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Über dieses Buch

Managementforschung ist eine doppelt-blind begutachtete Zeitschrift und veröffentlicht einmal im Jahr neueste Forschungsergebnisse und Entwicklungstrends.

Band 24 (2014) befasst sich mit dem Thema Arbeit – eine Neubestimmung und enthält die folgenden Beiträge:

Arbeit als Tätigkeit – Kopfarbeit in der modernen Arbeitswelt – Konfiguration von new employment relationships – Personalabbaupläne und der Verlust von Humankapital – Tools in der Management- und Beratungsarbeit – Netzwerkförmige Tertialisierung und triangularisierte Beschäftigung – Promotorenarbeit von Managern staatlich geförderter Netzwerke – Kontroverse: Interaktive Arbeit im Dienstleistungsbereich.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Arbeit als Tätigkeit: Ein Plädoyer zur tätigkeitstheoretischen Konzeptualisierung von ‚Arbeit‘

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag stellt die Bedeutung von ‚Arbeit‘ als Konstrukt in der Organisationswissenschaft heraus und fragt zugleich nach der ‚unit of analysis‘ ihrer Erforschung. Arbeit wird als ein komplexes Phänomen charakterisiert, welches sowohl für die Gesellschaft als auch für den Menschen eine herausragende Bedeutung hat. Die Organisation ist hierbei die vermittelnde Instanz zwischen den arbeitenden Individuen und der gesellschaftlichen Praxis von Arbeit. Um die konstituierenden Merkmale von Arbeit integrativ betrachten zu können, wird vorgeschlagen, ‚Arbeit‘ aus Perspektive der kultur-historischen Tätigkeitstheorie zu betrachten. Mit den Konzepten des kultur-historisch vermittelten Handelns, der Makrostruktur der Tätigkeit sowie dem Tätigkeitssystem werden Werkzeuge zur situierten Beschreibung der Arbeitstätigkeit bereitgestellt. Zentrale Rolle spielt hierbei das Objekt der Tätigkeit, über welches die individuelle, organisationale und gesellschaftliche Facette von Arbeit gefasst werden kann. Im Beitrag wird ein tätigkeitstheoretischer Bezugsrahmen zur Analyse von Arbeit aufgespannt und dessen Anwendung an einem Fallunternehmen exemplarisch gezeigt. Darauf aufbauend werden Implikationen für die Organisationsforschung diskutiert. Diese beziehen sich auf die Analyseeinheit von Arbeit und heben dabei die Ebenen übergreifende Bedeutung sowie den kollektiven und grenzüberschreitenden Charakter von Arbeit hervor.
Silke Geithner

Kopfarbeit in der modernen Arbeitswelt: Auf dem Weg zu einer „Industrialisierung neuen Typs“

Zusammenfassung
Bei der Frage nach den aktuellen Entwicklungen in der Arbeit kommt man heute an Kopfarbeit nicht mehr vorbei. Gerade hier findet gegenwärtig ein sehr grundlegender Umbruch statt: Neue Formen der Standardisierung und Prozessorientierung halten Einzug selbst in jene Bereiche der Kopfarbeit, die sich durch einen hohen Anteil kreativer Arbeit auszeichnen. Der Beitrag nimmt diese Veränderungen aus einer arbeitssoziologischen Perspektive in den Blick. Auf der Grundlage umfangreichen empirischen Materials aus verschiedenen Bereichen (hoch-)qualifizierter Beschäftigung sowie eines innovativen theoretisch-konzeptionellen Ansatzes, der – quer zum traditionellen Taylor’schen Verständnis – eine Reformulierung des Industrialisierungsbegriffs vornimmt, wird die These vertreten, dass sich gegenwärtig eine Industrialisierung neuen Typs herausbildet. Diese basiert auf einer neuen Qualität der Informatisierung von Arbeit und adressiert insbesondere die Kopfarbeit. Die Konsequenzen dieses Wandels werden exemplarisch am Beispiel der Verknüpfung agiler Methoden mit der Lean Production in der Software-Entwicklung diskutiert.
Andreas Boes, Tobias Kämpf, Thomas Lühr, Kira Marrs

Konfigurationen von new employment relationships – Zur (In-)Stabilität von Arbeitsbeziehungen mit hochqualifizierten Arbeitskräften

Zusammenfassung
In unserem Beitrag schließen wir an den Diskurs zu new employment relationships an und arbeiten Uneindeutigkeiten in der Konstruktbeschreibung heraus. Unser Ziel ist es, Konfigurationen von new employment relationships hinsichtlich ihrer Merkmalsausprägungen zu spezifizieren. Wir stützen uns auf Ergebnisse einer qualitativen empirischen Befragung von Arbeitskräften und Arbeit- bzw. Auftraggebern aus wissensintensiven Beschäftigungsfeldern mit Flexibilisierungstendenzen in der Arbeitsvertragsgestaltung. Es lassen sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebertypen identifizieren, die zu Konfigurationen von new employment relationships verdichtet werden. Dabei können drei Tauschbeziehungen unterschieden und nach ihren Merkmalsausprägungen auf einem Kontinuum verortet werden. Wir kennzeichnen diese als kurzfristige, wiederkehrende und langfristige Tauschbeziehung, deren Stabilität wir über das Maß der Reziprozität bestimmen. Als Ergebnis halten wir fest, dass die Konfiguration der wiederkehrenden Tauschbeziehung über einen Äquivalententausch hinausgehen kann und sich als stabiles wechselseitig akzeptiertes Muster der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitskräften offenbart.
Uta Wilkens, Caroline Ruiner

