Anleger gehen lieber auf Nummer sicher
- 22.12.2016
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Deutsche Anleger bleiben trotz der Niedrigzinsphase eher risikoscheu.
faithie | fotolia
Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Düsseldorfer Targobank unter mehr als 1.000 deutschen Anlegern ab 40 Jahren wissen 77 Prozent aktuell nicht, wo und wie sie ihr Geld noch sinnvoll anlegen können. Gleichzeitig ist mehr als ein Drittel unzufrieden mit der eigenen Geldanlage. So geben 36 Prozent der Befragten an, dass ihre aktuelle Anlagestrategie wenig bis überhaupt nicht zum aktuellen Marktumfeld passt.
Angst vor falschen Entscheidungen
Trotz des Niedrigzinsumfelds haben viele Anleger der Umfrage zufolge Angst, falsche Finanzentscheidungen zu treffen, die zum Verlust des Ersparten führen können. Dazu könnte auch mangelndes Finanzwissen beitragen. Die Springer-Autoren Matthias Fischer und Dominik Wagner stellen dazu in einem Kapitel (Seite 37) ihres Essentials "Die Wissenslücken der Deutschen bei der Geldanlage" anhand einer Studie dar, dass die deutsche Bevölkerung mehrheitlich große Defizite bei Wissen und Funktionsweise von Finanzprodukten aufweist.
So verstünden beispielsweise viele den Zusammenhang von Rendite und Risiko in großen Teilen nicht. Während sie mehrheitlich ein gutes Verständnis für das Risiko eines Tagesgeldkontos besitzen, haben Sparer beispielsweise wenig Wissen zum Diversifikationseffekt bei Aktienanlagen. Tools für das Personal Finance Management (PFM), die viele Geldhäuser auf ihren Websites anbieten, könnten hier Abhilfe schaffen. "Zu empfehlen wäre, dass die Banken ihr Wissen über die Kunden nutzen, um im PFM die Kunden entsprechend der individuellen Finanzbedürfnisse aufzuklären und weiterzubilden", schreiben Fischer und Wagner. Eine gute Beratung bleibt ein wichtiger Hebel. "Gerade in Finanzfragen sollte die Entscheidung für oder gegen ein Anlageprodukt mit Bedacht fallen. Zuerst muss der Berater seinem Kunden alle Chancen und Risiken verständlich machen", schreibt Bankmagazin-Redakteur Christian Kemper dazu im Praxistipp-Beitrag "Wer vergleicht, hat mehr von seiner Geldanlage." (Ausgabe 5/2016).
Viele Anleger verzichten aber auch aus anderen Gründen beispielsweise auf Depotumschichtungen. 83 Prozent geben an, dass Ausgabeaufschläge ein Grund dafür sind, Anlageprodukte wie Fonds häufiger zu kaufen oder die Anlageklasse zu wechseln. Und 67 Prozent der Befragten parken ihr Geld lieber auf dem Konto. "Im aktuellen Zinsumfeld wird der Bedarf an professioneller Beratung eher zu- als abnehmen," sagt dazu Alfredo Garces, Direktor Vorsorge und Vermögen bei der Targobank. Verharren aus Angst etwas falsch zu machen, sei sicher keine empfehlenswerte Strategie. Garces glaubt, dass Flatrate-Angebote in der Anlageberatung unabhängig von Ausgabeaufschlägen oder Orderprovisionen "klar auf dem Vormarsch" sind.
Konservative Konzepte gewinnen
Bisher gehen Sparer jedoch lieber auf Nummer sicher, wie die Umfrage zeigt. So beschreiben mehr als zwei Drittel ihre persönliche Anlagestrategie als "konservativ" bis "sicherheitsorientiert". Lediglich jeder Zehnte agiert bei der Geldanlage "gewinnorientiert" beziehungsweise "risikobewusst". Vielen Anlegern sind die von Kreditinstituten angebotenen Anlageprodukte laut der Targobank-Untersuchung nicht flexibel genug. Sie glauben, dass sie mit den Produkten nicht ausreichend auf Marktschwankungen reagieren können.