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14.05.2018 | Anlageberatung | Im Fokus | Onlineartikel

Vermögensverwaltung: menschliche Kompetenz gegen Algorithmen

Autor:
Michael Fuchs

Die Digitalisierung hat in der Vermögensverwaltung eine kleine Revolution ausgelöst. Nachdem zunächst Fintechs den Markt dominierten, gehen auch traditionelle Vermögensverwalter mit eigenen Angeboten an den Start und kontern die Robo-Adviser mit menschlicher Kompetenz.

Vermögensverwaltung galt in Deutschland lange Zeit als eine Sache für Reiche. Wer nicht mindestens eine halbe Millionen Euro anlegen wollte, brauchte bei vielen der renommierten Adressen gar nicht erst anzuklopfen. Alternative blieb nur der "Weg der klassischen, produktbezogene Anlageberatung durch Banken", beschreibt es Springer-Autor Jörg Arnold im Kapitel "Das Kapitalmarktgeschäft in der Digitalisierung" des "Praxishandbuch Digital Banking" (Seite 272). Angeboten wird dort in der Regel ein Depot aus aktiv gemanagten Fonds, für die neben Ausgabeaufschlägen in der Regel jährliche Verwaltungsgebühren von deutlich mehr als einem Prozent fällig werden.

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Wer das nicht wollte, musste sich zwangsläufig intensiver mit der Kunst der Geldanlage auseinandersetzen – auf die Gefahr hin, im Dschungel der Angebote und Informationen auf das falsche Pferd zu setzen. Einen Ausweg aus dem Dilemma eröffnet die digitale Vermögensverwaltung. Neben vergleichsweise einfachen Ansätzen mit festgelegter Vermögensaufteilung auf bestimmte Anlageklassen, die meist kostengünstig mit börsengehandelten Fonds (ETF) realisiert werden, gibt es inzwischen auch ausgefeiltere Strategien. Am weitesten geht derzeit wohl der Marktführer Scalable Capital, der mit Hilfe eines Algorithmus das Portfolio kontinuierlich auf die vorgegebene Risikokategorie hin ausrichtet. Mittlerweile über 600 Millionen Euro an verwaltetem Vermögen zeigen, dass derartige Konzepte die aktienscheuen deutschen Anleger durchaus ansprechen.

Vermögensverwalter setzen auf eigene Angebote

Doch wie reagieren die traditionellen Vermögensverwalter? Statt auf Rechenmodelle besinnen sie sich auf ihre eigenen Kompetenzen und versuchen so, neue Kundengruppen zu erschließen. So geht die Castell-Bank im Juni mit einer digitalen Vermögensverwaltung an den Start, die nicht auf Algorithmen, sondern auf Expertenwissen setzt. Die Strategien sind dabei "völlig identisch" mit den Fonds und der traditionellen Vermögensverwaltung des Hauses, wie Sprecher Sascha Gründl betont. "Castell Insight", so der Name des neuen Angebots, nutzt zur Umsetzung allerdings ETFs und nicht Einzelaktien und -anleihen. Mit 25.000 Euro ist die Mindestanlagesumme dafür vergleichsweise niedrig.

Einen Schritt weiter geht Solidvest, die Online-Vermögensverwaltung von DJE Kapital. Anders als die Konkurrenz arbeiten die Münchener nicht mit ETFs, sondern investieren direkt in Aktien und Anleihen. Der Anleger erhält damit in leicht abgespeckter Form ein Angebot, das einer traditionellen Vermögensverwaltung gleicht – mit dem Unterschied, dass die Eintrittsschwelle 25.000 Euro beträgt und nicht 500.000 Euro. Realisiert wird das durch die Anlage in Bruchstücke von Aktien und Anleihen. Hierdurch ist es möglich, auch eine kleinere Summe auf die durchschnittlich 50 Titel des Depots aufzuteilen, wie Klaus Pfaller, Leiter der Online-Vermögensverwaltung bei Solidvest erläutert. Für die geringeren Verwaltungsgebühren im Vergleich zur traditionellen Vermögensverwaltung muss der Anleger auf einen persönlichen Berater verzichten und kann weniger individuell anlegen.

Neue Kundengruppen für traditionelle Vermögensverwalter

Welche Angebote sich am Ende durchsetzen, werden die kommenden Jahre zeigen. Nach der langjährigen Hausse könnte das Wetter an den internationalen Finanzmärkten rauer werden. Dann wird sich zeigen, welcher Ansatz über schwierige Phasen hinweg die beste Rendite bringt. Ungeachtet dessen eröffnen die neuen Angebote der traditionellen Vermögensverwalter eine Möglichkeit, neue Kundengruppen zu erschließen. Denn "angesichts strenger Regulierung, umfassender Digitalisierung und harten Wettbewerbs wird das Geschäft mit exklusiver Vermögensverwaltung immer schwieriger", erklärt es BANKMAGAZIN-Autor Stefan Terliesner im Beitrag "Aus Beratern werden Verwalter" in der Dezember-Ausgabe. Auf diese Weise eröffne sich ein Ausweg für die angestammten Anbieter, denn "für eine individuelle Verwaltung bei einem spezialisierten Anbieter für Vermögensverwaltung sind viele Vermögen zu klein", meint auch Springer-Autor Jörg Arnold (Seite 272).

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