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19.05.2017 | Anlageberatung | Im Fokus | Onlineartikel

Investoren ignorieren geopolitische Risiken

Autor:
Christian Kemper

Je höher die Aktienkurse steigen, desto größer wird die Gefahr eines baldigen Rückschlags an den Börsen. Speziell der US-amerikanische Präsident Donald Trump sorgt für Nervosität an der Wall Street.  

Den Unsicherheiten in Washington, London, Paris und Berlin zum Trotz kratzen die Aktienindizes weltweit an neuen Rekordständen. Der MSCI World schaffte es zwischenzeitlich über 1.860 Punkte. Der Dow Jones Index notierte erstmals über 21.000 Zählern. Und der deutsche Aktienindex Dax rückt immer weiter auf 13.000 Punkte zu.

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Die Börsianer zeigen sich derzeit weitgehend unbeeindruckt von den geopolitischen Risiken. "Abzulesen ist die derzeitige Sorglosigkeit an den Märkten am Volatilitätsindex auf den amerikanischen S&P 500 Index, dem Vix“, erläutert die Journalistin Carmen Mausbach in der Anlage Praxis 5/2017. Gleiches gilt für den deutschen VDax, der ebenfalls auf immer neue Tiefststände fällt. Dabei müssten die Anleger wissen, dass die seit knapp acht Jahren anhaltende Hausse schon bald ein Ende haben könnte.

Angstbarometer verharren auf niedrigem Niveau

Ein weiterer wichtiger Indikator, der von Anlegern und Analysten genau beobachtet werden sollte, ist der Global Economic Policy Uncertainty Index. Er spiegelt die politische Stimmungslage in den größten Volkswirtschaften der Welt wider. "Sein aktuell hoher Stand deutet auf politische Unsicherheiten hin, ein krasser Gegensatz im Vergleich zum Vix und zum VDax", ordnet Mausbach die Entwicklung ein. Spürbare Börsenschwankungen verursacht derzeit die innenpolitische Krise in den USA. Ein Sonderermittler soll im Auftrag des US-Justizministeriums die Verbindungen von Donald Trumps Umfeld zu Russland untersuchen.

Laut einer Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) steht die deutsche Finanzbranche den Auswirkungen der Präsidentschaft Donald Trumps neutral bis skeptisch gegenüber. "Bislang ist noch keine klare Strategie der künftigen amerikanischen Wirtschaftspolitik zu erkennen. Aber die bisherigen Äußerungen Trumps, die zwischen Protektionismus und Deregulierung schwanken, sorgen überwiegend für Irritationen und Skepsis bei den Marktteilnehmern", kommentiert Volker Brühl, CFS-Geschäftsführer, die Umfrageergebnisse.

Für Kursfantasie an den Aktienmärkten sorgen die Pläne des US-Präsidenten, die Steuerlast der Unternehmen seines Landes zu senken. Zudem will Trump neue Arbeitsplätze schaffen und Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur stecken. In Europa wird allerdings bereits darüber spekuliert, ob die protektionistischen Maßnahmen bei den eher freihandelsfreundlichen Republikanern durchsetzbar sind. Sollte Trump mit seinem Programm scheitern, könnte wiederum die Wirtschaft der Europäischen Union (EU) profitieren. Außerdem kann die Eurozone derzeit solide Fundamentaldaten vorweisen, etwa eine steigende Kerninflation und ein insgesamt starkes Gewinnwachstum der Unternehmen.

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