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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorwort

Zusammenfassung
In Deutschland steht die Bevölkerung den Parteien überwiegend kritisch gegenüber, und selbst unter der politisch interessierten Bürgerschaft finden die Parteien kaum positiven Zuspruch. Diese grundlegende negative Stimmung in der Gesellschaft, die als „Antiparteienaffekt“bezeichnet wird, hat in Deutschland eine lange Tradition und wird genährt und verstärkt durch zyklisch auftretende Wellen der Abwendung wie die medienwirksame Debatte um die „Parteienverdrossenheit“ Mitte der 80er Jahre und durch Skandale wie die „CDU Spendenaffäre“rund um Helmut Kohl Ende der 90er Jahre.
Bernd Hofmann

1. Einleitung

Zusammenfassung
„Ostdeutsche Parteien sind anders“ (Birsl/Lösche 1998). Diese thesenartig zugespitzte Feststellung ist fast unisono das Ergebnis aller empirischen Studien über Parteien in Ostdeutschland im ersten Jahrzehnt nach der deutschen Einheit (z.B. Grönebaum 1997; Guhl 1999; Schmid 1994). Die Andersartigkeit manifestiert sich nicht nur in der offensichtlichen Eigenheit der Geschichte der Parteien als Neugründung oder Umformung infolge der demokratischen Revolution 1989, sondern auch in ihrer schwächeren gesellschaftlichen Verankerung, ihrem stärker direktdemokratischen Politikverständnis und nicht zuletzt aufgrund ihrer abweichenden Organisations- und Strukturmerkmale, wie etwa ihrer geringen Mitgliederzahlen.
Bernd Hofmann

2. Die sozialwissenschaftliche Methode der Typenbildung in der Parteienforschung

Zusammenfassung
Die Geschichte der Parteienforschung ist geprägt von Typologien und einzelnen Typen. Neue empirische Erkenntnisse über Parteien wurden zur Bildung neuer Typen oder zur Neukonstituierung althergebrachter Typen herangezogen. Selbst in der politischen Entwicklung und hier nicht nur in der marxistisch-leninistischen Tradition wurde die Selbstzuschreibung von Parteien als „Parteien neuen Typs“ als Gütesiegel verstanden. Betrachtet man die wissenschaftlichen Typen und Typologien, also die Verbindung mehrerer einzelner Typen, so wird sehr schnell deutlich, dass diese in Konstruktion, Komplexität und Zweck hochgradig differieren. Da gibt es die Typen der Mitglieder- oder Wählerpartei, der Massen- oder Elitenparteien, der Links- oder Rechtsparteien, der Alt- oder Neuparteien, Massenintegrationsoder Honoratiorenparteien und nicht zuletzt den Typus der Volkspartei. Um nun aber diese Begriffe in ihrem Verhältnis zueinander einstufen und mit inhaltlichen Definitionen füllen zu können, muss zunächst geklärt werden, welche methodischen Regeln und Kriterien bei ihrer Konstruktion, aber auch bei ihrer empirischen Anwendung beachtet werden müssen. Deshalb soll hier zunächst allgemein die sozialwissenschaftliche Methode der Typenbildung und Typenanwendung näher beleuchtet werden, ehe im weiteren Fortgang näher auf deren Anwendung in der Parteienforschung eingegangen werden kann.
Bernd Hofmann

3. Die Volkspartei als existential type

Zusammenfassung
Die Verwendungsgeschichte des Begriffs Volkspartei reicht in Deutschland bis in das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts zurück Hier formte sich der Begriff parallel zur Demokratisierungsbewegung in den deutschen Staaten. Dabei handelte es sich selbstredend nicht um einen wissenschaftlich-analytischen Terminus, sondern um eine Selbst- oder Fremdzuschreibung der politischen Akteure, insofern also um einen existential type23. Der Begriff Volkspartei ist durch die historischen Epochen hindurch sehr positiv besetzt gewesen, so dass die Deklarierung der eigenen Partei mit diesem Label von Politikern vieler politischer Richtungen angestrebt wurde. Die Volkspartei war in ihrer Karriere als existential type stets gleichermaßen Instrument und Gegenstand der politischen Auseinandersetzung. Folglich gehen viele Autoren, die sich mit dem wissenschaftlichen Parteitypus Volkspartei beschäftigten, so weit, dass sie den historischen Begriff als „Kampfbegriff (Stöss 1983: 121; Kaste/Raschke 1977: 26) bezeichnen bzw. seiner Verwendung eine „politischpolemische“Absicht unterstellen (Mintzel 1984a: 23).
Bernd Hofmann