Motive für große Personalabbaupläne, der Verlust von Humankapital und Börsenreaktionen – Eine Analyse der globalen Luftfahrtindustrie

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung legt ihren Fokus auf ein besonders kritisch diskutiertes Spannungsfeld zwischen Personalmanagement und den internationalen Kapitalmärkten. Mithilfe der Ereignisstudienmethodik werden die Auswirkungen von Entlassungsankündigungen auf den Vermögenswert von global agierenden Fluggesellschaften analysiert. Für den Zeitraum 2003 bis 2012 wurden 84 Entlassungsankündigungen von 22 Fluggesellschaften ausgewertet. Hierbei zeigt sich, dass eine Pauschalisierung der Kursreaktionen nicht möglich ist, sondern vielmehr die spezifischen Motive und die Ausgestaltung des Personalabbaus von Relevanz sind. Angekündigte Massenentlassungen steigern nicht per se immer, wie häufig unterstellt, sondern nur in einem spezifischen Kontext den Börsenwert der Arbeitgeber. Insbesondere wirken sich proaktive Maßnahmen, die im Rahmen einer Restrukturierung umgesetzt werden, positiv auf den Shareholder-Value aus.
Robert Fraunhoffer, Mark Mietzner, Dirk Schiereck, Yann Schneider

Tools re-visited: Wie der materialisierte Aufforderungscharakter von Tools Managementund Beratungsarbeit beeinflusst

Zusammenfassung
Tools sind im Arbeitsalltag von Managern und Beratern omnipräsent, weshalb die Frage virulent wird, wie sie Management- bzw. Beratungsarbeit beeinflussen. Bisherige Studien fassen Tools meist als neutrale und passive Objekte auf, die Akteure instrumentell einsetzen. Dabei geraten die Wirkungen der Materialität von Tools aus dem Blickfeld, insbesondere jene, die über ihre Funktionalität hinausgehen. Dieser Beitrag entwirft eine neue Perspektive auf den ‚be-dingten‘ Arbeitsalltag, die den Aufforderungscharakter (affordances) von Dingen berücksichtigt und Tools als materialisierte Handlungs- und Erlebnisaufforderungen begreift. Materielles wird somit nicht nur als ermöglichender oder beschränkender Bestandteil sozialer Praktiken betrachtet, sondern die Wirkkraft der Materialität von Tools auf Form und Inhalt von Arbeit wird ersichtlich. Zudem wird gezeigt, dass Studien, die in Tools eine ‚moderne Logik des Organisierens‘ verkörpert sehen, Aspekte ausblenden, die Teil der durch Tools erwirkten (Zweck-)Rationalität sind und dennoch über sie hinausgehen: Tools fordern zu ästhetischen und emotionalen Erlebnissen, zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit und zur Verteilung statt Konzentration von Kontrollmöglichkeiten auf.
Christian Gärtner

Netzwerkförmige Tertialisierung und triangularisierte Beschäftigung: Braucht es eine interorganisationale Personalpolitik?

Zusammenfassung
Dieser Beitrag stellt die Frage, ob die Personalforschung zur Theorieentwicklung und anwendungsorientierten Forschung weiterhin überwiegend auf das klassische bilaterale Arbeitsverhältnis setzen soll. Aus einer Zusammenschau der Literatur wird die These entwickelt, dass eine netzwerkförmige Tertialisierung der Wertschöpfung die Ausbreitung triangularisierter Beschäftigung begünstigt. Hieraus ergeben sich erhebliche Herausforderungen für die Personalforschung, gleichgültig ob nun aus ökonomischer, institutionell-politischer oder verhaltenstheoretischer Sichtweise. Triangularisierte Beschäftigung betrifft nicht nur einzelne Funktionen der Personalpolitik, sondern rührt auch an die institutionelle Rahmung der Personalpolitik. Aufbauend auf einer Typologie triangularisierter Beschäftigung, die von der Art der Geschäftsbeziehungen und den Kompetenz- und Qualifikationsprofilen der Arbeitskräfte ausgeht, werden Möglichkeiten skizziert, wie die Managementforschung eine interorganisationale Personalpolitik theoretisch und empirisch bearbeiten kann.
Markus Helfen

Promotorenarbeit von Managern staatlich geförderter Netzwerke kleiner und mittlerer Unternehmen – Wirkungen auf die Qualität und Quantität von Innovationen

