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24.06.2020 | Anlageberatung | Nachricht | Onlineartikel

Nachhaltige Investments zeigen bessere Risikoprofile

Autor:
Alexa Michopoulos
3 Min. Lesedauer

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Finanzindustrie angekommen. In der Krise haben sich etwa entsprechende Investmentstrategien als besonders widerstandsfähig erwiesen. Dennoch muss ein ESG-Konzept mehr im Blick haben als den Klimawandel.

Mehr als 80 Prozent der institutionellen Anleger in Deutschland berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Anlagepolitik. Das sind 32 Prozent mehr als noch vor acht Jahren berichtete Alexander Schindler, Mitglied des Vorstands von Union Investment, anlässlich der "Nachhaltigkeitskonferenz 2020", die in diesem Jahr virtuell stattfand.

Auch Privatanleger rücken Nachhaltigkeit in den Fokus

"Muster" aus vorhergegangenen Krisen zeigten, so Schindler, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen deutlich robuster durch die Corona-Krise gekommen sind, als andere. Auch nachhaltige Investments hätten bessere Risikoprofile als konventionelle. Dies stützen auch Zahlen der "Markterhebung 2020", die die Fondsgesellschaft während der Web-Konferenz präsentierte.

Der zufolge sehen fast 71 Prozent der Investoren bei nachhaltigen Portfolios eine ähnliche (59 Prozent) oder gar bessere (zwölf Prozent) Renditeentwicklung als bei ihren konventionellen Pendants. Unter Risikogesichtspunkten sehen 71 Prozent ähnliche (46 Prozent) oder deutlich höhere Risikovorteile (25 Prozent) gegenüber nachhaltigen Investments. Laut Schindler setzt sich der Trend auch bei den Privatanlegern durch.

Klimaschutz bleibt politischer Imperativ

Die Karten würden Schindler zufolge durch die Pandemie neu gemischt und bestimmte Branchen etwa der Energie- oder der Mobilitätssektor könnten Gewinner der Veränderung sein. Klimaschutz bleibe ein politischer Imperativ der Nachhaltigkeit, aber Corona habe die Vorzeichen verändert, ergänzt Florian Sommer, Senior Stratege für Nachhaltigkeit bei Union Investment. "Wir stehen vor einer historischen Weichenstellung und können den Strukturumbruch nutzen, um die Entwicklung zu beschleunigen", erläuterte der Experte.

Doch ESG steht nicht nur für E wie Environment sondern auch für S wie Social. Unter diesem Aspekt hat die Corona-Pandemie die soziale Ungleichheit innerhalb aber auch zwischen den Ländern verstärkt. Die globale Rezession trifft vor allem die Ärmsten besonders stark. Aktuell sind 40 Millionen Menschen in den USA arbeitslos, wie Analystin Dijana Bogdanovic ausführte. Unter diesen ist der Anteil der arbeitslosen Afroamerikaner signifikant nach oben geschnellt.

Und wie wird sich das G wie Governance unter Corona weiterentwickeln? In der Krise haben die Staaten, jeder für sich gehandelt. Davon werde etwas hängenbleiben, glaubt Sommer. Der staatliche Einfluss habe sich überall sichtbar verstärkt. Unter anderem durch die zusätzlichen Schulden, die die Staaten schultern müssen, werden neuen Konflikte aufbrechen und bestehende verstärkt werden, glauben die Experten. Sommer geht davon aus, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China an Fahrt aufnehmen wird.

In grüner Transformation liegen große Chancen

Als deutliche Corona-Verlierer sehen Bogdanovic und Sommer die Airlines sowie die Tourismusbranche – hier vor allem Kreuzfahrtindustrie. Auch emissionsintensive Branchen werden leiden. Hingegen sei der Gesundheitssektor klarer Profiteur der Krise. Corona werde auch das Konsumverhalten in einigen Branchen verändern. Etwa im Modesektor gehe man von einer Nachfrageverschiebung hin zu langlebiger Kleidung aus.

Aber Nachhaltigkeit bedeute nicht automatisch Verzicht und bestehe "nicht nur aus dem E". E, S und G müssten in einem Gleichgewicht sein. Corona biete eine große Chance für Veränderungen hin zu einer grünen Transformation. Hier hätten auch die Versicherer eine bedeutende Rolle als Finanzinvestoren zu spielen, sagte Henrik Pontzen, Leiter ESG bei Union Investment. Die Politik erwarte von allen Investoren verstärkte Investitionen in nachhaltige Branchen. Denn: "Nachhaltigkeit bedeutet Zukunftsfähigkeit", so Pontzen.

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