4. Die Volkspartei als constructed type

Zusammenfassung
Neben dem existential type der Volkspartei kann man auch einen constructed type in der Literatur ausmachen, also jenen Typus, der als wissenschaftlich analytische Kategorie in der Parteienforschung das Ziel einer vereinfachten Abbildung eines speziellen Organisationsmodells und damit die Zusammenfassung von Parteien dieses Organisationsmodells verfolgt. Dabei ist der Begriff „neben“nicht als Lagebezeichnung zu verstehen, da existential und constructed type nicht unverbunden nebeneinander bestehen, sondern miteinander verbunden sind, teilweise weit reichende Übereinstimmungen aufweisen und sich gegenseitig befruchten. Dennoch sind die beiden Typenformen nicht gleichzusetzen, denn es zeigen sich gravierende Unterschiede, weniger in der Tatsache, welche Konstruktionsmerkmale herangezogen werden, als vielmehr in ihrer Konfiguration. Da der Typus der Volkspartei üblicherweise in eine Entwicklungstypologie der dominanten Parteitypen eingeordnet ist38, muss hier zunächst ein Überblick über die entwicklungstypologischen Ansätze und die historischen Vorgängertypen der Volkspartei erarbeitet werden.
Bernd Hofmann

5. Zusammenfassung: Die Merkmale des Idealtypus Volkspartei

Zusammenfassung
In Anbetracht der Diffusion und Selektivität der Kriterien in der alltäglichen und politischen Verwendung des Begriffs Volkspartei, hier als existential types bezeichnet, zeigt die Analyse der wissenschaftlich-empirischen Anwendung doch ein erhebliches Maß an Kongruenz der zur Typuskonstruktion herangezogenen Merkmale und Merkmalsausprägungen. Da der Typus der Volkspartei als Idealtypus konstruiert wird, kann hier aber keine simple Aneinanderreihung der Konstruktionsmerkmale, wie sie bei den einzelnen Autoren Anwendung finden, vorgenommen werden. Vielmehr muss eine logisch begründete Auswahl stattfinden, die dem Kriterium der Widerspruchsfreiheit folgt, das für idealtypische Konstruktionen konstitutiv ist (Weber 1988: 200). Damit dieser Idealtypus als Entwicklungsperspektive der Parteien in der Parteienforschung Verwendung finden kann, wird er weitestgehend in der Form eines reinen oder Extremtypus gebildet. Es muss hier nochmals deutlich darauf hingewiesen werden, dass dieser Endpunkt von den Parteien empirisch nicht erreicht ist und niemals erreicht werden wird. Der Nutzen dieses idealtypisch konstruierten Parteitypus liegt nicht in der konkreten Beschreibung von aktuellen Parteien, sondern in der Verdeutlichung ihrer Entwicklungsrichtung. Dabei soll die grundlegende Ausgangsbasis die erstmalige Konstruktion bei Kirchheimer sein, jedoch mit den notwendigen Abwandlungen und Weiterentwicklungen, die durch die empirische Verwendung des Volksparteiansatzes deutlich wurden.127
Bernd Hofmann

6. Exkurs: Der Volksparteitypus und die westdeutschen Parteien

Zusammenfassung
Wann immer soziale Phänomene in Ostdeutschland im Fokus empirischer Analysen stehen, schwingt häufig ein Vergleich mit westdeutschen Verhältnissen mit. Selbst wenn der West-Ost-Vergleich explizit gar nicht Bestandteil der Studie ist. Dies trifft auch und speziell auf die ostdeutsche Parteienforschung zu, so sind die Studien der Landesparteien und ihrer Parteiensysteme in den neuen Bundesländern zwar nicht als Ost-West-Vergleiche angelegt, dennoch werden ihre Ergebnisse vor der Folie westdeutscher Studien diskutiert, verortet und bewertet (Patzelt / Alga-singer 1996; Boll / Holtmann 2001).
Bernd Hofmann

7. Parteien Sachsen-Anhalts auf dem Weg zu Volksparteien?

Zusammenfassung
Es ist bei der Rekonstruktion des Volksparteitypus deutlich geworden, dass dieser ein komplexes Konstrukt ist, das nicht in wenigen Begriffen beschrieben werden kann und deren einzelnen Merkmale logisch miteinander verknüpft sind. Es sei hier noch einmal betont, dass keine real existierende Partei diese Merkmale in ihrer Gesamtheit erfüllen wird, d.h. keine reale Partei ist deckungsgleich mit dem konstruierten Typus Volkspartei. Dies ist jedoch bei weitem kein Konstruktionsfehler des Parteitypus, sondern Charakteristikum der Methode. Bei der folgenden empirischen Anwendung des oben entwickelten Merkmalskataloges der Volkspartei geht es darum, die Distanz oder Nähe der einzelnen Parteien zum Typus zu messen. Dabei wird, ganz im Sinne der typologischen Methode, vergleichend vorgegangen, d.h. es werden nicht absolute Entfernungen zwischen der einzelnen Partei und dem Typus gemessen, sondern es werden im Vergleich zwischen den Parteien die relativen Abstände zum Typus bestimmt.
Bernd Hofmann

8. Fazit

Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Arbeit war, eine empirisch-vergleichende Antwort auf die Frage zu finden, auf welchen Pfaden sich drei sachsen-anhaltische Parteien im ersten Jahrzehnt nach der deutschen Einheit entwickelten. Die in der Parteienforschung häufig formulierte These, ostdeutsche Parteien seien so sehr „anders“, dass sie bereits heute denjenigen neuen Parteitypus darstellten, zu dem sich die westdeutschen Parteien erst noch hinentwickeln (Birsl/Lösche 1998; Renzsch 1998), bildete den Ansatz, die empirischen Analysen strikt unter parteitypologischer Perspektive durchzuführen.
Bernd Hofmann

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