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2024 | Buch

Apotheke der Zukunft

Innovation – Digitalisierung – Hybride Versorgung

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Über dieses Buch

Die Apotheke als Umschlagsplatz für Arzneimittel hat ausgedient. Internetapotheken, zunehmend digitalisierte Prozesse in der allgemeinen Gesundheitsversorgung (Stichwort E-Rezept), künftig vielleicht sogar personalisierte Medikamente aus dem 3D-Drucker, sind Entwicklungen, auf die das stationäre Apothekengeschäft reagieren muss, um wettbewerbsfähig bleiben zu können.Dieses Buch erläutert die unterschiedlichen Faktoren des Strukturwandels auf dem Apothekenmarkt, lotet die Chancen der Digitalisierung aus, stellt neue mögliche Apothekenmodelle vor, zeigt ausgewählte Start-up-Beispiele, gibt noch länger aktiven Apothekern und Apothekerinnen Tipps für eine Anpassung/Transformation an die zukünftigen Entwicklungen. Es werden ausbaufähige Chancen an den Schnittstellen Apotheke und ambulante Versorgung bzw. Apotheke und nachstationäre Versorgung skizziert, die Platz für neue zukunftsfähige Geschäftmodelle lassen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung: Die Apotheke als Tankstelle der Gesundheit

Als die ersten Automobile gebaut wurden, gab es die Treibstoffe wie Benzin oder Petroleum nur an der Apotheke. Die „erste Tankstelle der Welt“ war die Stadt Apotheke in Wiesloch in Baden-Württemberg. Im Jahr 1888 war es Bertha Benz, die auf ihrer Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim beim Apotheker Willi Ockel tankte. Die Apotheke ist und bleibt auch in Zukunft unverzichtbare Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung. Apothekerinnen und Apotheker ermöglichen eine schnelle und niedrigschwellige Beratung, informieren über Medikamente und Gesundheitsprodukte und tragen zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität bei. Spätestens in der Corona-Zeit ist deutlich geworden, wie wichtig Apotheken für die Versorgung sind. Gleichzeitig entwickeln Apotheken durch digitale Transformationsprozesse neue Kompetenzen beispielsweise in der Kundenkommunikation und der Logistik von Arzneimitteln. Die Apotheken sind einer der wenigen Ort im Gesundheitswesen, die direkt zugänglich für den Menschen sind und damit im positiven Sinne eine „Tankstelle für Gesundheit“. Apotheken spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention von Krankheiten bis hin zur Langlebigkeit (Longevity). Die Apotheke der Zukunft wird hybrid (digital und stationär) dem Menschen wertvolle Dienstleistungen auch in Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsfachkräften anbieten, um so ihre Rolle in einer zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung auszubauen.

David Matusiewicz
Kapitel 2. Optimierte Verordnungs- und Abrechnungsprozesse für Leistungserbringende und Kostenträger durch digitale Transformation

Mit der Einführung des E-Rezepts schreitet die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens voran, was zu einer deutlichen Veränderung der Prozesse bei allen Marktteilnehmenden führen wird. Die erhöhte Datenmenge in Kombination mit der Notwendigkeit einer gesicherten Versorgung stellt dabei eine zentrale Herausforderung dar. Für die Versorgungssicherheit sind digitale Plattformen von großer Bedeutung, denn sie stellen eine zentrale Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure entlang der Patientenreise sicher. Am Beispiel der Digitalisierung des Arzneimittelsektors wird das Nutzenpotenzial für Verordnungs- und Abrechnungsprozesse aufseiten der Leistungserbringenden und Kostenträger aufgezeigt. Innovative Rezeptprüfungs- und Abrechnungsplattformen schließen die zeitliche Informationslücke zwischen beiden Seiten und ermöglichen eine Datenübertragung in Echtzeit. Die elektronische Verarbeitung von Verordnungen fördert den Einsatz alternativer Abrechnungsprozesse. Plattformtechnologien bilden dabei die Grundlage für Automatisierung, aber auch für umfassende Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfungen (AMTS). Sie gewährleisten eine bedarfsangepasste Skalierung und die für die medizinische Versorgung notwendige Verfügbarkeit sowie ein datenschutzkonformes Sicherheitsniveau. Die Verschlankung der Prozesse dank Digitalisierung führt bei allen Beteiligten zu Ressourceneinsparungen und einer gesicherten Versorgung.

Frank Böhme, Matthias Leu
Kapitel 3. E-Rezept-Apps: Die gematik-App im Marktvergleich

Jedes Jahr werden rund 450 Mio. Papierrezepte im Wert von mehr als 40 Mrd. Euro eingelöst. Das entspricht im Schnitt ca. 1,3 Mio. Rezepte pro Tag in ganz Deutschland. Das E-Rezept soll der „Game-Changer“ im deutschen Gesundheitswesen werden und ist damit eine der wichtigsten digitalen Anwendungen. Der gesetzliche Auftrag zur Festlegung der technischen Spezifikationen für die Hard- und Software-Industrie wurde seitens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) an die „gematik GmbH“ übertragen. Bei der „eRezept-App“ geht das BMG mit der gematik einen ungewohnten Weg. Erstmals in der Geschichte tritt die gematik nicht mehr nur als regulatorische Instanz auf, sondern gleichzeitig auch als Anbieter einer mobilen Gesundheitsanwendung für den Massenmarkt der Versicherten. Wie gut dieser Spagat gelingt, soll dieser Marktvergleich mit anderen vergleichbaren E-Rezept-Apps von Drittanbietern liefern und die Herausforderungen bei der Entwicklung einer derartig komplexen Anwendung gegenüberstellen.

