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Anleger und Banken brauchen Siegel für grüne Geldanlage

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Erst 14 Prozent der Deutschen investieren ihr Vermögen nachhaltig, sagt eine aktuelle Studie. Doch das liegt nicht an mangelndem Interesse: Viele vermissen die passende Beratung und ein verlässliches Gütesiegel.

Mit einheitlichen Kriterien und einem verlässlichen Siegel hätten sowohl Anleger als auch Bankberater eine bessere Orientierung bei nachhaltigen Investments. 


Aktuell legt rund jeder zweite Deutsche Wert auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage und wäre dafür bereit, auf Rendite zu verzichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung (PDF) der Unternehmensberatung Cofinpro unter mehr als 1.000 Deutschen ab 18 Jahren. Der Studie zufolge wünschen sich 83 Prozent eine Pflicht für Banken, ihre Kunden aktiv zum Thema nachhaltige Produkte zu beraten. Und 87 Prozent fordern ein staatliches Siegel, an dem sie erkennen, welche Wertpapiere den Kriterien einer ökologischen, sozialen und ethischen Unternehmensführung genügen.

Ein Siegel oder Label könnte auch bei wenig beratungswilligen Anlegern helfen, Informationsasymmetrien abzubauen und mehr Transparenz zu schaffen, erläutert Thomas Steiauf im Buchkapitel "Klimaschutzfonds als Instrument der nachhaltigen Kapitalanlage für Privatanleger" auf Seite 120. "Labels, Siegel oder Logos können einen sehr unterschiedlichen Informationsgehalt aufweisen", erklärt der Autor. Als Beispiel nennt er im Bereich von nachhaltigen Investmentfonds das Eurosif-Transparenz-Logo. Es gibt darüber Auskunft, "ob eine Fondsgesellschaft den Eurosif Transparenz Kodex unterzeichnet hat". Dieser verpflichte die Unternehmen, genaue, angemessene und zeitnahe Informationen über ihre Nachhaltigkeitsstrategie, das zugrunde liegende Researchverfahren und die Qualitätssicherung der Nachhaltigkeitsstrategie offen zu legen.

EU arbeitet an Ergänzungen zu Mifid II

Den Forderungen der Anleger wird die Europäische Union (EU) im Zuge der Ergänzungen zur Anlegerschutzrichtlinie Mifid II mit einem ganzen Bündel neuer Maßnahmen nachkommen, glauben die Studien-Experten. Sie reichen von einem Klassifikationssystem für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten über Informationspflichten in der Beratung bis hin zur Etablierung von Benchmarks. "Zu erwarten ist, dass Anbieter ihre Kunden ab 2020 verpflichtend auf nachhaltige Investments hinweisen müssen“, erklärt Melanie Konrad, Wertpapierexpertin des Beratungshauses. Konkrete Entwürfe werden in den nächsten Monaten erwartet. Die Umsetzung soll ab Mitte 2020 erfolgen.

Konrad rät Banken allerdings dazu, nicht zu warten, bis die neuen Bestimmungen in Kraft getreten sind. Diese sollten bereits jetzt auf die Wünsche der Kunden reagieren und passende Produkte zusammenstellen. "Banken stehen damit von zwei Seiten unter Zugzwang: Sie müssen den Auflagen des Regulierers gerecht werden und zeitgleich stärker auf die Interessen des Kunden eingehen", skizziert die Expertin die Lage der Institute. Dass das Thema in vielen Instituten noch eine untergeordnete Rolle spiele, liege gerade in fehlenden einheitlichen Standards. Eigene Richtlinien der Banken, die bereits in den Beratungsprozess integriert seien, gäbe es bislang kaum. Hier kann das künftige EU-weit geltende Klassifikationssystem helfen.

Kriterien müssen verständlich und praxistauglich sein

Laut Konrad beugen harmonisierte Kriterien auch dem sogenannten Greenwashing vor. "Nachhaltig bezieht sich nicht allein auf eine ökologisch ausgerichtete Produktion. Auch soziale Aspekte und die Governance von Unternehmen fließen in die Klassifikation mit ein. Es muss einheitliche und vergleichbare Kriterien geben, damit Unternehmen nicht zu große Freiheiten bei ihren Angaben genießen“, erläutert die Expertin. Anleger und Bankberater benötigen daher auch ein verlässliches Gütesiegel. "Dabei liegt die Kunst nun darin, Verständlichkeit und Praxistauglichkeit sicherzustellen, um aus der Nachhaltigkeitsbewegung nicht noch ein weiteres Regulatorik-Monster zu machen", so Konrad.

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