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11.10.2017 | App-Entwicklung | Im Fokus | Onlineartikel

Gefährliche Ablenkung durch moderne Infotainmentsysteme

Autor:
Andreas Burkert

Usability scheint keine Paradedisziplin der Automobilbranche zu sein. Wie sonst sind Ablenkungszeiten von bis zu 48 Sekunden beim Bedienen verschiedener Funktionen im Auto während der Fahrt zu erklären?

Die Folgen der Hyper-Digitalität bekommt der Fahrer moderner Automobile wohl kaum mehr mit. Etwa, wenn ihm beim Bedienen der zahlreichen multimedialen Systeme im Automobil zunehmend die Kontrolle entgleitet. So kann es unter Umständen bis zu 48 Sekunden dauern, bis er das Navigationssystem nach seinen Vorstellungen eingestellt hat. "Unverantwortlich lang", beschreibt es der Report Riskantes multimediales Verwirrspiel aus der ATZ 5/2017. Um nämlich auch im Rennen mit den großen IT-Unternehmen mitzuhalten, sehen sich Automobilhersteller gezwungen, immer mehr Services im Personenwagen anzubieten. 

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Usability-Engineering

Um Gebrauchstauglichkeit und Benutzererlebnis auch im interkulturellen Kontext zu erlangen, sind neben den kulturellen Einflüssen auf die Usability auch die kulturellen Einflüsse auf das Usabilityengineering zu untersuchen.

Dabei mag die einzelne, losgelöste Interaktion noch sicher sein, doch die Kombination aus Hunderten Funktionen treibt die Komplexität drastisch in die Höhe. Das System wird kompliziert, lenkt zu sehr ab und ist nach Ansicht von Alexander Meschtscherjakov mitunter "äußerst gefährlich". Meschtscherjakov ist Assistenzprofessor an der Universität Salzburg am Center for Human-Computer Interaction und leitet dort das Car Interaction Lab. Und er kennt die Versuchungen der Autofahrer, länger als es der gesunde Menschenverstand erlaubt, auf den Bordcomputer zu schauen.

Ablenkungszeiten überaus beunruhigend

Meschtscherjakov hat mit seinem Team zwischen 2011 und 2016 die Ergebnisse von vier HMI-Vergleichsstudien analysiert, die im Rahmen des Christian-Doppler-Labors (CDL) "Contextual Interfaces" in Kooperation mit der Firma Audio Mobil in Ranshofen, Österreich, durchgeführt wurden. Die dort ermittelten Ablenkungszeiten beim Bedienen verschiedener Funktionen während der Fahrt auf einer definierten Teststrecke sind dabei überaus beunruhigend.

Und nun mahnt auch die AAA Foundation for Traffic Safety vor den fatalen Folgen einer multimedialen Aufrüstung im Automobil. Die US-amerikanische Stiftung, die sich der Rettung von Menschenleben durch Verkehrssicherheitsforschung und -erziehung widmet, kommt in ihrer Untersuchung zu der Erkenntnis, dass das Bedienen eines Infosystems immer die Aufmerksamkeit des Fahrers weg von der Straße lenkt. Es ist schlussendlich nur eine Frage der Dauer. Und die beträgt etwa beim Programmieren des Navigationssystems durchschnittlich 40 Sekunden.

Tödlicher Blindflug bei der Zieleingabe

Die Analysten der AAA-Studie, die der Redaktion vorliegt, haben an 30 aktuellen Fahrzeugmodellen die visuellen (eyes-off-road) und kognitiven (mental) Herausforderungen untersucht. Die Studienteilnehmer mussten dazu unter anderem die Sprachsteuerung, den berührungsempfindlichen Bildschirm und andere interaktive Funktionen bedienen. Dazu gehörte – während einer Straßenfahrt – das Anrufen, eine Textnachricht verschicken oder aber das Radioprogramm ändern oder das Eingeben eines Navigationsziels.

Dabei konnte keines der 30 Fahrzeug-Infotainmentsysteme überzeugen. Zwar lenkten nur einige wenig ab, aber 23 Systeme beanspruchten die Fahrer überdurchschnittlich und lenkten ihn massiv – sowohl visuell als auch mental – von seiner eigentlichen Aufgabe ab. Die maximalen 48 Sekunden sind dabei unverantwortlich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bereits eine Zeitspanne von nur zwei Sekunden, in der man die Augen von der Straße nimmt, das Risiko für einen Unfall verdoppelt.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.05.2017 | Im Fokus | Ausgabe 5/2017

Riskantes multimediales Verwirrspiel

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Usability-Engineering

Quelle:
Interkulturelles User Interface Design

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