Stefan Odenbach-Wanner
Kapitel 4. E-Rezepte in der Apotheke

Das E-Rezept hilft uns, Kosten und unnötige Bürokratie zu sparen! Es unterstützt in der Beratung unserer Patientinnen und Apothekenkunden und hat großes Potenzial eine Daten-Basis für die wichtige Arzneimitteltherapiesicherheit zu schaffen. Durch den Einlöseweg per elektronischer Gesundheitsakte wurden bis Oktober 2023 mehr als sechs Millionen E-Rezepte eingelöst (gematik 2023. TI-Dashboard – Digitalisierung in der Übersicht. https://www.gematik.de/telematikinfrastruktur/ti-dashboard . Zugegriffen: 13. Nov. 2023.).

Ralf König
Kapitel 5. Von der Arzneimittelausgabe zur digital-gestützten Gesundheitsbegleitung

Die Rolle der Apotheke vor Ort an „jeder Ecke“ steht seit einigen Jahren, nicht zuletzt in der Pandemie, stark im Wandel. Vor der Pandemie wurde das Modell „stationäre Apotheke“ im Zeichen der digitalen Transformation kritisch beäugt – bedingt durch den zunehmenden Online-Versandhandel und das Aussterben der physischen Apotheke in deutschen Ladenstraßen. Heute, nach der Pandemie, sind viele Apotheken auf den Geschmack von digital-gestützten Lösungen und Prozessen gekommen. Online-Terminbuchungstools sind gängige Mittel in Apotheken und der Markt spricht von Telepharmazie, pharmazeutischen Dienstleistungen und der Umsetzung des E-Rezepts. Um solche Services effizient anzubieten, stehen Apotheken vor der zukunftsweisenden Entscheidung, ob sie sich endkunden-orientierten, zentralen Plattformmodellen anschließen oder ein eigenes, dezentrales „digitale Schaufenster“ aufbauen sollen. In diesem Beitrag werden diese beiden Ansätze gegenübergestellt.

Christian Popien, Luisa Wasilewski
Kapitel 6. Digitalisierung zum Schließen der menschlichen Versorgungslücke

Das Deutsche Apothekenwesen hat in den vergangenen acht Dekaden seine Flexibilität und Wandlungsfähigkeit bewiesen. Von dezentralen Herstellungsbetrieben, zu hocheffizienten Handelsunternehmen und weiter zu digital vernetzten Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen und -produkten. Die Entwicklung bleibt nicht stehen und spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich die Rolle als starker und gesellschaftlich wichtiger vor Ort verwurzelter Gesundheitsdienstleister erneut gewandelt. Apotheken sind führend bei der Einführung digitaler Werkzeuge im Dienste der Patientengesundheit, wie auch deren Effizienzsteigerung bei der Nutzung des knappen Personals. Bereits heute wissen wir, dass jede einzelne Apotheke in Zukunft immer mehr Menschen, mit einem zunehmend breiteren Portfolio an Produkten und Dienstleistungen versorgen muss. Diese zentrale Aufgabe im Gesundheitssystem muss aber mit einem immer stärker schrumpfenden Angebot an Personal bewältigt werden. Insofern stellt die weitere Digitalisierung und Automatisierung einen Schlüsselfaktor zur Bewältigung dieser Aufgabe dar.

Uwe Weidenauer
Kapitel 7. Die Evolution der Apotheke – Heute schon die Apotheke von morgen

Aufgrund ökonomischer und demografischer Veränderungsprozesse hat sich der Druck Apotheke-vor-Ort neu zu denken in den letzten Jahren deutlich erhöht. Für die öffentliche Wahrnehmung kaum sichtbar, vollzieht sich bereits ein massiver Wandel hinter den Kulissen, der durch die aktuellen starken Digitalisierungsbestrebungen zusätzlich angeheizt wird.

Lara Fürtges, Jan Hockenholz, Mona Meier, Anike Oleski
Kapitel 8. KI und Bots in der Apotheke

Pharmazeutisches und medizinisches Wissen ist im Gesundheitssystem Grundlage einer hochwertigen Versorgung. Ständige Innovationen in den Fachgebieten machen ein kontinuierliches Update notwendig. Das gilt für das Wissen selbst und dessen Übertragung auf die Problemstellungen. Gleichzeitig werden Fachkräfte im Gesundheitswesen rar. Entsprechend wächst die Diskrepanz zwischen Arbeitspensum und geeigneten Fachkräften immer weiter. Das Ziel ist es, durch Digitalisierung Kapazitäten zu schonen und Effizienzreserven zu heben. Künstliche Intelligenz, Machine Learning und Neuronale Netze sind erfolgsversprechende Anknüpfungspunkte, um als Bot-Software in der Apotheke die Prozesse zu unterstützen und Versorgung effizienter und sicherer zu machen.

Marc Kriesten
Kapitel 9. Apotheke mit Zukunft – Menschliches im digitalen Zeitalter

Es gibt viele Faktoren, die für das leise Apothekensterben verantwortlich sind. Auf politische Unterstützung ist bei der Verbesserung der Situation in den Bereichen Schließungen und Personalmangel nicht zu hoffen. Eben so wenig auf eine Verbesserung betreffend der dringend notwendigen Neustrukturierung der Ausbildungsberufe. Es ist heute unumstritten, dass Arbeitnehmende regelmäßige Förderung erhalten sollten. Weiterbildungsmaßnahmen erhöhen ihre Employability, halten die Motivation aufrecht und stärken die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen. Ohne gesundes, zufriedenes und loyales Personal wird kaum eine erfolgreiche Zukunft für die Apothekenlandschaft möglich sein. Doch dafür wird ein Umdenken in der Personalentwicklung der Apotheken notwendig sein. Coaching, Mentoring und Führungskräfteentwicklung sind nur einige wichtige Maßnahmen. In den Vor-Ort-Apotheken sind Mitarbeitende der Schlüssel zum Erfolg.

