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Über dieses Buch

Ein zentrales Problem für jede Erwerbsorganisation ist die Transformation von Arbeitskraft in Arbeit; schließlich ist durch den Abschluss eines Arbeitsvertrages allein noch keineswegs sichergestellt, dass Arbeitnehmer auch wie gewünscht arbeiten. Lange Zeit wurde versucht, dieses Problem durch engmaschige Kontrollen zu lösen, doch mittlerweile macht sich die Auffassung breit, dass es ein effizienterer Weg ist, die Arbeitnehmer selbst verantwortlich zu machen für ihre Arbeitsleistung. Dahinter verbirgt sich eine Leitlinie, die typisch ist für die moderne Gesellschaft: im Finanzmarkt-Kapitalismus zählt nur, was sich am Markt bewährt. In diesem Buch wird einführend gezeigt, welche Auswirkungen dies auf die Arbeit in Industrie und Dienstleistungen hat, und es wird der Frage nachgegangen, welche Risiken, aber auch welche Chancen mit diesen neuen Leitlinien verbunden sind.
Der InhaltFinanzmarkt-Kapitalismus und Vermarktlichung ● Die Transformation von Arbeitskraft in Arbeit ● Dezentralisierung ● Entgrenzungen ● Subjektivierung der Arbeit ● Der Arbeitskraftunternehmer ● Arbeitsmarkt, Ausbildung und Weiterbildung ● Dienstleistungsarbeit ● Management und Karriere ● Neue Aufgaben der betrieblichen Interessenvertretung
Der AutorProfessor Dr. Heiner Minssen hatte den Lehrstuhl für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung am Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum inne.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Es ist noch gar nicht so lange her, dass mit der Behauptung, der Arbeitsgesellschaft ginge die Arbeit aus (Dahrendorf 1983), generell die Bedeutung von Arbeit bestritten wurde. Zwar kann nicht mehr umstandslos von der modernen Gesellschaft als Arbeitsgesellschaft gesprochen werden, also einer Gesellschaft, die auf Massenproduktion und -konsumption beruhte und flankiert wurde durch soziale Sicherungssysteme, lebenslange Anstellung bei einem Arbeitgeber und einer weitgehenden Vollbeschäftigung. Diese Gesellschaftsformation, in der Arbeits- und Industriesoziologie manchmal auch als Fordismus bezeichnet, ist seit den 1980er-Jahren aus einer Reihe von Gründen, auf die noch eingegangen wird, an ihr Ende gekommen.
Heiner Minssen

Kapitel 2. Finanzmarkt-Kapitalismus und Vermarktlichung

Zusammenfassung
Es gibt , wie eingangs erwähnt, viele Angebote, wie die moderne Gesellschaft bezeichnet werden kann. In der Arbeits- und Industriesoziologie wird besonders gern die Bezeichnung ‚Post-Fordismus ‘ genommen. Vergleichsmaßstab ist damit der Fordismus, der das bis in die 1980er-Jahre in Deutschland vorherrschende Produktionsmodell darstellte. Er basierte auf stark standardisierter Massenproduktion , die Massenkaufkraft voraussetzte; dazu waren relativ hohe Löhne erforderlich, wie schon Henry Ford erkannte, der diesem Produktionsmodell seinen Namen gab.
Heiner Minssen

Kapitel 3. Die Transformation von Arbeitskraft in Arbeit

Zusammenfassung
Ausgangspunkt aller Analyse von (Erwerbs-)Arbeit ist die Transformationsproblematik . Damit ist die Transformation von Arbeitskraft in Arbeit gemeint. In den Betrieben muss die Differenz zwischen Arbeitskraft und Arbeit bewältigt werden, das heißt die Differenz zwischen der Fähigkeit zu arbeiten und der Entäußerung dieser Fähigkeit, also tatsächlicher Arbeit; schließlich bedeutet die Fähigkeit zu arbeiten keineswegs, dass auch wie gewünscht gearbeitet wird.
Heiner Minssen

Kapitel 4. Dezentralisierung

Zusammenfassung
Seit den 1990er-Jahren haben in den Unternehmen (nicht nur) in Deutschland umfangreiche Reorganisationsprozesse stattgefunden. In diesen Veränderungsprozessen haben sich in zunehmendem Maße die Leitlinien herauskristallisiert, die oben als charakteristisch für den Finanzmarkt-Kapitalismus analysiert wurden und unter dem Oberbegriff ‚Vermarktlichung ‘ rubriziert werden können. Dazu dienten vor allem Prozesse der Dezentralisierung , die in diesem Kapitel ausführlicher beschrieben werden sollen.
Heiner Minssen

Kapitel 5. Entgrenzungen

Zusammenfassung
Als organisatorisches Phänomen führt Vermarktlichung im Rahmen von Dezentralisierung dazu, dass ehemals klare Grenzen undeutlich geworden sind. Die organisatorischen Grenzen von Unternehmen werden unschärfer, wenn sie sich zu Netzwerken wandeln, die durch marktliche Beziehungen verbunden sind. Ebenso verwischen sich die durch die vertikalen und horizontalen Trennlinien gezogenen Grenzen innerhalb von Betrieben sowie letztlich sogar die Grenzen zwischen Arbeit und Leben. Diese Prozesse werden in der Arbeits- und Industriesoziologie als Entgrenzung bezeichnet (ausführlich Kratzer 2017; Sauer 2005a) – eine Metapher, mit der Veränderungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen charakterisiert werden sollen und die es ermöglicht, solche Prozesse auf den unterschiedlichsten Dimensionen zu untersuchen. Entgrenzung wird „meist nur negativ definiert“, nämlich in Abgrenzung zum Fordismus mit seinen relativ klaren Betriebsgrenzen, der Grenze zwischen Arbeit und Leben und der durch die Berufe gezogenen Grenzen.
Heiner Minssen

