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13.07.2018 | Anleihe | Nachricht | Onlineartikel

Schweizer Fintech expandiert auf den Anleihemarkt

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Das Züricher Start-up Loanboox vermittelt über seine Plattform seit Herbst 2016 Kommunaldarlehen, mittlerweile auch in Deutschland. Nun nimmt das junge Unternehmen den Anleihemarkt ins Visier, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Als Vermittlungsplattform für Darlehen von Versicherungen, Pensionskassen und Banken an öffentliche Schweizer Schuldner wie Gemeinden oder Kantone gegründet, eröffnete das Unternehmen Ende 2017 eine Niederlassung in Köln. Über seine Internet-Plattform haben seither auch öffentlich-rechtliche Kreditnehmer in Deutschland die Möglichkeit, nach institutionellen Kapitalgebern zu suchen. Diese können wiederum eigene Angebote auf der Plattform einstellen.

Plattform für Kommunalkredite wird ausgebaut

Wie die "Neue Züricher Zeitung" (NZZ) aktuell berichtet, sind laut Firmengründer Stefan Mühlemann bislang Darlehensanfragen von insgesamt umgerechnet rund 10,3 Milliarden Euro eingegangen. Fast die Hälfte dieses Volumens sei im Anschluss über die Loanboox-Plattform abgeschlossen worden. "Gemessen an der Einwohnerzahl der Schweiz beträgt die Marktabdeckung bei den Kommunen bereits knapp 60 Prozent", äußerte sich Firmengründer Mühlemann in einem Gespräch mit dem Portal "deutsche-startups.de". In Deutschland seien seit Marktstart aktuell mehr als 120 Kreditnehmer und rund 50 Kapitalgeber auf der Plattform aktiv. Insgesamt verfüge das Unternehmen über einen Kundenstamm von 800 Darlehensnehmern und 300 Geldgebern.

Doch genügt das Volumen dem Finanzdienstleister noch nicht, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Das Unternehmen plant laut NZZ, sein Angebot für die Kreditvermittlung an die öffentliche Hand auch auf Österreich und Frankreich auszuweiten. Und ab Spätsommer will es auch den Schweizer Anleihemarkt für sich erschließen. Über die Plattform soll dann eine Platzierung von Anleihen in Selbstemission möglich sein.  Emittent und Investor werden direkt miteinander verbunden, heißt es, und der Intermediär, bisher ein Emissionshaus, wird ausgeschaltet. Durch Diskussionen mit den Kunden sei immer wieder der Wunsch nach einer solchen Lösung für die Emission von Anleihen aufgekommen, nennt das Unternehmen als Grund für diesen Schritt.

Mehr Transparenz bei der Anleihe-Emission

Das Live-Bookbuilding-Verfahren auf der Plattform sei für Schuldner und Gläubiger einsehbar. Bislang hatten nur die Syndikatsbanken Einblick in die Preisbildung. Bei der Emission über Loanboox sind die einzelnen Prozessschritte, Fristen und Gebühren den beteiligten Parteien im Voraus bekannt. Neben der öffentlichen Verwaltung sollen auch Großunternehmen mit einer "hohen Bonität", die bereits auf dem Kapitalmarkt aktiv waren und daher über ein öffentliches Rating verfügen, die Plattform nutzen können. Die technischen Vorbereitungen für den neuen Service seien fast beendet und letzte Anpassungen würden vorgenommen.

Locken will Loanboox seine Kunden mit Transparenz und einfachen Prozessen, aber auch über den Preis. Für das Zusammenführen der Parteien verlange das Start-up zwei Basispunkte der Emissionssumme. Damit sei das Angebot rund die Hälfte bis drei Viertel günstiger als bei den etablierten Anbietern. Eine Prüfung der Kreditwürdigkeit der Schuldner gebe es allerdings nicht. Die Darlehensgeber seien institutionelle Anleger, die selbst die Kreditwürdigkeit einschätzen könnten – insbesondere bei Großunternehmen. Zusätzlich können sich die Anleger aber eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Schuldners über die Plattform Independent Credit View holen, auf der bestimmte Anforderungen an die Qualität der Schuldner gestellt werden. Bei der Vermittlung von Darlehen an die öffentliche Hand sei es bisher aber zu keinen Ausfällen gekommen.

Mit seinem Vorstoß konkurriert das Fintech in der Schweiz mit Größen wie UBS, Credit Suisse und der Zürcher Kantonalbank. Doch Loanboox ermöglicht auch anderen Banken, die bisher nicht aktiv waren, direkt ins Anleihegeschäft einzusteigen. Nach eigenen Angaben gibt es dort kein vergleichbares Angebot.

Beirat in Deutschland aufgestockt  

In Deutschland hat die Kapitalmarkt-Plattform jüngst ihren Beirat mit Edeltraud Leibrock, Annette Rosenkötter und Tanja Kessel um drei neue Mitglieder ausgebaut. Leibrock war unter anderem als CIO und Generalbevollmächtige der Bayern LB sowie als Mitglied des Vorstands der KfW-Bankengruppe tätig. Die Juristin Annette Rosenkötter leitet seit Ende 2006 die Praxisgruppe Vergaberecht und PPP (Public-Private-Partnership) in der Rechtsanwaltskanzlei FPS. Tanja Kessel ist seit Oktober 2013 Professorin für Infrastruktur- und Immobilienmanagement an der TU Braunschweig. Das Unternehmen erhofft sich von den Branchenexpertinnen "entscheidende Impulse zur weiteren Ausrichtung des Unternehmens", heißt es in einer Mitteilung.

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