Elisabeth Salzmann
Kapitel 10. Der eApotheker im digitalen Krankenhaus

Die digitale Transformation beeinflusst alle Akteure im Gesundheitswesen und führt auch im Krankenhaus zu einer Neuausrichtung der traditionellen Berufsbilder. Der eApotheker verantwortet in einem modernen Krankenhaus ein neuartiges Aufgabenfeld. Das dafür notwendige Kompetenzprofil basiert auf einer fundierten Wissens- und Erfahrungsbasis im Bereich der klinischen Pharmazie, interprofessioneller Kommunikationsfähigkeit und Kenntnissen in der pharmazeutischen Informationstechnologie. Als Schnittstelle zur IT unterstützt der eApotheker inhaltlich beim Aufbau einer vernetzten klinisch-pharmazeutischen Systemlandschaft auf dem Boden eines geschlossenen Medikationsprozesses. Die Projekt- und Routinetätigkeiten des eApothekers sind vielfältig und reichen vom technischen Customizing eingesetzter Softwarelösungen bis hin zur Orchestrierung digitaler Maßnahmen für die Arzneimitteltherapiesicherheit. Zukünftig wird der eApotheker zu einer zentralen Figur in der fortschreitenden Digitalisierung der Krankenhausapotheken und ist in einem digitalen Krankenhaus schon bald nicht mehr wegzudenken.

Falko C. Schulte, Melanie Schulte
Kapitel 11. Technologie als Bindeglied des Gesundheitswesens – Wie die Apotheke zum Gateway der neuen Versorgung wird

Das deutsche Gesundheitssystem hat große Hürden zu überwinden: Durch den demografischen Wandel steht immer weniger medizinisches Fachpersonal für immer mehr Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Die zentrale Frage, der die Entscheidungsträger gegenüberstehen, ist, wie dieses Problem kosteneffizient und ohne zusätzliche Infrastruktur gelöst werden kann. Die Apotheke kristallisiert sich hierbei als Dreh- und Angelpunkt für die Reform der Gesundheitsversorgung heraus: Mehr als drei Millionen Menschen werden täglich durch die öffentlichen Apotheken in Deutschland versorgt. Durch die Verbindung von heilberuflicher und medizinischer Kompetenz, gekoppelt mit der lokalen Etablierung, kann ein großer Beitrag zur Primärversorgung geleistet werden. Die Integration von Künstlicher Intelligenz kann nicht nur eine Effizienzsteigerung, sondern auch aktiv neue Möglichkeiten schaffen. Das neue Angebot bildet dabei einen optimalen Einstiegspunkt für den Aufbau von Individual- und Präventivmedizin.

Maria-Liisa Bruckert
Kapitel 12. Lernen von anderen Branchen und Geschäftsmodellen – eine Investorenperspektive

Nils Glagau und Vera Knauer blicken als Investoren und Familienunternehmer auf das Zukunftsfeld Apotheke. In diesem Beitrag zeigen sie auf, welche Leitfragen und Trends für die Offizin relevant sind. Wie wird sich das Verhalten gesunder und kranker Menschen verändern? Wo ergeben sich interessante Veränderungen für die Apotheke? Zur Beantwortung ziehen sie verschiedene Geschäftsmodelle und Praxisbeispiele anderer Branchen heran und übertragen Learnings für die Apotheke der Zukunft. Dabei ist den Autoren bewusst, dass im Zuge dieses Kapitels nur einzelne Trends und Lösungen behandelt werden können. Es stellt demnach keine gesamtheitliche Übersicht dar, sondern illustriert einzelne Ansätze, die die Transformation von Apotheken in Deutschland beeinflussen können.

Nils Glagau, Vera Knauer
Kapitel 13. Gesundheitsprävention und Lifestyle im Geschäftsmodellfokus

Dieser Beitrag behandelt fünf Thesen für die Apotheke. Diese muss sich konzeptionell und strategisch neu definieren sowie ihre Kompetenzen stärker nutzen, um die Kundschaft zukünftig mit klarer Kommunikation ihrer Vorteile vor allem gegenüber dem Versandhandel an sich zu binden. Wichtig sind dafür die Fokussierung auf einzelne Produktsegmente, der Ausbau der Beratungsleistung und eigenes Brandbuilding im regionalen Umkreis. Übergeordnetes Ziel der stationären Apotheken muss es ein, zu Orten der Gesundheit werden. Die Digitalisierung verändert den Apothekenmarkt grundlegend. Nachfolgend besprechen wir fünf Thesen zur Transformation stationärer Apotheken zu Orten der Gesundheit.

Anja Schürmann, Richard Bergheim
Kapitel 14. Marketingmanagement von Apotheken

Das leuchtende „Apotheken A“ und die Gesundheits-Zeitung aus der Apotheke war über Jahrzehnte die Marketingstrategie vieler Apotheken in Deutschland. Reicht dies heute noch aus oder muss die Apotheke auf Social-Media-Plattformen lustige Tänze aufführen, um die Kunden anzusprechen?

Christian Engler
Kapitel 15. Modernes Medikationsmanagement in der Apotheke

Das Ziel eines modernen Medikationsmanagements sollte eine patientenzentrierte und interdisziplinäre Herangehensweise sein, die die Verwendung von Medikamenten optimiert und gleichzeitig das Risiko von unerwünschten Wirkungen und Wechselwirkungen minimiert. Dabei muss die Wirtschaftlichkeit aller beteiligten Dienstleistungsunternehmen gewährleistet sein. Grundlegend dafür sind hierbei lückenlose Prozessketten, ein etabliertes Change-Management, eine offene Fehlerkultur und nicht zuletzt der entscheidende Schlüssel, der alles verbindet: die Kommunikation – innerhalb der Unternehmen, in Richtung Kunde und interdisziplinär. Das Medikationsmanagement ist eines der größten Potenziale für die Zukunft der Apotheke vor Ort, wenn sie die Chance ergreift.

