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03.07.2024 | Anlageberatung | Gastbeitrag | Online-Artikel

ELTIF-Reform eröffnet Banken umfassende Beratungschancen

verfasst von: Wesselin Kruschev

5:30 Min. Lesedauer

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Die Reform der European Long-Term Investment Funds will nachhaltige und langfristige Investments für Kleinanleger attraktiver machen. Das ist eine Chance für Banken, sich mit gezielter Beratung gegen Fintechs und Neobroker zu behaupten.

Bereiche wie Private Equity, Fremdkapitalfinanzierungen und große Infrastrukturprojekte standen lange nur wenigen Geldgebern zur Verfügung. Seit 2015 ermöglichen jedoch European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) auch nicht-professionellen Privatanlegern den Zugang zu diesen oft lukrativen Märkten. Trotz der erfolgten Öffnung blieb der große Erfolg dieser Anlageinstrumente bis dato jedoch weitgehend aus. Trotz der erfolgten Öffnung blieb der große Erfolg dieser Anlageinstrumente bis dato jedoch weitgehend aus. 

Abbau von Zugangshürden

Strenge Vorschriften zum Schutz der Anleger machten umfassende Beratung, Aufklärung und Informationsbeschaffung zur persönlichen Situation des Anlegers erforderlich und schränkten den Anteil von ELTIFs in den Portfolios von Kleinanlegern stark ein. Besonders für Anleger mit Portfolios unter 500.000 Euro, die nur maximal zehn Prozent in ELTIFs investieren durften, und einer Mindestinvestition von 10.000 Euro waren diese Vorgaben abschreckend beziehungsweise gar Ausschlusskriterien.

Eine umfassende Reform, die am 10. Januar 2024 in Kraft trat, baut diese Barrieren nun ab. Ziel ist es, ELTIFs für Kleinanleger attraktiver zu machen und gleichzeitig nachhaltige Projekte zu fördern. Gerade hier liegt ein gesellschaftlich relevanter Hebel: mit ELTIFs können zukünftig auch Projekte zur grünen Mobilität, erneuerbare Energien und andere gesellschaftlich relevante Bauvorhaben finanziert werden. Die Kombination aus hohem Kapitalbedarf und dem Renditeinteresse der Kleinanleger könnte vielversprechende Synergieeffekte schaffen.

ELTIFS bieten Banken Chancen

Für den Vertrieb von ELTIFs könnten sich neue Möglichkeiten eröffnen, werden doch in Zukunft nur eine Geeignetheitsprüfung erforderlich und keine zusätzlichen Anforderungen an die Portfoliogröße und Mindestanlage gestellt. Damit diese Fonds jedoch wirklich aus ihrer Nische heraustreten können, bedarf es einer größeren Bekanntheit und eines besseren Verständnisses bei den Kleinanlegern. Da ELTIFs trotzdem weiterhin erklärungsbedürftig bleiben, tut sich eine attraktive Beratungsmöglichkeit für Finanzinstitute auf. Insbesondere traditionelle Bankhäuser, die zunehmend mit kostengünstigen Neobrokern konkurrieren müssen, könnten durch die persönliche Beratung und das Konzept des Purpose-Investments ihren Kunden neue Angebote unterbreiten.

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Als recht neue Anlageklasse, die durchaus im Sinne der Nachhaltigkeit gedeutet werden kann, stellt sich für Banken die Frage, inwieweit Kleinanleger selbst die Vor- und Nachteile evaluieren können. 

Diversifikation und langfristige Rendite

Für Kleinanleger bieten ELTIFs tatsächlich mehrere attraktive Vorteile: Zu nennen ist zunächst die Möglichkeit zur Diversifikation und Stabilität. ELTIFs ermöglichen Zugang zu nicht-traditionellen Anlageklassen wie Private Equity und Infrastrukturprojekten, die tendenziell stabiler und weniger volatil als die hochliquiden Aktienmärkte sind. Dies kann dazu beitragen, das Risiko im Portfolio eines Kleinanlegers zu minimieren und für eine ausgewogenere Verteilung der Investitionen zu sorgen. Diese Diversifikation kann Banken in der Beratung helfen, indem sie ihren Kunden erklären, wie ELTIFs eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Anlageportfolios darstellen.

