung
Verantwortung erscheint als vielleicht das technikethische Konzept schlechthin. Ihre Zuschreibung ist abhängig von moralischen oder normativ-theoretischen Annahmen sowie handlungstheoretischen Grundlagen. Beides haben wir in den vorherigen Kapiteln betrachtet. In vorliegendem Abschnitt geht es darauf aufbauend um den genuin ethischen Verantwortungsbegriff, seine Dynamiken und Herausforderungen. So sprechen wir heute selbstverständlich über Langzeitverantwortung und meinen damit eine kollektive und prospektive Perspektive, die über klassische retrospektive Individualverantwortung hinausreicht. Gleichzeitig werfen Probleme der Systemverantwortung in komplexen Handlungszusammenhängen auch in der Forschung bisher ungeklärte Fragen auf. Einen besonderen Schwerpunkt bildet darum neben einer Einführung in die grundlegenden ethischen Verantwortungsbegriffe deren praktische Anwendung mittels heuristischer Relata. Hierzu wird an das vorherige Kapitel angeschlossen, um die Zuschreibung genuin technischer Verantwortung mittels tabellarischer Ordnungen zu unterstützen. Anhand von drei Beispielen aus dem Bereich der Robotik und Gentechnologie wird die praktische Verantwortungsanalyse und deren kritische Reflexion geübt.
Michael Funk
Kapitel 5. Problemaufriss der Technikethik
Zusammenfassung
Technikethik ist die Wissenschaft von der Moral technischen Handelns. Als eigentlich philosophische Disziplin ist sie gekennzeichnet durch diverse Bezüge zu anderen Fächern. Das liegt zum einen an der Komplexität des Gegenstandes. Es gibt ja nicht die Technik, sondern vielfältige Formen individueller und gemeinschaftlicher technischer Praxis, die sich wiederum aus verschiedenen disziplinären Perspektiven betrachten lassen. Was dabei Technikethik in ihrem methodischen Kern als angewandte Geisteswissenschaft auszeichnet, wurde in den vorherigen Abschnitten dargestellt. Vorliegendes Kapitel präsentiert daran anschließend einen taxonomisch und heuristisch gegliederten, provisorischen Problemaufriss. Ebene I, die in der Technikethik als menschengemachte Moralwissenschaft direkt angesprochen ist, wird ergänzt durch Ebene II der Roboter- und KI-Ethik, in der es wiederum um moralische, ethische oder einem Kodex folgende Maschinen geht. Auch wenn Letzteres eher in den Bereich der Gedankenexperimente gehört, ergeben sich sinnvolle Denkanstöße für den realen Alltag technischen Handelns. Beide Ebenen liefern Themen, die im Problemaufriss der Technikethik berücksichtigt sind.
Michael Funk
Backmatter
Metadaten
Titel
Angewandte Ethik und Technikbewertung
verfasst von
Michael Funk
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37085-5
Print ISBN
978-3-658-37084-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37085-5

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