Sven Harmuth, Dani Hildebrand
Kapitel 16. Zukunft der Arbeit in der Apotheke

New Work gilt als ein Konzept, das die Gestaltung sinnhafter Arbeit in den Blick nimmt. Es eröffnet damit auch Perspektiven für die Arbeitsgestaltung mit dem Ziel der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden im strategischen, zukunftsorientierten Personalmanagement. Dieser Beitrag diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen von New Work zur Gestaltung der Zukunft der Arbeit in der stationären Apotheke. Digitalisierung als relevanter Baustein von New Work hilft dabei, Arbeit zu flexibilisieren und kann den Sinn der Arbeit für die Mitarbeitenden erhöhen. Oft werden in diesem Zusammenhang Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität genannt. In Apotheken findet jedoch Interaktionsarbeit statt, daher stellt sich die Frage nach dem Potenzial von New Work für die Zukunft der Arbeit in der Apotheke, zum Beispiel indem mehr zeitliche Ressourcen für Interaktionsarbeit ermöglicht werden.

Janina Evers
Kapitel 17. Digitale Transformation: Kulturelle Kompetenz im Apothekenwesen

Digitale Transformations- und Innovationsprozesse sowie zunehmende Diversität verändern die Anforderungen an Apotheken. Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Vielfalt in unserer Gesellschaft sollten Apothekerinnen und Apotheker für den Umgang mit gesundheitlichen Ungleichheiten und eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung sensibilisiert werden. Vor allem im angloamerikanischen Diskurs wird die Bedeutung kultureller Kompetenz bereits betont, allerdings fehlt es sowohl international als auch in Deutschland an einem einheitlichen Verständnis und evidenzbasierte Ausbildungsmaßnahmen. im Apothekenwesen Digitale Lernangebote können helfen, kulturelle Kompetenz effizient zu schulen, sind bislang aber noch nicht weit verbreitet.

Patricia Beck, Benjamin Herten, David Matusiewicz
Kapitel 18. Welche Skills benötigt man in Zukunft für den Beruf in der Apotheke?

Spätestens seit dem Edikt von Salerno im Jahr 1241 unterliegt der Apothekerberuf stetiger Veränderung. Noch vor wenigen Generationen wurde die Mehrzahl der abgegebenen Arzneimittel in der Apotheke selbst hergestellt. Mit der Industrialisierung wanderte die Herstellung in hierauf spezialisierte Betriebe ab. Mitarbeitende in Apotheken mussten ihren Arbeitsalltag vom Produzieren aufs Verkaufen anpassen. Die Digitalisierung verändert nun auch das erneut und fundamental. Die zunehmende Dynamik und Komplexität des Arbeitsalltags in der Apotheke gefährdet dabei nicht nur die Zufriedenheit aller Mitarbeitenden in der Apotheke, sondern im schlimmsten Fall auch die Patientensicherheit. Deswegen sollten einige digitale und kommunikative Skills in der Apotheke schon so früh wie möglich in der jeweiligen Ausbildung erlernt werden.

Florian Giermann
Kapitel 19. Digitalisierung in der pharmazeutischen Aus- und Weiterbildung

Im Bereich pharmazeutische Aus- und Weiterbildung ist inzwischen die Bereitschaft gestiegen, online Seminare anzubieten und Lernprojekte zu gestalten, die ortsunabhängig besucht werden können. Durch einen Mangel an digitalen Kompetenzen der Ausbildenden und Lehrenden sowie eine generelle Sorge vor neuen Herausforderungen und hohen Kosten werden vielfältige Chancen der Digitalisierung der Ausbildung jedoch noch nicht genutzt.Die Digitalisierung in der pharmazeutischen Ausbildung und Lehre setzt nicht zwangsläufig eine hochmoderne Technik voraus, sondern vielmehr eine Kenntnis von Methoden, die sich mit einfachen technischen Lösungen und einer digitalen Grundausstattung verwirklichen lassen.Eine Kombination von digitalen Tools und analogen Methoden bietet vielfältige, lernförderliche und nachhaltige Lernmöglichkeiten. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, IT-Entwickelnden, Filmproduzentinnen und -produzenten, Verlagen und Medien-Pädagoginnen und -Pädagogen könnte im Weiteren neue ressourcenschonende und effektive Möglichkeiten im Bereich pharmazeutische Aus- und Weiterbildung erschließen.

Tatiana Dikta
Kapitel 20. Die Apotheke als Gesundheitsplattform

Pro Tag stirbt eine Apotheke in Deutschland. Dabei sind die Herausforderungen für Apotheken vielfältig. Fachkräftemangel, veränderte Kundenerwartungen, konkurrierende Online-Apotheken und sich ändernde, regulatorische Anforderungen erhöhen den Veränderungsdruck. Ein umfassender Wandel ist unausweichlich. Die Apotheke als integrative Gesundheitsplattform könnte ein erstrebenswertes Zukunftsbild darstellen. Im Rahmen einer digitalen Gesundheitsplattform könnten Apotheken verschiedene Module und Services anbieten, um ihre Kunden umfassend bei der Gesundheitsprävention sowie -versorgung zu unterstützen. Mit positiven Effekten: Jeder zweite Erstkontakt findet digital statt. Eine durchgängig hohe Beratungsqualität wird zu erweiterten Tageszeiten sichergestellt. Personelle Ressourcen können im Zeitverlauf optimiert geplant und eingesetzt werden. Überlastete Ärzte und Notaufnahmen werden entlastet. Die neuen technologischen Möglichkeiten bieten die große Chance, die Apotheke als moderne Gesundheitsplattform neu zu denken.