Attraktiv kann je nach Investortyp auch der Faktor Langfristigkeit sein. ELTIFs sind speziell für die Finanzierung komplexerer Transformationsprojekte geeignet, was für nachhaltige Energie- und Infrastrukturprojekte besonders relevant ist. Diese Ausrichtung bietet Kleinanleger die Möglichkeit, stabile und langfristige Erträge zu erzielen, die weniger anfällig für kurzfristige Marktschwankungen sind. Für Banken bedeutet dies die Chance, Kunden anzusprechen, die an nachhaltigen und stabilen Renditen interessiert sind.

EU-weite Regulierung bietet Sicherheit

Zudem können ELTIFs durch regulatorische Vorteile punkten. Da sie in der gesamten EU reguliert und angeboten werden können, profitieren Kleinanleger von einem hohen Maß an Sicherheit und bestimmten steuerlichen Anreizen. Auch auf die Transparenz legt die Regulierung einen Schwerpunkt. Dies erhöht die Attraktivität dieser Produkte und kann von Banken genutzt werden, um Vertrauen bei den Anlegern zu schaffen.

Beimischung statt Focus Investment 

Den Vorteilen stehen jedoch auch erhebliche Nachteile gegenüber, die für Kleinanleger besonders relevant sind: Eine der größten Herausforderungen von ELTIFs ist ihre Illiquidität. Aufgrund ihrer Ausrichtung auf langfristige Investitionen haben Anleger kaum Möglichkeiten, ihre Anteile vor Ablauf der Laufzeit zu verkaufen. Für Kleinanleger, die möglicherweise kurzfristig Liquidität benötigen, kann dies ein erhebliches Problem darstellen. Unter bestimmten Voraussetzungen erlauben daher die neuen Regelungen Rücknahmen während der Laufzeit des ELTIF. Banken müssen jedoch potenzielle Interessenten umfassend über diese Einschränkung informieren, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden. 

Nicht zu unterschätzen ist auch die Komplexität der ELTIFs und der damit verbundene hohe Beratungsbedarf. Diese Finanzprodukte erfordern ein hohes Maß an Verständnis und umfassende Beratung, was für viele Kleinanleger eine Barriere darstellen kann. Ohne das notwendige Wissen, um die Risiken und Chancen vollständig zu verstehen, könnten Kleinanleger zögern, in ELTIFs zu investieren. Hier liegt eine besondere Herausforderung und gleichzeitig eine Möglichkeit für Banken, sich durch qualifizierte Beratung von der Konkurrenz abzuheben.

Institute müssen Einstiegshürden senken

Auch wenn die Anforderung von Mindestinvestitionen abgeschafft wurde, erfordern die Investitionen der Fonds erhebliche Beträge, die von den Anlegern zunächst eingesammelt werden müssen. Im Vergleich zu anderen Anlageformen wie ETFs oder klassischen Investmentfonds kann dies abschreckend wirken und potenzielle Kleinanleger weiterhin davon abhalten, in ELTIFs zu investieren. Banken müssen daher Lösungen finden, um diese Einstiegshürden zu senken oder zumindest durch detaillierte Beratung die Vorteile der Investitionen zu betonen.

Schließlich bedeutet die langfristige Kapitalbindung, dass das Kapital der Anleger über viele Jahre hinweg gebunden ist. Für Kleinanleger, die flexibel bleiben möchten oder kurz- bis mittelfristige finanzielle Ziele haben, kann dies unattraktiv sein. Banken sollten dies in ihren Beratungsansatz integrieren und Kunden alternative Lösungen für kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse anbieten. Dies könnte auch im Rahmen von neuen Kombiangeboten umgesetzt werden, die sowohl für die Kunden wie auch für die Banken attraktiv sind.

Fazit: Die Reformen und erweiterten Möglichkeiten durch ELTIFs bieten Banken derzeit eine attraktive Chance, sich im wachsenden Markt für nachhaltige und langfristige Investments zu positionieren. Trotz der Herausforderungen und der Konkurrenz durch Fintechs können traditionelle Finanzinstitute durch gezielte Beratung und attraktive Angebote neue Kundengruppen erschließen und langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Dabei ist es jedoch entscheidend, die spezifischen Vor- und Nachteile für Kleinanleger klar zu kommunizieren und umfassende Beratungsdienstleistungen anzubieten, um das volle Potenzial von ELTIFs auszuschöpfen.

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