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17.12.2020 | Antriebsstrang | In eigener Sache | Onlineartikel

In eigener Sache

Dr. Peter Mertens spricht auf MTZ/ATZ-Kongress

Autor:
Markus Schöttle
5:30 Min. Lesedauer

Der ehemalige Audi- und Volvo-Entwicklungsvorstand Dr. Peter Mertens referiert auf dem ATZ/MTZ-Kongress im Januar 2021. Mit kritischem Blick auf die Autoindustrie setzt sich der Investor für mehr Nachhaltigkeit ein.

Die Gemüter in den Autowelten sind weiterhin erhitzt. Der Verbrennungsmotor wird diskriminiert, ist zu lesen. Elektromobilität wird überbewertet, allein auf batteriebetriebene Elektrofahrzeuge zu setzen sei fahrlässig. Diese seien zudem gar nicht grün. Batterien schon gar nicht. Ohne den Verbrennungsmotor gelinge keine Antriebswende. Und der ist dann grün? Wie man es in dem fragwürdigen Farbenspiel drehen und wenden mag: Ohne Elektrofahrzeuge gelingt diese Wende jedenfalls auch nicht. Ein Spannungsfeld. In diesem ist ein professioneller Diskurs notwendig – in Richtung eines ausgewogenen Antriebsportfolios, mit dem man, unterschiedlich gewichtet, verschiedene Märkte bedient. ATZlive lädt dazu ein. Ein spannender Jahresbeginn 2021.

Vermittler zwischen den Welten

Der Einladung gefolgt ist unter anderem auch Dr. Peter Mertens, Automotive Industry Veteran. Ein Gewinn für die Veranstaltung ebenso wie für die gesamte Automobilindustrie und die automobilrelevanten Energiebranchen. Denn Peter Mertens ist Diplomat – ein Vermittler zwischen der "tradierten und der neuen Mobilitätswelt", aber ebenso ein Kenner, der Kante zeigt. Unmissverständlich bezieht er Stellung und kritisiert – und er schont die "klassische Automobilbranche" dabei nicht. Sich selber schont der ehemalige Volvo- und Audi-Entwicklungschef auch nicht. Auch er habe die notwendige Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus unterschätzt. Hier hätte die Autoindustrie sehr viel früher Know-how aufbauen müssen. Aus der Vergangenheit gelernt, wendet er nun das Blatt für sich – unter anderem als Investor des jungen Unternehmens Circunomics.

Energiespeicherung eines der Topthemen

Peter Mertens wird als Investor von Circunomics auf die ATZ/MTZ-Bühne kommen. Die Messlatte für alle Beteiligten ist hoch. Circunomics ist laut SAP und Google eines der fünf führenden Start-ups der Kreislaufwirtschaft weltweit. Als erster offener Big-Data-Marktplatz für Batteriedaten, -zellen und -recycling ermöglicht das Mainzer Unternehmen seinen Industriepartnern, ein integriertes Batteriemanagement zu einer Schlüsselfunktion zu machen. Mit seinen Lebenszyklus- und Preisalgorithmen sowie standardisierten Datenschnittstellen verbindet Circunomics Industriepartner über alle Stufen der Batterielieferkette, um den Wiederverkaufswert von Batterien zu maximieren und die Recyclingkosten zu senken. Circunomics wird von EIT Raw Materials gefördert, dem weltweit größten Konsortium der Rohstoffindustrie. EIT steht für European Institute of Innovation & Technology, ein Organ der Europäischen Union, das auch die European Battery Alliance vorantreibt.

Auf europäischem Niveau folgt nahtlos an die Keynote von Peter Mertens die von Dr. Wolfgang Bernhart: "Batteriezellfertigung in Europa – Technologie- und Strategiebewertungen". Der Senior Partner bei Roland Berger ist unter anderem für sein über viele Jahre erarbeitetes Batterie-Know-how bekannt, mit Analysen und treffenden Vorhersagen zu Akkutechniken, die er bis auf Zellebene bewertet. Seine Keynote wird mit Spannung erwartet, weil sowohl die Industrien als auch Politiker wichtige Entscheidungsgrundlagen ableiten können. Und der Entscheidungsdruck ist sehr hoch, drängen doch asiatische Batteriezellhersteller auf den europäischen Markt. Erst mangelt es an Zellen und nun drohen Überkapazitäten? Die Dynamik wird durch den wachsenden Einfluss von Tesla noch verstärkt. Ein Dauerthema, das es immer wieder aktuell zu bewerten gilt.