Sven Jansen, Ilka Dekan
Kapitel 21. Frag nicht Google, frag die Apotheke! – Apotheken als digitale Gesundheitsmanager in einem vernetzten Ökosystem

Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht Apotheken, ihre Kundenberatung online zu erweitern und gleichzeitig das traditionelle Apothekenerlebnis zu bewahren. Digitale Plattformen, die Fachberatung durch Apothekenpersonal anbieten, kombinieren den Komfort des Online-Shoppings mit der Expertise der lokalen Apotheke. Dieser Ansatz fördert Kundennähe und stärkt die Beratungskompetenz der Apotheken über ihre physischen Standorte hinaus. Die Apothekerschaft kann gemeinsam die digitale Transformation im Gesundheitswesen aktiv mitgestalten, wenn Sie jetzt bereit ist, mutige Entscheidungen zu treffen.

Steffen Kuhnert
Kapitel 22. Digitale Apothekentransformation und Ethik – Nicht zu wenig, nicht zu viel, von beidem

Apotheken ohne Ethik digital zu transformieren kann nicht empfohlen werden. Apotheken sind ein geschätzter Teil unseres Lebens und damit unser eben auch immer digitaleres Leben sich auch nachhaltig auf diese Form der hochwertigen institutionellen Leistungserbringung verlassen kann, müssen – auch aus ethischen Gründen – auch Apotheken mit der Zeit gehen. Verantwortlich, aber beherzt.

Stefan Heinemann
Kapitel 23. Vor-Ort-Apotheke(n) als inhabergeführtes Unternehmen und Plattformanbieter – Wie ein gesundheitsspezifisches Cloud-Ökosystem die Kundenbindung der Zukunft nachhaltig prägt

Der expandierende Einsatz von innovativen Technologien verändert die Sichtweise auf das Gesundheitswesen. Telemedizinische Anwendungen, künstliche Intelligenzen und Plattformökonomie(n) halten Einzug. Können traditionelle stationäre Vor-Ort Apotheken mit Plattform Giganten – wie Amazon, Alphabet und Co. – Schritt halten?Die Autoren sind sich sicher, dass aus kommerzieller Sicht jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um in ein föderales digitales Apotheken-Cloud-Ökosystem mit und für 18.000 Apotheken zu investieren. Im Kern gilt es jeder einzelnen inhabergeführten Apotheke die Fähigkeit zu verleihen, wie ein Plattformanbieter zu agieren. Ein solcher „Game-Change“ erfordert Zusammenhalt, um nachhaltige (digitale) Kundenbindungen über Generationen hinweg aufzubauen – dieser Fortschritt wäre disruptiv. Technologisch wird in diesem Beitrag eine Datenraum-Architektur vorgestellt, die eine Vernetzung dezentraler, rechtlich selbstständiger Vor-Ort-Apotheken unterstützt, vertrauensvolles und interoperables Schnittstellenmanagement ermöglicht und im Ausblick die Apothekerschaft robust gegenüber Plattformanbietern positioniert. Vorrangig gilt es, das Experten- und Domain-Wissen von Vor-Ort-Apotheken für Vor-Ort-Apotheken zugänglich zu machen, damit die Vor-Ort-Apotheke im Einzelnen sowohl als inhabergeführtes Unternehmen und auch als Plattformanbieter ihre Kundenbindung über alle Kundenkontaktkanäle hinweg stärken und ausbauen kann. Sechs Schlüsselmerkmale werden beschrieben, um aus der Fiktion des Apotheken-Datenraumes eine neue Realität zu erschaffen. Eine Realität, die Daten als Bindeglied zwischen e-Health, dem Internet der Dinge und smarten Services von morgen abbildet.

Hannes Müller, Gerald Heinz
Kapitel 24. Apotheken-Plattformen: Was wollen die digitalen Konsumenten wirklich?!

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Versicherten der Krankenkassen sollten dabei im Mittelpunkt leistungserbringender Organisationen stehen. Wie stark eine versicherte Person eine Leistung in Anspruch nimmt, hängt von vielen Faktoren ab. Dies gilt für analoge und genauso für digitale Angebote. Die Corona-Pandemie hat alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen getroffen und die Notwendigkeit von digitalen Lösungen aufgezeigt. Den Vor-Ort-Apotheken wurde dabei eine besondere Rolle zugeteilt. Während der Pandemie waren sie häufig erste Anlaufstellen für bestimmte Dienstleistungen. Zum Beispiel bei der Ausgabe der FFP2-Masken, den Covid-Teststationen sowie der Impfstoffverteilung an die Impfzentren oder der Ausstellung von digitalen Impfnachweisen. Diverse Apotheken-Plattformen und Kooperationen bieten hier weitere Leistungen für die digitalen Patientinnen und Patienten an. Dieses Kapitel beleuchtet die Konzepte und soll eine kontroverse Diskussion ermöglichen.

Stefan Odenbach-Wanner
Kapitel 25. Die Apotheke als Dreh- und Angelpunkt

Diskussionen rund um das Apothekenwesen drehen sich vordergründig zumeist um die Vergütung für den originären Versorgungsauftrag. Zukunftsgerichtete Visionäre richten ihren Blick allerdings seit jeher auf die Weiterentwicklung des Berufsbildes. Erst Information und Beratung, dann sozialrechtliche Verantwortung und nun Telepharmazie, pharmazeutische Dienstleistungen sowie Impfungen in Apotheken sind Zeichen des Umbruchs, den der Gesetzgeber bereitwillig begleitet. Gleichwohl weckt die Auflösung der über Jahrhunderte herausgearbeiteten Trennlinien zwischen ärztlichen und apothekerlichen Tätigkeitsspähren Ängste fachlicher, rechtlicher und ökonomischer Natur. Demografie, Landflucht sowie veränderte Lebensvorstellungen und die hieraus erwachsenden Defizite in der ärztlichen Versorgung erfordern dennoch einen Mutausbruch. Wir brauchen eine Revolution der Arzneimittelversorgung: die Apotheke als Dreh- und Angelpunkt der medizinisch-pharmazeutischen Grundversorgung.

