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15.04.2019 | Anlageberatung | Nachricht | Onlineartikel

Digitale Vermögensverwalter stecken im Dilemma

Autor:
Michael Fuchs

Zahlreiche Besucher auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart Anfang April zeugen vom ungebrochenen Informationsbedarf zu Finanzprodukten und Anlagethemen. Diskutiert wurde unter anderem über digitale Vermögensverwalter. 

Viele Veranstaltungen der Anlegermesse waren so gut besucht, dass die Sitzplätze für die Besucher nicht ausreichten. Der Informationshunger überrascht nicht. In Zeiten von Nullzins haben Sparbuch und Festgeldkonto ausgedient, gleichen sie doch nicht einmal die Inflationsrate aus. Denn Sparer, die sich nicht mit realen Wertverlusten ihres Vermögens abfinden wollen, stehen immer Möglichkeiten offen. 

Einer der wichtigsten Trends der vergangenen Jahr sind Vermögensverwaltungen für weniger betuchte Anleger. Waren früher sechs- oder gar siebenstellige Summen Voraussetzung, reichen heute bereits kleinste Beträge. Die Revolution ins Rollen gebracht haben die Digitalisierung und der der Siegeszug börsengehandelter Fonds. Standen am Anfang kleinere Anbieter und Start-ups, springen mittlerweile auch bekannte Vermögensverwalter und Banken auf den Zug auf. Ende Dezember ist die Targobank an den Start gegangen, andere Häuser dürften nachlegen.

Konkurrenzdruck macht es kleinen Anbietern schwer

So sehr mehr Auswahl zu begrüßen ist, bleibt die Entwicklung doch ambivalent. Das wachsende Angebot macht es gerade kleinen Anbietern noch schwerer, genug verwaltetes Vermögen anzuziehen, um profitabel zu arbeiten. Eine Marktbereinigung in absehbarer Zeit liegt nahe – und damit die Konzentration auf weniger Häuser. Zumal das Mehr an Anbietern nicht unbedingt ein Mehr an Angebot bedeutet. Auf der einen Seite stehen relativ einfache, kostengünstige Verwaltungen auf Basis börsengehandelter Fonds. Das muss nicht schlecht sein, wie Renditevergleiche zeigen. Allerdings können Anleger mit wenig Aufwand derartige Portfolios nachbauen und sich die Verwaltungsgebühren sparen. 

Die anspruchsvolleren Offerten, die sich teilweise kaum noch von den Vermögensverwaltungen für Betuchte unterscheiden, sind wesentlich teuerer und mit Mindestanlagen im fünfstelligen, zuweilen sogar sechsstelligen Bereich nichts für jedermann. Zumal sie mit den hohen Verwaltungsgebühren zwischen ein bis zwei Prozent in Konkurrenz zu Mischfonds treten, die bereits für kleine Einstiegssummen Zugang zu professioneller Vermögensverwaltung bieten – nicht selten aus denselben Häusern, die nun mit neuen Angeboten um die Gunst der Anleger buhlen.

Deutsche Sparer lassen sich kaum von Aktien überzeugen

Entscheidend ist aber eine andere Frage: Kann das immer größere Angebot die aktienscheuen deutschen Sparbuchbesitzer aus der Reserve locken? Zweifel sind angebracht. Denn eines ist sicher nicht für die Aktienaversion der Deutschen verantwortlich: ein Mangel an Angeboten. Seit Jahrzehnten steht eine Vielzahl unterschiedlichster Fonds zur Auswahl. Selbst durchschnittliche Produkte haben Sparbuch & Co. dank Niedrigzins locker geschlagen. 

Doch anscheinend ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug. Vielleicht sind erst Negativzinsen notwendig, um ein Umdenken zu erzwingen. Denn wenn nicht nur die unsichtbare Inflationsrate, sondern auch greifbare Verluste am Vermögen nagen, dürfte auch dem ängstlichsten Sparer klar werden, was vermeintliche sichere Anlagen heute bedeuten.

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