China setzt wieder auf den Verbrenner

Eine Steilvorlage für alle, die den Verbrennungsmotor favorisieren: Die chinesische Regierung wendet sich "enttäuscht" von der Elektromobilität ab und setzt wieder auf die "Internal Combustion Engine". Im Sog dieser Entscheidung: Die Daimler AG und die Geely Holding, die Muttergesellschaften der Mercedes-Benz AG und Volvo Cars arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines hocheffizienten Antriebssystems der nächsten Generation für Hybridanwendungen. Repräsentativ für diese Entwicklungsrichtung wird Manfred Homm die Eröffnungsrede auf dem ATZ/MTZ-Kongress halten. Der Senior Vice President R&D Powertrain & E-Mobility bei Schaeffler referiert über potenzielle Effizienzgewinne im hybriden Antriebstrang und überrascht mit einer Aussage: Auch die Komplexität der Hybridsysteme lässt sich reduzierten. Wie kann dies gelingen? Komplexer als Hybrid geht gar nicht, meinen beispielsweise viele Systems-Engineering-Experten.

Bevor sich die Gemüter auch hier wieder erhitzen, sorgt ATZlive für einen ausgewogenen Dialog. Es ist wichtig, dass die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors verfolgt wird. Synergieeffekte mit Elektrofahrzeugtechniken sind identifiziert. Der hybride Antriebsstrang profitiert von Fortschritten in der Elektromobilität und möglicherweise auch umgekehrt. Beim Aufbau einer notwendigen und perspektivenreichen Wasserstoffwirtschaft werden gemeinsame Ziele verfolgt. Schwarz-Weiß-Denken ist also nicht angebracht. Franco Bellillo wird etwas mehr Licht in die chinesischen Denkweisen geben. Der Einkaufschef von Beijing EV schaltet sich aus dem Reich der Mitte in die Konferenz zu.

China spaltet nicht

China setzt auch weiterhin auch auf Elektromobilität, das weiß unter anderem Hermann Stockinger, Geschäftsführer von Easelink. Denn das National New Energy Vehicle Technology Innovation Center (NEVC) in China und sein Grazer Start-up-Unternehmen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft soll das automatisierte konduktive (leitungsgebundene) Ladesystem namens "Matrix Charging" zur führenden automatischen Ladetechnologie in China ausgebaut werden. Der Firmengründer referiert im Januar 2021 über Hintergründe und anstehende Ausbaustufen. NEVC wird von milliardenschweren Unternehmen, darunter Automobilhersteller wie BAIC, BYD und Geely sowie Top 10 Automobilzulieferern wie Valeo und CATL unterstützt. Zukunftsweisend ist das automatisierte Laden auch im Kontext des Automatisierten Fahren. Hier könnte unter anderem Dr. Peter Mertens Bewertungen abgeben. Auch in diesem Technologiefeld ist er aktiv, beispielsweise in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender von Valens Semiconductor. Für ihn ein Mosaikstein für nachhaltige Mobilität.

Der Nachhaltigkeit verpflichtet

Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten muss das Portfolio der verschiedenen Fahrzeugantriebssysteme zu Recht kritisch beurteilt werden – und so stehen sie wieder auf dem jährlichen Prüfstand des Kongressveranstalters ATZlive. Ganzheitlich gelingen die Analysen und zu diskutierenden Studien nur, wenn die Energie- und Rohstoffketten mit in die Betrachtung einbezogen werden. Förderlich ist es deswegen, die entscheidenden Protagonisten der verschiedenen Branchen auf eine verbindende Kongressplattform einzuladen. So werden der MTZ-Kongress "Antrieb von Morgen" und der ATZ-Kongress "Grid Integration & Electrified Mobility" unter einem Dach zusammen veranstaltet. Covid-19-bedingt ist auch eine virtuelle Teilnahme möglich. ATZlive hat das Hybridkonzept im Zuge der erfolgreichen Herbsttagungen perfektioniert.

Welcome, auch im Namen der Kooperationspartner Schaeffler und der bridgingIT Gruppe! Weitere Informationen, unter anderem zu den notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen und einer intelligenten Energieverteilung sowie Projekten aus Praxis erhalten Sie unter:

https://www.atzlive.de/veranstaltungen/der-antrieb-von-morgen/

https://www.atzlive.de/veranstaltungen/electrified-mobility-grid-integration/

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