Dennis A. Effertz
Kapitel 26. Digitalisierung der Finanzbuchhaltung in der Apotheke
Digitale Transformation im Rechnungswesen als Grundlage für Controlling und unternehmerisches Handeln in der Apotheke

Der Abschnitt „Digitalisierung der Finanzbuchhaltung in der Apotheke“ stellt sehr anschaulich die Notwendigkeit dar, digitale Prozesse zu implementieren, um Effizienz und unternehmerische Agilität in Apotheken zu erhöhen. Es zeigt die Optimierung interner Abläufe auf, insbesondere der Buchhaltung, als Reaktion auf Fachkräftemangel, gestiegene Kundenerwartungen und wirtschaftlichen Druck. Neben einer Umsetzungsempfehlung zur digitalen Transformation bietet es einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Die kurz vor Erscheinen dieses Buches vom Gesetzgeber beschlossene verpflichtende Einführung der E-Rechnung verstärkt die Notwendigkeit zur Digitalisierung außerordentlich, auch wenn dieses Thema im Beitrag selbst nur angedeutet wird. Dies verdeutlicht die zunehmende Relevanz digitaler Anpassungen in der Buchhaltungspraxis von Apotheken.

Peggy Berthold, Thomas Grah
Kapitel 27. Beratung 2.0 – ein Appell an die moderne Arzneimittelinformation

Gute Beratung ist das A und O in der Apotheke. Was zunächst klingt wie ein etwas abgedroschener Werbespruch einer Apothekenkampagne, ist in Zeiten zahlreicher Umbrüche auf dem Apothekenmarkt wichtiger denn je. Denn nur beratungsstarke Apotheken, die ihren Kundinnen und Kunden einen pharmazeutischen Mehrwert bieten, werden sich langfristig am Markt behaupten. Ein wichtiger Aspekt dieser zukunftssichernden Maßnahme ist eine moderne Interpretation der Arzneimittelinformation – in anderen Worten: Beratung 2.0.

Maximilian Wilke
Kapitel 28. Digitalstrategie zur Positionierung der Apotheke in Wertschöpfungsnetzwerken – Erfahrungen aus der Schweiz

Das Schweizer Gesundheitssystem steht vor diversen Veränderungsprozessen, welche eine Auswirkung auf die Positionierung sowie das Geschäftsfeld von Apotheken haben. Zukünftig werden Apotheken in ein komplexes Ökosystem eingebunden sein, den sogenannten Wertschöpfungsnetzwerken, bestehend aus Patientinnen und Patienten, Gesundheitsdienstleistern, Digital Health Start-ups sowie Krankenversicherungen. Der physische Standort und damit die Nähe zu Patientinnen und Patienten sind für Apotheken weiterhin wichtig. Die Positionierung im Wertschöpfungsnetzwerk und damit die Beziehungen zu und Kooperationen mit relevanten Partnern werden zum wichtigen Wettbewerbsvorteil. Am Beispiel von Galenica, dem größten Gesundheits-Netzwerk in der Schweiz, wird aufgezeigt, wie mithilfe einer Digitalstrategie die Neuausrichtung der Apotheke sowie die Positionierung in Wertschöpfungsnetzwerken angegangen werden kann.

Simone Kansy, Fabian Sommerrock
Kapitel 29. Die Apothekendichte in Europa: Zwischen Liberalisierung und Regulierung des Apothekenmarktes – worauf sollten wir uns konzentrieren?

Der Europäische Apothekenmarkt befindet sich seit Jahren im Wandel zwischen Liberalisierung und Regulierung. Doch was ist das Ziel? Es ist eine steigende Apothekendichte. Wie das erreicht werden kann, darüber streitet sich die Literatur. Mit Diskussionen um das Besitzen einer Apotheke und der Versandhandelserlaubnis von verschreibungspflichtigen Medikamenten versuchen die Regierungen, die medizinische Versorgung der Bevölkerung durch Apotheken aufrecht zu halten. Jedes Apothekensystem ist unterschiedlich und es gibt keine einheitliche Definition eines regulierten oder liberalisierten Marktes. Somit stellt sich meine Forschung der Frage: Konzentrieren wir uns auf die falschen Faktoren, welche die Apothekendichte antreiben?

Selina Schwaabe
Kapitel 30. Gesundheitskioske und die Zusammenarbeit mit Apotheken

Die Gesundheitskioske in Essen verfolgen nicht nur einen ganzheitlichen gesundheitlichen Beratungansatz mit Lotsenfunktion, sondern betonen auch die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Netzwerkpartnern, gesundheitlichen und sozialen Anlaufstellen, der Ärzteschaft und den örtlichen Apotheken. Die Einbindung örtlichen Apotheken bietet vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in der Gemeinde. Eine enge Zusammenarbeit erfordert regelmäßigen Austausch und Kommunikation, um die bestmögliche Betreuung für die Kunden sicherzustellen und Doppelstrukturen zu vermeiden. Gemeinsam können die Gesundheitskioske Essen und die örtlichen Apotheken eine umfassende und koordinierte Gesundheitsmatrix in der Gemeinde gewährleisten und die Gesundheitskompetenz fördern. Diese Partnerschaft zielt darauf ab, die Menschen bei ihrer Gesundheit und Krankheit zu unterstützen, qualifizierten Gesundheitsinformationen und -dienstleistungen zu vermitteln und den Zugang zur Gesundheitsversogung zu erleichtern.

