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15.10.2018 | Anlageberatung | Im Fokus | Onlineartikel

Mittelstand geht Sicherheit bei Kapitalanlagen vor Ertrag

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Gut die Hälfte der Mittelständler in Deutschland sucht eine passende Geldanlage. Die Unternehmer erwarten von ihrem Investment an erster Stelle Sicherheit und setzen vor ihrer Entscheidung häufig auf eine persönliche Beratung, wie eine Studie zeigt.

Knapp mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Mittelständler hat laut der "9. Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen" vom September 2018 einen Anlagebedarf. Allerdings hat sich die Höhe seit 2013 stetig verringert und liegt nach Angaben der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld (FHM), die die Studie zusammen mit der Commerzbank erstellt hat, derzeit bei durchschnittlich rund 2,5 Millionen Euro pro Unternehmen. Das sind etwa 1,1 Millionen Euro weniger als 2017. Basis der Erhebung sind eine Online-Umfrage sowie ausführliche Interviews mit Entscheidern aus mittelständischen Betrieben.

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Was die Geldanlage bieten soll, davon haben die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) eine genaue Vorstellung: Sicherheitskriterien belegen bei Ihnen die ersten drei Plätze bei der Wahl der Kapitalanlage. Es sind die gute Bonität des Wertpapieremittenten, die Absicherung eines Investments durch Staatsgarantien und Einlagensicherung sowie Anlagen ohne zwischenzeitliche Kursschwankungen. Erst auf dem vierten Rang befindet laut Studie das Verlangen nach einer hohen Verzinsung und somit ein Ertragsmerkmal. An fünfter Stelle folgt dann mit dem Wunsch nach Ertragszahlungen zu festgelegten Zeitpunkten erstmals ein Liquiditätskriterium.

Investments finanzieren Pensionsverpflichtungen

Im Vergleich zu den beiden vorherigen Studien aus den Jahren 2017 und 2016 hat die Anforderung, dass das Investment zur Finanzierung von Pensionsrückstellungen geeignet ist, einen höheren Stellenwert. Die Studie zeigt, dass

  • 21 Prozent der KMU über Pensionsverpflichtungen bis zu einer halben Million Euro,
  • 15 Prozent zwischen einer halben und einer Million Euro,
  • zehn Prozent zwischen einer und fünf Millionen Euro
  • und immerhin fünf Prozent über fünf Millionen Euro in den Büchern haben.

Viele Mittelständler müssen diese Pensionsverpflichtungen ausreichend mit Kapital unterlegen oder aus dem Cash Flow bezahlen. Allerdings gibt nur rund ein Drittel der Befragten an, die betriebliche Altersvorsorge aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase überprüfen zu wollen. "Vor dem Hintergrund der zum Großteil niedrigen Deckungswerte sollte dies im Sinne einer nachhaltigen Geschäftspolitik dringend überdacht werden", raten die Studien-Autoren.

Persönliche Beratung bleibt wichtig

Hier könnte auch die Beratung der Firmenkundenbetreuer der Geldhäuser ansetzen. Denn die FHM-Erhebung zeigt, wie wichtig den Befragten bei der Anlageentscheidung das Beratungsangebot seitens der Banken ist. Ein Aspekt, der sich stark gewandelt hat, wie Peter Rademacher, Firmenkundenexperte bei der Commerzbank in einem Interview mit Springer-Autorin Monika Müller im Buchkapitel "Finanzentscheidungen in der Praxis – Experteninterviews" feststellt (Seite 122): "Gerade der Mittelstand hat sich enorm weiterentwickelt, der früher als beratungsresistent galt. Das kann man heute über den Mittelstand überhaupt nicht mehr sagen." Der Mittelstand sei in den vergangenen fünf bis zehn Jahren "richtig professionell" geworden, so Rademacher. Das gelte im Führungsbereich, aber auch beim Risikomanagement.

Dabei wandelt sich der FHM-Analyse zufolge die Art der Bankberatung im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Von den Befragten benötigt rund ein Drittel einen Berater sowohl für die Anlageauswahl als auch für die anschließende Geschäftsabwicklung. Rund 20 Prozent genügt eine Beratung für die Wahl des passenden Investments. Elf Prozent der Unternehmen braucht sie dagegen nur noch für die Abwicklung der Transaktion. Ein Fünftel nutzt dagegen keinen Berater, da Wertpapiergeschäfte ausschließlich online abgeschlossen werden.

Innovative Beratung auf dem Vormarsch

Die Institute setzen dabei laut Studie zum Teil auf innovative Beratungsangebote. Ein Viertel der Befragten nutzt bereits den Online-Dialog mit seiner Bank. Neun Prozent der Unternehmen hat sich per Video beraten lassen und jeder zehnte Befragungsteilnehmer hat schon mal eine Beratung in Chat-Form in Anspruch genommen. Bei allen drei Kommunikationskanälen zeigt die Studie Ausbaupotenzial. Noch in den Kinderschuhen stecken dagegen auf Künstlicher Intelligenz beruhende Chatbots, also textbasierte Dialogsysteme, die die Funktion eines virtuellen persönlichen Assistenten übernehmen können. Diese sind aktuell bei kaum einer Bank im Einsatz. 

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