Zusammenfassung
Wir untersuchten das Management von Netzwerken kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), deren Teilnehmer zum Zweck gemeinsamer Innovationsleistungen kooperieren. Mit Fokus auf die effektiven Managementfunktionen, die nach dem aus der Witte-Schule stammenden Promotorenmodell operationalisiert wurden, erörterten wir in einer qualitativen Vorstudie (n=23) zunächst, welche Steuerungsinhalte Netzwerkteilnehmer an Netzwerkmanager adressieren. Um das jeweilige Netzwerkmanagement als situativen Wirkfaktor auf den Innovationserfolg eines Netzwerks herauszustellen, untersuchten wir in der Hauptstudie (n=893) mittels hierarchischer Modellierung, welche der Steuerungsinhalte auf die Qualität respektive Quantität von Innovationen wirken. Weiterhin untersuchten wir die Relevanz des Kontextfaktors ‚Zeit‘ bzw. Netzwerkphase im Verhältnis zur individuellen Managementwahrnehmung. Das Ergebnis dieser Studie zeigt, dass Netzwerkmanager als Fach- und Beziehungspromotoren einen positiven Effekt auf Innovationsqualität haben, während sie als Machtpromotoren Innovationsquantität befördern. Innovationsqualitöt nimmt im Lauf der Zusammenarbeit ab; ein Netzwerkmanagement als Beziehungspromotor vermag diesem Trend in späteren Phasen des Netzwerks jedoch entgegenzuwirken.
Julia Ringwelski, Jan Kratzer

Interaktive Arbeit: Die soziale Dimension von Dienstleistungsarbeit

Zusammenfassung
Dienstleistungsarbeit zeichnet sich durch eine besondere Anforderung aus: Dienstleister und Kunden müssen zusammenarbeiten, um das Dienstleistungsergebnis erstellen zu können. Eine solche Zusammenarbeit ergibt sich nicht von selbst. Um eine Kooperationsbeziehung herzustellen, muss interaktive Arbeit geleistet werden. Denn in Dienstleistungsbeziehungen fallen Abstimmungsprobleme an, die von Dienstleistern und Kunden gemeinsam und in der Dienstleistungssituation selbst bearbeitet werden müssen. Für die Analyse interaktiver Arbeit wird eine Heuristik herangezogen, mit der sich diese Abstimmungsprobleme und die entsprechenden Abstimmungsmechanismen erfassen lassen.
Wenn Dienstleistungen von Unternehmen oder Organisationen angeboten werden, ist die interaktive Arbeit in entsprechende Rahmenbedingungen eingebettet und unterliegt spezifischen Rationalisierungstrends von Dienstleistung; allerdings entzieht sich das, was in der interaktiven Arbeit tatsächlich geschieht, der betrieblichen Steuerung. Am Beispiel von Hoteldienstleistungen wird in diesem Beitrag das Zusammenspiel betrieblicher und interaktiver Abstimmungsmechanismen empirisch nachgezeichnet. Anschließend wird eine Systematisierung der sozialen Abstimmungsmechanismen unter Rekurs auf verschiedene Dienstleistungsbranchen vorgeschlagen – auf der Ebene der Betriebe und auf der Ebene der Dienstleistungsbeziehung selbst: Es geht dabei um Verständigung, Vertrauen und Verhandlungen, aber auch um Kontrolle und Konfrontation. Am Ende wird die These aufgestellt, dass Dienstleistungsbeziehungen Labore des Sozialen sind: In Dienstleistungsbeziehungen werden elementare Mechanismen sozialen Zusammenlebens generiert und etabliert. Welche Mechanismen dort eingeübt werden, ist von Bedeutung für die ganze Gesellschaft.
Wolfgang Dunkel, Margit Weihrich

„Labore des Sozialen“ – Verheißung oder Drohung oder …?

Anmerkungen zum Beitrag von Dunkel/Weihrich „Interaktive Arbeit: die soziale Dimension von Dienstleistungsarbeit“
Zusammenfassung
Den expliziten Ziel- und Fluchtpunkt des Beitrags von Dunkel und Weihrich (2014) bildet die These „dass Dienstleistungsbeziehungen Labore des Sozialen sind“ und in ihnen „elementare Mechanismen sozialen Zusammenlebens generiert und etabliert (werden)“, die „von Bedeutung für die ganze Gesellschaft sind“ (S. 245). Das klingt nach einer großen These, erhebt einen hohen Anspruch und lässt Aufmerksamkeit erwarten. Aber um welches Soziale geht es? Und ist interaktive Arbeit tatsächlich, wie der Titel suggeriert „die soziale Dimension von Dienstleistungsarbeit“ sans phrase? Autorin und Autor (im Weiteren immer Autoren) behaupten es, wenn sie die sozialen Abstimmungsprobleme und – mechanismen zum „Kern der Dienstleistungsbeziehung“ erklären und konstatieren, dass Dienstleister und Kunde bei ihrer Tauschbeziehung „soziale Abstimmungsmechanismen jenseits des Markttausches … etablieren“.
Martin Baethge

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