Nicole Ginter
Kapitel 31. Die Rolle der modernen, digitalisierten Apotheke

Die zeitgerechte und adäquate Weiterentwicklung der Apotheke und ihrer Interaktionen werden durch die Digitalisierung katalysiert. Moderne Anforderungen lassen sich zunehmende durch innovative technologische Ansätze bedienen. Die digitalisierte Apotheke vereint die Vorteile der aktuellen Angebote mit der digital katalysiert möglichen Steigerung von Komfort, Sicherheit und optimierten Prozessen. Essenziell ist dabei die Präsenz vor Ort in Kombination mit entsprechenden Digitalangeboten. Hybride Lösungen sind die Antwort für die Erfordernisse des modernen Patienten und Arztes.

Dominik Pförringer
Kapitel 32. Logistikkonzepte der Zukunft im Bereich der Medikamentenversorgung durch Apotheken

Die Logistik der Medikamentenversorgung ist ein komplexer Prozess, der von der Bestellung bis zur Auslieferung reicht. Bereits eingesetzte Technologien wie digitale Bestellplattformen, automatisierte Lager- und Sortieranlagen und 2-D-Barcodes optimieren bereits heute die Medikamentenversorgung. Bis 2040 werden aufgrund des demografischen Wandels, der Digitalisierung und höherer Kundenerwartungen bedeutende Veränderungen erwartet, die innovative Lösungen wie elektronische Patientenakten, GPS-Tracking, RFID-, BLE- und Blockchain-Technologie erforderlich machen. Darüber hinaus werden diverse Handlungsschritte unterschiedlicher Akteure notwendig sein, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. An einem Fallbeispiel der Medikamentenversorgung im Jahr 2040 wird aufgezeigt, wie moderne Technologien wie Automatisierung, Künstliche Intelligenz, IoT-Sensoren und Big Data den Prozess optimieren können. Diese Schritte tragen dazu bei, einen effizienten Informationsfluss und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Medikamenten zu gewährleisten.

Christian Ruff
Kapitel 33. Stellenwert der Apotheke in der Reha-Medizin – vom Lieferanten zum integrierten Dienstleister

Moderne Patientenversorgung unter Nutzung aller Möglichkeiten unterscheidet sich an nahezu allen Stellen in vielerlei Hinsicht von der gewohnten Vergangenheit. Das gilt ebenso für den Stellenwert der Apotheke in der modernen Rehabilitandenversorgung. Vom früheren Stellenwert als purer Lieferant nimmt die Apotheke zunehmend aktive Rollen ein in der Versorgung. Verkürzte Verweildauern in Akutkrankenhäusern, eine steigende Anzahl an Nebendiagnosen der Rehabilitanden mit zunehmender Polypharmazie und steigender Kostendruck lassen die Apotheke als sinnvollen, integrierten Experten während der Behandlung erscheinen.

Marc Baenkler, Christian Schröder
Kapitel 34. Die unentdeckte Ressource – wie digitalbasierte Apotheken in der Mangelwirtschaft Gesundheit Nutzen stiften können

Angesichts des schleichenden Verlusts von Apotheken stellt sich die Frage, wie lange eine hochwertige flächendeckende Versorgung unter den aktuellen Bedingungen noch aufrechtzuerhalten ist. Insbesondere der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel sind Triebfedern dieser Entwicklung. Es braucht eine ganzheitliche Betrachtung des Systems und den damit verbundenen wichtigen und nutzbaren Synergieeffekten. Wir müssen die angestammte Funktion der Apotheken neu gewichten, neu bewerten und vor allem neu definieren. Apotheken können und werden in einer deutlich ambulanter geprägten Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle übernehmen. Werden diese vielleicht bald schon zu Knotenpunkten grundlegender Diagnostikverfahren? Werden sie in zehn, besser schon fünf Jahren viel intensiver als heute Orte der praktischen Gesundheitsberatung, der achtsamen Lebensführung werden? Sind sie künftig noch viel stärker Anlaufpunkt für Patienten mit gesundheitlich Grundsatzfragen und einer „Basisberatung“, für die in überlasteten Arztpraxen schon lange keine Zeit mehr ist? Dies setzt – insbesondere im niedergelassenen Sektor – ein Umdenken im Verhältnis zwischen Ärzte- und Apothekerschaft voraus. Voraussetzung ist allerdings auch ein signifikanter Fortschritt bei der Digitalisierung sowie eine Neujustierung des Datenschutzes, der kein Selbstzweck ist, sondern sich in den Dienst der Gesundheit stellen muss und damit den erforderlichen Datenaustausch und Datennutzung ermöglicht. Auch die Finanzierunggrundlage muss weiterentwickelt werden.