Kapitel 6. Subjektivierung der Arbeit

Zusammenfassung
Prozesse der Vermarktlichung und, damit einhergehend, der Entgrenzung finden nicht nur auf Unternehmensebene und auf der Grenzlinie zwischen Arbeit und Leben statt, sondern sie betreffen auch die vertikalen und horizontalen Grenzen innerhalb von Betrieben. Hier ziehen sie „eine weitgehend enthierarchisierte Struktur der Anweisung und Kontrolle , verbunden mit Formen erweiterter Selbstorganisation und Arbeitsautonomie auf der ausführenden Ebene“ nach sich. Wir wollen uns nun den Folgen dieser auf Vermarktlichung beruhenden Prozesse der Entgrenzung für die Subjekte zuwenden.
Heiner Minssen

Kapitel 7. Der Arbeitskraftunternehmer

Zusammenfassung
Sowohl im Fertigungssektor wie auch im Dienstleistungssektor zeigen sich veränderte Strategien des Arbeitskrafteinsatzes. Dies, so eine im letzten Jahrzehnt viel diskutierte These, verändert den Charakter von Arbeitskraft; sie wandelt sich vom verberuflichten Arbeitnehmer zum Arbeitskraftunternehmer , zum Unternehmer, der die eigene Arbeitskraft vermarktet. In diesem Arbeitskrafttypus kulminieren die Prozesse von Entgrenzung und Subjektivierung ; in ihm verkörpert sich in besonderer Weise das normative Leitbild der Vermarktlichung .
Heiner Minssen

Kapitel 8. Arbeitsmarkt, Ausbildung und Weiterbildung

Zusammenfassung
Der Arbeitsmarkt ist ein besonderer Markt. Er unterscheidet sich von Gütermärkten durch die Ware, deren Preis sich nicht allein nach Nachfrage und Angebot regeln kann. Denn die Ware (Arbeitskraft) ist nicht von der Person des Anbieters zu trennen, der auf den Verkauf angewiesen ist, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihm steht mit dem Kapital ein Nachfrager gegenüber, der durch hohe Mobilität gekennzeichnet ist, sodass der Arbeitsmarkt sich im Unterschied zu Gütermärkten durch eine „strukturelle Machtasymmetrie zwischen Nachfrage und Angebot“ auszeichnet.
Heiner Minssen

Kapitel 9. Dienstleistungsarbeit

Zusammenfassung
Auch wenn die Charakterisierung der modernen Gesellschaft als „Dienstleistungsgesellschaft “ Fragen aufwirft, ist doch unstrittig, dass im tertiären Sektor mittlerweile mehr Menschen beschäftigt sind als im primären und sekundären Sektor zusammen. Wenn zudem statt einer sektoralen Betrachtungsweise, also der Analyse der Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen, eine funktionale Betrachtung angelegt wird, also eine Analyse der Beschäftigungsstruktur nach Berufs- und Tätigkeitsgruppen vorgenommen wird und auf diese Weise produktionsnahe Dienstleistungen wie Forschung, Entwicklung, Verwaltung etc. auch in Betrieben des sekundären Sektors berücksichtigt werden, dann stellt der Umfang von Dienstleistungsarbeit sich noch größer dar als der in der Statistik ausgewiesene Dienstleistungssektor; fast zwei Drittel aller Arbeitnehmer und nahezu vier von fünf Unternehmen waren 2014 mit der Produktion von Dienstleistungen beschäftigt. Der Dienstleistungssektor hat sich zum größten Beschäftigungsreservoir und am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereich in Deutschland entwickelt.
Heiner Minssen

Kapitel 10. Management und Karriere

Zusammenfassung
Durch die beschriebenen Veränderungen haben sich die Arbeitsbedingungen und die Aufgaben einer Beschäftigtengruppe fundamental geändert, die gemeinhin als ‚Manager ‘ bezeichnet werden. Von diesen wird zwar häufig geredet, bei genauerem Hinsehen ist aber gar nicht mehr so klar, wer eigentlich dazu zu zählen ist. Das fängt schon an bei den Attributen, die ihnen zugewiesen werden.
Heiner Minssen

Kapitel 11. Neue Aufgaben der betrieblichen Interessenvertretung

Zusammenfassung
Das deutsche System der Interessenvertretung mit seiner Dualität von Tarifautonomie und gewerkschaftlicher Mitbestimmung auf der einen Seiten und Betriebsverfassung und betrieblicher Interessenvertretung auf der anderen Seite wird als wichtiger Vorzug des Rheinischen Kapitalismus diskutiert. Müller-Jentsch (1999) prägte für diese spezifisch deutsche Art der industriellen Beziehungen die Bezeichnung „Konfliktpartnerschaft“; darunter wird ein institutionelles Arrangement der Interessenregulation verstanden, in dem gegensätzliche Interessen sowohl konflikthaft als auch kooperativ verhandelt und in Vereinbarungen fixiert werden. Dies stellt zugleich eine Abgrenzung zu dem in der öffentlichen Diskussion häufig verwandten Begriff der Sozialpartnerschaft dar, mit dem „auf die – bei aller Kooperation – weiterhin bestehenden, im Arbeitsverhältnis begründeten Interessengegensätze und -konflikte“ hingewiesen werden soll.
Heiner Minssen

Kapitel 12. Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Vermarktlichung ist zur Leitmetapher für die Organisation von Arbeit im Finanzmarkt-Kapitalismus geworden – dies kann als Resümee aus den Befunden der sozialwissenschaftlichen Arbeitsforschung gezogen werden. Die Unternehmensprozesse werden am Markt ausgerichtet, marktliche Elemente werden zur unternehmensinternen Steuerung genutzt.
Heiner Minssen

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