Jochen A. Werner
Kapitel 35. Apotheken als Gamechanger in der Therapietreue
Ein gewinnendes Modell für Patienten, Apotheken, Ärzte, Krankenkassen und die Gesellschaft

Die Rolle der Apotheke vor Ort wird im Gesundheitswesen weitgehend unterschätzt. Sie ist mehr als eine hochqualifizierte Ausgabestelle für Medikamente, die der Arzt verschrieben hat. Sie ist in vielen Fällen die erste Anlaufstelle für Fragen rund um die Gesundheit – ganz ohne Termin konsultierbar, vertraut, verfügbar, qualifiziert, professionell und außerdem kostenfrei. Und dennoch kämpfen viele Apotheken ums Überleben: Kostendruck, Fachkräftemangel, Medikamentenengpässe und Digitalisierung – vom E-Rezept bis zur Online-Apotheke – sind die wichtigsten Ursachen. Die Lösung für die Zukunft der Apotheke vor Ort ist, sich in der Wahrnehmung vom Commodity Retailer zum umfassend anerkannten Gesundheitsdienstleister zu entwickeln. Eine wesentliche und noch meist unbeachtete Rolle dabei kann die wahrscheinlich größte und weithin ignorierte Volkskrankheit spielen: die Non-Adhärenz. Denn je nach Krankheit werden bis zu 50 % der Medikamente von Patientinnen und Patienten nicht richtig eingenommen oder angewendet. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Schäden hoch – für die Patientinnen und Patienten sowie das Gesundheitssystem, das zwischen zehn und 50 Mrd. Euro zusätzlicher Kosten jährlich aufbringen muss. Hier könnten die Apotheken vor Ort zum Gamechanger in der Therapietreue werden und selbst signifikant dabei profitieren.

Thomas Hofmann
Kapitel 36. Digitale Transformation im Apothekenwesen: Potenziale und Herausforderungen für die pharmazeutische Versorgung

Dieser Artikel untersucht die zukünftige Entwicklung von Apotheken in Deutschland, einschließlich der potenziellen Auswirkungen der Digitalisierung. Es diskutiert die sich ändernde Anzahl von Apotheken, ihre Rolle bei der Integration mit Gesundheitsplattformen, ihre kritische Position im Gesundheitssystem und das Potenzial für Zusammenarbeit mit schnellen Lieferdiensten. Der Artikel erforscht, wie demografische Veränderungen, regulatorische Entscheidungen und technologische Fortschritte die Apothekenlandschaft beeinflussen werden. Trotz des Aufkommens digitaler Konkurrenz bleibt die Rolle traditioneller Apotheken im Gesundheitssystem unerlässlich. Durch die Integration in Gesundheitsplattformen, Bereitstellung von Telemedizin-Dienstleistungen und Angebot von personalisierten Medikamentenplänen können Apotheken sich an die digitale Ära anpassen und ihre Rolle als wichtiger Gesundheitsdienstleister stärken. Darüber hinaus kann die Integration von Apothekerinnen und Apothekern in Gesundheitsplattformen die Patientenergebnisse verbessern, Medikationsfehler reduzieren und die Zusammenarbeit zwischen Patientinnen und Patienten und Ärztinnen und Ärzten verbessern. Letztendlich hängt die Zukunft der Apotheken in Deutschland von ihrer Fähigkeit ab, ihre Dienstleistungen zu diversifizieren, digitale Innovationen zu akzeptieren und sich an den sich verändernden Markt anzupassen.

Hagen Sexauer
Kapitel 37. Die Zukunft der Apotheke – ein Blick zurück nach vorn

Der Blick auf die sinkende Zahl von Apotheken in Deutschland könnte zu dem Schluss verleiten, dass die Apotheke vor Ort ein Auslaufmodell ist. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Sie ist ein Arbeitsplatz mit Zukunft und ihre Bedeutung wird zunehmen, nicht obwohl, sondern gerade weil das Gesundheitssystem digitaler wird. Denn das Gesundheitssystem wird ohne Digitalisierung schon sehr bald nicht mehr finanzierbar sein und MUSS deshalb schnelle Fortschritte im Digitalen machen. Gleichzeitig gibt es Millionen von Menschen, die mit den Möglichkeiten digital unterstützter Therapien und digital gestützter Gesundheitsfürsorge überfordert sind. Genau hier wird die Apotheke vor Ort als wichtiger Mittler fungieren und die Möglichkeiten eines digitalisierten Gesundheitswesens allen Menschen zugänglich machen. Während der Corona-Pandemie haben die Apotheken gezeigt, wie agil und kompetent sie unter anderem mit Digitalisierung, Versorgungslücken, Impfungen oder Arzneimittelengpässen zum Wohle der Patientinnen und Patienten umgehen können – Politik und Gesellschaft sind gut beraten, dieses außergewöhnliche Infrastrukturnetz unserer Apotheken vor Ort auszubauen und zu stärken. Es geht schließlich um die Gesundheit von uns allen.

Andreas Arntzen
Kapitel 38. Einfach in die Zukunft: Die Apotheke auf dem Weg zum modernen Einzelhandel

Tante Emma lebt! Dieses scheinbar überholte Konzept lebt noch in vielen Apotheken, bringt jedoch mehr für die Zukunft mit, als oft angenommen wird. Im Wettbewerb um anspruchsvoller werdende Kundinnen und Kunden muss die Apotheke nicht nur als heilberufliche Institution, sondern auch als Einzelhandel ihren Weg gehen. Dabei ist durch den juristische Versorgungs- und Beratungsauftrag die Apotheke zu einem besonderen Einzelhandel gestaltet. So kann sie in vielen Bereichen auf traditionsreiche, bewährte und erfolgreiche Konzepte zurückgreifen, muss diese allerdings oft neu interpretieren und optimieren. Das Prinzip Einfach bietet hier eine Möglichkeit der Steigerung von Effizienz und Effektivität in einer menschlichen Gesundheitsversorgung, Sortimentsgestaltung, Logistik und Mitarbeitermotivation. Damit kann die Apotheke mit Traditionen und dem Charme von Tante Emma einfach als Emmas Enkelkind erfolgreich in die digitale Zukunft gehen.

Andreas Kinzel
Metadaten
Titel
Apotheke der Zukunft
herausgegeben von
David Matusiewicz
Copyright-Jahr
2024
Electronic ISBN
978-3-658-42960-7
Print ISBN
978-3-658-42959-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-42960-7

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